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Central-Verein-Zeitung · 1930-04-04 · 14 (4.4.1930) · p. Seite 170

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
14 (4.4.1930)
Date
1930-04-04
Page
Seite 170 (sequence 2)
Language
German
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170 Ursprung 1835 Lebens-, Aussteuer- und Mitarbeiter gesucht. gedankens, und da kann eben der hier zur Erörterung stehende Artikel nicht schwer genug bewertet werden. Es wäre sehr wohl denkbar, daß eine Partei zwar den parlamentarischen Gedanken bekämpfte, daneben aber den Gedanken der Privatwirtschaft und des Eigentums voll aufrechterhält. Dies war auch der Gedanke der völkischen" Partei, die seinerzeit mit den Nationalsozialisten zusammenging, dann aber aus dem Reichstage verschwand; diese Spaltung ging hervor aus einer Meinungsverschiedenheit in bezug aus die Eigentumsfrage: Die ,Völkischen' wollten den Eigentumsbegriff erhalten, die Nationalsozialisten nahmen eine andere Haltung ein. Es war nur noch nicht recht ersichtlich,' wie weit die Na-- tionalsozialisten sich vom Eigentumsbegriff entfernen wollten. Darüber werden wir aber jetzt belehrt durch den Artikel von Meister . . Bredt weift dann die mangelnde Originalität und wissenschaftliche Unzuverlässigkeit der Ausführungen Meisters nach, wobei er besonders dem Mißbrauch des Namens des Freiherrn vom Stein durch die Nationalsozialisten widerspricht, und schließt: „... Das Programm der Nationalsozialisten übernimmt die Forderungen der ,Bodenreformer" in vollem Umfange, geht aber insofern noch darüber hinaus, als es seine Forderungen auf gewaltsamem Wege durchsetzen will, während die ,Bodenreformer" dies nur im Wege der Gesetzgebung erreichen wollen. Wie sehr es aber den Nationalsozialisten um ihre Sache zu tun ist, dies mag zum Schluß folgender Satz aus dem Artikel der Nationalsozialistischen Briese" zeigen: ,Wer dem Artikel 17 (des Parteiprogramms) nicht die denkbar radikalste Auslegung gibt, kennt nicht den umfassenden Wert, der, historisch und logisch begründet, in ihm liegt. Wer das Bewußtsein dieses Wertes hat, erkennt auf der anderen Seite deutlich, daß dem bürgerlichen Eigentumsbegriff ihrem Wesen nach antivölkische Ideen zugrunde liegen und daß er in dieser Gestalt eine wesentliche Voraussetzung der schrankenlosen kapitalistischen Entwicklung darstellt." Es will wenig oder nichts besagen, wenn der Verfasser jenes Aufsatzes am Schluffe mit ein paar Worten sagt: diese Ideen seien in keiner Weise marxistisch; sie mögen es in ihrem Aufbau und ihrer Begründung nicht sein, sie sind es aber im Erfolge! Die ganze Einstellung der Nationalsozialisten erscheint nach diesem Artikel derartig eigentumsfeindlich, daß die Hausbesitzer ihre innere- Einstellung Zu dieser Partei danach nehmen müssen! . . # Die Ausführungen von Professor vvr. Viktor Bredt gewinnen durch den wissenschaftlichen Rang ihres Verfassers und die nachträglich erlangte politische Stellung über den Krers der Wirtschaftspartei hinaus besondere Bedeutung. Erfreulicherweise ist es nicht das erstemal, daß von maßgebender wirtschaftsparteilicher Seite in entschiedener und dabei grundsätzlicher Form die Irrlehren des Nationalsozialismus zurückgewiesen