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Central-Verein-Zeitung · 1930-02-28 · 9 (28.2.1930) · p. Seite 109

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
9 (28.2.1930)
Date
1930-02-28
Page
Seite 109 (sequence 5)
Language
German
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m man heute in Deutschland erkennt, woraus es für Europa ankommt. Wenn Europa sich nicht aus sich selbst besinnt, wenn es Europa nicht gelingt, durch Zusammenarbeit die furchtbaren Wirkungen des Krieges auszugleichen, so wird es sehr bald andere Nassen fragen geben als die jüdische, und wir werden uns gegen Baschkiren und Hottentotten zu w e h r e n habe n. Die Leute, die solchen Unsinn schreiben wie den von nur zitierten, wissen überhaupt gar nicht, was Rassensragen eigentlich bedeuten, sie wissen nicht, wie anwidernd derartige Anwürfe gerade für diejenigen sind, die sich noch zum Chrieftntum bekennen. Der Höhepunkt der Narretei wird allerdings erreicht, wenn I esu s Christus deshalb verleugnet wird, weil er Jude war, und wenn man anstatt des Christentums den Wotan-Kult wieder einführen will. Der gleichen Gesinnung entspringt die nachstehende Erklärung des Leiters des Reuhischen Theaters, Karl Börries Friedrich Rosen, die wir in der „Ostthüringer Arbeiterzeitung" vom 7. Februar finden. Dort heißt es: „Politische Rassenforscher, die ihre Studien nach dem einwandfreien, streng wissenschaftlichen Grundsatz: „anäaeter ealumn'mre semper aliquid haerct" treiben, belieben seit einiger Zeit mich offen nnh versteckt als „Juden" zu bezeichnen in der unverkennbaren Absicht, mich in meiner persönlichen Ehre herabzusetzen, weil nach i h r e m Dafürhalten das Wort „Jude" eine Beschimpfung ausdrückt. Wäre ich einer, so würde ich mich nicht einen Augenblick bemühen, das zu verheimlichen oder zu verschleiern, da mich nach meiner primitiven Weltanschauung die Eigenschaft persönlicher Anständigkeit wertvoller und wichtiger dünkt als die chemische Zusammensetzung menschlichen Blutes. Es gibt rmter allen Rassen und Bekenntnissen Schweinehunde und das Gegenteil davon. Das ist so meine Meinung, halten zu Gnaden! Es tut mir aufrichtig leid, jenen politischen Wegelagerern und Rassenschnüfflern, die in letzter Zeit gegenüber meiner Persönlichkeit so viel liebevolles Interesse bekundeten, durch folgende Angaben das Konzept verderben Zu müssen. Bin am 13. 3. 1879 als Sohn des Majors in der ehemaliger! Hannoverschen Armee Friedrich Nosenthal, späteren Rittergutspächters (im Königreich Hannover existierten teilweise noch Ghetto-Bestimmungen, u. a. durste niemand jüdischer Abstammung Soldat werden — auch nicht gewöhnlicher Soldat —, Juden waren also von jeder Militär- Pflicht befreit) geboren und arn 22. 4. desselben Jahres in der Schloßkirche zu Hannover von dem Abt Uhlhorn im Beisein meines Paten und Schwagers, des Freiherrn Börries von Hammerstein (vornehme Abstammung und Verwandtschaft, was? Darauf kommt es doch wohl einzig und allein an?!) getauft und in derselben Kirche zu Palmarnm 1895 von Konsistorialrat Alfeld konfirmiert worden. Der Vater meiner Mutter war Küster (Kirchenvogi) an der evangelischen Marktkirche zu Hannover . . . Geburtsurkunden und Taufschein liegen im Original zur gesl. Einsichtnahme bereit . . . Karl Börries Friedrich Rosen recte Rvsenthal, Z. Z. beauftragt uiit der Leitung des Reußischen Theaters. Haben Sie schon den Prüdes HawtflinsIMB von Dr. Bruno Weil, dargestellt nach den deutschen und französischen Akten, Verlag Walter Rothschild, Berlin- Grunewald, vorbestellt? Der Philo Verlag liefert das Werk auf Bestellung bis