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Central-Verein-Zeitung · 1930-03-14 · 11 (14.3.1930) · p. Seite 131

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
11 (14.3.1930)
Date
1930-03-14
Page
Seite 131 (sequence 3)
Language
German
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131 Neue Schändungen MißherNultstätten. Zrie-Hofsschänöungen in Zußgönnheim und Lichtenfels, Spnagogenfchänöung in Labiau. Der Revolverheld von Hannover gefaßt. Noch sind die letzten Friedhofs- und Synagogenschändungen ungesühnt, itnb schon wieder häufen sich die Meldungen über neue Untaten. So wird uns aus Kaiserslautern gemeldet, daß auf dem alten israelitischen Friedhof in F u ß g ö n n h e i m etwa 3 0 Gräbst eine u m geworfen loorden sind. Es ist nicht feststellbar, wann die Tat vollbracht worden ist. Angeblich sollen bereits Mitte Januar Kinder beim Fußballspiel die Mauer überstiegen und in jugendlichem Uebermut die Tat begangen haben. Aus Lichtenfels wird berichtet, daß Fremde, die am Donnerstag, den 6. März, die Gräber ihrer Angehörigen auf dem jüdischen Friedhof besuchen wollten, dort a ch t G r a b - st eine umgelegt vorfanden. Auch dort sind zwar Nachforschungen angestellt, doch die Täter noch nicht ermittelt worden. In Labia u wurde in zwei verschiedenen Fällen der Zaun der Synagoge erheblich beschädigt. Das Holzgitter wurde aus den gemauerten Pfeilern herausgerissen und eine Reihe der schweren Pfeiler umgestoßen. Als Täter konnten der 18jährige Bürogehilfe Willi N e n t e l vom Arbeitsamt und der Schlosserlehrling H a f f k e, sowie der Elektrikerlehrling Pauleweit festgestellt werden. Die Tat erfolgte in beiden Nächten nach völkischen Versammlungen. Wie wir in der „C. V.-Zeitung" vom 28. Februar meldeten, hatte ein Revolverheld am 15. Februar den Abendgottesdienst in der Synagoge in Hannover gestört. Dieser ist inzwischen festgenommen worden; es war der 21jährige Matrose W ü ft n e r. Bei seiner Festnahme gab er an, daß er antisemitisch eingestellt sei und häufiger nationalsozialistische Versammlungen besucht habe. Wüstner hat den Knall in dein Vorraum der Synagoge durch zwei Nevolverschüsse verursacht. Den Revolver hat er sich zu diesem Zweck besonders geliehen. Vier Jugendliche haben ihm bei dieser Heldentat geholfen. In immer rascherer Folge mehren sich die Fälle, in denen Jugendliche, ja sogar Kinder, jüdische Friedhöfe und Synagogen schänden. Die Nationalsozialisten lehnen in solchen Fällen die Verantwortung für die Tat ab, und es ist häufig auch schwer, den unmittelbaren Zusammenhang sestznstellen. Es erhebt sich aber doch die Frage: weshalb lassen diese Kinder gerade ihren Uebermut au jüdischen Friedhöfen und Gotteshäusern aus? Doch zum mindesten, weil ihnen die Ehrfurcht vor diesen geweihten Stätten fehlt, die ihnen in Schule und Elternhaus ebenso gelehrt werden müßte, wie die vor den christlichen Heiligtümern. Wenn aber in völkischen Schülerbünden, Schülerzeitungen, in Anschlägen, Vortrügen u. dgl. die Juden und die jüdische Religion als vogelfrei und bekämpfenswert hingestellt werden, dann sind auch diese Kreise moralisch verantwortlich für die Taten, die aus ihren Worten folgen. Mörder an der deutschen Jugend find heute Trumpf! Die Bluthunde der marxistischen Volksverhetzung, Schutztruppen des jüdischen Kapitalismus, die Henker des deutschen arbeitenden Volkes haben den Arbeiterstudenten Horst Wessel viehisch ermordet. Schüler! Schülerinnen! Ein jeder, der sein Volk über alles liebt, ist heute vogelfrei! Als vor einigen Monaten Werner Wessel und mit ihm drei Sportfreunde einem tiesbedauerlichen, aber durch unsportlichen Leichtsinn verschuldeten Unfall in den Bergen zum Opfer fielen, versuchten die Nationalsozialisten den Tod ihrer Freunde zum Heldentod zu stempeln ' und, indem sie die Verunglückten als Märtyrer hinstellten, ihren Tod Politisch auszuschlachten. Kurze Zeit danach wurde Horst Wessel von der Kngel eines Kommunisten uiedergestreckt. Gleichgültig, ob ein Attentat einem uns freundlich oder feindlich gesinnten Menschen gilt, ob es von rechts- oder linksradikaler Seite verübt wird, wir empfinden bei jedem Mord tiefste Abscheu. Nicht einverstanden dagegen können wir uns damit erklären, wenn solche verdammenswerten Taten nach allen Regeln der Kirnst politisch in der hemmungslosesten Weise mißbraucht und Zur Aufreizung der Bevölkerung, insbesondere der Jugend, ausgebeutet werden. Die nationalsozialistische Presse hat in den letzten Wochen, besonders seit dem Tage der Beisetzung Horst Wessels, auch solche Kreise in der rohesten Art verunglimpft, die mit dem Mord ganz und gar nichts zu tun haben. Es steht fest, daß Konunnnisten die Mörder gewiesen sind. Trotzdem sucht man hinter den eigentlichen Mördern andere Kreise als die