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Von deutsch-jüdischer Jugend · 1930-02-14 · 1 (14.2.1930) · p. Seite 3

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Journal
Von deutsch-jüdischer Jugend
Volume
6 (1930)
Issue
1 (14.2.1930)
Date
1930-02-14
Page
Seite 3 (sequence 3)
Language
German
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3 Der Schlussredner Ludwig Semler brachte unser Wollen auf die Formel: Einigkeit und Recht und Freiheit. Stehend sangen die Anwesenden diese Strophe des Deutschlandliedes« Der Nachmittag galt politisch-jüdischer Arbeit. Die Repräsentantenwahlen der Hamburger jüdischen Gemeinde stehen vor der Tür. Durch steuerliche Veränderungen innerhalb der letzten fünf Jahre sowie der Einführung des Frauenwahlrechts und Aufnahme einer grossen Anzahl Jungwähler in die Gemeinde sind einige tausend Mitglieder mehr wahlberechtigt. Dieses Mal stellt sich die Hamburger deutsch-jüdlische Jugend in den Gemeindekampf. Sowohl auf der liberalen wie der orthodoxen Liste sind je ein Vertreter der deutsch-jüdischen Jugend aufgestellt. Ein politischer Tee, der am Nachmittag C. V.-Vorstand, Repräsentanz der Gemeinde und die deutsch-jüdische Jugend im Hause von Herrn Kurt Nathan zusammenführte, gab Gelegenheit zu erwünschten und erfolgreichen Ansprachen. Nach einem kurzen Referat von Dr. Urias, stellvertretendem Vorsitzenden der Ortsgruppe Hamburg des C. V. über die Aufgaben jüdischer Jugend in der Gemeinde entspann sich eine angeregte Diskussion, die den festen Willen der Jugend zeigte, den Einfluss der D. J. J. jetzt auch auf die Gemeinde auszudehnen und dort für eine Versachlichung des Kampfes sowie für Deutschtum und Judentum in der Gemeinde zu kämpfen. J. C. (Hamburg). Tagung* des Landesjugendaussclmsses Rheinland-Westfalen. Am Sonntag, den 26. Januar, fand in Duisburg eine Führertagung der deutsch-jüdischen Jugejndarbeitsgemeinschaften - im Bezirk des Landesverbandes Rheinland -Westfalen des C. V. statt. An der Tagung nahmen etwa 50 Delegierte aus fast allen Ortsgruppen des Landesverbandes, der Vorsitzende des Landesverbandes, Dr. Krombach (Essen), und für den Jugendausschuss des C. V. Dr. Friedrich B r o d n i t z (Berlin) teil. Die Tagung hatte den Zweck, die an der Jugendarbeit interessierten jüngeren C. V.er enger zusammenzuschliessen, das Aufgabengebiet der Arbeitsgemeinschaft schärfer abzugrenzen und eine Reihe organisatorischer Fragen zu klären. Der Vormittag brachte eine öffentliche Kundgebung vor der zahlreich erschienenen deutsch-jüdischen Jugend Duisburg. Nach einleitenden Worten des Vorsitzenden der Tagung, Dr. Julius Herz fe Id (Essen), und Begrüssungen durch den Landesverbandsvorsitzenden, durch Vertreter der C. V.-Ortsgruppe Duisburg, der Duisburger Gemeinde und durch Herrn Leeser, den Führer der Duisburger deutschjüdischen Jugend, schilderte Herr W aldstein die Entstehung, Entwicklung und die Arbeit der Duisburger Gruppe. Dann hielt Dr. Brodnitz das Referat über „Den Kampf der deutschjüdischen Jugend“. Ausgehend von den positiven Grundlagen unseres Kampfes, wurden als die Voraussetzungen der zu leistenden Arbeit Bekenntnis zum Gedanken des C. V. und positives Judentum in ihren geistigen Voraussetzungen geschildert und in ihren Arbeitsmethoden und -zielen Umrissen. Auf der hierdurch geschaffenen Basis ruht dann die organisierte Arbeit deutsch-jüdischer Jugend, die ein Kampf um ihre innere und äussere Position ist. Eingehende Behandlung erfuhr die Abwehrarbeit, die eine Fülle besonderer Aufgaben für jüngere Menschen in sich birgt, sowohl in der direkten Abwehr wie in der indirekten Arbeit, vor allem in den Kreisen der nichtjüdischen Jugend. Daneben wmrden die Probleme der Gemeindearbeit und der Berufsgliederung behandelt. Nach einem