zum 1Z März zum Subskriptionspreis. \ Näheres siehe Inserat Seite 115. € J. - Aonißmuß - FE Wem Die Ausführungen Oskar Wassermanns und die fast einstimmig angenommene Entschliessung des Hauptvorstandes des C.V. haben in der Oeffentlich\eit stark gewirkt und insbesondere in der ,Jüdischen Rundschau“ nachhaltigen Widerhall gefunden. Dr. Ludwig Ti dz, der den Gedanken der Beteiligung von Nichtzionisten in der Agency bejaht, und Direktor Dr. Ludwig Holländer nehmen im folgenden zu den Problemen grundsätzlich Stellung. Die Schriftleitung. I. Dr. Ludwig Tietz schreibt: Tie Entschließung des Hauptvorstandes, die in Nr. 8 der „E. B.-Zeitung" vorn 20. Februar mitgeteilt und besprochen wurde, hat seitens der „I ü d i s ch e n R u n b f ch a u" eine Kritik erfahren, die nicht unwidersprochen bleiben darf. Mit Recht ist in dem Artikel in der „C. V.- Zeitung" aus die Einmütigkeit hingewiesen worden, mit der der Hauptvorstand diese Entschließung angenonnnen hat, und jeder, der unvoreingenonunen den Bericht prüft, muß daraus entnehmen, daß diejenigen Mitglieder des Hauptvorstandes, die sich früher und jetzt für ihre Beteiligung an der Jewish Agency entschieden haben, das, was in der Entschließung zum Ansdruck kommt, genau so vollkommen bejahen wie diejenigen, die die Jewish Agency ablehnen. Es zeigt eine völlige Verkennung der Tatsachen, wenn behauptet wird, daß „die der Jewish Agency angehörenden Gruppen" sich dem „Druck der antizionistischen Propaganda im Centralverein" nicht entziehen konnten, und daß man ans Referat und Aussprachen verzichtet habe, weil man etwa „die Problematik nicht einer Erörterung für wert hielt". Ein Kommentar dieser Art ist mit so bedauerlicher, weil er der wirklichen Situation in keiner Weise gerecht wird, und weil der Eindruck entstehen muß, als wenn hier von seiten der „Rundschau" ein Gegensatz nach einer Richtung konstruiert werden soll, in der er nicht vorhanden ist. Eine Richtigstellung erscheint urn so notwendiger, weil beide Gruppen des Hauptvorstandes von der festen Ueberzeugnng geleitet waren, daß die a l l e n gemeinsame Grundlage innerhalb des Centralvereins unverändert fortbesteht, und daß gerade die Arbeit, die der Centralverein heute zu leisten hat, so bedeutungsvoll ist, daß die gemeinsame Arbeit wichtiger sei als eine Diskussion über Fragen, deren Bedeutung ganz gewiß von keiner Gruppe gering geschätzt wird, deren Beantwortung aber" ebenso bei beiden Teilen feststand. Die Auslegung muß daher mit aller Schärfe zurückgewiesen werden, daß der Verzicht auf Referat und Anssprache eine Geringschätzung der innerjüdischen Frage bedeute. Gerade weil alle die Notlage, in der das deutsche. Judentum sich befindet, erkannten, weil jeder einzelne die Verpflichtung fühlte, die Abwehrarbeit des Centralvereins in der jetzigen Zeit mehr als je zu unterstützen und an ihr teilzunehmen, gerade aus diesen Gründen wurde die Formulierung der Entschließung von beiden Seiten gewählt, wobei man sich völlig klar darüber war, daß das, was damit zum Ausdruck gebracht wird, klar und deutlich den gemeinsamen Standpunkt wiedergibt. Das Wort „natroualjüdisch" ist von niemandem im Centralverein im „doppelten Sinne" verwendet worden. Es wird nur in durchaus ungerechtfertigter Weise von der „Jüdischen Rundschau" in einem doppelten Sinne angewandt. Es bestehen keine Begriffsunterschiede, es besteht keinerlei Druck der antizionistischen Propaganda im Centralverein. Es besteht vielmehr völlige Klarheit darüber, daß die Bedeutung der Palästina-Arbeit innerhalb des Hauptvorstandes nach wie vor verschieden beurteilt wird, und es