Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 12 (21.3.1930)
- Date
- 1930-03-21
- Page
- Seite 141 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 94% known words query
- IRI
…/2277379-2277676-2277688--05879-2286658- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
[entrol Blätter für iteutfthtura und Judentum. Srrlin, 21. März 1930 IX. Jahrgang »Nr. 12 EinZelnummee 20 Pfennig Bierteljavrsabonnement 2.L0 RM. (zuzügl. Bestellgeld). ' öryan -es tentralVereius öeutsekerT tslaalsdüryer Mdifcken ölaubens e.V. Allgemeine Zeifung des Judentums Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 804 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechselstube 0, Berlin SW 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt - Rothschild «L Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoncen-Expedition Rudolf Masse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 4iJi für die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mosses Rormalzeilenmeffer Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0.45 Mi, die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 4UL Erlösung oder Auflösung? / TMEÄ" Reichspräsident von Hindenburg hat zum gesamten deutschen Volke und insbesondere zur deutschen Jugend gesprochen. Rein menschlich sagt er uns, dass er es als unwürdig empfindet, eine Verantwortung entscheidender Art von sich abzuschieben. Lernen wir daraus: Liebet die Wahrheit, aber liebet nicht die feige Ruhe! Bf e r k t es euch, jüdische Deutsche! Hindenburgs Blahnung liegt in einem Doppelten: Halten wir uns jeder Zeit vor, welche Pflichten wir gegenüber dem Vaterland und der Nation haben, und sorgen wir, dass alle Deutschen das Trennende und Gegensätzliche dadurch überwinden, dass sie sich im gemeinsamen Wirken für unsere Zukunft zusammenfinden. Sollen diese Worte nicht nur leerer Schall bleiben, so müssen in vielem die Parteigrenzen überwunden werden. Und hier liegt kür uns die grosse Aufgabe: Lassen wir uns aus keinem Lager die Freude an unserer 'Aufgabe, nämlich dem Dienst am inneren Frieden, verleiden. Sorgen wir im kleinsten wie im grössten Kreise für Aufklärung über Sein und Werden des deutschen Juden. Lassen wir uns keine Mühe verdriessen. Hindenburg ruft Vertretern einer nationalistischen Jugend zu: Die neue Generation muss die Pflicht zum Opfer anerkennen. Das Opfer muss für die Jugend darin liegen, sich von unerfüllbaren Wünschen zu lösen und für den einigenden Zusammenhalt von Deutschlands Bürgern zu sorgen. Hier wird die Jugend, die sich zu uns rechnet, ein reiches Betätigungsfeld für ihr Tun und Handeln finden. Hält sie Deutschlands Wohl im Auge, bemüht sie sich, in Ausbildung, Gedankenführung, im Handeln und Streben den Zusammenhang mit dem deutschen Ganzen zu fördern, so wird ihr statt der Auflösung von Recht und Ordnung Erlösung aus all ihrer Not, die heute wahrlich gross genug ist, werden! Darum, Freunde des C. V.: Schliesst die Reihen, gebet den Worten Hindenburgs durch die Tat die Weihe der Voüendung. L. H. Zellenbilöimg. Me die ASDAP. in Betriebe, Ämter und Kasernen eindringt. Von Von besonders unterrichteter Seite wird uns geschrieben: Der Preußische Minister des Innern Grzesinski, der kürzlich Zurückgetreten ist, hat wiederholt in der Öffentlichkeit darauf hingewiesen, daß schon der Name der „Nationalsozialistischen Deutschen Arbeiterpartei" eine Unwahrheit und eine Lüge bedeute. Die Ziele der Nationalsozialisten seien keineswegs sozialistisch: vom Sozialismus