Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 15 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 187 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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Auch der Ceniralverem hat m dieser Versammlung nicht geschwiegen. j Kreisgruppe Stralsund. , | Deutsehvölkischer Abend am 4. 4w 30 um 20.15 Uhr im Bis-! marck. Thema: Unsere Antwort an den Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glauf: bens. „0 du arme Christe, wie schlimm wird es dir ergehen, j wenn der Jude deine schnurrenden Flüglein nach und nach um- , spönnen haben wird." Goethe, j Deutschvölkische , Freiheitsbewegung.! Eintritt frei. In der letzten Nummer der „C.V.-Zeitung" berichteten wir von unserer A u f k l ä r u n g s - Vers am m l u ng i n Stralsund, die von etwa 200, Personen, in der erdrückenden Mehr- Zahl Christen, besucht war. Der Führer der deutschvölkischen Freiheitsbewegung, Vizeadmiral Langemak, war in der Aussprache über dreiviertel Stunden lang «dem Referenten des Abends, Dr. Alfred Wiener, mit den bekannten völkischen Angriffen entgegengetreton. Darüber hinaus aber hat nun Admiral Langewak die „Antwort an den Central-- verein" einer öffentlichen Aussprache vorzubehalten für gut befunden. Diese fand am Freitag in Stralsund statt. Eine Anzahl unserer Stralsunder Mitglieder war zusammen mit Dr. Wiener dazu erschienen. Allerdings erwartete sie eine Enttäuschung: Sie rechneten mit einer gut besuchten Volksversammlung; statt dessen fand ein schlecht besuchter völkischer Sprechabend statt. Der Grund für diesen schlechten Besuch liegt wohl darin, daß die D e u t s ch v ö l k i s ch e Freiheitsbewegung (Richtung W u l l e, G r a e f e) den echten Völkischen schon zu zahm ist. Hitler ist heute große Mode; und die Trommler- und Pfeiferkorps, die Uniformen, die Lastautofahrten, das Drohen mit dem „unabwendbaren Bürgerkriege", der Nadauantisemitismus ziehen gerade die Jugend mehr an als die verhältnismäßig ruhigen Veranstaltungen der Deutschvölkischen. Es ist von jeher so, daß jede noch radikalere Bewegung der radikalen die Anhänger wegnimmll Wenn man heute eingeschworener Antisemit ist und seine Ueberzeugung rücksichtslos predigt, kommt der andere, ist noch fanatischer und schnappt einem die Gefolgschaft weg. So starke Haßgesinnung wie der politische Antisemitismus ist in seinen Folgen nicht nach Belieben zu regulieren. Stellt man den Juden so als Scheusal hin, wie es die Nationalsozialisten und — gernildeter —- Deutschvölkische tun, so veranlaßt das die vielen Unreifen, die sich heute übermäßig in der Politik breit machen, zum Umwerfen jüdischer Grabsteine und Anschmieren von Schmähschriften an Synagogen. Das sollten sich besonnene Deutschvölkische stets vor Allgen halten, wenn sie das Judentum so angreifen, wie es Admiral Langemak in! seiner Versammlung in Stralsund tat. Es hilft dann auch nicht viel, daß der völkische Führer jede Friedhofsschändung mit starken Worten verurteilt, daß er pden Radauantisemitismus ablehnt. Wer Wind ' sät, erntet Sturm. Sind auch unter den Friedhofsschändern bisher keine Anhänger gerade der Deutschvölkischen Freiheitsbewegung nachzuweisen ' — 'der zügellose Haß gegen das Judentum, den alle völkischen Gruppen bei jugendlichen Heißspornen durch ihre Lehren erregen, wirkt sich Zwangläufig in den bekannten Untaten aus. Was Admiral Langemak im einzelnen vorbrachte, bot wenig Neues. Immer wieder, ohne