Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 8 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- Seite 91 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 92% known words query
- IRI
…/2277379-2277676-2277684--05825-2286600- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
für d i e Partei ist und Ln gleicher Front mit ihr steht, eine andere, die in ständiger Opposition Zur Partei steht, eine dritte, die politisch orientiert, aber parteimäßig nicht gebunden ist. Alle diese Bünde betrachten es als ihre Aufgabe, den einzelnen zur politischen Stellungnahme Zu befähigen. Der Bund wolle „n i ch t den Politiker, sondern d e n p o litt s ch e n M e n s ch e n" erziehen, zum Willen zur neuer! Gesinnung und Verantwortlichkeit gegenüber dem Ganzen, int Gegensatz zur heutigen Parteigesinnung. Politische Arbeitskreise, überbündks'che politische Treffen, Auseinandersetzung mit dem ehrlichen Gegner, den mmi von seiner eigenen Basis zu verstehen versucht, dienen dazu. Der Referent gab dann einen Ueberblick über den heutigen Stand der organisierten deutschen Jugend, die im R e i ch s a u s s ch u ß der deutscher: I u g e n d v e r b ä n d e zusammeugefaßt ist. Nach der letzten Statistik des Jahres 1928 seien im Neichsausschuß etwa 4*4 Millionen Jugendlicher in den verschiedenen Bänder: zusanttnengefaßt. Hiervon entfielen aUmi 37,3 Prozent auf die Verbünde für Leibesübungen. Nicht mitgerechnet feien die dem Reichsausschuß nicht angeschlossenen und auch in letzter Zeit wieder::::? nicht aufgenonuneuen Wehrverbände (Stahlhelm, Juuado, Jungbanner, Tanuenberg-Bund, Rote Jungfront). Die Große dieser Wehrverbände sei nicht genau feststellbar, sie dürften jedoch keinesfalls unterschätzt werden. Redner wies ferner auf die Schülerb ü n d e, insbesondere auf die nationalsozialistischen, hin, die eine Gefahr für die Erziehung der heutigen Jugend und die Staatsautorität sind, und auf die Notwendigkeit, auch von unserem Standpunkt aus die Entwicklung aufmerksam zu verfolgen. Nach alledem ergebe sich auch klar die Situation, in der sich die jüdische Jugend heute befinde. Deutsche Jugendverbände mit Ausnahme einiger Sportverbände seien dem jüdischen jungen Menschen mit Ausnahme noch einiger ganz weniger, als größter der „Bund der ReichsPfadfinderT verschlossen. Hieraus ergibt sich von selbst die Beantwortung der Frage, ob wir jüdische Jugendbünde brauchten und ob sie unterstützt werden sollten. Dr. Alfred H i r s ch b e r g wies einleitend auf die enge Verbindung der deutschen Jugendbewegung und ihrer Organisationen mit der Entwicklung der Hochschulverhültnisse hin. So Habe bis vor kurzen: beispielsweise der Deutsche Hochschulring dem Neichsausschuß der deutschen Jugendverbünde angehört. Ihm ist, wie i:n „Handbuch der Deutschen Burschenschaft" nachzulesen, zu verdanken, daß in allen nationalen Korporationen eine eingehende Beschäftigung mit den Rassenproblemen erfolgte, so daß heute für die Mehrzahl dieser Verbindungen die Judenfrage ein erledigtes Gebiet sei. Wenn auch die zahlenmäßige Bedeutung des Hochschickringes heute vollkommen geschwunden sei, so wirkte sein Einfluß noch fort und habe den nationalsozialistischen deutschen Studentenbünden den Weg geebnet. Der Referent gab sodann einen historischen Ueberblick über die Entwicklung der Deutschen Studentenschaft bis zur Ministerialverordnung von Ende 1927, durch die die preußischen Studentenschaften aus der Deutschen Studentenschaft ausschieden. In den meisten anderen deutschen Ländern werde wenigstens der Zwangsbeitrag für die Studentenschaften nicht mehr abgeführt. Eine Untersuchung der zahlenmäßigen und geistigen Kräfteverteilung innerhalb der D e u t s ch e n S t u d e n t e n s ch a f t ergab, daß sich heute zwei Auffassungen gegenüberstehe::. Der letzte Vorsitzende der Deutschen Studentenschaft, S ch m ade l, zählt zur Deutschen Studentenschaft alle, die durch das gerneinsame Band des Studiums geeint feie::. Die radikale Richtung will die Hochsehuljugeud und ihre Organisationen in ausgesprochenem Maße allgemein-politisch aktivieren. Der Einbruch des Nationalsozialismus in d:e Studentenschaft bedeute nicht nur für ihre staatstreue Gesinnung und für die jüdischen Jungakademiker wegen der dauernden auf Einführung des Numerus clausus hiuzielenden Bestrebungen eine große Gefahr. Auch die Korporationen würden durch