Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 7 (14.2.1930)
- Date
- 1930-02-14
- Page
- Seite 81 (sequence 14)
- Language
- German
- Belongs to
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Sadi Tanx undSport.mjeder transpiriert Gn$admit%aiserSftoraxextmmrdfmerfti Wie das erfrischt verschönt undgieicherXeit unsere biographisch interessierte Gegenwart passenden Buches Rudolf Schahs nicht schmälern. Es zeigt die Mitarbeit der deutschen Juden am Bau des deutschen Vaterlandes, ihre Heimats- und Kulturzugehörigkeit, zwangläusig von selbst sich ergebend. So wird das Buch dm deutschen Juden in dieser Zeit tiefer Erniedrigung die Hoffnung auf gerechtere Würdigung stärken, zugleich aber manchem unserer christlichen Mitbürger als ein Mttel der Aufklärung dienen. Dafür gebührt dem Verfasser unser Dank. Kammergerichtsrat vr. J. Stern (Berlin). Eine Einführung in die Philosophie. Will Duran t: „Die g roßen Denke r", V e r l a g O r e l l F ü ß 11 (Zürich). Deutsch von Dr. Andreas Hecht. Die Tatsache, daß ein Gelehrter vom Rang des Professor Hans Driesch diesem Werkes ein ausführliches und alle Vorzüge unterstreichendes Vorwort widmet, läßt es von vornherein besonders beachtenswert erscheinen. Das Buch enthält etwas anderes, als man im allgemeinen über Philosophie und Philosophen *) OriginalLitel: „The Storv of Philosophy, The Lives and Opinions of the Greater Philosophers“. Simon and Schuster, Nerv?)ori, 1926. „Religion«. geschichtliche Probleme -er helleniftisch-sü-ischen Zeit." Ein Bortrag von Rabbiner Dr. BaeE an der Theologischen Fakultät der Universität Gietzen. Im Rahmen von Austauschvorträgen zwischen der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums zu Berlin und der Evangelisch-theologischen Fakultät der Universität Gießen hatte der bekannte Professor der Theologie D. Dr. Heinrich Frick im Wintersemester 1928/29 an der Hochschule für die Wissenschaft des Judentums eine Vorlesung über das Wesen das Protestantismus gehalten. Nun stattete Rabbiner Dr. Baeck am 28. und 29. Januar d. I. der Theologischen Fakultät Gießen den Gegenbesuch ab und hielt eine Vorlesung über'das Thema: „Religionsgeschichtliche Probleme der hellenistisch-jüdischen Zeit in ihrer historischen Wirkung." Am . 27. Januar hatte Dr. Baeck bereits in der Theologischen Fakultät Marburg gesprochen, wo Professor Dr. Fr ick, der früher in Gießen war, seit vorigem Jahre lehrt. An beiden Tagen war eine große Hörerschaft erschienen. Man sah neben den Professoren und Studenten der Fakultät selbst auch Dozenten anderer Fakultäten, Philosophen 81 zu lesen bekommt; es will auch keine der üblichen Darstellungen einer Geschichte der Philosophie sein. Der Verfasser, ein amerikanischer Gelehrter, wollte damit seinem Lande, das allem Irrationalen so gänzlich abgeneigt ist, die großen Philosophen nüherbringen und beweisen, daß Philosophie keine verschwo-mmene unverständliche Lehre, sondern lebensbejahende Geisteswissenschaft ist. Er kann natürlich nur einen Auszug aus dem großen Gebiet der Philosophie geben und schreibt dazu in seinen einleitenden Worten: „Wir wollen auf dieser unserer Fahrt nur in den Häfen des Lichts anlegen und wollen uns von den verschlammten Strömen der Metaphysik und vom uferlosen Meer theologischer Dispute fernhalten." Das Buch ist aber nicht nur für Amerikaner geschrieben, für uns enthält es gleichfalls große Werte. Mag auch — wie allgemein angenommen wird — die Liebe zur Philosophie dem Deutschen, insbesondere dem