werden. Wir hatten fast vor Jahresfrist die Möglichkeit, aus dem Organ der „Wirtschaftspartei", der „Deutschen Mittelstands-Zeitung", eindrucksvolle Ausführungen gegen den Nationalsozialismus zum Abdruck zu bringen. Wir wissen, daß diese unzweideutige Stellungnahme führender Persönlrchkeiän der Wirtschaftspartei nur aus grundsätzlichen, programmatischen Erwägungen heraus erfolgt, nicht etwa aus irgendeiner Vorliebe für das Judentum. Diese Feststellung hindert nicht, den Wert solcher Untersuchungen gerade von sozusagen neutraler Seite dankbar anzuerkennen. Dies um so mehr, als in den letzten Wahlkämpfen hier und da in Referaten, Flugblättern und Diskussionsreden von wirtschastsparteilicher Seite Aeußerungen zu verzeichnen waren, die von unserem Standpunkte aus nicht unwidersprochen bleiben konnten. Um diese Vorkommnisse restlos zu klären, hat in diesen Tagen eine Besprechung stattgefunden, an der u. a. der wirtschaftsparteiliche Reichstngsabgeordnete Siegfried teilnahm. Es ergab sich zu beiderseitiger Genugtuung, daß die Wirtschaftspartei nach wie vor zum Artikel 7 ihres Görlitzer Programms steht, der „Glaubens¬ und Gewissensfreiheit für jedermann und freie Religionsübung für alle Glaubensbekenntnisse" fordert. Kommt Herr Kugel Wissenswertes aus seinen Personalakten „Es soll der Sänger mit idem König gehen" — dachte sich Herr Kultusminister Dr. F r i ck in Weimar, als er seinen alten Gesinnungsgenossen, den Privatdozen^i a. D. Dr. Arnold Rüge, für das Ordinariat der Philosophie an der Thüringischen Landesuniversität in Jena in Aussicht nahm. König — Frick — verurteilt wegen Hochverrat. Sänger — Rüge verurteilt wegen Mordanstistung. Aber wir wollen nicht annehmen, daß Herrn ' Dr. Frick die Personalakten Dr. Ruges vollständig Vorlagen, sondern daß ihm aus der Suche nach einem mit geistigen Fragen vertrauten und dennoch nationalsozialistisch zuverlässigen Dozenten von irgend jemand der Name Rüge zugeflüstert wurde, mit der Erläuterung: „Den Mann hat die badische rote Regierung einmal seiner völkischen Gesinnung wegen vom Amte verjagt." Da dachte er: das ist mein Mann! Zur Vervollständigung der Personalakten Rüge seien Herrn Frick einige Tatsachen mitgeteilt: Zunächst der Hochverratsprozeß Fuchs- M a ch h a u s. In ihm spielte Dr. Rüge eine sehr bedenkliche Rolle. Er gab damals die Anregung zur Gründung einer Tscheka. Ein Zeuge namens Hug sagte unter Eid folgendes aus: „Am 17. Februar 1923 hat Tr. Rüge mich und Bau in seine Wohnung geladen und schlug wieder die Tscheka vor. Er schlug in^dieser Nacht vor, mit Bau als Mitarbeiter in der Tscheka Blutsbruderschaft zu machen. Die Blutsbrüderschaft Zwischen mir und Bau wurde auch gemacht. Darauf sagte Dr. Rüge: Letzt sind Sie von jedem Eid, den Sie anderswo geschworen haben, entbunden. Sie sind nur an Ihre eigenen Sachen gebunden, Sie haben nur sich selbst Rechenschaft zu geben. Sie müssen noch andere Leute suchen, um die Sache aktivistisch 31t machen. Die ersten, die beseitigt werden müßten, sind Dr. Heim und Dietrich Eckart? Von der Beseitigung Schäfers wurde in dieser Nacht nicht mehr gesprochen. Dr. Rüge zeigte uns ein Schächtelchen mit Gift vor, teilweise kleine Fläschchen mit Gift, andere mit Salz. Er sagte, die Flüssigkeit