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Central-Verein-Zeitung · 1930-02-21 · 8 (21.2.1930) · p. Seite 93

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
8 (21.2.1930)
Date
1930-02-21
Page
Seite 93 (sequence 5)
Language
German
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Neue nationalsozialistische Tatsathen. Unter dem Hoheitszeidien der Partei Hitler als Zensor. - Völkischer Zeitungssturm auf Berlin. — Südtirot, die Judenpresse und Herr Hitler. — Aus dem Reiche des Herrn Fritk. — Nationalsozialistisdte Totenehrung. — Porträt eines nationalsozialistischen Geldgebers. Der Kampf um die Diktatur wird immer aussichtsloser: in Spanien mußte der Diktator abtreten und in Deutschland verlassen kritische Menschen das Lager des Herrn Hugenberg, weil sie sich selbst einer Parteidiktatur nicht beugen wollen. Schlechte Zeiten für Diktatoren und Adolf Hitler, der sich so gern als „Führer des kommenden Deutschland" beweihräuchern läßt! Doch auf die Geste des Diktators will er nicht verzichten. Und so ordnet er an, daß in Zukunft seinen „Untertanen" nur d i e geistige Kost zu reichen ist, die er für zuträglich hält. Jede Druckschrift, die sich mit nationalsozialistischen Fragen befaßt, ist der Reichsleitung zur Genehmigung vorzulegen. Ein Verkauf aller nichtgenehmigten Schriften, die das höchsteigene Jnsiegel das Hoheitszeichen der Partei, nicht tragen, ist verboten. Gleichzeitig wird Zeitungszeniur verhängt. Als erstes Opfer wird der „Eisenhammer" auf vier Wochen in die Wüste geschickt. Denn Rudolf Foerster, der Redakteur des .Eisenhammer", war kein frommer Knecht Fridolin und dem Gebieter zu wenig ergeben. Der Gute hatte Pech: Die „C. V.-Zeitung" Nr. 6 veröffentlichte einen Brief, in dem Foerster sich bei einem jüdischen Bankier um eine Stellung bewarb. Darin schwor er den Judenhaß, den er so dröhnend als Agitator zu propagieren wußte, ab; Antisemitismus sei ein Unsinn; denn man könne doch nicht jeden Juden für die Verfehlungen eines Glaubensgenossen verantwortlich machen; ebensowenig, wie man jedem einzelnen Deutschen die Verbrechen eines Haarmann zurechnen könne. Diese Enthüllungen waren dem Gebieter recht peinlich, und nun wird dem „Eisenhammer" die Furcht des Herrn beigebracht. Das Beispiel soll warnen. Die Zahl der nationalsozialistischen Blätter steigt, und Hitler muß als Zensor darüber wachen, daß seine jungen Leute nicht aus der Reihe tanzen. Herr Dr. Goebbels in Berlin hatte z. B. hin und wieder eine eigene Ansicht. Das muß er büßen. Sein Plan, den „Angriff" in eine Tageszeitung umzuwandeln, ist dahin. Der „Völkische Beobachter" wird vom 1. März ab in einer eigenen Berliner Ausgabe den Berlinern sagen, was garantiert echte Hitlers che Gedanke ngünge sind. Der „Angriff" des Herrn Goebbels aber wird als Montagsblättchen ein Schattendasein neben dem Organ des Diktators führen. Gregor Straffer aber wird seinen „Nationalen Sozialist" der Berliner Leserschaft nunmehr täglich bescheren. Die „Berliner Arbeiterzeitung", die „Deutsche Wochenschau" des Herrn Oberüleutnant Ahlemann, der sich auch Hitlers Joch gebeugt hat, und der „Reichswart" des Grafen R e v e n t - l o w . werden wöchentlich je einmal nationalistische Gedanken „unter dem Hoheitszeichen der Partei" predigen. Berlin wird mit sechs völkischen Zeitungen beglückt werden. Hitler wird viel zu tun haben. Denn es soll auch bei