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Central-Verein-Zeitung · 1930-04-11 · 15 (11.4.1930) · p. Seite 188

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
15 (11.4.1930)
Date
1930-04-11
Page
Seite 188 (sequence 4)
Language
German
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m MFRAN Continental-Hotel * **-^*'Aml^ModernstesFamilienhausI.Ranges m.letztem Komfort. An der Promenade. Mässige Preise kurzen Aussprache wurden noch einige Unklarheiten aufgeklärt. Versammlung und Aussprache wurden von dem Vorsitzenden unserer Ortsgruppe Wanne-Eickel, Dr. Walter K r o n h e i m, geleitet. Ueber die Versammlung haben sämtliche fünf Lokalzeitungen berichtet. Besonders ausführlich gingen die „Volksz eitung" (Zentrum), die „Wanne-Eickeler Zeitung" (D. Vp.) und der überparteiliche „Lokal-Anzeiger" auf die Ausführungen Professor Kinkels ein. Tie Volksparteiliche „W anne-Eickeler Zeitung" schließt mit den Worten: „Hoffentlich hat die Versammlung dazu beigetragen, wirkliche oder vermeintliche Gegensätze zu beseitigen. Soweit das nicht der Fall sein sollte, halten wir diesen Weg der ruhigen und sachlichen Aussprache für die einzige Möglichkeit zu gegenseitigem Sich-Verstehen zu gelangen. Nur ,Wer keinen Geist in sich hat, bedient sich der Mittel der Gewalt'". Frankreich mb der Drepfus-prozeß. Seöeutungsvolle Aufsätze -er pariser Presse. Die Vorträge Dr. Bruno Weils, Mitglied des Hauptvorstandes des Centralvereins, über den Dreyfus-Prozeß haben in Paris das größte Aufsehen erregt. Immer wieder zeigt sich, daß auch heute noch, 35 Jahre nach dem Prozesse, alles, was die gewaltige Auseinandersetzung seinerzeit zwischen der Republik und ihren Gegnern anlangt, ausnahmebereite Gemüter findet, ja daß sogar die Gegner von einst noch nicht die letzte Waffe abgelegt haben. Die Kreise der antisemitischen Action fran^aise wittern immer noch in Dreysus den Spion im Dienste Deutschlands und machen mit üblichen, deshalb nicht minder üblen Schlagworten „das internationale Judentum" für ihn verantwortlich. Anderseits liegen die Schatten des Dreysus-Prozesses auch noch über den deutsch-französischen Beziehungen; denn selbst versöhnungsbereite Franzosen können den Deutschen ihre angeblich so hinterhältige Rolle in dieser Angelegenheit nicht vergessen. Unter diesen Gesichtspunkten ist den aufklärenden Vorträgen Dr. Bruno Weils und seinem binnen kurzem erscheinenden Buche*) eine wichtige Bedeutung im Kampfe gegen den internationalen Judenhaß und gleichzeitig für gute deutsch-französische Beziehungen zuzuschreiben. Wie Weils Arbeit von politisch-französischer Seite gewürdigt wird, beweisen umfangreiche Aufsätze, die soeben in den größten französischen Zeitungen vom Schlage des „Le Matin" und „L’Oeuvre" bei der Anwesenheit Dr. Weils in Paris, wo ihm mannigfache Aufmerksamkeiten erwiesen wurden, erschienen sind und die mit Recht betonen, daß jede Arbeit und besonders die Weilschen Forschungen dankbar zu begrüßen seien, weil sie entscheidend dazu beitragen, eine unerfreuliche Vergangenheit (fächeiix passe) endgültig zu liquidieren. *) Dr. Bruno Weil: „Der Prozeß des Hauptmanns Dreyfus". Verlag Walther Rothschild, Berlin- Grunewald. Vorbestellungen nimmt der Philo-Verlag, Berlin SW 68, Lindenstraße 131, zum Preise von geb. 5,50 M., drosch. 