geistigen Urheber der Ermordung.. So hat der Na- Solche Flugblätter verteilt öer Nationalfozialistifthe Schülerbunö. t l o n a l s o z i a l i st i s ch e S ch ü l e r b u n d die Schülerschaft Berlins mit einem Flugblatt, in dem die obengenannten Sätze enthalten sind, zu einer M a s s e n Protestkundgebung aufgerufen, in der der Mord an Wessel zu nichts anderem diente, als, wie üblich, den Staat, feine Einrichtungen, Träger und Freunde verächtlich und lächerlich zu machen. Der Toll der Versammlung entsprach der Einladung. Der Berliner Gauführer des NSS., 'A m m e r l a h n, erging sich im wesentlichen in Schmähungen des bestehenden R e g i e r u n g s s y st e m s, in den: Leute wie die Mörder Wessels großgezogen würden. Das Judentum bemühe sich, durch seine Wühlereien das Volk uneinig zu machen, da es nur so im Trüben fischen könne. Die Jugend wurde ganz offen z u m Kampf und passiven W i d e r st a n d g e g e u Staatund R egierilng ailfgefordert. Die Reichsversa s s u n g nannte der Redner einen „Fetze n P a P i e r", über den jeder Schüler und jede Schülerin nur verächtlich lachen könne. Das „Berliner Tageblatt", die „Morgenpost" und die „f a m o s e E. V. - Z e i t u n g" wurden wegen ihrer warnenden Artikel über den nationalsozialistischen Schülerterror heftig angegriffen. Der Reichsführer der NSS. Pg. von Rentelen erinnerte an die ruhmreiche Vergangenheit des deutschen Volkes, das der letzten Entscheidung des Weltkrieges feig ausgewichen sei. Jetzt habe die Jugend an den schweren Folgen zu tragen. Sie müsse sich für den N a t i o n also z i a l i § m u s, das einzige Heilmittel D e u t s ch l a u b §, tatkräftig einsetzen. Auch Goebbels fehlte nicht unter den „Schülern". Er wandte sich gegen die Hineinziehung der Parteipolitik in' die Schule. (!) Der Nationalsozialistische Schülerbund sehe seine Aufgabe lediglich in der politischen Aufklärung der Schuljugend. _ Wir fragen Herrn Goebbels: Ist diese „politische Aufklärung" nicht parteipolitisch? ..8m die Seele des deutschen Landwirtes." Das Mgrarprogramm öer NSDflp. Vor wenigen Tagen hat die NSDAP, in ihrem Zentralorgan eine Art von Agrarprogramm als parteiamtliche Kundgebung über ihre Stellung zum Landvolk und zur Landwirtschaft veröffentlicht; es soll — nach einem kurzen Kommentar Rosenbergs — „eine neue Waffe im Kampf um die Seele des deutschen Landwirts" fein. Im Vergleich mit den Agrarprogrammen anderer Parteien verdient es allerdings diesen Namen kaum, denn es stellt zwar einige Forderungen allgemeiner Natur auf, zeigt aber fast nirgends den Weg, der zürn Ziele führt. Im ersten Abschnitt wird eigentlich nur ..die Erhaltung eines leistungsfähigen, im Verhältnis zur wachsenden Gesamtvolkszahl auch zahlenmäßig entsprechend starken Bauernstandes" verlangt. Der zweite Abschnitt beschäftigt sich mit der Lage der Landwirtschaft in der Gegenwart. Die wirtlichen Ursachen der Bauernnot werderr darin keineswegs erfaßt. Die Nationalsozialisten begnügen sich mit dem Hinweis aus die Steuerlast, die angeblich unzulässig hohen Gewinne des Zwischenhandels und die „Wucherpreise" der Kunstdüngerindustrie und der Erzeuger elektrischen Stroms. Natürlich sind an allem wieder einmal „die Juden" schuld, obwohl sogar die Nationalsozialisten wissen könnten, daß der größte Teil der landwirtschaftlichen Erzeugnisse heute nicht mehr von jüdischen Händlern umgesetzt wird, daß die meisten der stromerzeugenden Elektrizitätsgesellschaften in den Händen öffentlicher Körperschaften sind, und daß es geradezu ein Hohn ist, die Konzerne der Kunstdüngerfabrikanten, an deren Spitze in ihrer Personalpolitik keineswegs als judenfreundlich zu bezeichnende Farbenwerke stehen, als „jüdisch" anzusprechen. In einem weiteren Abschnitt werden dann neun Leitsätze aufgestellt, die im „Dritten Reich" die Boden- und Landwirtschaftspolitik regeln sollen. Die Formulierung der einzelnen Leitsätze ist manchmal recht unklar, und dies vielleicht nicht ohne Absicht, denn schließlich muß ja auch das Agrarprogramm dem angeblich sozialistischen Charakter der Partei Rechnung tragen, gleichzeitig aber sich so anslegen lassen, daß kein Anhänger des unbedingten Privateigentums daran Anstoß nehmen kann. Der Grundsatz der 11 n v c x I e tz l i ch keil des P r i v a t e i g e n t u m s wird °durch das neue Agrarprogramm recht erheblich eingeschränkt. Denr ^taat wird nicht nur cm Ente i g - n u n g s r e ch t, sondern auch ein Vorkaufsrecht bei jede ur Besitzw e ch s e l von Grund und Boden zugesprochen. Die Verpfändung von Grund und Boden an Private Geldgeber, das heißt also die Ausnahme von Privaten Hypotheken, ist im Hitler-Reich verboten. Dafür werden staatliche Betrieb s k r e d i t e in Aussicht gestellt, von

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