Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 15 (11.4.1930)
- Date
- 1930-04-11
- Page
- Seite 186 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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m Stichwörtern 51t fassen. Man prüfe daraufhin die Annalen der deutschen Museen, des Kunstgewerbe-Museums in Berlin, des Kaiser-Friedrich-Museums. Von wem stammen hier die meisten altdeutschen Stücke? Gewiß, wennes „negroide jüdische Kunst" ist, daß ein Kunstsammler wie James Simon dem Kaiser- Friedrich-Museum eine ganz unschätzbar wichtige Sammlung altdeutscher Stücke — alt -deutscher, bitte sehr — gestiftet hat, dann ist wohl für Herrn Koch alles in Ordnung. Aber welches neue Schlagwort wird man aus deutschnationaler Seite prägen, wenn die Rede wieder einmal aus den Welsenschatz kommen sollte, den Welsenschatz, den deutsche Fürsten — ein altdeutsches Geschlecht, von jüdischen oder gar negroiden Elementen durch einige Stannnbaumjahrhunderte gütigst verschont — nach Amerika verschachern wollten? Aber wenn auch nicht gerade in bezug auf den Welsenschatz, so meinte Herr Koch doch im gleichen Landtag und bei der gleichen Debatte über die Kultur, die deutschen Fürsten hätten die deutsche Kunst und Kultur immer noch mehr und besser gefördert als diese „Judenrepublik". Es ist nicht unsere Art, die Verdienste der deutschen Juden um die deutsche Kultur auf den; Der D. 0. V. riilkt Wir haben in der letzten Nummer unserer Zeitung die Erklärung des Kysshäuser- Hundes wiedergegeben, in der er gegen die von „Parteihaß, krankhaft verzerrtem Ehrgeiz und Selbstüberhebung" geleiteten Verunglimpfungen der Völkischen gegen Hindenburg Stellung nahm. Damit war, wenn auch unausgesprochen, auch der Trennungsstrich zwischen den alten Soldaten und Ludendorfs gezogen. Jetzt rückt auch der Deutsche Offizier-Bund deutlich von Ludendorff ab. Die soeben erschienene Nummer 10 der Zeitschrift „Deutscher Offizier-Bund, Amtliche Bundeszeitschrift des Deutschen Offizier- Bundes mit Nachrichtenblatt für Regimentsvereinigungen" veröffentlicht an der Spitze ihres Blattes in Fettdruck nachstehende Erklärung: „General Ludeudorfs hat im Auschlutz an die Unterzeichnung des Young-Plaues in seiner „Volkswarte" vom 30. März als .Vertreter des alten Heeres' den Herrn Reichspräsidenten und Generalfeldmarschall von Hindenburg in unerhörter Art und Weise angegriffen. Er versteigt sich zum Schl ns; dazu, daß er dem Herrn Generalfeldmarschall das Recht abspricht, das feldgraue Soldatenkleid des alten Heeres zu tragen und es mit sich in das Grab zu nehmen. Der Deutsche Osfizier-Bund legt aufs schärfste Verwahrung gegen diese ungeheuerliche Verunglimpfung des Herrn Generalfeldmarschatts ein und spricht dem General Ludendorff das Recht ab, als Vertreter des alten Heeres zu sprechen. Sein Verfahren ist geradezu ein Hohn auf die Traditionen des alten Heeres." Des „Fridericus" Abschied von Ludendorff. Nicht weniger deutlich ist die Stellungnahme des „Fridericus". Er überschreibt seine Aprilausgabe Nr. 14 „Abschied von Ludendorfs" und führt dann unter anderem aus: „Etwas Unfaßbares, etwas Widerwärtiges ist geschehen. Der Feldmarschall v. Hindenburg ist angefallen, ist öffentlich bespien worden. Der Mann, der sich jetzt anschickte, Hindenburg öffentlich anzufallen, heißt Ludendorff. Ist derselbe General Erich Ludendorff, der mit Hindenburg Zusammen während des Krieges das glänzende Zweigestirn bildete, dessen Ruhm die Kriegs- Revolutionszeiten überdauert hat und m aller Wett-, nicht nur in Deutschland, noch heute hell ausleuchtet." Präsentierteller herumzureichen. Hier aber ist eine Herausforderung, dieeine