Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 12 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- Seite 142 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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142 301 e t öIIinbuftx ie; Holzunb Baugewerbe u. ä. Interessant ist. daß unter diesen Ringen die beiden Ringe „Post" und „Städtische Betriebe" besonders aufgeführt werden. Diese zunächst aus den Gau beschränkten Organisationen sind als die Grundlage Zu dem später in Aussicht genommenen Aufbau nationalsozialistischer Gewerkschaften gedacht. Genau nach kommunistischem Vorbild arbeiten auch diese Ringe der einzelnen Betriebszellen und Betriebsgruppen mit dem System der Vertrauensmänner, der Zellen führ er, der Gruppenführer und der Ringsührer. Es sind ganz genaue Richtlinien für die Arbeit niedergelegt, auch eine Druckschrift als Organ dieser Betriebszellen hat existiert, die allerdings nach zweimaligem Erscheinen infolge Geldmangels eingegangen ist. Ursprünglich hat sich der sattsam bekannte Gregor Straffer selbst eifrig dem organisatorischen Aufbau dieser Bewegung gewidmet. Seit einigen Monaten hat er diese Arbeit an den als nationalsozialistischen VersammLungsredner bekannten Agitator Mossakowski abgegeben. Einen stärkeren Umfang hat diese Arbeiterorganisation der NSDAP, bisher noch nicht angenommen. In den Richtlinien und Satzungen für die Betriebsgruppen, für die Ringführer, für die Betriebszellen und die Betriebs- Vertrauensmänner kommt aber ganz klar das Ziel zum Ausdruck, das sich die NSDAP, mit dieser Organisation gesetzt hat und dessen Förderung sie sich davon verspricht. Sie wollen damit den Kampf um die Macht in den Betrieben beginnen, um bei Betriebsratswahlen zunächst einmal mit eigenen Listen aufzutreten, damit sie dann bei genügendem Erfolg in den Betriebsräten als eigene Gruppe vertreten sind, und so nach außen hin als Organisation der Arbeiterschaft in Erscheinung treten können. Und die gerade in den letzten Tagen vor sich gegangenen Betriebsratswahlen bei der Berliner Verkehrsgesellschast haben gezeigt, daß es den Nationalsozialisten gelungen ist, auf ihre Liste rund 1400 Stimmen innerhalb der B. V. G. zu vereinen. In allen Richtlinien kommt zum Ausdruck, daß es zunächst Ausgabe der nationalsozialistischen Funktionäre sein muß, alle Geschehnisse im Betrieb zu überwachen, um sie agitatorisch für die NSDAP, auszuwerten. Von Mund zu Mund soll geworben werden, jeder Anlaß ist zu benutzen, um aus die Ziele der NSDAP, hinzuweisen und sie als die einzig entschlossene Partei darzustellen, die das Interesse der Arbeiterschaft wahrnimmt. Das Augenmerk der Vertrauensmänner und Gruppenführer soll auf „Recht und Unrecht" im Betrieb gerichtet fein, damit die Arbeiterschaft sich daran gewöhnt, in den Nationalsozialisten diejenigen zu erblicken, die für das kleinste Leiden der Arbeiter Zeit und Aufmerksamkeit haben. Ueber alle foldje Geschehnisse ist gleichzeitig an den Ringführer beim Gau zu berichten, damit solche Vorfälle in „lohnender Weise" in öffentlichen Kundgebungen für die Arbeiter usw. ausgenutzt werden. Die Mitgliedschaft der Betriebsgruppen usw. kann jeder deutsche Arbeiter erwerben, der zur Verwirklichung des Nationalsozialismus beitragen will. Selbstverständlich erheben die Gruppen, Zellen usw. auch Beiträge, die monatlich mindestens einen Stunde nlvhn betragen sollen. Von diesen Belträgen sollen — falls eine genügende Höhe erreicht wird — auch bei Streiks sogar Unterstützungen gewährt werden. Man steht also: um', in der Arbeiterschaft zu werben, scheuen sich die Nationalsozialisten gar nicht, auch eine Solidarität im Streitfälle vorzutäuschen, während