Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 13 (28.3.1930)
- Date
- 1930-03-28
- Page
- Seite 162 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
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I-L ihr an eurem Teil, mit der geschichtlichen Leistung eurer wirklichen Selbstemanzipation, zu Helsen. Ich sage mit Bedacht: anfangt. Denn noch habt ihr nicht angefangen, die Emanzipation zu verstehen und ihr voranzuhelfen; der entgegen ihr arbeitet, und wißt nicht, was ihr tut. Wer ein Teil der Seele bleibt immer, der weiß! Aus diesen Teil eurer Seele hoffe ich, vielleicht kann doch durch ihn ich Zu euch dringen als der Judenfeind, der euer Freund ist, und als der Gottlose, von Gott gesandt, um euch zu sagen: ihr sollt nun. endlich, nach zweitausend Jahren Widerspenstigkeit, Gottes Willen euch beugen, dem Willen der Natur; ihr müßt tief in euch zurückgehen auf die naive menschliche Natur und Nachlassen damit, eurem Unglück beizuistehen undeure Krankheit aus eurem Boden zu ziehen. Wollt ihr die Emanzipation, so müßt ihr sie machen — mit eurer Selbfternanzipation; ihr habt grundaus von der Wurzel, die Anschauung eurer selbst zu berichtigen und dürft nicht länger hören auf solche, die nach der alten Anschauung euch treiben. Solcher sind viele, und wie die schauen, das ist, als wenn man den Himmel noch immer nach der ptolemäischen Astronomie betrachten wollte, statt nach der kopernikanischen; ich werde ein erschreckendes Beispiel von einem dieser vielen Vorführern Ihr Juden der Stabilität, sangt an, euch zu rühren, und mit der wirklichen Selbstemanzipation müßt ihr euch den Kopf anders aufsetzen und den Lebenswillen in das wirkliche Zentrum eures Lebens bringen, u m der Emanzipation den neuen Gehorsam 3 u leisten und die für sie übernommenen Pflichten unzwistigen Herzens vollständig zu erfüllen. Und nicht vom Aberglauben der Inder: allein, wahrlich auch vom Aberglauben der Nichtjudeu handelt diese Schrift. Aber auch von den Nichtjuden werden nicht so bald viele auf mich hören; denn wie die Tage täglich kommen, so kommt der Aberglaube und ist überall das Mächtige. Ueberhaupt ist ja von breiter Wirkung auch meines eigentlichsten Schaffens noch nichts zu gewahren; dagegen ist noch gesorgt. Nun, ich bin der erste nicht, den: sie es machen, wie sie es mir machen; sie sind nur so vergeßlich. Zwar fand ich Anhänger überall in der Welt und entging den Totschweigehenkern; aber was gleich nach dem Totschweigen kommt, gelang: meinem Werk das Wirken in der Allgemeinheit vorerst zu verpurren. Nur inein Name wurde bekannt; sonst wurde, außer den wenigen, nichts bekannt vom Herzen und Leben meines Gedankens. Sie haben fertiggebracht, daß mein Werk gilt weit unter den Stümpereien ihrer Tagesliteratur; die einen fälschten (um so greulicher, wenn sie mir ein Kompliment dabei machten), die andern waren kläglich unzulänglich, verwechselten mir und mich, und Meister fand ich, die nienrals in die Lehre gegangen waren. Ich habe nicht viel Gegenwart, mehr Zukunft; vom Hochzeitsmahl genießt die Braut am wenigsten. Die Hauptsache: mein Werk ist da und kann warten und wird da sein. Glaube niemand, mein Werk sei gerichtsmäßig abgeurteilt durch diese Zeit. Komisch mutet das an — nicht nur mich, auch bereits nicht wenige andre Richter —, daß dieses Werk sollt können von der Zukunft angesehen und nicht angesehen werden wie von solch einer Gegenwart! Sondern es bringt das, was im Grunde alle suchen; die Zeit, wann gesunden wird, weiß ich nicht. Mein Werk kann warten aus seine Zeit und auf das ihm günstige Klima. Das geistige Klima wird sich ändern; die Kälte wird Nachlassen, die bösen Phantome unsrer seelenlosen Scholastik und der skeptischen Zerfallenheit unsres Bewußtseins werden weichen. Ich (d. i. mein Werk). lache schon heute und am besten, weil ich auch zuletzt lachen werde. Im Anschluß an diese allgemeine Bemerkung noch ein Wort persönlicher Richtigstellung: „Der Stachel im Fleische Brunners: sein Judentum, der Verlust seines Deutschtums in der Abrechnung, die seine Gegner ihm vorlegen." So schrieb Otto Flake aus der Optik und dem Generalisierungsirrtum eines Zuschauers. Auf andere, auf unglücklichere Brüder mag es so zutresfen: ich habe gar kein Herz für derlei und durch judenhasserische Gegner so wenig von meinem Deutschtum eingebüßt wie diese durch mich von ihrem Judenhaß; wobei ich Wirkung auf einzelne nicht mitrechne. Ich kann sagen (wer mich im Leben kennt, der