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Central-Verein-Zeitung · 1930-02-28 · 9 (28.2.1930) · p. Seite 111

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
9 (28.2.1930)
Date
1930-02-28
Page
Seite 111 (sequence 7)
Language
German
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\n Ein seltenes jüdisches ttultgerat im Berliner Uunsthandel. Im Berliner Kunsthandel befindet sich zurzeit ein jüdisches Kultgerät, das durch die Vereinigung von CH an ukah leucht er und dekorativem Ausstattungsstück von besonderer Bedeutung ist. (Vgl. die Abbildung Seite 107 dieser Nummer.) Das Kultgerät, das bis auf wemge Einzelheiten, aus die noch später einzugehen ist, ganz aus Silber besteht und auch das Beschauzeichen eines Silberschmiedes trügt, ist 45 Zentimeter hoch, während seine Breite 25 Zentimeter inißt. Ein derartiger Gegenstand befindet sich nur noch einmal im Museumsbesitz (Sammlung der Jüdischen Gemeinde in Frankfurt a. M.), dann aber noch in der Londoner Privatsammlung M. S. M. Salomon. Er ist in Dem im Verlag Calavas, Paris, herausgegebenen Buche „Hebraica, Documents d7Art Juir auf Tafel 21 abgebildet. Obwohl das so bedeutsame Stück einen Silberstempel trügt, ist es vorläufig noch nicht gelungen, die Herkunft des Meisters näher zu lokalisieren. Wenn man von dem unbekannten Künstler auch nicht weih, „woher er kam der Fahrt", so läßt sich doch mit Hilfe stilistischer Anhaltspunkte manches auf „seine Art" schließen. Ta ist zunächst der Gesamtaufbau, der stark an die Erzeugnisse der süddeutschen S ch r e i n e r k u n st erinnert. Sind auch die Schränke, die man zum Vergleich heranziehen könnte, früheren Datums, so verraten sie doch im Ausbau die gleiche Gesinnung. Hier wie dort findet sich das verkröpfte Gesims, das über zwei Säulenpaaren lastet, während der geschwungene Sockel ebenfalls an süddeutschen Gebrauchsmöbeln anstritt. Durch eine Einzelheit, wie die Verbindung beider Säulenpaare durch eine astronomische Uhr, die von Laubwerk umrahmt ist, wäre man geneigt, das Vorbild.für dieses seltene Kultgerät in Standuhren der Zeit zu suchen. Die Verzierung der Säulen unterhalb der Kapitelle mit Rosaillen und Blütenzweigen, die sich an den Süulenschästen entlangziehen, gemahnt an den Stil, der nach der Mitte des 18. Jahrhunderts von Frankreich nach Deutschland kam. Die Form der Blumen erinnert an Tekorationsmotive, wie sie in Potsdamer Schlössern bei der Innenausstattung gewählt sind. Aber der seltene Gegenstand dient ja nicht nur als Ausstattungsstück, sondern ist im besonderen ein Kultgerät. Ocffnet man die Tür des Sockels, so kann man einen Chanukahleuchter herausziehen. Er ist noch für Oelgebrauch eingerichtet: acht Oellämpchen nebeneinander, zu deren Bedienung ein „Schammes" und ein Oelkännchen außen rechts und links angebracht sind. Born am äußersten Rande des Sockels steht ein MERAN Continental-Hotel. 1 IMlinil Modernstes Familienhaus I. Ranges mit letztem Komfort. An der Promenade. Massige Preise. Gesäß, das man Wohl als Psombüchse ansehen kann, ist doch die Möglichkeit des Zusammentreffens von Sabbatausgang und Channkah stets gegeben. Der Form nach fügt sich die Büchse, die die Gestalt einer Urne zeigt, dem Zeitstil und somit dem Charakter des ganzen Stückes gut ein. Vielleicht hat man die beiden Gesäße der gleichen Form, die auf dem Gesims stehen, aus Gründen der Symmetrie dort aufgestellt; ebenfalls nur dekorativen Zwecken dienen wohl die beiden Löwen, die sich hinter den beiden Urnen aufrichten und mit den Vordertatzen