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Central-Verein-Zeitung · 1930-03-14 · 11 (14.3.1930) · p. Seite 135

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
11 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
Seite 135 (sequence 7)
Language
German
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135 C. V. in der Abwehrarbeit auf das schwerste leide. Wäre diese Ansicht richtig, so könnte sie uns in unserer Auffassung vom Deutschtum der deutschen Juden nicht im entferntesten irre, machen. Denn unnötig Zu sagen, daß Gesinnung anderen Gesehen folgt als denen der Zweckmäßigkeit. Aber sie ist falsch, sie trifft so falsch wie ein Pfeil, der auf die Brust dessen zurückschnellt, der ihn losgeschossen hat. Unser deutsches Heimatsbewußtsein ist uns etwas zu Ernstes und zugleich zu Selbstverständliches, als daß wir es leichten Herzens in den Kampf der Meinungen hineinziehen. Es bedeutet uns immer einen Reichtum; oft eine innere Bedrückung. wenn uns unser Anspruch darauf gar zu heftig bestritten wird. N i e m a l s bedeutet es uns ein Mittel zur Errichtung eines bestimmten Zweckes. Aber: diesem ungewollten Inhalt unseres Bewußtseins, dieser unlenkbarcn Richtung unseres Willens, dieser unabhängigen Macht in uns, müßten wir uns beugen, weil sie da ist, gleichgültig, ob sie in der Welt der Wirklichkeit Erfolg oder Mißerfolg bewirken würde. Doch sie bewirkt Erfolg. Sie ist die einzige Grundlage, von der aus die heutige geistige Auseinandersetzung zwischen Juden und Judengegnern ehrlich geführt, erfolgreich beendet werden kann. Der Nationalsozialismus und seine Mitläufer predigen die Lehre von unserer Volksfremdhert. Sie belegen sie mit angeblichen Beweisen, die unsere blutsmäßige, kulturelle, politische und wirtschaftliche Sonderstellung betreffen. Gegenbeweise können ohne Schwierigkeit erbracht werden. Aber sie unterscheiden sich im Inhalt und vor allem in ihrer Wirkung beträchtlich, je nachdem, ob sie vom Willen zum Deutschtum, oder ob sie vom Willen zu einem nationalen Judentum getragen sind. Sowohl ihr logischer, wie vor allen Dingen ihr gefühlsmäßiger Inhalt, der das wichtigere an ihnen ist, wird entscheidend dadurch bestimmt, ob man die deutschjüdische Verbundenheit als ein Nechtsverhältms aus Gegenseitigkeit oder ob man sie als tief im Seelischen verwurzelte Schicksalsgemeinschaft auffaßt. Es darf als einwandfreies Ergebnis praktischer Erfahrung sestgestellt werden, daß die stärkeren Wirkungen in der judengegnerischen geistigen Welt von heute durch das Bekenntnis des Willens zum Deutschtum erzielt werden. Es gibt Gebiete, bei denen der Rechtsstandpunkt ausreicht. Sie sind nicht allzu ausgedehnt. Bedeutungsvoller und in der massenpsychologischen Wirkung allein entscheidend sind die Gebiete der Aufklärung und Abwehr, in denen das deutsche Heimatsbekenntnis unerläßlich ist. Denn es handelt sich ja nicht um die konkreten Fälle allein, in denen eine Fälschung berichtigt, ein Angriff abgewehrt, ein geschehenes Unrecht wieder gutgemacht werden muß. Es handelt sich vielmehr u m die L o ck e r u n g u n d Aufhellung einer getrübten und haßerfüllten A t m o s p h ä r e. die nur durch wissenschaftliche Auseinandersetzung in ihren ob e r e n und durch Zersetzung des s ch l a g w o r t - Haft verdickten Niederschlags in ihren unteren N e g i o n en z u e r - reichen i st. Beides ist nur vom festen Boden einer Gesinnung möglich, die in allerletzter Wesenstiefe auf der gleichen Grundlage nationalen Zugehörigkeitsgefühles ruht, die auch durch Verwachsungen und Verzerrungen hindurch als Urgrund jener nationalistisch-antisemitischen Ueberspannung sichtbar bleibt. Keine jüdische Gemeinde ist in der Lage, in dieser, aus der geistigen Situation der Zeit heraus geforderten Weise Gesinnungspolitik zu treiben. Die Ge in ein de ist Behörde, sie steht abseits vom Meinungsstreit. Sie i st neutra l. Nach Ansicht der Fürsprecher ihrer