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Central-Verein-Zeitung · 1930-03-28 · 13 (28.3.1930) · p. Seite 159

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
13 (28.3.1930)
Date
1930-03-28
Page
Seite 159 (sequence 3)
Language
German
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Das „Haus Danieli". Zugleich eine Antwort an Friedrich Hussong. Im letzten „Montag" (Nr. 12vom 24. Mürz 1930) schreibt Friedrich Hussong in seiner Kritik über das im Berliner Lessing-Theater uraufgeführte Drama „Haus Danieli" von Alfred N e u m a n n : „Das Ganze eine schamlose Frechheit, unvorstellbar in irgendeiner normalen, gesund lebenden nationalen Gemeinschaft. Ein Stück Rassenkampf von der unsaubersten und unerträglichsten Art. Der Zentralverbarrv deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens täte gut, hier ernstlich Stellung zu nehmen. Cr hat aus geringeren Anlässen dergleichen getan." Dazu ist das Folgende zu sagen: Es ist immer mißlich, an künstlerische Fragen von wissenschaftlicher oder gar von politischer Seite her heranzugehen. Entweder die Kunst oder die Politik kommen dabei zu kurz, und es ist nicht ungefährlich, beide mit irgendeiner Zielsetzung zu verquicken. Unter dieser Voraussetzung kann kann man es sich durchaus vork stellen, daß viele Zuschauer das Stück ablehnen, weil sich ihr Empfinden dagegen aufbäumt, einen üblen Emporkömmling mit so unerfreulichen Zügen — m ußte ihn der Dichter durchaus zum Juden machen? — als den Geliebten der Großherzogin und als den Vater ihres Kindes auf den Brettern sehen zu müssen. Aeußerungen des Danieli, daß „ein Volk vor seinem bunten Blute salutieren" müsse, sind als Weltanschauungsbekenntnis durchaus abstoßend. Die Fabel des Stückes — ein ausländischer jüdischer Hochstapler unterjocht sich das ein- Dazu schreibt uns unser Die „C. V.-Zeitung" hätte keinen Anlaß gehabt, sich mit dieser Arbeit Alfred Neumanns näher zu befassen, wenn nicht Herr Friedrich Hussong den C. V. int Hugenbergschen „Montag" apostrophiert hätte. Man hätte sich mit einer kurzen Ablehnung dieses Stückes begnügen können. So aber muß dargelegt werden, daß unsere Opposition gegen das Stück ganz anderen Gründen entspringt als denen des Herrn Hussong. Zuerst kommen Einwände von der künstl e r i s ch e n Seite. Es wird sich heute nicht mehr vermeiden lassen, daß sich der Film all der Stoffe bemächtigt, die er glaubt, für Mn Gebiet wirkungsvoll auswerten zu können. Lraurig, und vielleicht nur aus der wirtschaftlichen Not unserer Schriftsteller zu erklären, ist es aber, wenn diese einen errungenen Erfolg materiell bis zum äußersten ausnutzen. Wir sehen mit Schrecken, wie Arthur Schnitzlers „Fräulein Else" den Weg von der Novelle izum Filnr, zur Bühne geht, wir vermerken mit ' dem gleichen Bedauern dieselbe Entwicklung bei!Arnold Zweigs „Sergeant Grischa" und erleben sie jetzt bei Alfred Neu m a n n s „König I Haber". l Die Dramatisierung dieser ausgezeichneten Novelle, die am 21. März int Lessing-Theater »über die Bretter ging, hätte dann eine Berechtigung gehabt, wenn sich gegenüber der Buch- -form wesentlich neue Momente ergeben Hütten,!veränderte Perspektiven, sowohl im Hinblick auf die Wirkung wie auf den Gehalt. Nichts davon ist festzustellen. Es bleibt bei einigen Akzentverschiebungen (Danieli tötet sein Kind nicht, sondern bleibt im Gegensatz zu Haber konsequent in seinem Willen zur Macht: des Großherzogs Bruder erschießt sich nicht selbst, sondern fällt im Duell). Es war klar, daß eine Dramatisierung der an