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Central-Verein-Zeitung · 1930-03-07 · 10 (7.3.1930) · p. Seite 122

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
10 (7.3.1930)
Date
1930-03-07
Page
Seite 122 (sequence 6)
Language
German
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122 wm* Für die Gesundheit! Freilinger Versamistelle, Berlin SW 11, Schöneberger Strasse 16a. Telefon: Lützow 8260/61 Das gleiche gilt von den Kampsmethoden der Deutschnationalen Partei im Volksbegehren. Sein kläglicher Ausgang ist gewiß auch daraus zurückzusühren, daß tausende evangelische Pastoren diesmal Gewehr bei Fuß gestanden haben, wenn sie nicht direkt gegen das Volksbegehren zu Felde zogen, weil sie aus Gewissensgründen die Jnsamierung des § 4 nicht vertreten konnten: denn in vornehmer und anständiger Weise konnten sie nicht für den Zuchthausparagraphen werben, der aus einer unvornehmen und unanständigen Gesinnung gezeugt war. Die Kampfmethoden, deren sich sonst ehrenwerte deutschnationale Politiker in der Propaganda für das Volksbegehren bedienten, zeigten deutlich, wie sehr bereits der Geist Hitlers auf die Deutschnationalen abgesärbt hat . . . In echter Würde und Vornehmheit bezeugt man seine Ehrfurcht vor der Kirche und ihrer Eigenart und ihrem Eigenwert und weist es weit von sich, etwa den Träger des geistlichen Amtes zum Werkzeug parteipolitischer Zwecke machen zu wollen. . . . Ludendorff ist bisher einer der wenigen, die den Mut hatten, aus ihrer heidnischen Weltanschauung auch die Konfeguenz des Kirchenaustrittes zu ziehen. Hunderttausend andere, die heute noch nominell Christen sind, werden durch die Logik der Tatsachen und durch die Predigt der Kirche über kurz oder lang zu dem gleichen Schritte gezwungen werden. . . Die nationalsozialistische Bewegung mit ihrem Vorläufer, dem Antisemitismus, bedeutet den Einbruch des biologischen Materialismus in die politische Front des Bürgertums. Ganz unverhohlen erklärt man heute in nationalistischen Kreisen den Geist als Funktion des Blutes und der Drüsen, wobei man sich ernsthaft Mühe gibt, die Weltanschauung des Nationalismus im Gegensatz zu dem durch christliche und ethische Hemmungen unbrauchbar gewordenen Konservativismus zum System zu erheben. Hier ziehen am politischen Horizont weltanschauliche Kämpfe herauf, die auch die evangelische Kirche mehr erschüttern dürsten als die Staatsumwälzung von 1918. . . . In dem Kampf gegen die heidnische und materialistische Vergötzung des Volkes im rechtsradikalen Lager zeigt sich eine eigenartige neue Front. Bei der Behauptung der allereinsachsten geistigen Voraussetzungen, die bisher niemals Gegenstand der Kontroverse im Bürgertum waren und erst durch den „wissenschaftlichen" Rassefanatismus der neuen Nationalisten wieder in Frage gestellt wurden, werden evangelisch-lutherische konservative Christen zu Bundesgenossen des Liberalismus humanitärer Prägung, mit dem man jahrzehntelang in heftiger Fehde gelegen hat. Denn darin war man sich innerhalb des deutschen Bürgertums von den reaktionärsten Konservativen bis zu den radikalsten Fortschrittlern einig, daß e s der Gei st sei, der sich den Körper baut. Hier fühlt man sich ohne Unterschied der Partei als Hüter des großen Erbes der deutschen klassischen Zeit." Die neuesten hefte des „Morgen" Die geistige Leitung des „Morgen" hat unser altbewährter Freund Rabbiner Dr. D i e n e m a n n (Osfenbach a. M.), ein enger Mitarbeiter unseres verewigten Julius G o l d st e i n, übernommen. Ihm stehen Frau Margarete G o l d st e i n und Dr. Ludwig H o l l ä n d e r zur Seite. Heft 5 und 6 sind im wesentlichen zwei Gebieten gewidmet: Der Religiosität im Bauerntum, in der Großstadt und im Proletariat, und der Gestaltung der jüdischen Gemeinde in der Großstadt. Ter Pflicht, unseres unvergessenen Franz Rose n z w e i g zu gedenken, ist durch Margarete S u ß m a n n und Richard Koch in einer Weise nachgekommen worden, die des Verewigten würdig ist. Rosen Zweigs Charakter, seine wissenschaftliche Bedeutung, der Mensch und seine Krankheit, das ganze Glück und die ganze Tragik dieser Persönlichkeit kommen hier zur Würdigung. Aus berufener Feder werden diese an bedeutenden Beiträgen so reichen „Mvrgen"-Nummern noch besprochen werden. Hier sei nur noch erwähnt, daß Alfred Wieners Studie über „Juden und Araber in Palästina", die mit außerordentlichem Beifall ausgenommen worden ist, zuerst im fünften Heft des „Morgen" w Zedergegeben wurde. Mögen diese Leiden Nummern des „Morgen" die Leserschaft finden, die sie verdienen, nämlich die geistigen Kreise aller Stände und Berufe und Religionen, die für das große