Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 13 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- Seite 163 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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25 Zahle Schwesteriidieilft. Ein Gedenkvlatt von Gustav Feldmann (Stuttgart). Wenn man die Bedeutung irgendeines Teiles der Volksgemeinschaft für den Gesamtstaat danach bemißt, ob und welche uneigennützigen Leistungen dieser Volksteil auszuweisen hat, dann ist die Allgemeinheit besonders weirig geneigt, uns Juden solche Leistungen zuzugest-eheu. Aber es gibt einige Arbeitsgebiete, bei welchen der Gemeinnützen so sehr das Eigeninteresse überwiegt, daß jedermann gern diese Tatsache anerkennt. Und eines dieser Gebiete ist die öffentliche Krankenpflege. Am 1. April 1930 werden es 25 Jahre, daß das Jüdische S chw est er n h e i m Stuttgart seinen Betrieb mit drei Schwestern aufgenonimen hat, und im Verlaus des seither verflossenen Vierteljahrhunderts ist die Arbeit der inzwischen auf zwölf angewachsenen Schwestern unzähligen Juden und Christen zugute gekommen. Die Gründung deS Vereins Jüdisches Schwesternheim, die auf den September 1900 zurückgeht, stieß ursprünglich auf sehr große Widerstände. Man sprach von künstlichen Mauern, die zwischen Juden und Christen aufgerichtet würden, und man erklärte, daß die christlichen Schwesternverbünde vollauf genügten und auch bereit wären, die jüdischen Kranken zu pflegen. Aber man übersah dabei vollkommen, daß gleichartige Arbeit nicht trennt, sondern verbindet, und daß eine Dienstleistung wie die Krankenpflege nicht mit Geld bezahlt werden, sondern nur durch die Leistung der gleichen Liebesdieyste erwidert werden kann. Man erklärte auch die jüdischen Mädchen als ungeeignet für den Pflegeberuf, aber die Vereine jüdischer Schwestern, welche seit bald vierzig Jahren in ganz Deutschland bestehen, haben das Gegenteil bewiesen. Wie die Schwierigkeiten der Gewinnung geeigneter Menschen in Stuttgart nur schrittweise überwunden werden konnten, das wurde seinerzeit int ersten Jahresbericht des Schwesternheims erzählt. Heute kann man es gar nicht mehr begreifen, daß es jahrelang dauerte, bis die ersten brauchbaren Schülerinnen gewonnen wurden. Auch in späteren Jahren hat der Verein diese Schwierigkeiten nie ganz überwunden können, weil ihm ein eigenes Krankenhaus fehlt. Aber in bezug auf die Verwendung der Schwestern ist Stuttgart von Anfang an seine eigenen und, wie man heute wohl sagen kann, richtigen Wege gegangen. -Den Schwestern ist es verboten, im Hause des Kranken zu essen. Das enthebt in den kleinen und mittleren Familien die Hausfrau der oft drückenden Sorge um die Verpflegung der Pflegerin und verschafft der Pflegerin eine ungestörte Essenspause auch bei Schwerkranken. Keine Schwester soll länger als vier Wochen bei eine m Kranken bleiben. Das verhindert die Monopolisierung der besonders tüchtigen Schwestern durch begüterte Kranke und verbürgt den Schwestern auch in den schwersten Pflegen die Ablösung nach einer inr voraus bekannten Zeit. Kein Gepflegter erhält eine Rechnung. Das erlaubt auch dem Armen und wenig mit Glücksgütern Gesegneten, in Krankheitssällen ohne langes Besinnen eine Schwester zu verlangen, und gibt den Schwestern eine vom Kranken unabhängige Stellung. Die aufgeführten Grundsätze waren nicht leicht durchzusetzen, denn sie stehen im Gegensatz zu den Wünschen des einzelnen Kranken, seiner Familie und seiner Aerzte. Wer einen Schwesternverein als ein Geschäftsunternehmen betrachtet, der wird mit Recht sagen, daß sie auch ganz und gar nicht kaufmännisch gedacht sind. Aber das ist ja gerade der springende - Punkt: ein Schwesternheim soll und darf kein Geschäftsunternehmen sein; der leitende Gedanke muß der soziale sein, und die Kunst der Leitung besteht darin, die oft einander widerstrebenden Interessen des einzelnen Kranken und der Gesamtheit auszugleichen. In den fünfundzwanzig Jahren seines Bestehens hat das Jüdische Schwesternheim Stuttgart über' 49 300 Krankenbesuche, beinahe 37 000 Pflegetage in ganz Württemberg nnd 14 370 Pflegetage im Heeresdienst geleistet, altes das ohne Ansehung der Konfession oder des Vermögens. Die Arbeit der Schwestern im Frieden ist vorwiegend beit jüdischen Einwohnern zugute gekommen, aber auch viele Christen haben sie in Anspruch genommen, und gerade die unentgeltlichen 163 Sodvad Tdlz. ~ " Mietet bei mäßigen Preisen das Beste an Unterkunft und Verpflegung. — Eröffnung 11. April. Pflegen sind in einem nicht unerheblichen Teil der Fülle unseren christlichen Mitbürgern geleistet worden. Im Krieg ist die weit überwiegende Zahl aller Pflegen christlichen Soldaten zuteil geworden. Im Breisacher Lazarett der jüdischen Schwestern wurde die offene Wundbehandlung mit glänzendem Erfolg systematisch durchgeführt. Jn.Jnor arbeiteten die Stuttgarter Schwestern in aufreibender Seuchenpflege. In Siebenbürgen und Rumänien pflegten sie unter den denkbar schwersten Verhältnissen und in Belgien machten sie schließlich die Entbehrungen und Nöte des ausgehenden Krieges durch. Während die große Mehrzahl der Vereinsschwestern fast den ganzen Krieg über auf dem Kriegsschauplatz weilte, räumten die in Stuttgart zurückgebliebenen ihr schönes Haus vollkommen den Verwundeten ein, die es bis Ende April 1919 besetzt hielten. Im Lazarett des Jüdischen Schwesternheims Stuttgart gab es keine konfessionellen Unterschiede. Mannschaften und Offiziere wohnten gleich gern in diesem Haus, dessen sonnige Lage zusammen mit liebevoller Pflege Verwundeten und Kranken zum Segen gereichten. Es mag sein, daß all das von der Oeffentlichkeit schnell und gründlich vergessen wird, und daß derjenige falsch rechnet, der meint, man könne mit solchen Beweisen auch nur einen kleinen Teil der Judengegner bekehren. Aber die Arbeit der Schwestern wurde und wird nicht um des Dankes willen geleistet; es genügt auch nicht, wenn man, wie dies manchmal und sogar von maßgebender Seite geschieht, von dem ethisch - charitativeu! Charakter der jüdischen Schwesternvereine spricht und von den Schwestern nur ein allgemeines Bewußtsein ihrer Verpflichtungen gegenüber der Oefsentlichkeit fordert. Das Leitmotiv ist und bleibt der K i d d n s ch h a s ch e m, die Heiligung Gottes, und zwar in dem ausgesprochen jüdischen Sinn, daß diese Heiligung zu erfolgen hat durch und in der täglichen Arbeit, durch gewissenhafte Erfüllung aller Pflichten, durch eine schlichte Lebensdie iDßJVerr dcfnfchß Zigarette ist derMpus r»o llkonnnenen. HenuMsM iirköftlietv-und läßt unbeMedigt. Merryckis SH lUhcbiue 3^769