jüdischen Deutschen im Blute liegen, Tatsache bleibt, daß nur wenige unserer Volksgenossen in das eigentliche Wesen dieser Geisteswissenschaft eingedrungen sind. Das vorliegende Werk ist dazu geschaffen, Liebe zur Philosophie zu wecken und zu pflegen. Eine Reihe der größten Philosophen werden in einem Lichte vorgeführt, das ihre Gedanken und ihre Lehre in vollkornmener Klarheit erscheinen läßt. Die Darstellung ist durchaus lebendig; man merkt, mit welcher Liebe der Verfasser den Stoff bearbeitet hat. Das Zeitalter der Griechen ersteht vor uns: Um Sokrates, Platon und A r i st o - teles scharen sich die wißbegierigen Schüler und lauschen den großen Lehren der Staatsphilosophie, der Logik, Ethik und Psychologie. Kant, Bacon, Voltaire, Spencer, Spinoza, Schopenhauer und Nietz - s ch e werden in ihrem Leben und ihren Werken ausführlich behandelt. Zum Schlüsse folgt eine Wüvdigung der zeitgenössischen europäischen und amerikanischen Philosophen (Bergson, Croce, Driesch, Russell, Santayana, James, Dewey). Der Verfasser stellt die großen Persönlichkeiten als Menschen dar, aus deren innerem Wesen und ihrer Einstellung zur Umwelt sich ihre Lehre notwendigerweise ergeben mußte. Besonders eindrucksvoll ist die Abhandlung über Spinozas Leben und Lehre. Wer eine kurze, wirksame Einführung in diese für uns heutige Menschen unbedingt wichtige Lebens- und Gedankenwelt sucht, wird sie in diesem Buche finden. Der Verfasser schildert hier unter anderem den Haß eines Teiles der christlichen Glanbensgcuneinschaft gegen das Judentum und führt ein Wort Spinozas an: „Ich habe mich oft darüber gewundert, daß Leute, die stolz sind auf das Bekenntnis des christlichen Glaubens — nämlich der Liebe, der Freude, des Friedens, der Mäßigung und der Wohltätigkeit gegen alle —, sich mit solch erbitterter Feindseligkeit streiten und gegeneinander so bitteren Haß bekunden, daß inan eher diesen zum Nächstliegenden Kenuzmcheu ihres Glaubens machen tonnte als die Tugenden, zu denen sie sich bekennen." Eine^andere Welt tritt uns bei dem geistvollen Spötter Voltaire entgegen, das ganze damalige Zeitalter spiegelt seinen Einfluß wieder. (Hier kann den: Verfasser allerdings ein Vorwurf nicht erspart werden. Es bedeutet ein Entgegenkommen an landläufige Verbohrtheit, wenn er schreibt: „Es war gut, daß Voltaire die gallische Gewandtheit seiner Feder durch fast jüdische Geschicklichkeit in Geldsachen ergänzte." Derartige unwissenschaftliche Ae-ußerungen dürfen in einem philosophischen Werk keinen Platz haben.) Dem allzu kritischen Blick des philosophisch geschulten Lesers mag das Buch zwar oberflächlich, mögen manche Ausführungen anfechtbar erscheinen. Für diejenigen aber, die die Grundprobleme der Philosophie tennenlernen wollen, wird es ein starkes Erlebnis sein. Jedes Kapitel ist in sich vollendet und gibt in klarer, leicht faßlicher Sprache ein außerordentlich anschauliches Bild über die großen Philosophen und ihre Lehren. Nicht zu vergessen die zahlreichen hervorragenden Abbildungen, die das Werk in noch größerer Lebensnähe erscheinen lassen. Möge es weiteste Verbreitung finden und in nuferer Zeit der wirtschaftlichen Not und daraus folgenden Ueberschützung alles Materiellen suchenden Menschen ein Führer zu idealer Lebensgestaltung sein. Margarethe Holz. und Historiker vor allem, dann aber auch Geistliche aller Religionen und eine Anzahl Hörer anderer Stünde. Dr. Baeck gab in der knappen ihm zur Verfügung stehenden Zeit einen Gesamtüberblick über die