und kulturell Entscheidende unserer jüdischen Gemeinschaft Verständnis und Interesse finden. ----- Landesverband Hessen - Nassau und Hessen. Veranstaltungen der Woche: Samstag, 8. März: Corbach: Oeffentliche Versammlung'. (Redner: Dr. Alfred Iliischberg, Berlin.) Sonntag-, 9. März: Frankfurt a.M.: Arbeitstagung desi Landes jugendausschusses. (Vortrag Dr. Otto Feldmann, Freiburg, über: „Rassefragen“.) Eschwegc: Mitgliederversammlung. (Redner: Dr. Martin Marx, Frankfurt a. M.) lümburg: Bezirkstagung nachmittags 31/o Uhr. (Redner: Dr. Alfred Hirschberg, Berlin.) Giessen: Gemeindeversammlung abends. (Redner: Dr. Alfred Hirschberg, Berlin.) Montag*, 10. März: Frankfurt a. M.: Agudas: Frauengruppe. (Vortrag: Dr. Marx, Frankfurt.) Marburg: Gemeindeversammlung. (Redner: Dr. Hirschberg, Berlin.) Mittwoch, 12. März: Offenbach.a.M.: Mitgliederversammlung. (Redner: Dr. Kehr, Kaiserslautern, Frau Marg. Goldstern, Darmstadt.) Donnerstag, 13. März: Worms a.Rh.: Oeffentlicbe Versammlung. (Redner: Dr. „ Holländer, Berlin.) Wir laden auch auf diesem Wege —■ beßiondere Einladungen sind bereits ergangen — unsere Ortsgruppen, Einzelmitglieder und Freunde nochmals herzlichst ein. I. A.: Der Vorstand. V.J Zu Hermann Makvwers 100. Geburtstag. Am 8. März sind 100 Jahre vergangen, seit H ermann M a k 0 w e r geboren wurde, ein Mann, dessen Verdienste als Deutscher und als Jude das Gedenken an ihn in diesen Tagen rechtfertigen. M a k 0 w e r gehörte zu der Generation, die trotz verfassungsmäßiger Festlegung der staatsbürgerlichen Rechte der Juden unter großen Schwierigkeiten für deren tatsächliche Durchsetzung zu kämpfen hatte. Gleich seinem Berufs- und Parteigenossen Eduard Lasker, dessen 100. Geburtstages kürzlich hier gedacht wurde, verdient er auch deshalb den Dank der heute Lebenden. Makower, geboren am 8. März 1830 zu S a n t 0 m i s ch e l in Posen, wurde im Jahre 1864 zum Rechtsanwalt und Notar in Berlin ernannt. Er war eine Autorität aus dein Gebiete des Handels- und Konkursrechts. Von seinen vielen wissenschaftlichen Arbeiten ist am bekanntesten der Kommentar zum Handelsgesetzbuch. Außer dieser vielseitigen Berufstätigkeit entfaltete M a k 0 w e r eine segensreiche Tätigkeit in jüdischen Angelegenheiten. Im Jahre 1870 wurde er V 0 r s i tz e n d e r der R e p r ä s e n t a n t e n v e r s a m m l u n g der Jüdischen Gemeinde Berlin. Er war Beg r i'l n d e r des Waisenhauses der Jüdischen Gemeinde und wirkte auch sonst auf dem Gebiete der Wohlfahrt. Im Jahre 1873 erschien von ihm eine Schrift: „Ueber die Gemeindeverhättnisse der Juden in Preußen." Justizrat Makower war einer der großen Borkampfer und Wegbereiter des Centralvereins. Als, wie erinnerlich, Ende 1892 der Vorstand der jüdischen Gemeinde, Berlin, beschloß, an den Kaiser eine Abordnung zu schicken und ihn um Schutz gegen den Antisemitismus anznslehen, widersprach Justizrat Makower, der damals 25 Jahre lang Vorsitzender der Reprüsentantenversammlung war, in scharfer Weise der Absendung mit der Begründung: man dürfe sich nicht auf den Standpunkt der „Schutzjuden" stellen. Er wurde in der Nepräsentantenversammlung überstimmt und zog daraus mit bewundernswerter Gesinnungstreue die Konsequenz, den Vorsitz und sein Amt als Repräsentant . niederzulegen. Nach zwei weiteren Sitzungen wurde dann tatsächlich beschlossen, die Bittschrift nicht abzusenden. Im Anschluß an die Amtsniederlegung Makowers hatte sich Öffentlichkeit mit der Angelegenheit befaßt. So erschien ein Artikel in der „Volkszeituug" vom 29. Dezember 1892 mit der Neberschrist „Reichs-Schutzjuden?" Die weitere Entwicklung dieser Dinge führte dann, wie erinnerlich, am 5. Februar 1893 zur Gründung de s C e n t r a l v e r e i n s deutscher Staatsbürger jüdischen G l au - b e n s. Justizrat Felix Makower, der Sohn von Hermann Makower, gehört dem Hauptvorstande des Centralvereins an. Er ist den Bestrebungen seines Vaters treu geblieben. 3.8t. Die Marken der Taojjermünder Schokoladenfabrik Neu auf genommen! HÖS Nc** att^äenommen» Alleinvertrieb durch die Firma J. Anton Alexander, Berlin N018, Landsberger Strasse 91. ■ Alleinige Inseraten-Annahme: Annoncen-Expedition Rudolf Mosse ^Berlin SW 100, Bielefeld, Bremen, Breslau, Chemnitz, Dresden, Düsseldorf, Erfurt, Frankfurt a.M., Halls a. d. S., Hamburg, Hannover, Karlsruhe i. B., Köln a. Rh., fjLeipzig, Magdeburg, Mannheim, München, Nürnberg, Stettin, Stuttgart, Wiesbaden, Amsterdam, Barcelona, Basel, Belgrad, Budapest, Buenos Aires, Bukarest,-London, |_ _ '_ Madrid, Mailand, New York, Paris, Prag, Warschau, Wien, Zagreb, Zürich. j\ I £3

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