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Central-Verein-Zeitung · 1930-03-28 · 13 (28.3.1930) · p. Seite 158

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
13 (28.3.1930)
Date
1930-03-28
Page
Seite 158 (sequence 2)
Language
German
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15$ Sektionsleitung, die dort telephonisch zu erreichen ist und ihre Sprechstunden abhält. Die Burschen hatten Farbtöpse und Pinsel vor Beginn des Lumpenballes in dem Parteilokal. „Wiener Garten", untergestellt, sich mit ihren Parteigenossen bis drei Uhr morgens die Zeit vertrieben, ohne Alkohol zu sich zu nehmen, und dann unauffällig den etwa zehn Minuten langen Weg bis zur Synagoge angetreten. Einige derselben standen Schmiere, denn die Sicherung der Kottbusser Brücke vor Beginn des Bubenstreiches zeigt, wie eifrig sie dem Jnstruktionsunterricht in ihrer Sturmabteilung gefolgt waren. Die Sicherung klappte vorzüglich, so daß sie eine Stunde lang, bis der letzte Tropfen Anilinfarbe verschmiert war, ihre Arbeit zu Ende führen konnten. A u ß e r o r d e n t l i ch wichtig ist die F e st st e l l u n g, d a ß d i e B u r f ch e n, nachdem sie sich zu dem Eingeständnis der Tat bequemen mußten, offen zugestanden haben, s i e hätten aus Judenhaß gehandelt. Als sie nämlich gefragt wurden, weshalb sie denn zehn Minuten weit geg a n g e n seien, um gerade die Synagoge zu beschmieren, erklärten sie, daß sie aus ihrer antisemitischen Gesinnung heraus durch die Aufschriften: „Juda verrecke! Juda den Tod — D i e Rache naht!" b e n Juden eins auswischen wollten. Es besteht in diesem Falle also gar kein Zweifel darüber, daß hier von Haus aus anständige, berufstätige Handwerkerjungen durch die Lektüre nationalsozialistischer Zeitungen, durch wiederholten Besuch nationalsozialistischer Versammlungen und durch ihre Ein¬ MERAN Conünenfal-Hotel * Modernstes Familienbaus I.Eanges m.letztem Komfort. An der Promenade. Massige Preise. quartierung bei einem dem Nationalsozialismus sehr nahestehenden Wirt zu dieser Synagogenschändung reif gemacht worden waren. Zweifellos hat auch der fünfte Täter, ein arbeitsloser Kaufmann Rudi Steinle, gleichfalls eine Zierde der Sturmabteilung 27, der sich noch verborgen hält, einen schlechten Einfluß aus die vier jungen Menschen gehabt. Man kann der Berliner Polizei nur herzlich dankbar sein, daß sie die Nachforschungen so eifrig durchgeführt hat. In diesem Falle werden auch die Verdrehungskünste der Führung der NSDAP, und ihrer Presse nichts nützen. Artur Schweriner. Die Politik des Tages In der „Germania", Nr. 135, vom 21. März, lesen wir in einem M. D. gezeichneten Aufsatz „Das System Frick": „. . . Was bisher über Dr. Fricks Regierungstätigkeit dekanntgeworden ist, angefangen von der Einziehung der Reichsflagge aus dem Weimarer Parlamentsgebäude und jener Aeußerung, daß der Reichsinnenminister auf die Beantwortung einer Anfrage in Sachen des Bundes „Adler und Falken" lange warten könne, bis zu den berechtigten Besorgnissen um die Zuverlässigkeit der Thüringer Polizei — das spricht alles gegen den nationalsozialistischen Staatsminister. Wir sind ganz und gar nicht der Meinung, daß das Reich Gewehr bek Fuß abwarten müsse, bis sich die Regierungsverhälrnisse eines Landes so Zugespitzt haben, daß, wie im Herbst 1923, nur noch der Einsatz der bewaffneten Macht als ultima ratio übrig bleibt. Es gibt auch einen vorbeugenden Verfassungsschutz, und im vorliegenden Falle scheint er auch uns sehr Wohl am Platze. Auch wenn also die Darstellung des thüringischen Kabinetts Zutrifft, daß sich in der Zusammensetzung der Landespolizer nichts geändert