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Central-Verein-Zeitung · 1930-03-28 · 13 (28.3.1930) · p. Seite 157

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
13 (28.3.1930)
Date
1930-03-28
Page
Seite 157 (sequence 1)
Language
German
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Ser lin, LS. März 1-3» IX. Jahrgang »Ar. 13 Einzelnummer 2-Pfennig [tttfral l?rcin _ Blätter für »eutsektum Möryan -es tentral Vereius-eutfelisx^. und Judentum, W tstaatsdüryer jttöllchcn Blaudeus e v. Diertettahrsabonnemen« /UiSSNASiNS clSL ^UctSNtUMS 2, SO RM. (zuzügl. Bestellgeld). ■ Verlag und Schrrftteitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 8595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel» stuhe G, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Moste, Berlin SW 100, uni) deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7gespaltene Zeile nach RudolfMEes Normalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvererns 0,45 Ml, die 62 mm breite ReklamezeUe 3,50 JlJL Der Beweis ist erbracht: Die Herliner Spnagogenfchänöer stnü wieder Nationalsozialisten. Am 21. Februar berichteten wir über die Schändung der Synagoge Kottbusser Tor in Berlin, die in der Nacht vom 15. zum 16. Februar mit Hakenkreuzen und Inschriften beschmiert worden war. Es ist seht gelungen, als Täter fünf Nationalsozialisten zu ermitteln. In der letzten Sonntagsnummer des „Berliner Lokalanzeigers" finden wir einen Aufsatz, der sich unter anderem auch mit der Beschmutzung von Gotteshäusern in Berlin beschäftigt. „. . . Die Kundgebungen gegen die Kirche, die am 19. März nach der Aufforderung der Bolschewistenblätter veranstaltet wurden, haben dazu geführt, daß die Kirchenmauern mit riesigen Inschriften in roter Farbe besudelt, daß an den Wänden Schmähungen gegen die Geistlichkeit angebracht wurden. Es ist hier nicht der Ort, alle Zerstörungen aufzuführen, die in bübischer Weise gegen Kirchengebäude verübt wurden. Der Berliner Leser kennt diese traurigen Borkommj nisse zur Genüge aus der Zeitung. Aber der Trauer und dem Schmerz darüber sott Aus- ' druck gegeben werden, daß derartiges in Berlin, einst die Stadt des Lichts und freiheitlichen Denkens, überhaupt möglich ist. Welcher Wandel der Zeiten, welcher Niedergang der Sitten! . . . Die Polizei hat bisher bei der Ertappung der Frevler, der berüchtigten Klebekolonnen, keine glückliche Hand gehabt. Die Bürgerschaft hat aber ein Recht darauf, daß ihre Gotteshäuser, ob Tag oder Nacht, gegen derartige verbrecherische Angriffe geschützt werden. Begrüßenswert ist es, daß sich aus der Zahl der Gemeindemitglieder bereits freiwillige Wachen gebildet haben. Nichts ist freilich so kennzeichnend für die augenblickliche Unsicherheit in politischer Beziehung, als daß die Einberufung Freiwilliger zum Kirchenschutz notwendig ist. Die neue Kultur! . . Mit vollem Recht hat der „Berliner Lokalanzeiger" diese Untaten kommunistischer LESEN SIE: Dr. Alfred Wiener und Hans Oppenheimer: Das „Haus Danieli". Seite 159. — Ein neuer Brunner. Seite 160. — Dr. Gustav Feldmann (Stuttgart): 25 Jahre Schwesterndienst Seite 163. — Ü. a. m. Schmierfinken gegeißelt; es ist dem Herrn Artikelschreiber, obwohl die Nachrichten durch die ganze Presse gingen, aber leider entgangen, daß auch Nationalsozialisten als gemeingefährliche Schmierfinken geraume Zeit in der Reichshauptstadt ihr Unwesen trieben. Die nationalsozialistische Führung hat oft genug versucht, die Schuld von Angehörigen ihrer Partei bei der Schändung jüdischer Kultstätten abzuleugnen. Man denke an Hitlers pathetische Entrüstung in Schweidnitz, an Strasters mißglückte Versuche in Oranienburg und an die nationalsozialistische Presse, wie die „Neue Front", die „Neichssturmsahne", die sich sogar so weit verstiegen, die Täterschaft jüdischen Provokateuren zuzuschreiben und zu behaupten, daß Friedhofsschändungen u. dgl. von „gekauften Mietlingen" ausgeführt worden seien. Diese Ableugnungstaktik ist nun endlich als ein unwahrhaftiges Manöver entlarvt worden. Durch die »Presse ging bereits die Notiz des Berliner Polizeipräsidiums, daß vier der Burschen, die die Synagoge am Kottbusser Tor mit Zinnoberroter Anilinfarbe beschmiert haben, nach vierwöchentlicher umsichtiger Arbeit der Berliner Kriminalpolizei gefaßt worden sind. Sehen wir uns diesen Fall näher an. Während man im allgemeinen annimmt, daß es sich bei solcher Art von Attentätern um hernntergekonnnenes, lichtscheues Gesindel handelt, für dessen Rowdytum keine Partei verantwortlich zu machen ist, nniß in diesem Falle festgestellt werden, daß der Bäckergeselle W ü st e n b e r g , der Stellmachergeselle Otto R u'b a, der Bäckergeselle Karl M eckel - bürg und der Konditor Erich D ö h r i n g , die an der Synagogenschändung beteiligt sind, keineswegs arbeitslos find, sondern ihren Berus s u s ü b e n und äußerlich einen durchaus wohlerzogenen Eindru ck m a ch e n. Sie haben in der Sturmabteilung 27 der NSDAP., die der Standarte 4 untersteht, eine ausgezeichnete Ausbildung genossen: sie leugneten st a n d h a s t, bis sie über» f ü h r t w a r e n. Uebrigens gehörte auch der Sturmabteilung 29, auf dessen Konto die grausigen Bluttaten in Röntgental zu setzen sind, zur Standarte 4 (Görlitzer Bahnhof). W i e k a men äußerlich w o h l e r z o g e n e Jungen darauf, die Synagoge zu besudeln? Aus der Pressenotiz könnte man entnehmen, die Burschen hätten aus einem „Lumpenball" im „Wienr Garten" etwas über den Durst getrunken und ihre Tat unter starker Einwirkung des Alkohols ausgeübt. Das ist durchaus nicht der Fall. Im Polizeibericht heißt es: Der „Wiener Garten", Wiener Straße 10, ist, wie aus dem Mitteilungsbatt der NSDAP. Sektion Südost, herausgegeben von der Sektionsleitung, hervorgeht, Geschäftsstelle der nie 82. FrleShofsscfiämlung. In der Nacht vom 13. zuin 14. März wurden auf dem jüdischen Friedhof in Rödingen, Kreis Jülich (Rhld.), vierzehn Grabsteine umgeworfen und zum Teil erheblich beschädigt. Dieser Bubenstreich hat im Ort und in der Umgehung stärkste Entrüstung horvorgerufen. Die Nationalsozialisten werden ihre Hände wieder wie stets in Unschuld waschen, aber dass es sich hier um eineu traurigen Erfolg ihrer Hetzarbeit handelt, geht wohl aus der Tatsache hervor, dass in Rödingen am Abend vorher eine nationalsozialistische Versammlung stattgefunden hatte. Auf die Ergreifung der Täter sind zweihundert Mark Belohnung ausgesetzt worden.

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