und für sich schon konzentrierten Handlung ein Auswalzen bedeuten mußte. Wenn sich trotzdem keine Langeweile einstellt, so deswegen, weil Neumann ein Nouheimische Fürstenhaus und sichert seinem mit der Herzogin erzeugten Sohn die Thronfolge— kann allzu leicht aufreizend wirken, mag auch nur dichterische Freiheit diese abgelegene Zusauunenballung geformt haben. Es ist ohne weiteres vorauszusetzen, daß der Verfasser nur rein künstlerische Absichten gehegt hat. Aber trotzdem ist das Stück geeignet, judengegnerische Stimmungen auszulösen. Um diesen gewiß nicht beabsichtigten Eindruck zu verstärken, kommt noch hinzu, daß für den Zuschauer die zwar etwas einfältige, aber immerhin edle und vornehm handelnde Figur des Großherzogs weit sympathischer wirkt als die Skrupellosigkeit und Hinterlist des Danieli, ebenso wie die nicht nach Folget! und nicht nach Vernunft fragenden Empfindungen der Herzogin ihrem Galan gegenüber menschlich weit ansprechender wirken als die Leidenschaft des Danieli, die allzu schnell in Zweckhaftigkeit übergeht. Die Sühne, die Danieli durch seinen Tod im Straßenkampf darbringt, gibt nur einen äußeren Abschluß des Stückes, versöhnt aber nicht mit der brutalen Handlungsweise des Kraftmenschen, der über Frauen und Leichen rücksichtslos dahinstürmt. Der Centralverein ist nicht dazu berufen, Kunstrichter zu spielen. Bedauerlich ist und bleibt aber, daß das Drama zu Trugschlüssen über Charakter und Absichten von Juden und Judentum allzu leicht verführt. Dr. Alfred Wiener. tinier wirkungsvoller Theateraffekte ist. Und deswegen möchte man wünschen, daß er in Zukunft den Weg zur Bühne direkt und nicht aus dem Umweg über das Buch findet. Der Beifall galt vor allem der zur Sprechbühne Zurückgekehrten Käte Dorsch (Großherzogin), Kortner (Danieli) und G r ü n d - ge ns (Großherzog). Er steigerte sich, weil Neumann trotz aller Hervorrufe nicht an der Rampe erschien. Das Premierenpublikum null seinen Autor sehen. Der Beifall kann dennoch nicht über die innere Ablehnung hinwegtäuschen, in die sich das Bedauern mischt, solche Kräfte an ein wertloses Stück verschwendet zu sehen. Und nun zu der jüdischen Seite der Sache: An einem kleinen deutschen Hof beherrscht der aus dunkler und anrüchiger Vergangenheit kommende Hofjude Danieli den Großherzog. Er liebt die Großherzogin und dieser Liebe entstammt ein Kind. Danieli will es aus dem Thron sehen. Warum? Weil er den schlüssigen Beweis liefern will, daß es kein Gottesgnadentum gibt, daß Mensch gleich Mensch ist, daß auch ein Sproß aus bürgerlichem und adligem Geschlecht Herrscher sein kann: ein Rebell gegen das Vorrecht der Geburt. Die Fürstin liebt Danieli, sie liebt ihn mehr als ihren schwächlichen, impotenten Gatten, dem sie kraft dhnastisicher Gesetze angetrant wurde. Es ist eben nicht nur ein „sexueller Triumph", sondern gerade ein Trimnph auch des Gei st e s, des Mensche n, der G r ö ß e über Schwa ch heit und Dekadenz. Dieser Ekel vor dem Inden ist doch, das will Neumann zeigen, etwas sehr Relatives. Er gilt bei der verhetzten Menge, er ist ein Mittel der Demagogen, und er hört auf, wo sich Menschen oder Mächte gegenüberstehen. Und lediglich um die bodenlose Dummheit eines solchen Vorurteils zu beweisen, ist Danieli sehrschwarz, ist der Großherzog sehr weiß, ist die Großherzogin schwankend und rührend gezeichnet. 