habe, so sind damit die letzten Besorgnisse nicht zerstreut. Gerade im Hinblick aus die kürzlich in Ulm aufgedeckten nationalsozialistischen Bemühungen um die Reichswehr, die zur Verhaftung von Zwei aktiven Offizieren führten, wird man vom Reich besondere Wachsamkeit für die Vorgänge im nationalsozialistischen Lager verlangen müssen. Und die oberste Polizeigewalt eines mittleren, seiner zentralen Lage wegen bedeutsamen deutschen Landes in den Händen eines Nationalsozialisten, der kein Hehl daraus macht, daß er sein Amt im. parteipolitischen Sinne führen wolle, ist nun einmal keine bloße Harmlosigkeit. . . . . . Die „Kölnische Zeitung", eines der führenden Organe der Deutschen Volkspartei, hat das ganz richtig erkannt. Sie bezeichnet das Vorgehen Severings als durchaus gerechtfertigt, und erklärt: ,Eine Lösung des Streites wäre sehr schnell herbeizusühren, wenn die Ministerkollegen Fricks und die Parteien des Thüringer Landtages des Verhalten des thüringischen Ministers des Innern eindeutig ablehnten, selbst um den Preis einer Regierungskrise, die vielleicht nicht anders als durch Neuwahlen gelöst werden könnte? Leider hat sich die volksparteiliche Fraktion des Thüringer Landtags zu dieser Auffassung noch nicht durchgerungen. Sie, die bisher alle Nackenschläge Fricks einstecken mußte (wir erinnern an Fricks eigemnächtige Protesterklärung gegen den Poung-Plan im Reichstag!), hat sich — „einstweilen" wenigstens noch — mit Minister Frick solidarisch erklärt und sich hinter die Protesterklärung gestellt, die von der Landvolkpartei im Thüringer Landtag verlesen worden ist. Vielleicht deutet aber doch das Wörtchen „einstweilen" aus die Vorbereitung eines Rückzuges hin, den man sich offenbar angesichts des Mannheimer- Parteitages der Deutschen Volkspartei, der heute beginnt, offenhalten will. . .?' „S. A-Mann", die Wochenbeilage zum „Völkischen Beobachter", Nr. 12 vorn 22. März, druckt einen „Offenen Brief an Groener" des Reichstagsabgeordneten Walter Buch ab, die mit der nachstehenden Erklärung schließt: „ . . . Wir nationalsozialistischen Offiziere wissen, daß der Tag kommt, da der gesamte Ersatz der Reichswehr getragen sein wird von nationalsozialistischer Gesinnung, nämlich von der Gesinnung, die das Fronterleben draußen, aus den Schlachtfeldern, geboren hat. Wir sehen es mit Stolz und Zuversicht, wie diese Gesinnung sich imm-er mehr Bahn bricht in der deutschen Jugend, sei es beim Arbeiter, beim Bauern oder Studenten. Wie wir es draußen im Felde gelernt haben, daß einer ohne den anderen nichts vermag, so lernt es die Jugend von uns, daß einer aus den anderen angewiesen ist, daß das deutsche Volk, will es leben. Zusammen stehen muß in allen seinen Schichten und Ständen. Das ist das .parteipolitische Ziel der Nationalsozialisten. Dieses geeinte deutsche Volk in Waffen wird die Macht haben zur .gewaltsamen Zerreißung der Ketten von Versailles", lange nach dem Tag, da ein General Groener seine Kommandeure anwies zur Erziehungsarbeit in einem Sinn, der weit entfernt ist von Soldatenehre, von Soldatenpslicht." In der „Ueberbündischen Wochenschrift der deutschen Jugend", „Die Kommenden", herausgegeben von Ernst Jünger und Werner Laß, 5. Jahrgang, 12. Folge, vom „21. Lenzmond" 1930, schreibt Detlef Luerssen eine „Absage an Hindenburg!". Darin heißt es u. a.: „Herr v. Hindenburg hat die Verantwortung übernommen. — Er die Verantwortung? Kann ein Greis denn überhaupt die Verantwortung für derartige Abmachungen übernehmen? Kann ein Greis verantwortlich zeichnen für eine Jugend, deren Mannesalter er nicht mehr erleben wird? Wie lange, so fragt die Jugend, glaubt