Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 11 (14.3.1930)
- Date
- 1930-03-14
- Page
- Seite 134 (sequence 6)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 96% known words query
- IRI
…/2277379-2277676-2277687--05871-2286649- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
134 Bekenner dieses Prinzips seien wahre, richtige Volljuden. Aus dem Kongreß von Basel — 1927 — wurde diese Ideologie erschlagen und begraben. Exekutive und Kongreß wurden in den Winkel gestellt und die Nichtzionisten wurden feierlich als gleichberechtigte Teilnehmer an der Jewish-Agency begrüßt. .Daher der kraftvolle Widerstand der radikalen Zionisten gegen die Jewish-Agency, den man in zweijährigem Kampfe mit einem unwiderstehlichen Argument, nämlich mit dem Hinweis auf die leeren Kassen der Exekutive, endgültig niederschlug. Die Jewish-Agency wurde Wirklichkeit. Wie aber weiter? Mit einem Palästina, ausgebaut als Ausdruck und Werk eines nationalen Judentums, konnten die Zionisten in sich selbst, zum Teil auch bei anderen, den Glauben erwecken, es werde ein nationales Palästina als jüdisches Zentrum lebenspendend und richtungweisend auf das Judentum außerhalb des Heiligen Landes zurückwirken. Läßt sich aber das gleiche von einem Palästina, das nur die Hilfe der Nichtzionisten am Leben erhält, erwarten? Die Frage stellen heißt sie verneinen. Man mag hundertmal von „Nochnichtzionisten" sprechen, man mag die Jewish-Agency für eine andere Form der alten Exekutive ausgeben, der Zweifel der Massen, hier sei eine grundlegende Aenderung erfolgt, läßt sich nicht bannen. Dazu die A r a b e r f r a g e! Ein Problem, dessen Erörterung zwar nie beliebt war, aber doch zu keiner Zeit so unerwünscht kommt wie gerade jetzt. Hat doch die Ausrollung dieser Frage genügt, um den Zionismus selbst in zwei Lager zu spalten; Lager von ungleicher Stärke, aber Namen wie Magnes, Bergmann, E r n st S i m o n usw. verlieren ihre Bedeutung auch dann nicht, wenn ihre Träger in den Reihen der Minorität stehen. Vergegenwärtigt man sich diese Momente, so begreift man, daß innerhalb des deutschen Zionismus die Befürchtung entstehen konnte, der zionistische Gedanke habe an Zugkraft eingebüßt und es sei Zeit, ihn mit neuem Inhalt zu erfüllen. Deshalb hat man sich, wie es scheint, aus einmal der Abwehrarbeit als einer jüdischen Aufgabe erinnert, nachdem man sie jahrzehnte- Jung will heute Jeder ^etn *tfrum luJalter~JloraxlnjJladh/netn Vndnimm JigiAer-dlorax-Sei/e dazu, rfofihlötdu dich verfängt im W/ lang abwechselnd als ohne Bedeutung, unwürdig, als nutzlos und vergeblich hingestellt hatte. Erklärt man sie jetzt zu einer Aufgabe, die einzig und allein die Mischen Gemeinden lösen können, so ist der Gedankengang einfach: Abwehrarbeit ist nötig; der C. V. hat versagt, also müssen die Gemeinden in die Bresche treten. Wer aber wird die Gemeinde in diesem Kampfe führen? Wer anders als die Zionisten, die bei dieser Gelegenheit, so ganz en pa88ant, die Führung der übrigen Verwaltungsgeschäste in den Gemeinden übernehmen können. „Mär' der Gedank' nicht so verwünscht gescheit. Man wär' versucht, ihn herzlich dumm zu nennen." Die Gefahr, daß dieser Plan irgendwie Wirklichkeit werden könnte, scheint nicht allzugroß. Die Erkenntnis, daß der C. V. in der Abwehrarbeit das geleistet hat, was innerhalb 'der Grenzen seiner Kräfte und Mittel zu erreichen war, ist im Bewußtsein des deutsche!: Judentums zu fest verankert, als