Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 9 (28.2.1930)
- Date
- 1930-02-28
- Page
- Seite 112 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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112 christlich empfand und dachte, mag auf demselben, nur umgekehrten Wege dazu gelangt sein, mit der Sehergabe feines Genies sich in die Sonderwelt des Judentums zu versenken. So entstand der kleine Joseph, der auf dem Bilde des Kaiser-Friedrich-Museurns von Po- Liphars Frau verklagt wird: ein armer Judenjunge, der sich verleumdet'sieht und mit den charakteristischen Bewegungen seiner orientalischen Herkunft Gott zum Zeugen für seine Unschuld anruft. So entstand die mächtige Erscheinung des M o s e s, der die Gesetzestafeln zerschmettert. So der Kraftmensch S i m s o n, in dessen Gestalt und Schicksal Reurbrandt so oft sich selbst und sein Erleben spiegelte. Der Künstler fühlte sich von Neid, Gemeinheit und Verrat umlauert, und er malte, wir sehen die Bilder jetzt wieder, den arglosen jüdischen Herkules mtt seiner Delila, malte den Niesen, der seinen Schwiegervater bedroht, als den hämischen Vertreter der Philister. So entstanden die R a b b i n e r k ö p f e, von denen einer der schönsten jetzt in der Akademie hängt. In der Niesenmenge der Radierungen und Handzeichnungen, die Zugleich ausgebreitet werden, taucht Jüdisches nicht minder auf. Gewaltig und erschütternd die kleine Zeichnung aus der Zeit um 1635, Feder in Braun, auf der dem klagenden Jakob der blutige Nock gezeigt wird. Grausam die Figur zur Linken, die Hand mit den Nockfetzen hoch emporgereckt; beispiellos der Vater, der vom Iahen Entsetzen buchstäblich hintenüber geworfen wird. Wir sehen, wie immer wieder Themata des Alte n T e st a m ents Visionen des Mannes erzeugen, der mit Kreide und Nohrfeder am ' Tische sitzt, und vorn Opfer Kains, von der Auffindung des Leichnams Abels (köstliches Blatt!), von Boas und R n t h, von Jakobs Trau nt, von Judith und S a m u e l, von der B e s ch n e i d u n g C h r i st i, die gewiß nach miterlebter jüdischer Szene entstand, von D a - v i d und I o n a t h a n erzählte oder auch einmal drei Juden im Gespräch mit unerhörter Echtheit der Gruppe aufnotierte. Unter den Radierungen' steht für uns voran die „S y n a g o g e" von 1648, grandios in ihrer Helldunkelsprache, überwältigend in der Stimmung eines jüdischen Gotteshauses mit der geheimnisvollen Schar der betend Murmelnden, mit der Bewegung der Männer, die in solchem Milieu sich auch zu Amsterdam bewegen, als seien sie im Orient. Es gliedern sich die beiden denkwürdigen P o r t r ä t r a d i e r u n g e n an, die Samuel Manasse ben Israel, den gelehrten Rabbiner der Amsterdamer Gemeinde, und den Arzt Ephraim Bonus wiedergeben, uns zugleich ein Bild von der Erscheinung dieser israelitischen Aristokraten jener Jahre vermittelnd. Und ohne Unterlaß spielt das jüdische Element hinein in die Szenen der Bibel — des einzigen Buches vielleicht, das der wohl auf der Lateinschule erzogene, doch nicht übermäßig auf Lektüre bedachte Rembrandt wirklich las und kannte. Wie wird jemand die Geschichte der Juden schreiben, ja jüdisches Wesen überhaupt verstehen können, der nicht in Nembrandts Zauberei eindrang! bücherschau. Der Raw. Kulturhistorische Erzählung von Judaeus. Hermon Verlag, Frankfurt a. Main. Der Verfasser zeichnet das Lebensbild des bedeutenden, von 1747 bis 1812 in Rußland wirkenden neuchassidischen Führers Rabbi Senior Salman, der im Volksmund nur der „Raw" genannt wurde. Dank seiner tiefinnerlichen Frömmigkeit im Verein mit einer genialen Kombinationsgabe und einem reinen Menschentum schien er in den Augen seiner gesamten, auch der andersgläubigen Umgebung ein höheres Wesen zu sein. Mit ihm erleben wir die russischen