Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 8 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- Seite 90 (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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HS Sitzung. Ter heilige Ernst und der eiserne Wille, imä unsere deutsche Gesinnung von nie* mcmbem erschüttern, unser HeimatsrechL von niemandem bestreiten zu lassen und alles darauzusetzen, den Judengegnern selbstbewußt und mit aller Kraft zu begegnen — das waren die Leitsätze, die über dieser Sitzung standen. Justizrat Tr. Brodnitz begrüßte vor Eintritt in die Tagesordnung den als Vorsitzenden des Landesverbandes Brandenburg in den Hauptvorstand delegierten langjährigen Mitarbeiter des E. B. Rabbiner Tr. Martin Salo m o n s t i und stellte sodann fest, daß die Zuwahl von Rechtsanwalt Tr. B a ch e r t, dem Vorsitzenden unserer Ortsgruppe Mannheim, in den Hauptvorstand einstimmig erfolgt sei. Als korrespondierendes Mitglied des Centralvereins Danziger Staatsbürger jüdischen Glaubens wurde au Stelle des ans gesundheitlichen Gründen ausscheidenden Justizrats Fabian in Danzig der Direktor der Dresdner Bank in Danzig, Konsul Alfred W e i n k r a n h, gewühlt. Der Vorsitzende gedachte dann in warmen Worten des jüngst verstorbenen stellvertretenden Vorsitzenden Oskar Heimann. Der Hauptvorstand erhob sich während dieses Nachrufs, mit das Andenken des verstorbenen Führers zu ehren. Hierauf folgten die Abstinmumg über die Entschließung des Hanptvorstandes, über deren Hergang in vorstehendem bereits berichtet wurde, sowie die vertraulichen Mitteilungen von Direktor Dr. Holländer, über die sich die Anssprache bis in den Nachmittag erstreckte. In der Abstimmung über die oben wiedergegebene Entschiietzung stimmten mit „ja": Rechtsanwalt Dr. Kurt Alexander (Krefeld), Rudolf A p t (Dresden), Hartwig B a d r i a n (Gleirvitz), Rabbiner Dr. Leo B a e ck (Berlin), Sanitätsrat Dr. Fritz Baron (München), Direkor I. B a - ruch (Berlin), Rechtsanwalt Dr. Georg Baum (Berlin), Stadtverordneter Ernst Behrendt (Beuthen), Rechtsanwalt Dr. Walter Berlin (Nürnberg), Dr. Felix B l u m enfeld (Kassel), Dr. med. Friedrich B r o d n i tz (Berlin), Iustizrat Dr. Julius Brodnitz (Berlin), Iustizrat Max Chodziesner (Berlin), Landgerichtsrat Dr. Kurt Cohn (Chemnitz), Staatsrat a. D. Dr. Cohn (Dessau), Rechtsanwalt Dr. Erich Eyck (Berlin), Max Eisenstein (Stettin), Geheimer Medizinalrat Professor Dr. Hugo F a l k e u h e im (Königsberg), Dr. med. Gustav F e l d m a n u (Stuttgart), Rechtsanwalt Dr. Ludwig F r e u d e n t h a l (Erfurt), Dr. med. Kurt Fleischer. (Berlin), Rechtsanwalt Martin Fleischer (Schneidemühl), Iustizrat Dr. Joses G a! l i n g e r (Nürnberg), Rechtsanhalt Dr. Rudolf Geiger (Frankfurt a. M.), Dr. med. Bruno G! a s e r f e l d (Berlin), Rechtsanwalt Dr. I. Goldberg (Plauen), Rabbiner Dr. Felix G o! d m a n n (Leipzig), Sanitätsrat Dr. Alfred G o l d s ch m i d t (Berlin), Bankier Wilhelm G r a e tz (Berlin), Rechtsanwalt Dr. Martin G r u m a ch (Königsberg), Frau Agathe Grünebau m (Düsseldorf), Rechtsanwalt Dr. Berthold H a a s e (Berlin), Kommerzienrat N. Hamburger (Berlin), Bruno Heine m a n n (Meiningen), Rudolf Herzberg (Hannover), Rechtsanwalt Dr. Ernst H e r z f e l d (Essen), Ministerialrat Dr. Otto Hirsch (Stuttgart), Direktor Dr. Ludwig Holländer (Berlin), Rabbiner Dr. Benno Jacob (Dortmund), Dr. h. c. Wilhelm Kleemann (Berlin), Dr. Henry L e p m a n (Stuttgart), Rechtsanwalt Alfred Lichte u b e r g (Hannover), Mcrritz A. Loeb (Berlin), Rabbiner Dr. Josef Lehman n (Berlin), Dr. med. S. London (Berlin), Rechtsanwalt Karl Löwenst e i n (Aachen), Dr. Leo Löwen st ein (Berlin), Dr. Erich M a g n u s (Berlin), Dr. med. Max Mainzer (Frankfurt a. M.), Iustizrat Felix Mako w e r (Berlin), Rechtsanwalt Dr. Heinrich M a r - e u f e (Stettin), Iustizrat Eduard Margoninfk y (Berlin), Rechtsanwalt Dr. Jakob Marx (Karlsruhe), Rechtsanwalt Dr. Gustav M a y e r (Freiburg), Rechtsanwalt Dr. Ernst M e r z b a ch (Magdeburg), Dr. med. Helmuth N a t h a n (Hamburg), Zahnarzt Dr. Max Reumann (Stolp), Professor Dr. Alfred Nutzbau m (Berlin), Direktor Hugo O st b e r g (Berlin), Bankier Alfred P a n o f s k y (Berlin), Sanitätsrat Dr. Leo P o l l n o w (Königsberg), Rechtsanwalt Dr. R. Regensburger (Braunschweig), Zahnarzt Dr. Fritz Salomo u (Berlin), Rechtsanwalt Ferdinand S a m o f e (Berlin), Rechtsanwalt Dr. Hermann Samson (Hamburgs, Rittergutsbesitzer Artur Sandelowfky (Norgehnen), Professor Dr. Julius Schneider (Berlin), Ottilie S'ch ö n e w a l d (Bochum), Minna S ch w a r z (Berlin), Dr. Julius S e l i g f o h u - N e t t e r (Berlin), Arnold Stein (Berlin), Mittelschullehrer Dr. H. Sterrr (Berlin), Kammergerichisrat Dr. Jacques Stern (Berlin), Rechtsanwalt Heinrich Stern (Berlin), Rechtsanwalt Dr. Eugen Strauß (Augsburg), Rechtsanwalt Dr. Georg T a r n o w f k i (Breslau), Dr. med. Ludwig T i e tz (Berlin), Iustizrat Felix W a l d ft e i n (Altona), Ernst Wallach (Berlin), Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil (Berlin), Konsul Alfred W e i n k r a n tz (Danzig), Kammergerichtsrat Leo Wolfs (Berlin), Tapezierermeister Ludwig Wolfs (Berlin). Dr. Ludwig Netz unö fugendunö Tr. Ludwig Tietz setzte die Bedeutung der deutschen Jugendbewegung für die Entwicklung der heutigen Jugend und für die Gestaltung der kulturellen und pädagogischen Einrichtungen in Deutschland auseinander. Er gab einen kurzen Ueberblick über die Entwicklung der deutschen Jugendbewegung, die man int wesentlichen in btei Epochen ein teilen kann. Tie e r st e Epoche beginne mit der Entstehung und Entfaltung der Wandervogelbewegung im Jahre 1896. Mau könne sie kurz die n aive, unmittelbare Jugendbewegung nennen. In ihr war wesentlich der Wille der Rückkehr zum unmittelbaren Leben, sie war gedanklich nicht durchgearbeitet. Vorherrschend in ihr war der romantische Zug zur Natur. Die z w eite Epoche beginne mit der Gründung der f r e i d e u t s ch e a B e - weg u n g, mit der Tagung aus dem H o h e n M e i ß n e r. Man könne sie die k r i t i s ch e Jugendbewegung nennen. Sie sei ausgefüllt mit intellektueller Kritik, mit Skepsis, Problematik und endloser Diskussion, die sich gegen die Kulturströmungen der Zeit richtete. In ihr begann die Idee der .Jugendkultur, des Eigenwertes der Jugend. Diese Entwicklung sei durch den Krieg unterbrochen worden. Die dritte Epoche beginne mit dem Jahre 1918. Seit dieser Zeit ordne sich tue Jugendbewegung dem Volke ltnd dem Staate ein. Jugend wolle organisches Glied des Volkslebens werden, von der Romantik, von der Utopie und Nur-Kritik zur tätigen Mitverantwortung und Mitarbeit. Der Bund spiele jetzt als E r z i e h u n g s b u n d eine besondere Rolle. Es entwickelten sich die großen Bünde, die beherrschend hervortraten. Die körperliche Ausbildung, der „olympische Gedanke" werde ausschlaggebend. Es beginne politische Schulungsarbeit, positive