Abwehrtätigkeit ist das ihre große Ueberlegenheit. Wir glauben, daß es ihre Schwäche ist. Wir weifen den Gedanken, daß wir unser deutsches Bewußtsein zum Handlanger politischer Zwecke mißbrauchen, mit Abscheu zurück. Aber der politische Zweck braucht unser deutsches Bewußtsein, das unser von ihm unabhängiges Besitztum ist. Wenn man nach der Gemeinde ruft, und diesen Ruf damit begründet, daß der C. V. nicht alle Juden ohne Unterschied ihrer Richtung im Kampfe um ihr Recht vertritt, so widerspricht eine solche Behauptung feststehenden Tatsachen und unbezweifelten Gepflogenheiten. Nicht nur unsere geistige Arbeit kommt Zwangläufig allen Juden zugute, sondern auch in der Praxis der Tageskleinarbeit wird ein Unterschied nach der Gesinnung der Schutz- oder Beistandsuchenden nicht gemacht. Noch niemals ist einem Hilss- L Lodbad Tvlz. » MeMWomliSL P5, Preisen das Beste an Unterkunft und Verpflegung. — Eröffnung 11. April. bedürftigen die Hilfe versagt worden, weil er Zionist war. Daß die Gemeinde im Kampf um die Selbstbehauptung der Juden Aufgaben zu erfüllen hat, wird niemand bezweifeln. Sie sind unschwer zu bestimmen. Niemand wird dankbarer als wir die Unterstützung anerkennen, wenn insbesondere die deutschen Großgemeinden oder andere jüdische Organisationen sich ihrer Ausgaben mit Ernst und Aussicht auf tatsächliche Leistung annehmen. Unsere Arbeit um die Anerkennung des deutschen Juden als vollwertigen deutschen Volksgenossen zielt auf den Kern der Dinge. Und darum wird sie ihn schließlich, mit oder ohne Bundesgenossen, auch treffen. Dr. Ignaz Zollschau, als Verfasser der „Revision des jüdischen Nationalismus" imd eines Werkes über Rassenprobleme in weiteren Kreisen bekannt, hat in der „W teuer Neuen Freien Presse" einen sehr beachtenswerten Aussatz veröffentlicht, in den: er die Gefährlichkeit des jüdischen Nationalismus für eine zweckmäßige Lösung des Palästina- Problems in überzeugender Weise nachweist. Wir werden ans den Aussatz noch zurückkommen. Nach Aachen. Sie haben im „Wiener Neuen Iourna I" vom 12. Februar 1930 folgendes Inserat gelesen: „A u s der Kuhn-Stiftung sollen zehn Legate ü. 500 Reichsmark solchen jüdischen Familien übergeben werden, die ihre 12—11jährigen Töchter in christliche Pensionale gcb-en wollen mit dem Ziel der Taufe. Bewerbg. der jg. Mädchen mit Lebenslauf und Begründung des Schrilles, Zustimmung der Eltern oder Verwandten an Dr. Berger, Quellenhof-Vad, Aachen. (Inlandsporto.)" Wie das „W o ch e n b l a t t f ü x den Synagogenbezirk Erfurt" erklärt, existiert eine derartige Kuhu-Stiftung überhaupt nicht, und Herr Dr. Berger ist in dem angegebenen Aachener Hotel niemals eingetroffen. Er hat sich die Nachsendungen an ein kleines Hotel in Westfalen erbeten. Danach scheint die Annahme nicht von der Hand zn weisen, daß es sich bei dem Inserat weniger um eine Missionsangelegenheit handelt, als um andere Dinge, die das Licht der Oeffentlichkeit scheuen. MM K i'ji' FLEG, Warum ich Jude bin, brosch. M. 1,50 geb. M. 2.50 GUTTMANN, Das Judentum und seine Umwelt.geb. M.12,— IHERING, Der Kampf ums Recht, mit einem Vorwort von R. Wassermann M. 2,25 GOLDSTEIN, Deutsche Volks-Idee und deutsch-völkische Idee . M. 2,90 FREUND, Die Rechistellung der Synagogengemeinden in Preussen und die Reichsverfassung . . M. 3,— JACOB, Auge um Auge.M. 4.— LEV Y, Die Schächifrage ...... M. 0,90 Dönhoff 3595 v BERLI N SW 68 / Lindenstr. 13 Biomalz % ¥ W Jedem Kinde sein Biomalzf Frühstück, bevor es in die Schule geht. Sie sind dann wirklich gekräftigt und können ohne Müdigkeit dem Unterricht aufmerksam und geistesfrisch folgen. Biomalz wirkt doppelt. Das edle Gerstenmalz bildet — Blut und Muskeln, der giyzerin - phosphorsaure Kalk nährt -- Gehirn und Nerven l Erhältlich in Apotheken und Drogerien. Aufkiäxende Druckschriften kostenfrei. Biomalz-Fübrik, Teltow b. Berlin 14. 5311714165155

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