den Nationalsozialisten Leute geben, die nicht immer die Meinung des Diktators für unfehlbar halten. So wettert Dr. von L e e r s in den „Nationalistischen Briefen" über „außenpolitische Perversität". Der linke sozialrevolutionäre Flügel der NSDAP, hat einen „Entwurf zur Revision des Programms" gefordert, der ein Bündnis mit Sowjetrußland fordert. Das paßt nun gar nicht in die außenpolitische Linie Hitlers, der noch kürzlich die boshaften Absichten der „jüdischen Bolschewisten" zu enthüllen wußte: Trotzki-Bronstein sei gar nicht in Ungnade gefallen; seine Verbannung sei eine Komödie. In Wirklichkeit habe Sowjetrußland ihn nach Deutschland geschickt, wo er die bolschewistische Revolution zu organisieren habe. Diese kleine Probe für alle, die wissen wollen, wie „Politik unter dem Hoheitszeichen der Partei" aussieht. Es bleibt also bei dem alten außenpolitischen Kurs: Annäherung an Italien. „Ich habe seit dem Jahre 1920 ununterbrochen in Wort und Schrift für eine Verständigung Deutschlands mit Italien gekämpft. Das Schicksal der Südtiroler kann noch so traurig sein . . ., der Gedanke, mit Waffengewalt Südtirol etwa befreien zu wollen, ist ebenso absurd wie verbrecherisch. Der österreichische Bundeskanzler Schober hat nunmehr außenpolitisch jenen Schritt unternommen, den ich seit zehn Jahren von Oesterreich und Deutschland als den einzig möglichen und vernünftigen ununterbrochen gefordert habe. Der Weg Schobers nach Rom war die klügste Reise, die ein österreichischer Staatsmann seit dem Jahre 1918 unternommen hat. (Hitler im „I. B." Nr. 7.) In der „Berliner Arbeiterzeitung" aber eifert Herr Straffer gegen den „Verrat am Anschlußgedanken", den Schober begangen habe. Der österreichische Schuldenerlaß sei erkauft worden mit dem Verzicht Oesterreichs aus den Anschluß an Deutschland und durch Anbiederung an den König von Italien, dessen Armeen in einem Dutzend Jsonzoschlachten Hunderttausende von Oesterreichern in den Tod schickten. Wie lange wird die „Berliner Arbeiterzeitung" des Herrn Straffer, der Orgamsationsleiter der Nationalsozialisten ist, nun noch das „Hoheitszeichen der Partei" tragen dürfen, da sie sich in solchen Widerspruch zum Parteichef zu setzen wagte. Und wie lange wird Herr Hitler es dulden, daß Feders „Programm der NSDAP." VervDie Wahrheit am Kreuz“. Zu dem rechtsstehenden Text. Wirrung stiftet? In der ersten bis viertel: Auflage dieses Programms (1927/1928) heißt es auf Seite 29: „Wir verzichten auf kernen Deutschen in Sudetendeutschland, in S ü d t i r o!, in Polen, in der Völkerbundskolonie Oesterreich." Von der fünften Auflage (1929) ab ab^er lautet die gleiche Stelle: „Wir verzichten auf keinen Deutschen in Sudetendeutschland, in Elsaß-Lothringen, in Polen, in der Völkerbundskolonie Oesterreich." Von Südtirol kein Wort mehr! In der nächsten Auflage wird auch die „Völkerbundskolonie Oesterreich" verschwinden müssen, nachdem Herr Schober und seine Politik von Hitler als vorbildlich gepriesen wurden. Wir warten auf einen Parteibefehl Hitlers, nach dem sämtliche Exemplare des Federschen „Parteiprogramms", 1. bis 4. Auflage, einznstampfen sind. Der stampf um Südtirol aber wird von den „jüdischen Presseschmocks" \mb den „Judengazetten" unter „jüdischer Oberleitung" geführt werden müssen, die Herr Hitler in seinem „Illustrierten Beobachter" wegen ihrer wahrhaft nationalen Stellung zum Problem