Antwort verlangt. Hier ist doch eine kleine Erinnerung notwendig, eine kleine Auffrischung des deutschnationalen Gedächtnisses, das sonst immer nur davon zu erzählen weih, auf welch eine „negroide jüdische" Art das deutsche Volk um die deutsche Kultur geprellt worden sei, immer und immer wieder, seit Jahrhunderten. Tatsächlich sieht es ja ein bißchen anders aus, als man es auf der Rechten gern wahrhaben möchte. Unzweifelhaft ist ein Goethe ein wesentlicher Faktor der deutschen Kultur, und während der „Franzosenfresser" Menzel, ein ebenso treudeutscher, teutscher Mann wie Herr Koch, vor hundert Jahren eine kerndeutschnationale Kampagne gegen Goethe erössnete, war es der Kreis um die deutsche Jüdin Rahel, der Goethe den Weg des Einflusses auf die deutsche Kultur bahnte. Der deutsche Jude Börne war es, der über den großen deutschen Dichter Jean Paul zu jener Zeit das einzig Würdige und Bleibende schrieb. Kants erster und, nach Kants eigenem Zeugnis, verständnisvollster und bester Schüler und Interpret war der Jude Marcus Herz, Hebbels Schrittmacher und von Ludendorff ab. Nach einer ausführlichen Wiedergabe von Ludendorffs in letzter Nummer unserer Zeitung zitiertem Aussatz an Hindenburg heißt es weiter: „. . . Es widerstrebt mir, dem General Ludendorff so zu antworten, wie Millionen von Deutschen es empfinden und wie er es verdiente. . . . Wenn Ludendorff meint, daß ,die Blicke des gesäurten Auslandes auch heute sich noch auf ihn richten', wenn er meint, daß die Achtung und der Dank der freien Deutschen ihm so sicher seien, daß er ungestraft Hindenburg bespeien darf, so soll er sich nicht irren! Die Welt hat auf den Soldaten Ludendorff gehört. Die Welt und das deutsche Volk werden auf den politischen Klopffechter Ludendorff, der sich in unerhörten Schmähungen eines alten Soldaten und Kameraden ergeht, nicht hören. Den Dank und die Achtung der freien Deutschen meint General Ludendorff sicher zu haben und vergißt, daß sich unendlich viele Deutsche, die nicht minder frei sind wie die Mitglieder des kleinen Kreises, der sich um Ludendorff versammelt hat, längst mit Schmerz und Trauer von ihm abgewandt haben. ... sie sind deswegen von ihm gegangen, da sie es als freie Deutsche nicht ertragen wollen, von Ludendorff und den Seinen beschimpft zu werden, weil sie ihm politisch die Gefolgschaft versagen. Vor ein paar Jahren fing das an. Da kam Ludendorff, von dessen Erfahrungen auf diesem Gebiet man bisher nichts gehört hatte, mit einer großen Anklageschrift gegen die Freimaurer heraus. Diese Anklageschrift wurde der gesamten Presse -zur Besprechung zugestellt, und in dem damaligen Blatte Ludendorffs wurde ein sogenannter Prüfstein eingerichtet. Afft dem Prüft stein hatte es folgende Bewandtnis: Wer das Buch Ludendorffs nicht besprach oder nicht zustimmend besprach oder nicht schnell genug besprach, der war den überstaatlichen Mächten hörig, der war ein Verräter an der deutschen Sache, wie Ludendorfs sie sich vorstettt. Ich habe dem General Ludendorff auch diese an Nötigung grenzende Geschmacklosigkeit nicht übel genommen, aber ich habe für mich das Recht der Erkenntnis in Anspruch genommen, daß Deutschland nicht vorwärts kommen kann, wenn es nur Männer hat, die gegen etwas fechten. Wenn es nur Flurschützen hat, die das Ungeziefer bekämpfen, die auf Spatzen oder Krähen oder sonst etwas schießen! Daß es vielmehr durchaus notwendig ist, daß auch Leute vorhanden sind, die warnen in das Erdreich werfen, auf daß sich nicht hernach herausstellt, daß man bei aller Bekämpfung wirklichen und vermeintlichen Ungeziefers es vergessen hat, den Acker überhaupt zu