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Central-Verein-Zeitung · 1930-02-14 · 7 (14.2.1930) · p. Seite 80

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so Das Werk der Goneino-Gesellschaft Freunde des jüdischen Buches. Von Dr. Eugen pinner. Schon oft ist in diesen Blättern von: „jüdischen Buch", das heißt dem Buch der jüdischen Wissenschaft, die Rede gewesen, heute wollen wir diesen Begriff enger und weiter fassen: wir wollen über die Soncino-Gesellschaft der Freunde des jüdischen Buches und ihre Veröffentlichungen sprechen. Soncino ist der Name der klassischen jüdischen Druckerfamilie des 15. und 16. Jahrhunderts, die in Soncino und anderen italienischen Städten ihre Offizinen errichteten. Hier wurde im Jahre 1484 der erste Druck des Talmud begonnen, 1488 lag die erste vollständige hebräische Bibel im Druck vor. Die Soncino-Gesellschaft wurde im Mai 1924 von einem kleinen Kreis Zionistischer Freunde gegründet. Der Kreis erweiterte sich rasch. Man erkannte, daß es sich hier um eine n i ch i parteilich begrenzte, sondern allgemeine jüdische kulturelle A n. g e - l e g e n h e i t handelt, und bald war die Gesellschaft der Mittelpunkt der jüdischen und bibliophilen Kreise. „Die Soncino-Gesellschaft will durch Herstellung vorbildlicher Drucke von Werken indischen Geistes daraus hinwirken, daß die Form des jüdischen Buches seinem inneren Gehalt entspricht — auch in seiner äußeren Gestaltung soll das jüdische Buch das Niveau des geistigen Schassens im Judentum repräsentieren. Nach diesen Gesichtspunkten werden in den Veröffentlichungen der Gesellschast seltene Texte und wertvolle Drucke von Werken jüdischen Inhalts und jüdischen Geistes in den Sprachen aller Zeiten und Kulturen zum Abdruck gelangen: charakteristische Werke zeitgenössischer Wissenschaft und Literatur sollen veröffentlicht, typographisch oder inhaltlich bemerkenswerte, schwer zugängliche alte Drucke in Neuausgaben geboten werden." In Verfolg dieser Ziele hat die Gesellschast viele jüdisch interessante und wertvolle Bücher herausgebracht, die jedem Leser allein schon äußerlich und durch die Schönheit des Drucks und des Satzspiegels einen Genuß bieten. Aus der Reihe der Veröffentlichungen sei folgendes besonders erwähnt: Faksimiledruck des Zeker lVlesebalim, genannt das Kuhbuch. Eine Sammlung von Fabeln mit vielen Holzschnitten. Hierzu erschien als Beiheft die Übersetzung, mit einen: Vorwort von Professor Dr. F r e i m a n n. Arnold Zweig, Die Umkehr des Abtrünnigen. Ein Drama. Gedruckt auf der Ernst-Ludtvig-Presse, die wohl die beste deutsche Presse ist. S u e z k i n t, Der Jude von Trimberg, Minnelieder (aus der Manessischen Liederhandschrift). Verzeichnis der auserlesenen Büchersammlung des seligen Herrn Moses Mendelssohn. Faksimiledruck nach der Ausgabe von 1786. David Friedländer, Lesebuch sür jüdische Kinder. Zum Besten der jüdischen Freyschule 1779. Faksimiledruck. Bei diesem Büchlein handelt es sich um das erste von Juden sür Juden gedruckte Schulbuch, in deutschen und lateinischen Buchstaben. Das Buch enthält^viele Beiträge Mendelssohns. I a c o b D t e r n h a r d t, Neun Holzschnitte zu ausgewühlten Versen aus dem Buche I e s ch u ben Elieser ben Sirah mit einer Einleitung von Arnold Zweig. — Dies Buch ist auch typographisch interessant, da es die herrlichen Holzschnitte Steinhardts, eines modernen jüdischen Künstlers, mit hebräischem und deutschem Druck in Einklang bringt. Von den Sonderpublikationen der Gesellschaft seien nur erwähnt der Faksimiledruck der Haggada, gedruckt von Gerschom ben Sch'lomo hak-kohen zu Prag 5287 (1526), die sicher auch einem des Inhalts Unkundigen einen Genuß