Probleme der hellenistisch-jüdischen Epoche, mit denen er das Verständnis für das Judentum zu wecken und zu vertiefen verstand. Wenn der Dekan der Fakultät in herzlichen Worten den Gast empfing und ihm später bewegt dankte, und wenn Dr. Baeck mit dem Dank für die gewährte Möglichkeit des Gedankenaustausches den Wunsch verband, daß der begonnene Austausch fortgesetzt werden möge, so möchten wir auch der Hoffnung Ausdruck geben, daß die Austauschvorlesungen zu einer st ä n d i g e h Einrichtung würden! Dr. Baeck führte aus, daß in der hellenistischen Zeit zum erstenmal der jüdischen Gemeinschaft die Ausgabe gestellt war, ihre Eigenart inmitten des ersten großen kulturell und sprachlich Zusammengesaßten Weltreichs zu bewahren. Das Judentum hatte in seinem Anfang ein ganz neues Prinzip, nämlich das theozentrische (Gott ist der Mittelpunkt alles Seius und Geschehens), also rächt das monotheistische schlechthin, ausgestellt. Mit dem neuen Prinzip ringen die großen Männer der jüdischen Geschichte, erleben und verpersön liehen -es: die Propheten. Ihr Wort überlebt sie, wird Buch: „Das Buch." Eine Gemeinschaft, die mit'einem so ganz Neuen einen Fortschritt in - die Geschichte bringt, muß sich in der Folge herausgehoben fühlen: auserwählt in dem Sinne, daß sie selbst damit sich B e r p s l i ch - t u n g c it auserlegt. Es wurde nun gezeigt, wie das Judentum im Pharisäertum die Gefahren bannte, die sich aus der Situation jener Zeit ergaben: daß einerseits das „Buch" etwas Letztes, nicht mehr Lebendiges, werden könnte, anderseits die religiösen Anschauungen jenes hellenistischen Weltreichs, die Lehre von der Schicksalsbildung der Gestirne, eine wissenschaftliche, astronomisch-mathematisch fundierte Religion gerade der Gebildeten jener Zeit, das jüdische Denken von seiner prinzipiellen Erkenntnis des Einen Gottes abbringen könnten. An Hand von sprachlichen Erklärungen wurde gezeigt, wie Orient und Okzident aufeinander einwirkten, wie auch die Lehre von den Gestirnen in das jüdische Denken einzog in der Form der Engel-Lehre, wie die Erlösung, ja der Erlöser, am Ende der Tage bisher erwartet, nun von oben und für die Gegenwart erhofft wurde, wie ferner „Das Buch" durch die Uebersetzung der Septuaginta das Buch für alle, für die ganze damalige Welt, wurde. Man hat alle Gefahren gebannt und die eigene Art erhalten, indem man das „Buch" sakral nach Inhalt und Form machte, die Pflicht statuierte, es immer neu zu verperfönlichen, zu erforschen, indem man neben die schriftliche Thora die mündliche setzte, die nicht ausgeschrieben werden sollte. Wenn man schließlich aus mnemotechnischen Gründen später doch auch die mündliche Lehre aufzeichnete, so blieb doch alles Geschriebene nur Kommentar zu dem Einen Buch, ja sogar die großen mittelalterlichen Philosophen gaben ihren Werken nur die Form von Kommentaren. Das „Gesetz" wird erweitert, bekommt neue Bedeutung, neuen Zweck: die Schaffung rächt nur von frommen Individuen, sondern der heiligen Gemeinde. So dienen Speise-, Sabbat-. Reinheitsgesetze der Erhaltung dieser Gemeinde Gottes. Jeder einzelne wird Priester, der Gottesdienst in seinem Schwerpunkt ins Haus verlegt. Das Judentum bildete so nie eine Kirche, in die der einzelne hineingellellt wurde, sondern die einzelnen zusammen bilden die „Gemeinde". Tie Lchechinah, die einst ihre Stätte im Stistszelt und im Tempel hatte, geht mit dem Juden ins Exil, wo Juden wohnen und wo die Thora ist, da wohnt attd} die Schechinah E. M. (Giessen).