innerjüdischen geistigen Kümpfe jener bewegten Zeit und schließlich am Ausklang seiner Tage den Beginn des Zusammenbruches der napoleonischen Weltmacht. Interessant ist, daß der Raw den tatkräftigen Dienst am Vaterlande für Gott wohlgefälliger hält als ein lediglich beschauliches Dasein in Erez Israel. Das Buch ist teilmeife zu breit und trocken geschrieben; stellenweise stören die sich häufenden eingeklammerten Verdeutschungen hebräischer Wortwendungen. Reichlich spät für unorientierte Leser — erst auf Seite 165 — kommt eine deutliche Erklärung des „Chassidismus", dessen Reinigung von Auswüchsen und Verbreitung die Lebensaufgabe des Weisen war. Einzelne Szenen sind überaus lebendig, so die in der Peter-und-Pauls-Feste, wo der Raw vorübergehend infolge der Verleumdungen seiner Gegner eingekerkert war, und die im Hause des Petersburger Gastfreundes. Der Rabbi sowie seine Freunde sind gut charakterisiert. Es ist ergreifend, wie diese Männer in jeder Lebenslage „lernen", gleichgültig, ob Frieden oder Krieg, in Freiheit oder Gefangenschaft, in der Heimat und auf der Flucht, in kranken wie in gesunden Tagen. Zar Paul und seinen Nachfolger Alexander schildert der Verfasser als edle, fromme Fürsten im krassen Gegensätze zu dem gottlosen Kaiser Napoleon, welcher der Judenheit zwar nach der Auffassung des oberflächlichen Beschauers Erstrebenswertes schenkte, ihr aber in Wahrheit ihr teuerstes Gut, ihre Religiosität, nahm und überall den bösen Geist des Abfalls verbreitete. Im ganzen eine gediegene, belehrende Lektüre, die sich für die reifere Jugend sowie für ältere Leser mit ausgesprochen historischem Interesse eignet. Gertrud Lichtenberg (Hannover). Die Palästina-Literatur. Eine internationale Bibliographie. 4. Band: Die Literatur der Jahre 1915 bis 1924. Herausgegeben von Peter Thomsen. Leipzig 1927, Verlag I. C. Hinrichs. XX. 756 Seiten. Der Gebildete, der wissenschaftliche Arbeiter, kann ohne seinen Brockhaus, ohne seinen Meyer nicht auskommen. Aber viele aus der großen und wachsenden Anzahl der Palästina-Freunde sind mit dem „Thomsen" noch nicht bekannt geworden. Im Jahre 1895 begann der Dresdner Professor Peter T h o m s e n seine s y st e m a - tische Bibliographie der Palästin a - L i t e r a t u r. Der erste Band, dre Jahre 1895 bis 1904 umfassend, erschien 1908, 204 Seiten stark. Der zweite, über die Jahre 1905 bis 1909 im Umfange von 316 Seiten, kam 1911 heraus; der dritte, für die Jahre 1910 bis 1914, 388 Seiten stark, im Jahre 1916. Und der letzte, erschienen 1927 und allerdings einen Zeitraum von zehn Jahren, 1915 bis 1924 umfassend, enthält fast 800 Seiten. Dieses gewaltig e A nschwellenderverzeichnetenLiteratur ist ein schöner Beweis der ständigen Verbesserung des Thomsenschen Werkes, nicht minder des gesteigerten touristischen, politischen, wirtschaftlichen und wissenschaftlichen Interesses am Heiligen Lande. Es ist aber auch ein Beweis einer entsagungsvollen, gelehrten, hochanzuschlagenden Arbeit Thomsens, der trotz dieser unendlich Zeitraubenden bibliographischen Tätigkeit immer noch die Frische besaß, uns andere wertvolle Arbeiten über Palästina zu schenken. Schon vor Thomsen haben Gelehrte deutscher Zunge sich mit der Palästina-Literatur beschreibend befaßt, vorwiegend aber nur mit Teilgebieten. Der Schweizer Arzt Titus Tobler (1806 bis 1877), dessen zahlreiche, mit imponierender Gründlichkeit geschriebenen Werke über Palästina noch heute lesenswert sindJ, ließ 1867 die „Bibliotheca geographica *) Das sehr seltene, trockene Lebensbild des „Palästina-Fahrer" Tobler von Heinrich Jakob Heim (Zürich 1879) gibt darüber Auskunft. HM-Msion Meiner / Abbazia direkt.amMecr. Große Terrasse u.Naturpark.200Betten. Appartements m.Privatbad,fließendes warmes u.kaltes Wasieri.d.Zimmern.Warm.Seebäder,kohlensaur.Bäder. Diätküche laut ärztlicher Vorschrift. Pensionspreise nach Größe und Lage des Zimmers von Lire 40,— (9 NM.) an. Jüdische Institutionen Sonderpreise. Eigener Betsaal. Palaestinae“ erscheinen. Unter gleichem Titel veröffentlichte der beste Kenner der Pilgerrdfcn2), N e inho l d R o c h r i ch t, . 