habe die NSDAP, nur den Namen und einige falschverstandene Forderungen übernommen. Eine noch größere Lüge aber sei die Bezeichnung dieser Partei als A r beiter- Partei, weil die NSDAP, in keiner Weise die Interessen der Arbeiterschaft vertrete. Diese Worte Grzesinskis haben zwar einen Entrüstungssturm der nationalsozialistischen Führer entfesselt, aber sie sind deswegen nicht weniger wahr. Gewiß versuchen die Nationalsozialisten in ihrer hemmungslosen Hetze und Agitation, Anhänger in der Arbeiterschaft zu gewinnen. Und ebenso ist es richtig, daß die Nationalsozialisten hier und da mit ihren Bestrebungen, in der Arbeiterschaft Fuß 31t fassen, auch Erfolg gehabt haben. Das ist in dieser Zeit der enormen Arbeitslosigkeit kein Wunder. Es ist leicht, hungernde und vergeblich nach Arbeit * ¥ ♦ suchende Menschen mit hetzerischer Agitation zu gewinnen. Weitaus schwerer aber ist es, in der Arbeiterschaft selbst organisationsmäßig Boden zu gewinnen. Die NSDAP, weiß genau, daß es für ihr weiteres Bestehen und Anwachsen entscheidend ist, ob es ihnen gelingt, in den Kreisen der Arbeiterschaft nicht nur vorübergehend Mitläufer zu gewinnen, sondern in Form von festgefügter Organisation Keimzellen zu gründen, von denen aus der starke Einfluß der festgefügten deutschen Gewerkschaften zu schwächen und zu brechen ist. Das hat schon im November 1924 zur Gründung nationalsozialistischer Gewerkschaften geführt. Allerdings waren diese Gründungsversuche völlige Fehlschläge und sind über bedeutungslose Anfänge nie hinansgekommen. Infolgedessen ist man von dem Gedanken einer nati0nalsozialiftifchen Arbeitnehmerorganisation in der Art der Gewerkschaften abgekommen. Seit dem vorigen Jahr geht die NSDAP, einen anderen Weg, der zwar nicht originell ist, der ihr aber mehr Erfolg zu versprechen scheint. Sie versucht, nach kommuni st i s ch e m Vorbild, nunmehr Betriebsorganisationen aufzubauen, um aus diesem Umweg doch noch zu einer nationalsozialistischen Organisation innerhalb der Arbeiterschaft zu kommen. Aehnlich wie bei den Kommunisten soll sich diese Organisation auf den Betriebszellen aufbauen. Und es ist für die Mot der Zeit und die Verwirrung der Geister bezeichnend, daß diese Bestrebungen der Nationalsozialisten gewisse Teilerfolge aufzuweisen haben. Die Betriebszelle der Nationalsozialisten ist ganz nach kommunistischem Muster als der Sammelpunkt aller Nationalsozialisten innerhalb eines Betriebes gedacht. Je größer der Betrieb ist und je mehr er in verschiedene Werkstätten Zerfällt, desto mehr Betriebszellen existieren. Die Betriebszellen des gleichen Betriebes werden in Betriebsgruppen zusammengefaßt. Alle Betriebszellen und Betriebsgruppen innerhalb eines Gaues werden in „Ringen" vereinigt, die Führer der Ringe unterstehen dem beim Gaubüro der NSDAP, eingerichteten Sekretariat der Arbeiterangelegenheiten, sie werden von diesem mit Zustimmung des Gauführers ernannt und können auch ohne weiteres von diesem abberufen werden. Also auch hier kommt das absolute Unterordnungsverhältnis, das in der NSDAP, zwischen Mitgliedern und Führern herrscht, wieder zum Ausdruck. Die Z e l l e n l e i t e r, die R i n g f ü h r e r werden eingesetzt, erhalten vom Sekretariat ihre Weisungen und müssen nach ganz bestimmten Richtlinien arbeiten. Bisher haben die Nationalsozialisten zehn solcher Ringe von Betriebsgruppen gebildet. Diese Ringe fassen die Betriebszellen der gleichartigen Betriebe zusammen, z. B. Banken, Handel, Inhaltsverzeichnis S. 443,