bereitet — sowie das soeben erschienene Büchlein „Denkmal der Freundschaft", Stammbuchblätter und Widmungen von Moses Mendelssohn. Ausgewählt und herausgegeben von Fritz Bamberger. Es sei ertaubt, hieraus ein Blatt zu Zitieren. Herrn Professor M ü ch l e r von der Militärakademie schreibt Mendelssohn 1781 ins Stammbuch: Bestimmung des Menschen. „Nach Wahrheit forschen; Schönheit lieben; Gutes wollen; das Beste dun." Wenn wir diese Worte aus unsere Gesellschast anwenden, so dürfen wir wirklich sagen, daß sie in bibliophiler Hinsicht das Beste getan hat. In der Reihe der Auszählungen blieben bisher unerwähnt und sollen evtl, einer späteren Besprechung Vorbehalten bleiben die vielen kleineren und größeren Geschenkdrucke der Mitglieder zu Stiftungsfesten und besonderen Anlässen, sowie die Drucke, die von Pressen wie der Ernst-Ludwig-Presse und der Okkieina 86rp6nti3 in liebenswürdiger Weise zur Verfügung gestellt wurden. Zur Pflege des jüdischen Buches gehörte es aber auch, daß endlich eine schöne, unserem Formempsinden angepaßte hebräische Type geschaffen wurde, und daß das größte jüdische Werk, das „Buch der Bücher", in einer uns passenden, modern-schönen Form vollständig erscheint. Auch dieser Aufgabe hat sich die Gesellschast entledigt. Marcus Behmer, wohl mit der bedeutendste deutsche Schriftkünstler, wurde beauftragt, diese neue Type zu schaffen, und er hat sich dieser Aufgabe, wie die den Mitgliedern kürzlich Zugegangene Probeseite zeigt, in wahrhaft musterhafter Weise unterzogen. Wir hoffen, daß noch in diesem Jahr mit dem Druck der Bücher begonnen wird, und daß in einigen Jahren diese Bibel in "vollständiger Fassung uns vorliegt. Neben diesen Veröffentlichungen von interessanten und schönen jüdischen und bibliophilen Werken gibt die Gesellschast als Organ ihrer Bestrebungen unter dem Titel „Soucino- Blütter, Beiträge zur Kunde des jüdischer: Buches" eine Zeitschrift heraus, die vorn Schriftführer der Gesellschaft, Herrn Hermann Meyer, redigiert wird. In dieser Zeitschrift finden wir Aufsätze literarischen, historischer:, ästhetischen und kritischen Inhalts. Wir finden eine jüdische Bibliographie, wie sie leider bisher von jüdischen Büchern nirgends vereint zu finden war. Nicht vergessen seien die vielen Abbildungen im Text und auf angefügten Tafeln, die den Genuß der Zeitschrift noch erhöhen. Auch hier sei wiederum ein Artikel erwähnt. Im ersten Heft des 3. Jahrgangs ist ein Ausfatz von Professor Dr. Majer Balaban (Warschau) „Zur Geschichte der hebräischen Druckerei in Polen" enthalten, in dem die Geschichte des jüdischen Buchdruckes vom Jahre 1534 an verfolgt wird. Wir sehen in diesem Aussatz die Leiden und Freuden der Inden Polens, der jüdischen Buchdrucker und der Buchhändler, wir erleben in diesem Aufsatz die Verfolgungen der jüdischen Bücher mit, die schließlich die ersten jüdischen Buchdrucker zum Christentum übertreten läßt, um ihre Bücher absetzen zu können. Interessant ist in diesem Zusammenhang die Mitteilung, daß die erste jüdische Zeitung in Amsterdam in den Jahren 1886 bis 1887 unter dom Titel „Dienstag- und Freitag- Courant" erschienen ist. Die Mitgliederzahl der Soncino-Gesellschaft beträgt nach sechsjährigem Bestehen etwa 650. Es ist bedauerlich, jedoch vom Standpunkt des Bibliophilen verständlich, daß die Zahl der Mitglieder auf 800 beschränkt bleibt, denn es:nüßte Pflicht jedes Glaubensgenossen sein, der hierzu in der Lage ist, das Streben dieser Gesellschaft durch Mitarbeit und Beiträge zu unterstützen. vom öüchertisch. Iuöen kn -er deutschen Politik. Rudolf Schah, „Juden in der deutschen Politik." Welt-Verlag, Berlin. Die Bücherreihe, in der bisher „Die