Aufhören, Zitate. Das Judentum soll für das, was Kurt Münzer irgendeiner Nomanfigur sprechen läßt, verantwortlich sein. Die Geschäfte der Barmat und Kutisker werden auf Konto des Judentums' geschrieben. Was der Zionist Jakob Klatzkrn erstrebt, soll allgemeiner jüdischer Auffassung entsprechen. Hat F r i e d r i ch. d e r Große'eine judengegnerische Verordnung erlassen, wird er zum Antisemiten gestempelt. Goethe und Fichte werden als völkische Vorkämpfer gefeiert. Und bei allem diesen ist es doch s o kinderleicht, -durch Zitate das Gegenteil zu beweisen — wenn nicht überhaupt der „Kampf mit Zitaten" billig wie Brombeeren und von vornherein so abwegig wie nur möglich wäre. Admiral Langemak bringe uns staatsfeindliche Aeußerungen des Vorsitzenden des Centralvereins, des Vorsitzenden des Allgemeinen deutschen Rabbinerverbandes, Weltherrschaftsgelüste des Centralblattes des gesetzestreuen Judentums „Der Israelit", und wir würden uns dann mit ihm über die Staatsgesinnung des deutschen Judentums ernstlich auseinanderzusetzen haben. Er bringt sie nicht, weil sie nie ausgesprochen werden können, schlagen doch die Zitate nebensächlicher Schriftsteller, urwerantwortlicher Politiker und ähnlicher Kronzeugen der wahren Gesinnung des deutschen Judentums geradezu ins Gesicht, sofern solche Belege überhaupt — echt sind. Sowohl die Berichte des Russen M a k l a k o w wie das in der Tasche eines gefallenen Rotgardisten gefundene Dokument über die jüdische Weltverschwörung sind F ä l s ch u n g e n, die Admiral Langemak, wie wir annehmen, in gutein Glauben benutzt, für die er aber den einwandfreien Beweis der Nichtigkeit > erbringen muß. Zeitungsausschnitte genügen sucht als Beweise. Bedauerlich ist, daß Langemak als alter Offizier den 12 000 jüdischen Gefallenen die Mehr als M0 Zuhörer beiunferer^ufklärungsverfammlung in Frankfurt a. M. Die Ankündigung des Vortrags: „Der Talmud und seine Geheimnisse" mit Rabbiner Dr. N e u h a u s (Mülheim) als Referenten hatte am Montag, dem 7. April, mehr als taufe n d Z u höre r, hauptsächlich Nichtjuden, zu einer Aufklärungsversammlung des C. B. in das Frankfurter Volksbildungsheim gelockt, die, wie lautlose Stille, mit der die Ausführungen des Redners ausgenommen wurden, zeigte, offenbar das Bedürfnis hatten, sich über die Zweifel, die die nationalsozialistische Agitation über das Problem des Talmud erweckt hatte, klarzuwerden. Der außergewöhnlich lebhafte Beifall bewies, daß sie in ihren Erwartungen nicht enttäuscht worden waren. Dr. Neuhaus gliederte seinen Vortrag in die beiden Fragen: Was ist der Talmud? und Was sind seine Geheimnisse? Er gab zunächst eine historische Schilderung der Entstehung des Talmud und seiner Teile und veranschaulichte das Wesen von Halacha und Haggada an Einzelbeispielen. Im zweiten Teil befaßte er sich mit den völkischen Behauptungen von den „Geheimnissen des Talmud". Im einzelnen ging er auf das Kolnidre-Gebet, die Eidesfrage, das Nitualmordmärchen und das Gebot der Nächstenliebe ein, um Zusammenfassend festzustellen: die Moral des Talmud ist die Ethik der Bibel. Nachdem sich der immer wieder erneut einw 5500 der R o t h scheu und B a u m a n n scheu sogenannten Statistiken entgegenhält. Ehe man diese schwer kränkenden, sich gegen Gefallluengrüber richtenden Vorwürfe übernimmt, hat man die Pflicht und Schuldigkeit e i g e n e r Nachprüfung, zumal diese nicht schwer ist. Dr. Wiener hatte in seiner Antwort schon