geistige Auseinandersetzung mit Schule, Pädagogik, Staat, Politik, Kirche. Die Freiheit des Jugendlebens ist nicht mehr ulnstriiten. Jugend ist eine selbstverständliche Lebensschicht im Volke unter besonderer Verantwortung. Der Wille zum echten Gemeinschaftssinn ist beherrschend. So hätten sich seit dieser Zeit in vielerlei Gestalt die Bünde der deutschen Jugendbewegung entwickelt, und die Entwicklung der letzten beiden Jahre habe entschieden Wandlung in der gesamten deutschen Jugendbewegung gebracht. Im wesentlichen treten drei Er s ch e i - nun gen hervor: Das Durchdringen aller jungen Gemeinschaften mit den Formen des Pfadf i n d e r t u m s, erneutes Austreten der Frage der K o e d u k a t i o n, die A u s - e i na n d e r se tz u ng der Jugend mit d e r Politik. Der Unterschied zwischen Jugend b e w e g u n g und Jugend pflege sei im wesentlichen geschwunden. Die heutige Jugend fei nicht mehr so stark von dem Protest gegen das Bestehende erfüllt. Sie sei in die Freiheit des neuen Jugendlebens hinemgewachsen. Man wolle feste Führung, klare Ziele, Aufbauarbeit. Stark sei allgemein der Sinn für Bindungen und Gemeinschaft. Das Leben der Gemeinschaft zeige eine gewisse Regelmäßigkeit. In der F o r m der Tag u n g (Zeltlager), in der Methodik der A rbeit (Fahrt, Spiel, Hordengemein- Mit „nein" stimmte Rechtsanwalt Ludwig Foerder (Breslau). Dev Stimme enthielten sich: Rechtsanwalt Dr. David Krombach (Essen), Studienrätig Dr. Gertrud Klausner (Berlin), Iustizrat Dr. Jakob Skalier (Beuthen). Als letzten Punkt der Tagesordnung folgten die Referate von Dr. stlfreü hirschberg hochfchularbeit. schüft). Die Mannigfaltigkeit der Bünde sei wenig unterschieden durch die Idee. Die Bundesideologien von vor fünf und zehn Jahren seien heute überholt. Bei der Wahl des Bundes sprächen mehr Zufälligkeiten mit als die Richtung, die der Bund eventuell hat. Das Psadsindertum sei als Erziehungsgut rascher übernommen als die Formen der Jugendbewegung. Fast alte Kreise ans der bündischen Jugend, die früher ablehnend oder gleichgültig dem Politischen gegenüber waren, bejahten sie heute zum größten Teil und seien zur Mitarbeit bereit. Diese Auffassung sei beinahe einheitlich, während sonst ein Wirrwarr von Zielen, Progranunen und Einstellungen herrschte. Die Frage der Eingliederung in die Partei sei am dringlichsten. Bei der eigentlichen P a r t e i j u g e n d sei zu unterscheiden: eine Gruppe, die völlig Friedhofsschändung in Georgensgmünd. In Nr. 5 der „C. V.-Zeitung11 vom 31. Januar dieses Jahres meldeten wir eine Friedhofsschändung, die am 21. Januar auf dem israelitischen Friedhof Georgensgmünd hei Nürnberg verübt worden war. Damals wurden Grabsteine umgeworfen, beschädigt und beschmutzt. Zu unserem grössten Schmerze müssen wir heute mitteilen, dass wenige Tage später der gleiche Friedhof in weit schlimmerem Masse beschädigt wurde. In der Nacht vom 28. zum 29. Januar wurde an elwem Grabstein die hebräische Inschrift herausgebrochen, dafürxwurden, wie aus dem oben stehenden Bilde ersichtlich, die Worte „Sara, Bw stinkst“ ein gekratzt. Bes zwei weiteren Grabsteinen wurde das Wort „8au" ebenfalls mit einem spitzen Gegenstand ein gekratzt. Obschon sofort nach Entdeckung der Tat die Ortsgendarmerie und Kriminalbeamte der Polizeidirektion Nürnberg die Verfolgung Aufnahmen, auch Fingerabdrücke festgestellt und ein Polizeihund auf die Spur gesetzt wurde-, konnten die Täter noch nicht ermittelt werden.