Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 14 (4.4.1930)
- Date
- 1930-04-04
- Page
- Seite 173 (sequence 5)
- Language
- German
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173 Von Dr. Richard Lewmso-N Des englischen Staatsmanns Lord Balfours Tod hat auch in deutsch-jüdischen Kreisen Teilnahme wachgerusen. Nächst den englischen Interessen, die ihm als Engländer voranstanden, hat er die humane Tradition englischer Politiker bewährt und so auch stets gegen Judenverfolgung und Judenhaß Worte und Taten der Ablehnung und Brandmarkung gefunden. Der Zionismus feiert ihn als seinen warmen Freund, als den Schöpfer der nach ihm genannten „Deklaration". Ihre psychologischen Wurzeln rückt Dr. Richard Lewinfohn hier in eine interessante, neue Beleuchtung, Die Schriftleitung. Ob Lord Balsour, der mm als Zweiundachtzigjähriger das Zeitliche gesegnet hat, der Weltgeschichte angehört, wird erst die nächste Generation wissen. In England wird er fortleben als meisterhafter Verwalter, als Reorganisator der Flotte während des Weltkrieges, als der letzte scharmante, großzügige, genialische Führer der Konservativen, der letzte vom Schlage der Beaconsfield und Salisbury, bevor auch da die solide Bürgerlichkeit der Donar Law und Valdwin den Ton bestimmte. Außerhalb Englands hat man den Namen Balfours in den letzten Jahren am häufigsten im Zusammenhang mit jener Balsour-Deklaration gehört, die im Schassen dieses britischen Politikers nur ein winziges Bruchteilchen bildet, und die ihn doch vielleicht mehr als alles andere unsterblich machen wird. Wie die berühmte Deklaration, das heißt das Schreiben Balfours an Rothschild, in dem der britische Außenminister die Schaffung eines nationalen jüdischen Heims in Palästina begrüßt, im einzelnen entstanden ist. steht dokumentarisch einigermaßen fest. Auch aus der Kriegssituation heraus ist es nicht schwer, den Vorgang zu erklären. Aber wie bei allen Fragen, bei denen es um das Heilige Land geht, kommt man mit realpolitischen Erklärungen nicht ganz aus, und man würde auch Balsour unrecht tun, wenn man seine Palästina-Deklaration, die fünf Wochen vor der Einnahme Jerusalems durch die Engländer erfolgte, einfach als ein Kriegsmanöver hinstellte. Das Wort Holly land umschließt für den religiösen Engländer ganz andere Gefühlswerte als das Heilige Land für den Deutschen. Als die Deutschen an der Seite der Türken im Orient Krieg führten, da geschah es unter der Grünen Fahne des Propheten. Es war der Heilige Krieg des Kalifats, dem wir Bundeshilse leisteten. Für die Engländer blieb, obwohl sie weit mehr Muselmanen auf ihrer Seite hatten, der Krieg in Palästina „der letzte Kreuzzug", und die britische Kriegspropaganda ließ es an mittelalterlichen Kreuzritter-Emblemen nicht fehlen. Als Lord Allenby im Dezember 1917 in Jerusalem einzog, ließ er, kurz vor dem Davidstor, sein Auto halten und stieg aus, um zu Fuß die Heilige Stadt zu betreten. Es sollte nicht ein militärischer Einmarsch sein, sondern ein Zeichen der Demut: ein frommer Pilgergang. Gleichviel, ob man in derlei Gesten einen Schuß Theatralik sieht: genug, daß sie von den gebildetsten Engländern geübt und wohlgefällig ausgenommen wird. Die messtanische Bestimmung Palästinas spielt bei den gläubigen Engländern auch heute noch eine große Rolle und namentlich bei den Sekten, für die der englische Adel eine romantische Vorliebe hat. Dabei sind die Spielarten sehr mannigfaltig. Es gibt englische Orthodoxe, die des frohen Glaubens sind, der Messias werde erst kommen, wenn der leHte Jude bekehrt ist, und die aus diesem Grunde, auch in Palästina eine emsige Judenmission betreiben. Die Erfolge sind zwar ungewöhnlich dürftig. Die englische Judenmissions - Gesellschaft nimmt aber in jedem Jahr über 100 000 Pfund ein, ein Zeichen, daß es unter den Reichen Englands und des Empire noch wahrhaft edle Schwärmer gibt. Andere religiöse Strömungen, und ihnen stand Balsour nahe, stellen sich die Voraussetzungen für das Erscheinen des Messias anders vor. Sie meinen, daß der Messias erst kommen