sie bei anderer Gelegenheit immer wieder daraus hinweifen, daß die von den Gewerkschaften „inszenierten" Streiks nur dazu dienen, um die Arbeiterschaft zu verhetzen und fester in die Macht der „vaterlandslosen, undeutschen" Gewerkschaften zu bringen. Die Skrupellosigkeit der nationalsozialistischen Agitation setzt sich über solche Widersprüche mit Leichtigkeit hinweg. Wenn es ihnerr paßt, predigen sie auch den Kampf gegen die Arbeitgeber genau so, wie sie bei anderer Gelegenheit eintreten für die Betriebsgemeinschaft und den Wirtschastsfrieden. Um Funktionäre zu werben, auszubilden und mit Agitationsmaterial zu versehen, haben die Ringführer vor allem in den Betrieben zu werben und zu arbeiten. Durch die Betriebszellen und Betriebsgruppen sollen genügend Teilnehmer für die vom Ringführer einzurichtenden Schulungsabende gewonnen werden. In' diesen Schulungsabenden muß für die Ideen der Nationalsozialisten durch Redner, durch Schriftenverteilung und Propagandazettel geworben werden. Immer wieder kommt in den Anweisungen und Richtlinien zum Ausdruck, daß mit allen Mitteln darauf hingearbeitet werden müsse, in starkem Umfange in der Arbeiterschaft der Betriebe für die NSDAP, zu werben. Der Ringsührer ist auch dem Gau, d. h. der politischen Parteileitung gegenüber, verantwortlich. Er macht Vorschläge zur Besetzung der Funktionärstellen, er ist verantwortlich dafür, daß nur geeignete Parteimitglieder zu Zellen- und Gruppenführern ernannt werden, ihm liegt es ob, bei Betriebsratswahlen die Kandidatenlisten zusammenzustellen. Bisher sind die Erfolge dieser neuen Organisation noch hinter , den Erwartungen der Führer zurückgeblieben. Aber täuschen wir uns nicht. Der nicht zu leugnende Auftrieb, den die Nationalsozialisten durch das für sie günstige Ergebnis der Kommunalwahlen in Preußen erhalten haben, wird sie alles daransetzen lassen, sich mit verstärktem Eifer der Propagandaarbeit auf diesem Gebiete zuzuwenden. Gewiß braucht mau die Gefahr nicht zu überschätzen, denn der deutsche Arbeiter ist durch die jahrzehntelange Erziehungsarbeit der Gewerkschaften in seiner Masse wirtschaftlich und politisch aufgeklärt genug, um den Phrasen der Nationalsozialisten wioerstehen zu können. Die Gefahr ist aber, daß auch kleinere nationalsozia- Dr. Artur Dinier, der, feit geraumer Zeit in Feindschaft mit Hitler, sich nur seinen religiösen Erneuerungsbestrebungen widmet, hat nicht nur in Nürnberg, dem Vororte dieser Bewegung, starken Zulauf aus völkischen Kreisen. Er dringt auch in andere Teile Deutschlands vor. Neuerdings ist auch in Berlin eine Ortsgemeinschaft gegründet worden. In dem neuesten Hefte seines „Geistchristentums", der „Monatsschrift zur Vollendung der Reformation durch Wiederherstellung der reinen Heilandslehre", Hest 26, Februar 1930, werden die Ausführungen verschiedener Teilnehmer bei der Berliner Gründungsversammlung zusammengefaßt. Wir geben im folgenden einen Absatz daraus wieder, weil wir meinen, daß selbst besonnene völkische Elemente stutzig werden müssen, wenn sie hier hören, worauf Dinier und seine völkischen Anhänger hinaus wollen. Aehnlich wie General Ludendorff predigt Dinier eine schrankenlose Bekämpfung der katholischen Kirche bis zum letzten: darüber hinaus aber kennzeichnet und bekämpft er sogar die evangelische Kirche der Gegenwart als verjudet. So lesen wir im „Geistchristentum": „Die überstaatlichen Machtgruppen haben uns politisch, wirtschaftlich und geistig in ihre Gewalt bekommen, und nun sind sogar Bestrebungen im Gange, die allgemeine katholische Weltkirche zu errichten. Alle Menschen sollen unter den jüdischen Glauben gestellt werden! Die katholische Kirche ist