Südtirol beschimpft. „Wenn der Jude irgendeine Haltung einnimmt, so dient sie selbstverständlich immer zu seinem Vorteil", meint Herr Hitler, indem er den Standpunkt sogenannter jüdischer Blätter zur Südtiroler Frage kritisiert. Welches dieser jüdische Vorteil aber ist, das bleibt er zu sagen schuldig. Nach alledem wird der thüringische Jnnen- und Unterrichtsminister Dr. F r i ck sich auf seinem Ministersessel nur dann halten können, wenn er iit seinen Schulen nicht nur das Lesen von Remarques „Im Westen nichts Neues", sondern auch das Singen aller Lieder verbietet, die die Erinnerung an das d e u t s ch e S ü d t i r o l w a ch h a l t e n. Gegenwärtig hat er andere Sorgen. Er maßregelt einen volksparkeilichen Gymnasialdirektor, weil er, gestützt auf gesetzliche Vorschriften, entgegen einer Verfügung des Ministers seinen Schülern die Zugehörigkeit zu den nationalistischen Jugendvereinigungen „Adler" und „Falken" untersagt. Er beruft nationalistische „Fachberater" in sein Ministerium, die ohne Beamtenqualifikation die Tätigkeit der Ministerialbeamten überwachen. Sern Parteigenosse Dr. Alb recht gibt das Ziel der nationalistischen Negierungsbeteiligung bekannt: Alle Beamten, die sich n a t i o n a l sozialistischen Bestrebungen w i d ersetz e n, sollen rücksichtslos entfernt w e r d e n. Vielleicht wird nächstens der „Stürmer", der „nationalsozialistischen Freiheitswillen" dokumentiert, zur Einführung in den Nationalsozialisnms in den thüringischen Schulen gelesen werden. Dann würden Lehrer, die mit ihrer ethischen Ueberzeugung auch nur das Anfassen eines solchen Schmutzblattes nicht vereinbaren können, „fliegen". Wir geben unfern Lesern nur selten einen Einblick in das Blatt des Herrn Streicher. Heute müssen wir es wieder einmal tun. Streicher ist wegen seiner Ritualmordhetze in dem bekannten Nürnberger Talmudprozeß verurteilt, das Urteil jetzt vom Reichsgericht bestätigt worden. Das nebenstehende Bild zeigt, wie Herr Streicher das Urteil aufnimmt. „Die Wahrheit am Kreuz." Der karikierte Jude mit dem Blatt „Protest deutscher Staatsbürger jüdischer Rasse" soll den Centralverein symbolisieren. Wenn ein andersgesinnter Zeichner sich eine solche Blasphemie leistete, würde die Presie „unter dem Hoheitszeichen der Partei" aufheulen. In der gleichen Nummer des „Stürmer" erscheint folgende Notiz: „Der Fememordsude ist tot. Der Jude Paul Levi, der bekannte und berüchtigte Fememordhetzer, ist tot. Vergangenen Sonntag vormittag ist er zu seinen Vätern heimgegangen. Gs war morgens um 5 Uhr, da machte Paul Levi, der an Grippe erkrankt war, einen Sprung aus seinem Fenster. Das hielt seine Wirbelsäule nicht aus. Sie brach auseinander, und das veranlagte ihn, seinen Talmudgeist aufzugeben . . . Nun aber hat ihn sein Gott — — — zu sich aeholt. Ueber die Ursache seines Todes ist man verschiedener Meinung. Die einen sagen, Paul Levi hätte den eigenen Rassegeruch nicht mehr ertragen können, er sei zum Fenster gestürzt, um frische Luft zu schöpfen, und dabei sei er hinausgeflogen. Andere meinen wieder, das stetiae und gewaltige Anwachsen der nationalsozialistischen. Bewegung habe ihn so in Verzweiflung gebracht, daß er es vorgezogen hat, in Abrahams Schoß zu flüchten. Ter „TagesposN'-Iude . . . meint, nrit Paul Levi habe die S. P. D. einen ihrer genialsten Köpfe

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