1890 ein „Verzeichnis der auf die Geographie des Heiligen Landes bezüglichen Literatur von 333 bis 1878". Dann brachten bie wissenschastlichen Zeitschriften oft Jahresberichte über die Palästina-Literatur. Der erste aber, der den gewaltigen Stofs systematisch verarbeitete, ist Thomsen gewesen. Der neueste Band der Palästina-Literatur zerfällt in sechs Hauptabteilungen. I. Allgemeines. II. Geschichte. III. Archäologie. IV. Historische Geographie und Biographie. V. Geographie. VI. Das heutige Palästina. Um den Wißbegierigen einen klaren Begriff von Inhalt und Bedeutung des Werkes zu schaffen, sei im folgenden das eingehende Inhaltsverzeichnis der Abteilung III Geschichte, „Einzelne Perioden", gegeben: Alte Zeit: Allgemeines. Beziehungen Zn Aegypten. Amarnazeit. Einwanderung der Israeliten. Nachbarvölker. R ö m i s ch - byzantinische Zeit: 1. Politische Geschichte. 2. Quellen zur Kirchengeschichte. Liturgik. Mönchtum und Klöster. Heiligenverehrung. Reliquien. Zur jüdischen Geschichte: Quellen, Darstellungen. Samariter einst und jetzt. D i e Araber in Palästina: Quellen, Darstellungen. Zeitalter der K r e u z z ü g e. Quellen und allgemeine Darstellungen. Einzeluntersuchungen. Ritterorden. S p ä t e r e s Mittelalter und Neuzeit: 1. Politische Geschichte. 2. Allgemeines zur Kirchengeschichte, die orthodoxe Kirche, Iberer, Abessinier. Syrer (Jalobiten). linierte Orientalen (Melkiten, Syrer, Chaldäer und Armenier, Maroniten). Die Lateiner im Orient. Der Freund des heutigen Palästina (Abt. VI) wird die Reichhaltigkeit, ja die Unersetzlichkeit des Werkes aus der folgenden Inhaltsangabe zu „Politisches und Kulturelles" am besten ersehen: Verfassung, V e r w a l t u n g . E e s e tz - g e b u n g : Türkische Zeit. Englische Verwaltung. Bevölkerung: Allgemeines. Araber. Juden. Armenier. Zigeuner. Die f r e in d e rr M ä ch t e: Protektorat. Mandat. Handel, Verkehr, Industrie: Allgemeines, Konsularberichte. Banken. Verkehr (Straßen, Wege. Eisenbahnen. Hedschasbahn. Bagdadbahn. Kraftwagen. Flugverkehr. Post. Schiffsverkehr. Technische Iluternehmungen). Wissenschaftliche Tätigkeit: Unterricht, Schulen, Bibliotheken, Drucke. Sitten und Gebräuche. Sprachliches: Allgemeines. Syrisch-Aramäisch. Arabisch. Hebräisch. Ein so gewaltiges Werk kann nicht frei von Fehlern sein. Hier wird diese oder jene Erscheinung übersehen sein. Dort haben sich Druckfehler eingeschlichen. Auch über die Begrenzung des Stoffes braucht man nicht immer mit dem Verfasser übereinzustimmen. Aber was verschlägt das alles gegenüber der i m - p o n i e r e n d e n L e i st u n g, die vor uns gestellt ist? Wir müssen sie mit wärmstem Dank anerkennen, d. h. das Werk anschaffen, es rege benutzen und an seiner Vervollkommnung Mitarbeiten. Dr. Alfred Wiener. 2) Seine „historische Darstellung" des Ablaufs einer Pilgerreise in „Deutsche Pilgerreisen nach dem Heiligen Lande" (Gotha 1889), S. 3 bis 33, ist äußerst lehrreich. Die sozialökonomische Lage dev Juden in Deutschland. Die Schule der Jüdischen Jugend, W35, Lützowstraße 16, veranstaltet Dienstag, 4. März, 8 Uhr abends, im Rahmen ihres Zyklus „Juden der Gegenwart" einen Vortrag von Dr. Kurt Zielenz i g e r über die sozialökonomische Lage der Juden in Deutschland, ihre Probleme und Ausblicke. Aussprache. Gäste haben Zutritt. Menton Mr’s Granit Hotel. dB. * w._ Altbekanntes Schweizerhot 1 in geschützter, sonniger Lage. 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