einen Blumenkorb halten. Sie sind ja von Thoravorhängen und Thoraschildern hinreichend bekannt. Die Einzigartigkeit, um nicht zu sagen die Einmaligkeit des Kultgegenstandes im Berliner Kunsthandel leuchtet wohl bei näherer Betrachtung immer mehr ein. Kann man seinen Stil auch nicht auf ein bestimmtes Jahrzehnt festlegen, so repräsentiert der Ausbau des Ganzen und viele Einzelheiten der Dekorationsweise doch den liebenswürdigen Stil des späten R o - ko ko, wie er sich in Berlin und den Potsdamer Schlössern offenbart. Dr. Olga Bloch. Rembrandt und die Sude«. Imr Lllttsftellmrs in dev Mademke dev Brünfte. Von Dv. Mase Qsbovtt. Wenn sich jetzt auf der großen Ausstellung von Werken Nembrandts, die den Auftakt zur bevorstehenden Jahrhundertfeier der Berliner Museen bildet, die Tore der Wunderwelt dieses heiligen Namens weit öffnen, so fällt ein Teil des hereinströmenden Lichtes auch auf das unerschöpfliche, stets von neuem fesselnde Thema der Beziehungen des Meisters zur Judenschnst seiner Zeit. Man muß einmal in Amsterdam selbst den topographischen Beweis für diesen engen Zusammenhang vor Augen gehabt haben, um die Besonderheit des Verhältnisses, das zwischen Rembrandt und dem Judenviertel der Stadt bestand, recht zu erkennen. Am Ende der „Joedenbreestraat", die heute wie vor dreihundert Jahren die Hauptverkehrsader des Hebräerviertels bedeutet, am Freitag abend von ungeheurem Getriebe und Geschrei erfüllt (Lieber in a n n hat das ott geschildert), am Sabbat von festtäglicher Stille gesegnet wie ein palästinensisches Städtchen — am Ende dieses altertümlichen Straßenzuges, abernoch diesseits des Kanals, also schon auf dem Gelände der einst durch Wasser und Brücke abgeschlossenen Judenstadt, erhebt sich das imponierende Haus des Meisters, seit der Dreijahrhundertseier seiner Geburt 1906 niederländisches Nationaleigentum. Es ist das Haus, in dem er seine glücklichsten Jahre mit Saskia verlebte, seine märchenhafte Schätze austürmte, den materiellen Niedergang, den Zusammenbruch, den Bankerott erlitt. Hier hatte er sich angesiedelt, als seine Erfolge begannen, rings umgeben von den Wohnungen hervorragender gelehrter und reicher Juden. In solchem Umkreis wollte er seine Tage verbringen, sehen und arbeiten. Was trieb ihn hierher? Zweifellos vor allem die Sehnsucht des' von tiefen religiösen Ueberzeugungen geleiteten Malers der Bibel, die Sphäre, aus der einst Christus hervorgewachsen, im Umkreis der Nachkommen der biblischen Judenheit zu erfühlen. Aber das war nichts Geringes, denn kein früherer Maler ging diesen Stüdienweg! Eine Vorstellung von Trennung oder Abneigung gegen diese Menschen kam in chm nicht auf; die calvinistischen Holländer seiner Zeit betrachteten die aus Spanien vertriebenen. von ihnen gastlich aufgenommenen Juden als die Bewahrer des alten Bundes, denen man nicht feindselig, sondern ehrfürchtig gegenüberstand. Aber zugleich fesselte Rembrandt die bunte Welt der dort noch getragenen orientalischen Kostüme, der überlieferten Geräte und Bräuche, der von alter Kultur und jahrhundertealtem Leid geprägten Gesichter, nicht Zuletzt die Händler und Trödler mit ihren vollgestopften Krambuden. Von den unzähligen Zeugnissen des leidenschaftlichen Interesses für diese fremdartige Welt, die Rembrandts Lebenswerk aufweist, muß jede Ausstellung berichten, die unter seinem Zeichen steht. Den Berlinern aber wird diesmal ein besonderes Dokument geboten, das ihnen sonst nicht vor Augen kommt, weil es in der Gemäldegalerie zu K a s s e l residiert: der e g e n I a k o b s", den herrlichsten Schöpfungen der ersten Reihe zugehörig. Es ist zugleich das schönste Bild, das je mit dem Stempel eines j ü d i s ch e n Themas gemalt wurde. ‘ Mit den unvergleichlichen Mitteln seiner weichen, wie von Märchenschleiern eingehüllten Farben, seiner mild wogenden Licht- und Schattenmassen hat Rembrandt hier eine p a t r i a r ch a l i s ch -jüdische Szene so sehr in ihrem letzten Gehalt ausgeschöpft, daß man es kaum verstehen will, ein Nichtjude habe das darstellen können. Der sterbende Jakob soll seines Sohnes Joseph kleine Söhne segnen — das bedeutet nicht nur, symbolisch, mit guten Wünschen ins Leven senden, sondern, sehr real, durch die Verteilung des, Segens Macht und Würde verleihen. Joseph will diese Gnade seinem Aeltesten, Manasse, zukommen lassen, und sucht mit der unsagbar zärtlichen Stützbewegung seiner linken Hand die Zitternde Rechte des Alten in diese Richtung zu lenken. Aber Jakob weiß, was er will: sein Segen soll dem jüngeren Ephraim gelten, der, ganz umstrahlt von der Glorie dieser entscheidenden Wendung, sein blondes Köpfchen neigt, während der dunkelhaarige Manasse enttäuscht ausblickt. Was vorgeht, ist also die bedeutsame Neberraschung einer Familiengeschichte. Den Eltern der Knaben, Joseph und der zur «Seite stehenden Asnath, kommt sie völlig unerwartet, vielleicht ungelegen. Doch kein Unwille steigt in ihnen auf. Mit verhaltenem Atem beobachten sie, was sich nach Gottes Ratschluß vollzieht, verfolgen sie liebevoll die Bewegung des Greises, ihren Reflex aus die Kinder. Jüdisches Familienwesen, alttestamentarischer Zusammenhang der engverbundenen Menschen gleichen Mutes bestimmt ihre Haltung, den Ausdruck ihrer ergriffenen Gesichter. Wie muß Rembrandt die Leute gekannt haben, aus deren Kreis er sich die Figuren dieses monumentalen Gemäldes holte, um sie nach seiner Weise zu verklären und in eine traumhafte Distanz zu rücken! Man bedenke, daß das Bild 1656 entstand, im Jahre der wirtschaftlichen Katastrophe. Vom Ungemach und von der Niedertracht der Außenwelt flüchtete er sich in die weihevolle Stimmung dieser Szene. Kein jüdischer Betrachter wird sich einer Empfindung des Stotzes darüber erwehren, daß einer der größten Menschen, die je gelebt, in den Zeiten der Qual in solcher Stoffwelt Trost suchte. Es hat immer wieder Beurteiler gegeben, die meinten, in Rembrandt selbst müsse ein Tropfen jüdischen Blutes gewesen sein, er Hütte sonst nicht mit derartiger Urgewalt und Einfachheit zugleich etwa, um nur ein Beispiel herauszuheben, den Typus einer jüdischen Mutter und ihr Gefühlsleben sichtbar machen können wie in dieser Asnath. Doch das ist ein Trugschluß. Gerade aus dem Kontrast wächst oft tiefstes Verständnis. Gerade jüdische Deutsche haben in unzähligen Füllen spezifisch germanische Persönlichkeiten und Künstlerschöpsungen am stärksten erfaßt und ihren Wert gefeiert. Ibsen hat einmal den vielleicht nicht wörtlich stimmenden, aber doch wohl durch manche Erfahrungen gerechtfertigten Ausspruch getan, er sei in allen Ländern zuerst von den Juden begriffen worden. Björnson und Strindberg hätten ähnliches sagen können. Böcklin, Klinger. Hans Thoma, die frühen niederländischen Maler des 15. Jahrhunderts, die deutschen Dichter von Goethe bis Gerhart Hauptmann haben nicht zuletzt in jüdischen Gemütern ihren nachhaltigsten Niederschlag und ihre leidenschaftlichsten .Verkünder gefunden. Nembrcmdt, der bis in die Wurzeln seiner Seele

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