daß auch nur eine der großen jüdischen Gemeinden sich bewogen fühlen könnte, den C. V. in seiner Arbeit abzulösen. Der Plan, dem Zionismus hier ein neues Betätigungsfeld zu schaffen, dürfte sich als ein Versuch erweisen, unternommen mit untauglichen Mitteln am untauglichen Objekt. J)r. Eva Jungmann schreibt: Die gegenwärtige allgemeine Aussprache über die Uebernahme der Abwehrarbeit durch die Gemeinden bedeutet eine.Art ungewollter Rechtfertigung des C. V. Zwar halten die Befürworter dieser Forderung mit Kritik nicht zurück — und da sie sich meist auf zionistischer Seite finden, ist auch nichts anderes zu erwarten — aber die Tatsache selbst, daß die Notwendigkeit einer planmäßigen Abwehr des Judenhasses nunmehr auch in den bisher dieser Arbeit fernstehenden Kreisen erkannt wird, ist doch ein moralischer Erfolg unserer Methoden. Bedauerlich nur, daß erst eine traurige Gelegenheitsursache, nämlich das Anwachsen des Nationalsozialismus, notwendig war, um einen: Teil der Betroffenen die Augen dafür zu öffnen, was uns zur Selbstbehauptung innerhalb unserer deutschen Umwelt nottut. Der Gedanke der Verteidigung unseres Rechtes auf Dasein und auf Anerkennung beginnt in den letzten Monaten volkstümlicher denn je zu werden, und auf allen Seiten erheben sich Stimmen, die ihren Entschluß, mitzutun, laut verkünden. Nicht unsere Schuld ist es, wenn diese Botschaft nicht gleich auch den dazugehörigen Glauben in uns auslöst. Denn leider fehlen dafür einige wichtige Voraussetzungen. Von zionistischer Seite, insbesondere von den Herren Dr. Alfred Klee und Moses Wald mann, wird immer wieder darauf hingewiesen, daß die Arbeit des C. V. an einer Parteilichkeit kranke, die ihre Ablösung durch die überparteiliche Gemeinde als wünschenswert erscheinen lasse. Die Parteilichkeit besteht, kurz gesagt, in der gesinnungsmäßigen F e st l e g u n g des C. V. auf die bewußte Zugehörigkeit der deutschen Juden zu nt deutschen Volkstu m. In diesem Gedanken, durch den sich der C. V. gegen die nationaljüdische Auffassung abgrenzt, die zwar die Verbindung der Juden mit Deutschland in allen möglichen Abwandlungen darstellt, aber jedenfalls nicht in der gleichen eindeutigen Stärke bejaht wie er, wird eine Belastung gesehen, unter der die Leistungsfähigkeit des „wir wollen in Zrieöen zusammen leben!" Aufklärrrrrgsvorträge des Centralvereins in Erlangen und Lippstadt. Der Landesverband B a y e rn des Centralvereins veranstaltete am 28. Februar im Bahnhosshotel in Erlangen eine Aufklärungsversammlung, an der nicht'nur Mitglieder des Centralvereins, sondern auch ein großer Kreis nichtjüdischer Herren und Damen leilnahm. Die Bürgermeister Dr. Flierl und Rechtsrat Hahn, viele Universitüts- Profesforen mit ihren Damen, die Direktoren und Mitglieder der Lehrerkollegien der Mittelschulen, Vertreter der Geistlichkeit und viele andere Angehörige aller Kreise der Erlanger Einwohnerschaft füllten den Saal bis auf den letzten Platz. Justizrat Gallinger (Nürnberg) eröffnete die Versammlung mit dem Hinweis, daß der Zweck der Veranstaltung der sei, in wissenschaftlicher Weise zur Aufklärung über das Judentum beizutragen. Universitütsprofessor Dr. Driesch (Leipzig) leitete seinen gedankenreichen und tiefen Vortrag „Die Einheit der geistigen Menschheit" mit dem Zitat Schopenhauers ein: „Moral Predigen ist leicht, Moral begründen ist schwer." Er ging bei seinen Betrachtungen von der Frage der Versöhnung der Menschen