kann nur in Tee gegeben werden, sie wirke in sechs Stunden tödlich, ohne^ eine Spur zu hinterlassen. Das Salz wirke in Flüssigkeit wie Gift. Am nächsten Tage kamen wir wieder zu Dr. Rüge. Rüge sagte, wir brauchen ungeheuer viel Geld für die Tscheka, ich solle zu Machhaus gehen und Geld holen. Er, Rüge, brauche 1% Millionen in Devisen, um seine Familie sicherzustellen. Ich ging auch zu Machhaus, der erklärte, er werde das Geld Dr. Rüge selbst hinbringen. . . . Nach der Anordnung Ruges verpflichtete ich Weinbrecht für die Tscheka. Vau und Weinbrecht sollten Dr. Heim in Negensbura erdolchen, Dr. Rüge wollte Dietrich Eckart umbrmgen. Auf meine Frage, warum, erklärte Rüge, das sei der Mann, der Hitler immer ausreizt und dann wieder zügelt, er sei ein Hindernis für Hitler. Eckart sollte durch Gift beseitigt werden." Daraufhin wurde Rüge dem Zeugen gegenübergestellt. Er bestreitet trotz der eidlichen Aussage des Hug alles aufs entschiedenste. Hochdramatisch endet .diese Gegenüberstellung. Hug: „Ich habe heute früh die volle Wahrheit gesagt; Dr. Rüge hat gelogen. Sie (zu Dr. Rüge) sind ein ganz gemeiner Lügner." Rüge: ,Jch habe Ihnen ja schon oft gesagt, daß sie ein ganz gemeiner Lump sind." Vors.: „So war die Gegenüberstellung nicht gemeint." Eine ganze Reihe von Zeugen lassen sich nun über Rüge des näheren aus. Der eine nennt ihn „mental Überreizt", ein anderer erklärt, „daß er jeden, der von Dr. Rüge angegriffen wird, für einen zweifellos nationalen und anständigen Menschen halte". Wieder einer bekundet: Rüge sei geistig nicht normal, sei pathologisch sehr schwer veranlagt. Er leide an Größenwahn und bezeichne sich selbst als den Vor Kämpfer der v ö l k i s ch e n Bewegung. Herr Frick sei ferner daran erinnert, daß im „Völkischen Beobachte r" am 4. Februar 1922 eine Warnung des damals sehrckredeutenden „D e u t s ch v ö l k i s ch e n S ch u tz - und Trutzbundes" erschien, die eine „Dr. Arnold-Rnge-Spende" als „ganz eigenartigen Zwecken" dienend bezeichnete; die Namen der angeblichen Unterzeichner seien wider ihren Willen unter dem Aufruf genannt worden. Rüge wird zürn Schluß als „P 0 l i t i s ch e Freibeuternatur" bezeichnet. Daß Herr Rüge außerdem unter anderem auch wegen Aufreizung zum M 0 r d e ein Jahr Gefängnis erhalten und abgeseffen hat, daß er als „G e h e i m r a t B e r - g e r" steckbrieflich verfolgt wurde, daß er im Feme-Ausschuß des Reichstags in sehr unangenehme Zusammenhänge mit der Ermordung des Studenten Bauer durch Angehörige des Blücher-Bundes geriet, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt. Ohne Frage wird Herr Dr. Arnold Rüge auf Grund dieser Vergangenheit ein ausgezeichneter Interpret nationalsozialistischer Weltanschauung sein. A. H. Nach München. Wie der „Bayerische Kurier" Nr. 76 vom 17, März mitteilt, „wollte der ehemalige Reichstagsabgeordnete Richard Kunze, der sich seit einiger Zeit als Wanderrebner betätigt, auch in München eine Versammlung mit dem Thema: ,Kommt eine neue Inflation? 1932, das furchtbare Unglücksjahr für Grundbesitz und Wirtschaft abhalten. Die Polizei Direktion hat jedoch diesen Vortrag, der als grobes U n f u g zu erachten ist, verboten,"^" '

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