Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 8 (21.2.1930)
- Date
- 1930-02-21
- Page
- Seite 89 (sequence 1)
- Language
- German
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erettt «ntral Blätter für Beutfrktum unv Judentum Verlin, Sl.Zebruar 193S IX. Jahrgang ♦ Ar. $ <inJelnummee 20 Pfennig Bierieliahrsa^onnement 2.5V NM. (zuzügl. Bestellgeld). Snyan -es Crotral-VemnsMditef totaaksdüryer jü6ifChen lUaubens e.V. Allgemeine Zeifung desOudenfums Verlag und Schriftleitung: Berlin SW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. Bankkonto: Dresdner Bank, Wechsel» . siube O, Berlin 8W 68, Lindenstraße 7, und von Goldschmidt-Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Expedition Rudolf Mofse, Berlin 8W 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise' 0,Wfür die 7gespaltene Zeile nach Rudolf Mostes Normals« ilenmesser Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0.45 JUi, die 62 mm breite Reklamezetle 3,50 JtJL Die unvrrriiikbarcii Grundlagen des C. N. Eine .. EntschließWg M ßauptvorstantts Auf bet nicht künstlich geschaffenen, sondern aus den heiligsten Gefühlen geborenen, unlösbaren Verbindung Zwischen Deutschtum und Judentum ruht unsere Heimatsberechtigung, ruht das Dasein des jüdischen Deutschen. Erschüttert man diese, so trifft man uns ins Herz und bringt den Centralverein, die mächtigste Organisation des deutschen Judentums, ins Wanken. Zugehörigkeit zum deutschen Volke steht nie im Widerspruch mit dem jüdischen Erbgut, das in uns von den Ahnen überkommen ruht. Nur dann, wenn dieses Jüdische durch gewisse vielfach geübte Agitation als ein Nationaljüdisches im Politischen Sinne erklärt wird, ist es unvereinbar mit unserem Sein. Dann müssen wir es nachdrücklich ablehnen. Nachdem sich in den letzten Jahren eine Anzahl von Centralvereins-Mitgliedern mit Zionisten und dem Centralverein nicht angehörenden Nichtzionisten in der Jewish Agency Zusammengefunden haben und nachdem durch den Aufruf „Hilfe durch Aufbau" und die Antwort „der deutschen Juden", Gegensätze verschärft worden waren, war es Aufgabe und Pflicht der Hauptvorständssitzung vom 16. Februar, einmal über die Grundbedingungen IIIIIII1H Bilder zur Berliner Synagogen- Schändung Seite 91 Dr. Hans Reithmann: Unter dem Hoheitszeichen der Partei Seite 93 Prof. Dr. Ernst v. Aster (Giessen): Ueher allem der Mensch... Seite 95 Hedwig Maladiowski (Breslau): Was sollen unsere Töchter lernen? seUe 97 Klarheit zu schaffen, unter denen eine solche Zusammenarbeit überhaupt möglich ist. Mit einer bisher in der Geschichte des Centralvereins beispiellosen Einmütigkeit (83 ja, 1 nein, 3 Stimmenthaltungen) hat der Haupt- Vorstand am letzten Sonntag den folgenden Beschluß gefaßt: „Der C. V. hat stets jede nationaljüdische Bestrebung abgelehnt. In Uebereinstirnnrung damit haben diejenigen Mitglieder des Hanptvorstandes, die sich an der Palästinaarbeit beteiligen, stets erklärt, daß sie als deutsche Inden den Mittelpunkt ihres politischen und kulturellen Lebens in Deutschland erblicken und das; sie jede nationaljüdische Propaganda, auch im Rahmen der Jcwisli Agency, abweisen. Der Hauptvorstand des C. V. hat demgemäß das Vertrauen, daß alle seine Mitglieder überall, auch außerhalb des Vereins, diesem Gedanken zur Durchführung verhelfen." Die einheitliche Auffassung des Hauptvorstandes über diese Fragen ging so weit, daß e i n st i m m i g beschlossen wurde, die zu diesem Punkt der Tagesordnung vorgesehenen Referate der Herren Rabbiner Dr. Jacob (Dortmund) und Rechtsanwalt Dr. Krombach (Essen) von der Tagesordnung abzusetzen und von jeder Aussprache Abstand zu nehmen. Nur ein Bericht des Mitgliedes des Hanptvorstandes Dr. Bruno Weil über die Vorgeschichte des obigen Beschlusses und die Stellung von Mehrheit und Minderheit dazu wurde vor den Abstimmungen entgegengenommen. Mit dieser Entschließung werden die Gegensätze in der Beurteilung des Palüstinaproblems und der Frage der Beteiligung an der Jewish Agency nicht vertuscht. Nach wie vor besteht der Beschluß der Hauptvorstandssitzung vom 23. und 24. Mürz 1929, daß der Centralverern von der Entsendung von Vertretern in die Jewish Ageney absieht. Damit ist die Stellung der Majorität des Hauptvorstandes zur Jewish Agency und zur „Nationalen Heimstätte" klar gekennzeichnet. Die Sitzung am 16. Februar hat aber auch das andere ganz deutlich gemacht: A u ch d i e j e n i - gen Milglieder des Hauptvorstandes, die in der Jewish Agency oder in das Initiativkomitee für die Agency als Einzelpersonen e i n g e t r e t e n s i n d, w ü n s ch e n, d a ß die Agency n u r r eine Palästinaarbeit leistet und daß keinesfalls in iljrcn Beratungen, ihren Veröffentlichungen, ihren V e r s a m m - l u n g e n n a t i 0 n a l j ü d i s ch e Bestrebungen sich bemerkbar m a ch e n oder gar um sich greifen solle n. Ist also die Majorität des Hauptvorstandes gegen jede Beteiligung am nationaljüdischen, wohlgemerkt natioualjüdischen Palästinaaufbau überhaupt, so lehnen auch diejenigen Hanptvorstandsmitglieder, die der Agency nahestehen, in dieser Programmatisch neutralen Körperschaft nationaljüdische Bestrebungen ab. Beide Teile des Hauptvorstandes sehen einmütig in Deutschland den Mittelpunkt ihres geistigen und kulturellen Lebens. Beide bejahen damit die unverrückbaren Grundlagen des C. B.: Deutschtum und Judentum. Leitend und fordernd erschien dem gesamten Hauptvorstande die Geschlossenheit des C. B., die in einer Zeit um so notwendiger ist, in welcher das deutsche Judentum von Nationalsozialisten und sonstigen Judengegnern jeder Färbung aufs heftigste berannt wird. Man verzichtete daher gern auf große Auseinandersetzungen über die verschiedenen innerjüdischen Richtungen und wandte sich grundsätzlichen Fragen unserer Aufklärungs- und Abwehrarbeit zu. Dr. Ludwig Holländer, der Direktor des C. V., machte vertrauliche Mitteilungen über „Geschehnisse und Erfahrungen der letzten Zeit". Unsere Stellung zu gewissen Parteien, Vorgängen in deutschen Bundesstaaten, verschiedenen literarischen und wissenschaftlichen Erscheinungen ist durch den Referenten und durch eine mehrstündige Aussprache geklärt worden. Für die praktische Arbeit auch in wirtschaftlichen Fragen konnten wesentliche Ergebnisse gewonnen werden. Wichtige Referate über Jugend- und Hochschularbeit von Tr. Ludwig Tietz, Mitglied des Hanptvorstandes, und dem stellvertretenden Syndikus Dr. Alfred H i r s ch b e r g bildeten den Schluß der vielstündigen stark besuchten 8687