159 Um jedes Mißverständnis auszuschließen: Das Drama wird von uns künstlerisch abgelehnt; wir lehnen es auch ab, weil wir diese „A u s w e r t u n g" des Erfolges in geistigem Dingen eines Dichters für unwürdig erachten und weil nur wünschen, daß Dichter produktiv sind. Wir lehnen es aber auch wegen seines Inhaltes ab, weil wir es satt haben, Schlaszimmergeheimnisse wieder und immer wieder nur um der Sensation willen aus der Bühne zu sehen. Und wenn wir auch anerkennen müssen, daß Neumanns „Danieli" weit über den Revue- oder Operettendarbietungen, weit auch über manchem Schauspiel, das uns dieser Theaterwinter brachte, steht, so reicht die Macht seiner Idee und ihrer Gestaltung doch nicht aus, tun sie aus den niederen Sphären in die der Dichtung zu heben. Üan3 Oppenheimer. Unser Kampf gegen öen wirtschastsbopkott. Das Landgericht Koburg setzt Strafe fest. In Nr. 8 der „C. V.-Zeitung" vom 21. Februar d. I. haben wir die einstweilige Verfügung des Landgerichts K o b u r g vom 5/Februar d. I. bekanntgegeben, in der dem Redakteur, dem Drucker und dem Verleger des „Weckruf" jegliche Aufforderungen zum Boykott untersagt wurden. Der „Weckruf" vom 14. Februar d. I. gab diese einstweilige Verfügung vollständig wieder. Dabesi wurde der beanstandete Zeitungsartikel, der in der Begründung der einstweiligen Verfügung mit ausgenommen war, mit abgedruckt, ja, die in ihm enthaltene Aufforderung: „Deutsche! Kaust nur bei Deutschen! Deutsche! Verkehrt nur mit Deutschen!" wurde noch besonders durch den Druck hervorgehoben. Anschließend an diese Veröffentlichung folgte ein Artikel, der in ausfallendem Druck die Ueberschrist trug: „W er beim Juden kaust, ist ein V 0 l k s v e r r ü t e r! Geht nicht zu jüdischen Ae r z t e n und Rechtsanwälten!" . Wegen dieses Verstoßes gegen die einstweilige Verfügung wurde Straffestsetzung beantragt. Das Landgericht Koburg hat daraufhin am 28. Februar gegen den Redakteur, den Drucker und Verleger eine Geldstrafe von je 200 Mark festgesetzt. Gegen rechtsradikalen Terror. Protestversammlung des C. B. Grotz-Berlin. In einer gut besuchten Kundgebung des Landesverbandes Groß-Berlin, die von dem Vorsitzenden Dr. Bruno Glaserfeld geleitet wurde, sprach im Schubert-Saal Reichstagsabgeordneter Ernst L e m - mer über das Thema: „Rechtsradikaler Terror — Republikanische Offensive." In wirkungsvoller Weise setzte sich Lemmer mit den Nationalsozialisten auseinander, als deren Hauptverbündeten er den Pessimismus unserer Tage, der weite Volkskreise ergriffen habe, bezeichnete. Gegenüber der Behauptung der NSDAP. - Führer, besonders auch der jüngeren Generation ihrer Reichstagsabgeordneten, sie sei die Generation der Frontkämpfer, müsse sestgestellt werden, daß der größte Teil dieser nationalsozialistischen Neichstagsabgeordneten den Krieg nur in der Heimat kennengelernt habe. So auch Herr F r i ck, dem gegenüber das Reich das Ansehen der Republik durchsetzen müsse. Positiver Ausbau des Staates und Linderung der sozialen Not seien die besten Helfer im Kampfe gegen den Nationalsozialismus: die Volksgemeinschaft republikanischer Männer und Frauen müsse sich einniütig ihm entgegenstellen. In der Aussprache erzählte der katholische Pfarrer W a r u e ck e aus Potsdam: Er habe seine Schüler jüngst in die Potsdamer Synagoge geführt, und er wie seine Schüler hätten unter dem starken Eindruck dieses jüdische Gotteshaus verlassen, daß katholische njab jüdische Religionsgemeinschaft in ihren Gebeten und ihren gottesdienstlichen Funktionen viel Gemeinsames haben. Ein gläubiger Katholik könne kein Nationalsozialist sein und nicht Nationalsozialist werden. Theaterberichierstatter:

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