recht: Gegen den festgewurzelten Glauben, der Jude sei an allem schuld und das Judentum befördere alle schlechten Strömungen dieser Zeitläufe, kann kein V e r n u n f t s b e )v e t § etwas ausrichten. Man nimmt den Juden als Prügelknaben und sucht dann die Beweise für die Anschuldigungen. So sprach auch Dr. W i e n e r das rechte Wort, als Langemak hinter allem und jedem den jüdischen Einfluß feststellen wollte: Stecke dieser sogar hinter dem „Berliner Lokal- Anzeiger", so sei es nicht allzusehr abwegig anzunchmen, daß der Jude auch die deutschvölkische Freiheitsbewegung gängele. Man kann zweifeln, ob es die Mühe verlohnt, eine Auseinandersetzung mit einem so unzugänglichen Judengegner, wie es Admiral Langemak ist, überhaupt aufzunehmen. Ihn zu bekehren hoffen wir gewiß nicht. Und wir haben Hunderttaufende zugänglicher christlicher Mitbürger im Vaterlande, denen ein wahres Bild vom. deutschen Judentum darzustellen eine lohnendere Arbeit ist, deren allmähliche Durchführung der Centralverein sich ja zur Aufgabe gesetzt hat. Es galt aber bei der Stralsunder völkischen Versammlung, zu zeigen, daß wir, lvenn wir eine „Antwort" entgegennehmen sollen, uns nicht scheuen, sie an Ort und Stelle, vor wem auch immer, zu hören und auch zu widerlegen. Unsere Freunde in Stralsund und im Reiche haben jedenfalls an diesem Beispiel gesehen, daß wir zur Stelle sind, wo es notstut, und daß wir ihnen allen treu zur Seite stehen. Vielleicht überzeugt sich sogar Admiral Langemak, der, wie er sagt, Jrrtümer, die ihm unterlaufen sein könnten, zugibt, wie stumpf und rostig so viele Waffen des völkischen Arsenals — so Fritfchs Handbuch — sind. Die sozialdemokratische Zeitung „Der V o r p o rn - me r" brachte irr ihrer Nummer vom Sonnabend, dem 5. April, einen ausführlichen Bericht über die Auseinandersetzung Langemak—Wiener. setzende Beifall gelegt hatte, forderte der Versammlungsleiter, unser Ortsgruppenvorsitzender Dr. M a i n z e r, mehrmals zur Aussprache auf und ließ sogar eine Pause von fünf Minuten eintreten, ohne daß eine Wortmeldung einlief. Lediglich einige Fragen über die Kabbala und jüdische Sexualethik wurden gestellt und vom Referenten beantwortet. Wie aufrüttelnd und nachhaltig die Wirkung des Vortrags war, beleuchtet am besten die Tatsache, daß Rabbiner Dr. Neuhaus am Tage nach der Versammlung i.n den Straßen Frankfurts mehrmals von ihm persönlich unbekannten Juden und Nichtjuden angesprochen wurde, die sich nochmals für den Vortrag bedankten und -eine Wiederholung über ähnliche Fragen erbaten. Professor Kinkel (Gießen) über den Weg zur Volksgemeinschaft. Lira 25. Mürz veranstaltete unsere Ortsgruppe Wanne-Eickel eine Aufklärungsversammlung vor geladenem Publikum. Etwa 150 Hörer aus den Kreisen der Lehrerschaft, der Beamten, der Geistlichkeit, der Presse, auch der Oberbürgermeister und mehrere Stadtverordnete von Wanne-Eickel waren der Einladung gefolgt. Professor Dr. Kinkel (Gießen) sprach über das Thema: „Der Weg zur Gemeinschaft". In feinen sachlichen Ausführungen forderte er vor allem, daß die Deutschen im politischen Kampf wieder die Perso n von der Sache zu unterscheiden lernten; dann würden sich auch die augenblicklich üblichen gehässigen politischen Kampfformen wieder ändern. An Parallelen zur Geschichte zeigte er, daß nur dann ein Gemeinschaftsweg gefunden werden könne, wenn auf beiden Seiten der Wille zum gegenseitigen Verstehen vorhanden sei. In der anschließenden