weiß, daß ich dies nach der vollsten Wahrheit sage): ich bin kein Unzufriedener — mir klingt das ewige erhabene Lied „Denket des Einen wahrhaftigen Seins" und die süße Stimme „Freut euch des Lebens"; und meinen Frieden, des Denkens Frieden, konnte mir niemals, nicht einen Augenblick, der Judenhaß trüben. Weil sein Vorhandensein durchaus stimmt zu allem, was ich über die Natur des Menschen und über das Verhältnis und Verhalten der Menschen gegeneinander erkannt habe. Auch nicht einmal diese allgemeine Grunderkenntnis bildet einen Stachel mir im Fleische, und man findet sie wohl — überall, durch mein ganzes Werk hindurch — nicht weniger leidenschaftlich ausgesprochen als das von der Judensache. Ich bin keiner von denen, welche es als Unglück empfinden, den Menschen zu kennen; und gerade dies war es, daß ich den Menschen sah, wie er ist, was mich zwangssrei gemacht hat gegenüber dem Judenhaß und woraus ich auch meine Erklärung des Judenhasses zog. Den Judenhaß findet man bei mir erklärt nicht etwa aus dem Neben- und Gegeneinander von Juden und Nichtjuden — niemals kann der Judenhaß aus sich selbst verstanden werden, sondern nur aus dem menschlichen Wesen; zu welcher Erklärung es gleichsam der 'Juden nicht erst bedarf, da es sich hier um kein Unicum und um kein erst mit den Juden mögliches Novum handelt. Befreit habe ich die Judensrage aus ihrer Isolierung und entjudet wurde der Begriff Judenhaß durch meine Erklärung aus dem in der Menschennatur, also auch in den Juden, enthaltenen Haß. (Sogar Antisemitismus der Juden gegen Juden gibt es, besonders von Westjuoen gegen Ostjuden). Der Protest gegen den Judenhaß erhält damit erst seinen wahren Inhalt und sein volles Recht, die Emanzipation wird als wirklich echter Staatsgedanke begründet, und wir haben nun die wissenschaftliche Betrachtungsweise, die tatsächlich mit allen Erfahrungen des Lebens übereinkommende. Von ihr allein steht Besserung zu erhoffen innerhalb der Grenzen einer Krankheit, deren Ende und Ausgang nicht abzusehen; dunkel wenigstens soll die Sache nicht bleiben. Entjudung der Jndensache und Erklärung aus dem Allgemeinen der Menschennatur; und selbstverständlich: was drinnen in uns angelegt ist, verwirklicht sich draußen. So muß es zu dem Menschenhaß, den wir als Judenhaß bezeichnen, auch die solcherart gehaßten Juden geben, und würden die Juden ihre Not los, so wäre auch eine Not ihre Juden los und möchte sich wieder ein ähnliches Objekt suchen, einen andern Gelegenheitsanlaß; denn die Menschheit vergeht eher als irgend etwas aus ihrer Natur. Die Juden sind nicht die Ursache, sondern der Gelegenheitsanlatz des Hasses. Niemals hat mein Herz wegen des Judenhasses eine Enttäuschung erlebt — Ueberraschung freilich wie bei jeder Kenntnis und Erkenntnis; denn ich habe den Judenhaß benützt, meine Kenntnis und Erkenntnis zu vervollständigen, und spreche die Ueberzeugung aus: jedem, der den Judenhaß so nicht benützt, fehlt an der wahren Kenntnis des Menschen und an Erkenntnis. Aber die Ueberraschung, als ich die Judenhasser entdeckte, war nicht größer als bei Entdeckung der Juden. Von den einen wie von den andern erfuhr ich, was mich nicht schmerzen noch aufbringen konnte, da es ist, was sein muß und anders nicht sein kann. Sind doch die Menschen alle selig in einer Seligkeit, die leicht erlangbar ist, in der Feindseligkeit; die ganze Welt der Dinge, in der du Ding bist unter Dingen, ist die Feindseligkeit oder die Bewegung. Durch die Beweg u n g a b e r wird die Welt zur Einen Welt! Dies mag auch der treffliche Otto Flake sich sagen für den Fall, daß i h m ein Stachel irgendwelcher Art im Fleische sitzen sollte, und ein jeder mag sich dies sagen in seinen Stunden des Leidens: daß durch die Gegenheit der Bewegung die Welt zur Einheit wird, zur Einheit des Vielen, und daß wir an unsrer Einen Welt der Bewegung u n s e r L e b e n oder unsre relative Auffassung haben von unsrem wahren Selbst, von dem Einen des Geistes, von dem Einen ohne Vielheit, von dem einzigen absolut wirklichenWesen. J . . . e echad! f;:<KERSTEN &TUTEUR Aä^f jO '• _ &Xas dßoüixs der OrChcten SQerlin.Jjeip^tgePstr? rsr"^n| Ecke Charlcrtteyisfr? E&liaLe Sieg lut}, SchJcrss-Stn 3Vjuode O&^flrsterwbxm Gehe SlZuthesiitssirasse a.cL. QedtüdxLruskjrcke s* ^jeuks/diAaruds führendes SpescioJügesxhdfb 15 Jahre isJt die Pflege der von uns geführten, Jlrtihel unsere JZufgnhe) stets bemüht ,für den. 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