selber nichts anderes als eine Zurechtmachung der jüdischen Religion für Nichtjuden. Der Jesuitenorden soll seine Abgesandten sogar bei dem listische Zellen und Gruppen in den Betrieben in erregten Zeiten Mitläufer an sich ziehen werden, die dann in der Öffentlichkeit ein Bild starken Verwurzeltseins in der Arbeiterschaft Vortäuschen. Und noch auf eins sei hingewiesen. .Die gleiche Arbeit, wie sie die Nationalsozialisten für ihre Parteipolitik und Agitation in den Betrieben durch Vertrauensmänner,, Betriebszellen und Betriebsgruppen zu betreiben versuchen, sollen sie auch in der preußischen Schutzpolizei und in der Reichswehr unternehmen. Tie Verhaftungen in Ulm und in Kassel beweisen, daß die Nationalsozialisten diese Zersetzungsarbeit durch Vertrauensmänner in der Reichswehr nicht ganz ohne Erfolg betrieben haben. Ebenso gehen sie auch durch Vertrauensmänner daran, vor allem die Bereitschaften der preuhischen Schutzpolizei zu durchdringen. Wir wissen, daß die Preußische Schutzpolizei in ihrer übergroßen Masse fest und unerschütterlich aus dem Boden der Republik steht. Gerade deshalb muß auf dieses nationalsozialistische Beginnen warnend hingewiesen werden, damit die Behörden ihr schärfstes Augenmerk auf diese unheilvolle Tätigkeit richten. Die preußische Schutzpolizei, die preußische Polizei überhaupt hat sich in den 11 Jahren des Bestehens der deutschen Republik als republikanisches Bollwerk hervorragend bewährt. Wir glauben nicht, daß die nationalsozialistische Propaganda und die nationalsozialistische Zellenmethode wesentliches daran ändern werden. Aber jede nationalsozialistische Zelle innerhalb der Schutzpolizei würde erheblich dazu beitragen, das Vertrauen der Bevölkerung zur Polizei zu mindern und zu untergraben. Der republikanische Staat selbst hat ein Lebensinteresse daran, dem mit allen Mitteln entgegenzutreten. Gerade für dieses Machtinstrument, dem der Schutz der Verfassung und des Staates anvertraut ist, heißt es mehr als woanders: principiis obsta! jüdischen Sanhedrin haben; seit L a i n e z ist er in seiner Aufmachung und feinen Zielen völlig verjudet. Die Niederhaltung des Protestantismus und der deutschen Volksseele war und ist heute noch seine Aufgabe. Auch innerhalb der Luther-Kirche wirken seine Abgesandten ... Wie überall, so hat sich auch bei den deutschen Freimaurern, die ursprünglich hohe Ziele hatten, der Jude festgesetzt und sie zu Werkzeugen seiner Ziele gemacht. In Sowjet-Rußland treiben Bolschewismus und Tscheka das Volk zur Verzweiflung. Die Not soll dort bis zum äußersten getrieben werden, damit sich der Uebertritt der grie-, chisch-orthodoxen Bevölkerung zur jüdischrömischen Papstkirche automatisch vollzieht. Diese soll dann dem russischen Volk als die einzig mögliche Rettung erscheinen. In diesem Sinne allein ist der Aufruf des Papstes gegen die bolschewistischen Greuel zu verstehen. Bisher hat er dazu geschwiegen, jetzt hält er die Zeit der Ernte für gekommen. Die evangelische Kirche ist fast restlos verfreimaurert; in ihr herrscht ebenso wie in der katholischen der jüdische Geist." Der Hitler der Gegenwart hat zwar wegen dieses Kampfes Dinter aus der nationalfozialistischen Partei ausgestoßen, aber es darf daran erinnert werden, daß sich schon wiederholt führende Köpfe, die heute den Nationalsozialisten nahestehen, in stärksten Gegensatz zu den herrschenden Kirchen stellten. Heute wird davon nicht gesprochen, weil man aus taktischen Gründen die Anhänger, die treu zur christlichen Religion stehen, oder solche, die man gewinnen will, nicht kopfscheu machen darf. Die katholische Kirche jüdisch - die evangelische Kirche verjudet... sagt Vr. -lrtirr Vinter.