4 M. an. Hakenkreuzöämmerung an öer Ostsee. Wie uns berichtet wird, hat kürzlich in Swinemünde eine Bädertagung des Norddeutschen Hotelbesitzervereins E. V. stattgefunden, an der auch der Landrat des Kreises Usedom-Wollin terlgenommen hat. Bei dieser Gelegenheit wurde über die Gründe für die Abwanderung des zahlungsfähigen Publikums von der Ostsee diskutiert. Man suchte alle möglichen Ursachen dafür zu finden, bis schließlich einer der führenden Herren des Vereins aufstand und etwa ausführte: „Nach langem Hin- und Herreden sind wir doch nicht auf das Grundübel für die Abwanderung unserer früheren guten Besucher gekommen. Ich will den Mut finden, es hier offen zu erklären: Es find zwei Gründe, die die Besucher von der Ostsee verscheuchen, erstens die Raffensrage, und zweitens die FLaggenfrage. Wir als Hotelbesitzer wollen uns doch ganz klar darüber sein, daß uns das jüdische zahlungsfähige Publikum ebenso angenehm ist wie das christliche, und wir als Hotelbesitzer haben die Pflicht und Schuldigkeit, unter unseren Gästen alle Reibungen, die etwa auf religiösen Gegensätzen beruhen, im Keime zu ersticken. Ein trauriges Kapitel ist die Flaggensrage. Gäste, die am Strand ihre Ruhe und Erholung suchen, werden durch die Anpöblungen politischer Art verscheucht, und ziehen natürlich Aufenthaltsorte, in denen sie ruhig ihren Neigungen leben können (wie z. B. das Ausland) vor." Diese Ausführungen wurden ein st i m m i g mit großem Beifall ausgenommen und waren sämtlichen Teilnehmern aus dem Herzen gesprochen. Wenn auch diese Einsicht zum größten Teil erst durch die schwere wirtschaftliche Not erzwungen ist, so wird sie sich doch hoffentlich dahin auswirken, daß die schöne Ostsee wieder zu dem wird, was sie früher war: zu einer friedlichen Erholungsstätte für Menschen aller Konfessionen und aller politischen Richtungen. was heißt „Tscheka"; Der bekannte und berüchtigte nationalsozialistische Redner Professor Schwarz- Bostunitsch hatte, wie die „Bremer Nachrichten" vom 21. März berichteten, in einem Vorträge behauptet, das russische Wort „Tscheka" sei in Wirklichkeit ein jüdisches Wort und bedeute „Vieh schachten". Diese Behauptung ist genau so unwahr wie die meisten übrigen „Enthüllungen" des nationalsozialistischen Redners. Das Wort „Tscheka" ist eine Abkürzung ans „Tscherreswytschajka Kommisfie" und bedeutet: „Außerordentliche Kommission". „Vieh schachten" heißt ans hebräisch: „Schachat". Erfreulicherweise haben die „Bremer Nachrichten" auf Veranlassung unserer Bremer Ortsgruppe in ihrer Ausgabe vom 2. April diese merkwürdige Sprachkunde des Herrn Professor Schwarz berichtigt und damit ihren Lesern eine Probe von der Zuverlässigkeit dieses gelehrten Herrn gegeben. Wir- -er Stürmer berichtigen! Der „Stürmer" berichtete in Nr. 7 vom Februar 1030 unter der Ueberschrist „Judenarzt Alois Löwenheim" über die Verurteilung des „Judenarztes" Löwenheim, der durch unsachmäße gynäkologische Behandlung den Tod einer Frau verursacht habe. Der Prozeßbericht ist unwahr. Der Arzt Alois Löwenheim ist kein Jude, dagegen Jft seine Patientin eine Jüdin gewesen, sämtliche Auslassungen des Artikels sind gehässige Entstellungen. Die Säöerliste öes <£. i>. Der Centralverein gegen üen „§ri-ericus".. Beglaubigte Abschrift ans dem Sitzungsprotokoll vom 5. März 1930 in der Strafsache gegen Holtz. (206) 1 J 846. 