besteht weiterhin völlige Einmütigkeit darüber, daß die nationaljüdische Ideologie von allen H a u p t v 0 r st a u d s m i t g l i e d e r n des C e n t r a l v e r e i n s ab gelehnt w i r d. Und zw a r in dem einen klaren. d e u t l i ch e n u n d n u r m ö g l i ch e n Sinne, daß die Juden heute keine Nation sind, uni) daß der Sille, s i e dazu zu mach e n, nicht v 0 r - Händen i st. Wir glauben, es wurde deutlich betont, daß die Nichtzionisten durch ihre Beteiligung an der Jewish Agency ihren Standpunkt gegenüber der nationaljüdischen Idee n i ch t verändert haben, und wir können nicht erkennen, warum eine deutliche und klare Betonung dieses Standpunktes, die aus verschiedenen Gründen erforderlich wurde, eine „loyale Zusammenarbeit innerhalb der Agency gefährden" könnte. Wir erblicken in dieser Aeußernng und in der Besprechung, die Kurt B l u m enfeld in der gleichen Nummer der „Jüdischen Rundschau" dein Artikel von Oskar Wasser m a n n über die Jewish Agency zuteil werden läßt, ein bedauerliches Unverständnis für den Standpunkt derjenigen Nichtzionisten, die sich an der Jewish Agency beteiligt haben. Kurt B l n m e nseld irrt, wenn er meint, der Aufsatz von Oskar Wassermann sei eine gewollte Abschwächung des bisherigen Standpunktes der Nichtzionisten. Der Aufsatz von Oskar W a s s e r m a n n, der in der vorigen Nummer der „C. B.-Zeitung" auszugsweise veröffentlicht war, der aber inzwischen so weite Verbreitung gefunden hat, daß wir ihn als bekannt voraussetzen dürfen, kann und soll nur als notwendige Klarstellung aufgesaßt werden. Eine Klarstellung, die erforderlich war — wie uns auch jetzt wieder die Ausführungen von Kurt B l u m e n s e l d zeigen. Man hat auf zionistischer Seite zu oft und zu gerne von „Noch-mcht- Zionisten" und von der unsichtbaren Grenze zwischen Zionisten und Nichtzionisten gesprochen. Man hat in nicht immer taktvoller oder Politisch kluger Weise das Bekenntnis der Nichtzionisten für Palästina als Beweiskraft für die nationaljüdische Idee ausgenuht imt> damit denjenigen Gruppenfür die sich im Kampfe gegen ihre innerjüdischen Gegner die jüdische Aufgabe erfüllt, das billige Argument geliefert, das zur Verschärfung des innerjüdischen Kampfes in der letzten Zeit wesentlich beigetragen hat: Daß die Nichtzionisten ein Gesinnungsopfer als Preis für den Eintritt in die Jewish Agency gebracht Hütten. Diese Situation ist Blumen selb so gut bekannt wie uns allen. Er bezeichnet die Deutung der Meinung des anderen Partners als ein gewisses Risiko und meint daher, daß Oskar Wassermann die Auffassung der Zionisten zur Errichtung eines Judenstaates falsch wiedergibt. Wir bedauern es, daß Kurt Blumenfeld das gleiche Risiko eingeht, und daß er den Zweck der W a s s e r m a n n s ch e 11 Ausführungen ganz willkürlich interpretiert. Es sollte von allen dankbar anerkannt werden, daß Oskar W a s s e r m et n n als Führer der deutschen Nichtzionisten in der Jewish Agency mit klaren Worten den Liefen und wesentlichen Unterschied zwischen Zionisten und Nichtzionisten in der Jewish Agency auseinandergesetzt hat. Es sollte gerade auch von zionistischer Seite anerkannt werden, daß die Nichtzionisten, die sich am Palästina-Aufbau beteiligen, trotz der zahllosen Angriffe aus ihren eigenen Kreisen sich stets beinüht haben, die Zusammenarbeit in der Jewish Agency ungestört fortzuführen und die Arbeit für Palästina darunter nicht leiden zu lassen. An einer Beruhigung der „gegnerischen Oeffentlichkeit" mit dazu präparierten Argumenten, wie Blumenfeld annimmt, darf

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