denn der Reichspräsident, daß er noch leben werde^ Sechzig Jahre? Nimmermehr! Er wird es nicht mehr miterleben, w i e fürchterlich sich seine Unterschrift auswirkt. Drei Jahre Atempause für unsere Wirtschaft, daran setzt er sechzig Jahre Zukunft des Reiches. Denn keine andere Besserung bringt der Young-Plan. Nach drei Jahren wird das Kartenhaus zusammenbrechen, muß es zusammenbrechen. Herr v. Hindenburg wird dann vielleicht nicht mehr sein. Aber wir werden voraussichtlich noch sein! Und wir schert den Tag kommen, an dem der Fluch eines ganzen Volkes über das Grab eines alten Mannes hinweggellt. ,Der parlamentarische Kampf um die Poung- Gesetze ist mit deren Verkündung im „Reichsgesetzblatt" zu Ende: damit mutz nun auch im deutschen Volk der Streit um diese Gesetze zu Ende sein ..." Zn wem wagt Herr v. Hindenburg denn so etwas überhaupt zu sprechen? Zur Jugend etwa? Nein! Solche Redensarten ziehen heute nicht mehr. Der Nimbus des Namens Hindenburg ist vom Träger dieses Namens und seiner Umgebung vertan worden. Das hilflose Gestammel des Reichspräsidenten läsit uns kalt. Yourrg — diesen Namen werden wir stets wie einen Fluch anssprechen. Aber mit diesem Namen ist der Name Hindenburg ans ewig verknüpft . . In der „Vosfischen Zeitung" Nr. 144 vom 26. März lesen wir unter der Ueberfchrift: „Die drüben und die hüben — vereint gegen die kapitalistische Welt": „Die ofsizielle Korrespondenz der Nationalsozialistischen Partei macht Stimmung für Erwerbslosendemonstrationen, die gemeinsam von Nationalsozialisten und Kommunisten veranstaltet werden sollen. Die Korrespondenz zitiert eine Meldung des „Vorwärts", die besagt: „Dieser Tage veranstalteten in I n g o l - stadt in Bayern Kommunisten und Hitlerpartei Zusammen eine sogenannte Erwerbslvsendemonstration. Ein ähnlicher Vorgang wird jetzt aus Schleswig bekannt. Auch dort fanden sich Kommunisten und Nationalsozialisten zu einem gemeinsamen Demonstrationszug durch die Stadt zusammen. An der Spitze marschierten der Kreisführer der Nazis, Meher-Quade, und der dortige KPD.-Häuptling Janfon . . . Eine niedliche Illustration zu dem kommunistischen Schlachtruf: Schlagt die Faschisten, wo ihr sie trefft!' Dazu bemerkt das nationalsozialistische Organ: „Niedlich! Da witzeln sie, aber hinterm Witzeln verbirgt die Judenbande ja von jeher ihre Angst. Das könnte ihr so passen, daß die Juden in den Redaktionsstuben und Sekretariaten der KPD. die Poung-Sklaven auch weiterhin mit der Faschisten- Mord-Parole gegeneinanderhetzen, damit sie sich ja nicht vereint gegen den gemeinsamen Feind wenden: die finanzkapitalistische Welt? An anderer Stelle feiert der nationalsozialistische Reichstagsabgeordnete Walter Buch den Opfergeist der Nationalsozialisten und Kommunisten, die bereit gewesen seien, um die Annahme des Republikschutzgesetzes zu verzögern, auf 25 Mark Reichstagsdiäten zu verzichten . . Zweimonatsschrift DER MORGEN Begründer: Julius Goldstein. Aus dem Inhalt Nr. 1, 6. Jahrgang: Raimund Eberhard: Gedanken über das Pessachfest. — Hans Driesch : Parapsychologische Hypothesen.—E rnstSimon: jüdische Bauernfrömmigkeit. — L. Schorsch: Die Frömmigkeit jüdischer Landgemeinden. — Richard Wilhelm: Da Hüo. — C e c i 1 Roth: Der Apostel der Marannen. — B i r - gerForell: Mahatma Gandhi. — Harry Torczyner: Das Geheimnis der Bundeslade. — Franz Rosenzweig: Vertauschte Fronten. — Hermann Herrigel : Was ist heute Philosophie? — Ludwig Feuchtwanger: Der Weg nach Ilok. — Buch-Anzeigen. Preis M. 2,25. Philo Verlaß und Soclandluag Gvxn. b. H« Tel.: Dönhoff 3595 HGTHdSI 68 LmdsnstrasseR

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