die Nationalsozialisten unterhöhlt, was aus dem Vergleich der Stimmziffern bei Hochschulwahlen vollkommen deutlich würde. Es sei aus gewissen Anzeichen unverkennbar, daß die Alten Herreuschaftcn in zahlreichen Fällen mäßigend auf die Zusanunenarbeit der Aktivitas mit dm Nationalsozialisteu einwirkten. Den für die Deutsche Studentenschaft eintretenden Gruppen stehe der Deutsche S t u d e n t e n v c r b a n d g e g e u ü b e r , in den: die sozialistischen, demokratischen und Zentrumsstudentengruppen zusauunengeschlossen seien und für den auch die Hochschulgruppen der Deutschen Volkspartei sowie einige Korporationen, so in erster Linie der K. C. und die F. W. B., sich entschiede:: hätten. Auch gewisse katholische Korporationsverbünde arbeiteten drirch EinZelPersönlichkeite:: im Deutschen ^tudentenverband mit. Ebenso die Studentengruppen des Jnngdeutschen Ordens. Nach dieser Darstellung der objektive:: Lage und der Kräfteverteilung an den Hochschulen entwickelte der Referent ein Arbeitsprogramrn in doppelter Richtung. Er stellte die Forderung auf, die ungefähr dreieinhalbtausend jüdischen Jungakademiker au deutschen Hochschulen für den C. V. und seine Arbeit zu gewinnen, wobei er auf die erfolgreichen Versuche des württembergischen Landesverbandsvorsitzenden des C. V., Dr. Feldmann, hinwies. Die Kreise der sogenannten Paritätischen Korporationen verdienen dabei unsere besondere Beachtung, so besonders die'F. W. V. und der B. C.; ans ihnen sei für uns in vielerlei Hinsicht wertvolles Mitgliedermaterial zu erzielen. Für die Politische Arbeit unter der Hochschuljugend wurden eine Reihe von Grundsätzen und Vorschlägen vorgetragen, an deren Ausstellung der an der Teilnahme an der Sitz:n:g verhinderte Dr. Hermann B e r l a k, Mitglied des Haupt- Vorstandes, besonders beteiligt war. In: zweiten Teil seines Referats gab Dr. Hirschberg einen Rechenschaftsbericht über die Arbeit des Jugeudausschusses des Centralvereins. Der Jugendausschuß fühle sich als der Kreis innerhalb des Centralvereins, an den die Jugend aller Richtungen, die ans deutschjüdischem Standpunkte stehe, sich zunächst wenden könne, wenn Idee :n:d Arbeit des C. V. für ihre eigene Entscheidung wichtig wird. In ihm seien alle auf den: Boden des C. V. möglichen Nuancierungen vertreten. Der Geist der Zusanunenarbeit und vor allem das Verantivortungsgefühl, sowohl dem Verein wie der jungen Generation gegenüber, hätten jedoch jede Auseinandersetzung in anderer als rein gedanklicher Form. unmöglich gemacht. Bereits heute könne gesagt werden, daß es keine zahlenrnäßig bedeutenden Kreise innerhalb der deutschjüdischen jungen Generation gäbe, die den: C. V. und vor allen: seiner politischen Arbeit ablehnend gegenüber stünden. Auch für die Jugendarbeit stellte der Referent ein doppeltes Progranm: aus. dessen ttI!iriir!IIIIttri!II!Ii!iIl!i!!!I!I!I!IIII!I!I!s!llIIiINlI!Iir!MI!!IIIIIli:r!IIir!!riI!IIi!IIII!i!I!IIlI!IIlIIIiIlIII!lI!IIi!IIIIIIIIjIIir!lIIj!!j!ji:!lIir-!!riiji!riI!MIj!Ii:i!I!I!IIj?II!!IiiI!IIiII!!iIj!!!I!,!!ji!?!iI!i!IIIIj!!,!II!!zi!U!jiijizizi!iji!!iizi!i?!ilI!!!I!III!IiII!iIIII!Ii!!II!!!i!'S!!i!!!!!!!iiijji!riiji!'!!!.-!-.i!!;;!:!!ii!l! Oie Berliner Synagogenschändung i •.■*<••• In der Naclit vom Sonnabend zum Sonntag wurde die Synagoge Kottbuser Tor von bisher unbekannten Tätern in einer Weise besudelt, wie dies bisher weder in Berlin noch irgendwo im ganzen Reiche* der Fall war. Zwanzig Hakenkreuze in Höhe von einem Meter bedecken die ganze Front des Gotteshauses und seine Türen. Ueber die ganze Breite der Fassade erstrecken sich die Worte: verrecke! Judas den Tod! II>Ie ■Rache naht!“ Die Empörung über das Bubenstück ist eine allgemeine. Keiner gebt vorüber, ohne seiner Entrüstung über die Tat laut Ausdruck zu geben. Es rst zu lioffen, dass die Täter recht bald gefasst werden, damit gerichtlich festgestcllt werden kann, welchen politischen Kreisen sie angehören. Der Verdacht ruht natürlich auf jenen Kreisen, deren Schmierkolonnen nacht lieh erweise an Zäunen und Häusern der Grossstadt bereits häufiger, besonders in Wahlzellen, ähnliche Parteiabzeichen anzumalen pflegten. Es wäre sehr zu wünschen, dass die polizeilichen Streifen auf ihren Patrouillengängen derartigen Gebäuden erhöhte Aufmerksamkeit schenken würden. Was zur Ermittelung der Täter in unserer Kraft steht, ist bereits veranlasst worden.