bestellen. . . . Vom Reichspräs idente n, vom Staatsmann v. Hindenburg, dessen Wegen . ich politisch, nicht, mehr zu folgen vermag, nahm ich kürzlich Abschied. Für den Soldaten, für den Biograph der Jude Emil Kuh, Nietzsches erster Interpret der Jude Georg Brandes, und jüdische Theaterleute und Kritiker mußten Gerhart H a u P t m a n n und Frank W e d e - kind zum Teil gegen die gleichen Deutschnationalen durchsetzen, die heute das große Wort über deutsche Kultur führen wollen. Vielleicht ist diese Tätigkeit der Vermittlung deutscher Kultur — von den eigenen Schöpfungen deutschjüdischer Künstler ganz abgesehen —- jüdisch negroid, negroid. Inwiefern, bleibt uns nach wie vor ganz unerfindlich. Vielleicht aber hat die Unerklärlichkeit dieses Ausdrucks eine andere Ursache. Die Nationalisten gehen ja bekanntlich aus eine Reinigung der deutschen Sprache von Fremdwörtern aus. Sie sollten doch bei ihren eigenen Schlagwörtern anfangen' bei diesem hier. Wenn sie es aber durchaus nicht wollen — und es würde ihnen ja eine Reinigung und Verdeutschung bei ihrer Tunkelmacherei nur hinderlich sein —, dann sollten sie doch etwas vorsichtiger mit den Fremdwörtern umgehen. Wengstens sie selbst sollten ihre Wörter verstehen, was sie offenbar nicht können . . . trotzdem sie sich berechtigt fühlen, als Volksvertreter aufzutreten, die Armen . . . Leo Hirsch. deutschen Edelmann, für den Feldmarschall, für den Menschen v. Hindenburg, der in Ehren seine feldgraue Uniform trägt, schlägt diese Hand, so lange dieses Herz nicht zu schlagen ausgehört hat. Mit Ludendorff ist es anders. Hier gilt es von den: M e n s ch e n Ludendorff Abschied zu nehmen . . Ängdo, Volksnationaler Reichsausschuß und Iudenfrage. Am 2. November vorigen Jahres rief Artur M a h r a u n, der Hochmeister des Jungdeutschen Ordens, Männer und Frauen zur Gründung der Volksnationale n Reich svereinig u n g aus. Mahraun wollte damit dein Jungdeutschen Orden eine breitere Unterlage geben. Gegenüber dem hündischen Ausbau des Jungdeutschen Ordens sollte die Valksnationale Reichsvereinigung das Hineintragen des Jungdeutschen Gedankens in der Realpolitik vollziehen. Am 5. April fand mm in Berlin unter Teilnähme von mehr als 700 Krersvertretern aus dem ganzen Deutschen Reich in der Berliner Philharmonie die Gründungsversammluna der „Volksnationalen Reichsvereinigung" statt. Artur Mahraun wurde einstimmig zum Vorsitzenden gewählt. Er hielt in einer Kundgebung, die am Sonntag, dem 6. April, gleichfalls in der Philharmonie stattfand, eine Rede über die Geschichte und das Wesen der Volksnationalen Bewegung sowie über das Verhältnis der VolWnationalen Reichsvereinigung zum Jungdeutschen Orden. Bei dieser Gelegenheit legte er auch die Stellung der neuen Vereinigung zur Judensrage dar. Er führte, wie der „Jungdeutsche" vom 7. April, berichtet, aus: „Hier soll auch offen ein Wort zur Judenfrage gesagt werden. Wir wiffen nicht, ob sich zur VolksttaLionaleu Reichs- Vereinigung Juden angemeldet haben. Der Jungdentsche Orden bleibt eine völkische Organisation. Sein Arierparagraph, der seine Tradition ist, bleibt auch weiterhin sein Recht. Die Volks-rationale Reichsvereinigung aber ist eine staatsbürgerliche Bewegung, die kein Recht hat, jemand von sich zu weisen, der sich zu ihren Ideen bekennt, die deutsche Volksgemeinschaft zu stärken und den Volksstaat der deutschen Ration auszurichten. Wir müssen auch in dieser Frage jeden MinderheitskompLex von uns weisen. Wenn Parteien jüdisch werden, weil ein paar Juden darin find, so liegt es nur daran, das; diejenigen, die keine Juden sind, sich minderwertig fühlen und zürückdrängen lassen."