Juden in der Kunst" von Karl Schwarz, „Juden auf der deutschen Bühne" von Arnold Zweig, „Juden in der deutschen Literatur" von Gustav Krojanker erschienen sind, bringt jetzt das Werk „Juden in der deutschen Politik" von Rudolf Schah. Im Rahmen der gesamtpolitischen Entwicklung Deutschlands von den Freiheitskriegen bis zur Gegenwart wurden die wichtigsten Politiker, soweit sie Juden oder jüdischer Abstammung sind, vorgesührt: von Karl Marx bis Walther R a t h e n a u, Deutschlands Weg seit 1815. Eine Einleitung und eine Bilanz geben den Rahmen für die 16 Biographien: Karl Marx, Ferdinand Lass alle, Moses Heß, Johann I a c o b y , Gabriel R i e ß e r, Friedrich Julius Stahl, Eduard Laste r, Ludwig Bamberger, Eduard 'Bernstein, Ludwig Frau k, Rosa Luxemburg, Kurt E i s n e r, Hugo P r e u ß , Theodor Wolfs, Georg Bernhard, Walther R a t h e n a u. Seine Ausgabe umgrenzt der Verfasser selber dahin, er bezwecke: „Kenntnis zu geben vom Leben und Schaffen dieser Persönlichkeiten und beizutragen zur Erkenntnis, in welcher Weise und mit welcher Kraft sich die Stellung der Juden in Deutschland und ihre besondere Geistigkeit aus das politische und geistige Schicksal des deutschen Volkes ausgelvirkt haben." Diese Aufgabe hat der Verfasser in seinem Buche erfüllt. Wir sehen Juden als Führer in allen Parteilagern, aus der Rechten wie aus der Linken. Rechts den Begründer der Konservativen Partei Preußens: Stahl, links bei den Bürgerlichen, wie bei den Sozialisten. Alle außer Stahl (Schlesinger) können den Ehrentitel eines Vorkämpfers der Freiheit sür sich in Anspruch nehmen. Die Emauzipatiönskämpse der Juden, der Antisemitismus in seinen verschiedenen Formen werden im Rahmen dieser Lebensbeschreibungen vor Augen geführt, ebenso das Streben nach der Reichseinheit in mannigfaltiger Gestalt (man denke zum Beispiel an Eduard von S i m s o n). Im Leben all dieser führenden Menschen ist Deutschtum und Judentum untrennbar miteinander verwoben, aber die Sonderstellung des jüdischen Politikers bedingt in vielen Fällen sein tragisches Geschick. Sie alle haben nach besten Kräften, jeder in der Art seiner Anlage und Fähigkeiten, an der Entwicklung Deutschlands in den letzten hundert Jahren mitgearbeitet. Ohne die meisten von ihnen ist diese Entwicklung nicht zu denken. Wie jede Auswahl, ist auch die vorliegende von subjektiven Gesichtspunkten beeinflußt. Mancher wird unter den sechzehn Gestalten den oder jenen vermissen und dafür den einen oder den anderen streichen wollen. Dabei ist zu bemerken, daß noch mancher jüdische Politiker der Zeit in die Biographien eingeflochten ist. Gerade deshalb hätten Männer wie Ludwig Haas, Paul Nathan, Otto Landsberg, der Volksbeaustragte und erste Reichsjustizminister, wenigstens eine Erwähnung verdient. Dies möge der Verfasser bei einer zweiten Auslage des Buches, die wir ihm wünschen, uachholen. Dann können auch einzelne Ungenauigkeiten beseitigt werden. So ist dem Satze: „Wieder steht, wie zur Stöcker-Zeit, der „Nationalsozialismus" den Bebel als den Sozialismus der Dummen gekennzeichnet hat, in hoher Blüte" entgegenzuhalten, daß sich diese Aeußerung von Pernerstorser auf den Antisemitismus seiner Zeit bezogen hat, nicht aber aus den Nationalsozialismus, dessen Ideologien doch wesentlich andere sind. Auch gegen die Darstellung des Kommunismus Rosa Luxemburgs läßt sich manches einwenden; ein kurzer Literaturnachweis über die wichtigsten bereits vorhandenen Biographien bei jeder dargestellten Persönlichkeit würde viele Leser sicherlich erfreuen. Diese Ausstellungen sollen aber den Wert des verdienstvollen, in €,i

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