aus, gab einen historischen Ueberblick über die Entwicklung des Antisemitismus, dessen Inhalt zunächst das Anderssein, die anderen Sitten und Riten der Juden gewesen sei, bis man dann das Rasseproblem in den Vordergrund stellte. Eingehend legte er die Irrwege der Rassenlehre dar, entkräftete verschiedene Vorwürfe, die den Juden gemacht zu werden Pflegen und sprach dann vom Ziel der Volksgemeinschaft. „Wir Menschen," schloß er, „können uns alle gegenseitig verstehen, so weit wir Menschen sind. Das Wesen der Menschen ist der Geist. Wir können zusammen leben, also wollen wir in Frieden zusammen leben!" Die Versammlung, die " ungestört unter größter Aufmerksamkeit aller Hörer verlies, fand reichen Widerhall in der Presse. Das „Erlanger Tagblatt", das „Erlanger Volksblatt" und die deutschnationalen „Erlanger Neuesten Nachrichten" bringen spaltenlange Artikel, in denen sie den würdigen Verlauf der Veranstaltung loben. Eine gleichfalls sehr gut verlaufene Ausklürungsversammlung fand in L i p p st a d t im Hotel „Westfälischer Hof" auf Veranlassung des C e n t r a l v e r e i n s L i p P - st a d t unter Leitung des Ortsgruppenvorsitzenden, Kaufmann S o st h e i m, statt. Rabbiner Dr. Neuhaus (Mühlheim) sprach über Entstehung, Form und Bedeutung des Talmud. Die Diskussion und das Schlußwort gaben dem Redner Gelegenheit, die Morallehre der Juden darzulegen. Die „Lippstädter Zeitung" und der in Lippstadt erscheinende „Patriot" gaben ausführliche Berichte über diese Versammlung. * Es ist sehr erfreulich, daß auch andere Organisationen jetzt die Notwendigkeit erkannt haben, gegen die Volksverhetzung von rechts und links aufzutreten und auf das Ziel der Volksgemeinschaft hinzuarbeiten. So hat z. B. das Reichsbanner am 5. März in Löwenberg in Schlesien eine große Kundgebung veranstaltet, bei der Lic. theol. Ernst Moehri n g (Breslau) über die nationalsozialistische Bewegung sprach. Er legte überzeugend dar, daß das, was der Nationalsozialismus erstrebe, weder national noch sozial sei. Nur Achtung des einen vor dem anderen, Heranziehung jedes einzelnen im Dienste der Voltsgesamtheit, Ablehnung der Unterscheidung zwischen Staatsbürger und Volksgenosse, Ablehnung des Unsinns der Rassentheorie, Ablehnung der Bekämpfung religiöser oder weltanschaulicher Einstellung des einzelnen, Zusammenfassung aller Teile des Volkes können uns wieder vorwärts und auswärts bringen. Etwa 30 Minuten seiner Ausführungen widmete der Referent der Kainpsesweise der Nationalsozialisten gegen die jüdische Bevölkerung Deutschlands. Unter großer Bewegung der Anwesenden rief der Redner ai!s, daß er sich nicht denken könne, daß vor ihm im L-aale auch nur ein einziger fitze, der die Schändungen jüdischer Friedhöfe, die Besudeln n g jüdischer Gotteshäuser, die Vergiftung der See-- len schon der u n mün d i g en Kinder in der Schule billige. Bei all diesen Versammlungen haben Nationalsozialisten nicht das Wort ergriffen. Sie gingen, wie immer, dort der Auseinandersetzung aus dem Wege, wo sie wußten, daß ihnen von sachkundiger Seite entgegengetreten werden würde. HM-Aimon Meiner / Abbazm direkt am Meer. Große Terrasse u. Naturpark. 200 Betten. Appartements m. Privatbad, fließendes warmes u. kaltes Wafferi.d.Zunmern.Warm.Seebäder,kohlensaur.Bäder. Diätküche taut ärztlicher Vorschrift. Pensionspreise nach Größe und Lage des Zimmers von Lire 40,— (9 RM.) an. Jüdische Institutionen Sonderpreise. Eigener Betsaal.