wird, wenn vorher noch einmal ein neues Judenreich in Palästina existiert. Dabei können sie sich auf alte Prophezeiungen berufen, die schon in der englischen Literatur des achtzehnten Jahrhunderts feierlich niedergelegt und seither in Sektiererpredigten oft wiederholt worden sind. Auf diesen seltsamen, mystisch-romantischen Boden ist die Deklaration von der jüdischen Heimstätte gewachsen, die der tief religiöse Balsour den Palästinagläubigen Juden mitten im Kriege gegeben hat. Natürlich soll damit keineswegs der realpolitische Sinn geleugnet werden, den die Balfour-Deklaration damals für die Engländer hatte und den sie bis heute behalten hat. An dieser realpolitifchen Bedeutung krankt die Judenfrage in Palästina mehr als an allem anderen. Es wäre nämlich historisch und politisch gleich falsch, die Balfour-Deklaration isoliert zu betrachten. Sie ist eine von drei Verheißungen, in denen die englische Negierung ungefähr gleichzeitig ihre künftige Palästinapolitik sestgelegt hat. Und diese Versprechen sind so widerspruchsvoll, daß sie sich unmöglich reibungslos miteinander in Einklang bringen lassen. Kein anderer als MacDonald hat in seinen Reiseberichten aus Palästina auf die schreienden Widersprüche hingewiesen: „Wir haben eine arabische Revolte gegen die Türkei begünstigt, indem wir versprachen, ein arabisches Königreich aus den arabischen Provinzen des türkischen Reiches zu schassen — einschließlich Palästina. Gleichzeitig ermutigten wir die Juden, uns zu Helsen, indem wir ihnen versprachen, daß wir ihnen Palästina zur Ansiedlung und Selbstregierung zur Verfügung stellen würden. Und schließlich haben wir zur gleichen Zeit mit Frankreich den Sykes-Picot Gehcimvertrag geschlossen, der die Teilung desselben Territoriums vorjah, das unser Generalgouverneur von Aegypten den Arabern versprechen sollte. Hier ist ein krasser Fall von Doppelzüngigkeit, und wir können uns die Vorwürse über die Folgen nicht ersparen." Mel-Ansion Meiner / mm direkt am Meer. Große Terrasse ».Naturpark. 200 Betten. Appartements m.Pr'watbad, fließendes warmes u. kaltes Wasseri.d.Zimmeru.Warm.Seebäder,kohlensaur.Bäder. Diätkiiche taut ärztlicher Vorschrift. Pensionspreise nach Größe und Lage des Zimmers von Lire 40,— (9 NM.) an. Jüdische Institutionen Sonderpreise. Eigener Betsaal. Als MacDonald diese Feststellungen traf, war er noch Führer der Opposition und meinte etwas heftig von seinen politischen Gegnern: „Vielleicht wußte Mr. Balfouri nicht, was er eigentlich sagte, aber die Negierung tut jetzt ihr Möglichstes, um zu Zeigen, daß Mr. Balfours Versprechungen an die Juden denselben wertlosen 'Charakter hatten wie die von Mr. Bonar Law an die Bergarbeiter." Jnzmisechn ist MacDonald selbst Premierminister geworden und hat sich davon überzeugen müssen, daß auch die gewiß wohlmeinende Labour-Regierung die Balfour- Deklaration nicht restlos erfüllen kann. §Der Morgen" beginnt feinen sechsten Jahrgang. Heft 1 des neuen Jahrgangs beginnt mit einer Abhandlung von Raimund Eberhard „Gedanken über das Pessachfest". Ein frommer Christ erörtert hier die seelische und geschichtliche Bedeutung des Auszugs aus Aegypten. Hans Driesch führt mit seinem Aufsatz „Parapsychologische Hypothesen" in eine der umstrittendsten Fragen der Gegenwart ein und läßt die Vielfältigkeit der Möglichkeiten ahnen, die sich für die Erklärung der Para- ■IBS i Illustrierte Preisliste kostenfrei In allen Preislagen unüblertre-fflich 50J Rabatt bei Barbezug von Cq/ n E) Ä! Ä RR 3RÄ 8 a Äfi €Ü ST JC © S /O Originalkisten, von 500 Stück an 13 /O Auroras.10*/4 cm IS Pf rj , . « , Apartos.lll/4cm 20 Pf. “^iÄLds gradas.10>/3 cm 25 Pf. von 20 RM. an Heraldos ..11 cm 30 Pf. In Kisten zu 50 Stück Progresos.Ulj2 cm 40 Pf. Encantos mit Ring . . . ll3/^ cm SO Pf. Abbildung: Exclusivos mit Ring . . 12 cm 6© Pf. Jubiläums-Marke Idilios mit Ring.12l/2 cm 80 Pf. *\ TO Pf. Sin Iguales mit Ring . . cmlöO Pf. r. In Kisten zu 25 Stück Ein hervorragendes, mildes Sumatra-Sortiment/ Otto Boenicke BERLIN W8. 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