29 (350. 29) Die Nebenkläger und der Angeklagte schließen den folgenden Vergleich: Der Angeklagte erklärt: Ich gebe zu, daß die in dem fraglichen Artikel des „Fridericus", Nr. 32, enthaltene Aeußerung „in raffeeigentümlicher, aufdringlicher Hausterermanier belästigt" sowie die Ausdrücke „frech und verlogen" beleidigend sind und nehme sie mit den: Ausdruck des Bedauerns zurück. Der Angeklagte erklärt ferner, daß das Vorgehen des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens e. V. bei Versendung der Liste antisemitischer Kurorte und Gasthäuser nicht als Ueberheblichkeit des Judentums und seine Bevormundung der arischen Rasse oder als Nötigung gegenüber den Adressaten des Rundschreibens gedeutet werden kann, und daß die Versendung des Rundschreibens nicht von der Absicht, mein Unternehmen wirtschaftlich zu schädigen, geleitet war. Der Angeklagte verpflichtet sich, die vorstehende Erklärung in der nächsten Nummer des „Fridericus" einmal unter der Rubrik „Prisen" ohne jeglichen Zusatz zu veröffentlichen und die Kosten des Verfahrens zu erstatten. Der Vertreter der Nebenkläger erklärt: Die vorstehende Erklärung wird auch in der „C. V.-Zeituug" ohne jeglichen Zusatz veröffentlicht. Ich nehme namens der Nebenkläger den Strafantrag zurück. vorgelesen, genehmigt. Beschlossen und verkündet: Das Verfahren wird aus Kosten der Nebenkläger eingestellt. gez. Dr. Neumann. gez. Pilk. Die Richtigkeit der Abschrift wird beglaubigt. Berlin NW 40, den 15. März 1930. (Siegel) gez. Unterschrift, Justizangestellster. Zur Landtagsd<HaLLe. Bei der Beratung des Haushalts des Justizministeriums im Preußischen Landtag am 27. März d. I. erklärte der nationalsozialistische Abgeordnete Kaufmann (Elberfeld) unter anderem: „Der Berliner Polizeivizepräsident Weiß hat unter Eid im Strasser-Prozetz aussagen müssen, daß nicht ein einziger Fall von Friedhossschändungen durch Nationalsozialisten gerichtlich festgestellt werden konnte." Diese Behauptung konnte bereits in den Nummern 37 und 40 der „C. V.-Zeitung" von 1929 als unwahr zuruckgewiesen werden. Als im Prozeß gegen Straffer im August v. I. der Berliner Polizeivizepräsident Weiß als Zeuge vernommen wurde, erklärte er auf Befragen Strassers, daß der damals einzig bekannte Fall einer Beschädigung von Grabdenkmälern auf dem jüdischen Friedhof in Berlin-Köpenick nicht als sogenannte Friedhossschändung Zu betrachten sei. Die weitere Frage, ob Dr. Weiß Friedhossschändungen amtlich bekannt geworden seien, wurde von ihm verneint. Diese Aussage wurde von der nationalsozialistischen Presse dahin verdreht, daß Dr. Weiß „zugestanden" habe, Friedhossschändungen durch Nationalsozialisten seien überhaupt nicht bekannt geworden. In Wirklichkeit bezog sich die Aussage des Polizeivizepräsidenten lediglich ans das Vorkommen von Friedhossschändungen durch Nationalsozialisten in Berlin, und daß hier solche vorgesallen seien, war von niemand behauptet worden. Ueber Fälle von Friedhofsschändungen durch Nationalsozialisten im Reiche, wie sie verschiedentlich sestgestellt worden sind, zu urteilen, lehnte Dr. Weiß aus Gewissenhaftigkeit ab, da er unter Eid nur über Dinge aussagen wollte, deren Wahrheit durch seine amtliche Kenntnisnahme gewährleistet war.

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