gemeinsamen Mittagessen vereinigten sich dann die Delegierten zu einer internen Beratung. Dr. Brodnitz referierte an Hand von Material über Abwehrfragen, insbesondere über die nationalsozialistische Jugendbewegung, und über die Organisierung der deutsch-jüdischen Jugendarbeit, ausgehend von den Vorschlägen Dr. Alfred Hirschbergs auf der Grünauer C. V. - Jugendtagung. Die folgende Debatte brachte unter anderem eine Aussprache über das Verhältnis der deutsch-jüdischen Arbeitsgemeinschaften zu den jüdischen Jugendorganisationen. Es wurde als einstimmige Ansicht festgestellt, dass die Arbeitsgemeinschaften keine Konkurrenzorganisationen sein sollen, sondern als Ergänzung zur Arbeit der Bünde, die deutsch-jüdische Jugend mit der Arbeit und dem Ideenkreise des C. V. bekanntmachen lind der Erfassung und Ueherleitung jüngerer Kräfte in die Mitarbeiterschaft am C. V. dienen sollen. Es wurde ein Plan aufgestellt, um in Zusammenarbeit mit der Leitung des Landesverbandes und den Ortsgruppen die Entwicklung der Arbeitsgemeinschaften sicherzustellen. Dr. H e r z f e 1 d wies in seinem Schlusswort mit Recht auf die Tatsache hin, dass die Notwendigkeit der Arbeit Jüngerer im C. V die undiskutierte Grundlage der Tagung war, die so ihre ganze Zeit der Klärung der Arbeitsmethoden widmen konnte. Deutsch-Jüdische Jugend Schneidemühl. Dr. Werner Rosenberg (Berlin) sprach über „Schicksalsstunde des deutschen Judentums“ und wies in seinen Ausführungen eindringlich darauf hin, dass die stetig wachsende nationalsozialistische Gefahr auch von der Deutsch-Jüdischen Jugend bekämpft werden müsse. Die Jugendi müsse rechtzeitig in den Alnvehrkampf cingespannt werden und dürfe nicht abseits stehen. Nach eingehenden Ausführungen über Nationalsozialismus und Antisemitismus ging er auch auf die innerjüdischen Fragen ein. Er bekannte sich zu der Notwendigkeit klarer, eindeutiger deutsch-jüdischer Stellungnahme. Von zionistischen Ansichten und Aeusserungen müsse in der Oeffentlichkeit mit aller Schärfe abgerückt werden, solange die Zionisten durch ihr Vorgehen in der Oeffentlichkeit den Abwehrkampf des C. V. aufs schwerste gefährdeten. An Hand zahlreicher Beispiele wries er nach, wTie tatsächlich manche zionistische Aeusserung von den Judengegnern nur allzu begierig aufgenommen und uns entgegengehalten worden ist, und dass die Erziehung der Jugend in nationaljüdischen Gedankengängen unsere Stellung in Deutschland aufs schlimmste zu gefährden geeignet ist. Der Verein arbeitet regelmässig weiter. Der Landesverband Grenzmark des C. V. hat uns sein Aufklärungs- und Abwehrmaterial zur Verfügung gestellt, so dass, wdr in der Lage sind, uns mit diesen Dingen intensiv zu beschäftigen. Blutlüge, Talmud, Boykott usw. werden behandelt. Auch an unsere Freunde inder Provinz haben wir Aufklärungsmaterial gesandt. Geeignete Schriften werden auch an nichtjüdische Jugendliche (Mitschüler, Berufskollegen) abgegeben. Deutsch-Jüdischer Arbeitskreis Stettin. Nach einer längeren Arbeitspause hat der Deutsch-Jüdische Arbeitskreis Stettin seine Tätigkeit wieder aufgenommen. Er findet sich vierzehntägig zusammen und hat sich zunächst mit zwei Referaten von Günther Perl und Georg W ald über die Einstellung zu Deutschtum und Judentum beschäftigt. Gegenwärtig referiert Dr. med. Kurt S chalsc ha über Rassenlehre. Nebenbei wird an den Arbeitsabenden aus „Jeremias“ von Stefan Zwreig gelesen. An die Referate schliesst sich immer eine längere fruchtbare Aussprache an. Der Kreis wird jetzt von Dr. med. Kurt Schalscha geleitet. Der Jüdische Jitgeiidvereiii Königsberg (Jugendgruppe des Centralvereins) hielt kürzlich sein zweites Stiftungsfest ah, das sieh eines guten Besuches zu erfreuen hatte und in ausgezeichneter Weise verlief. Die Londoner jewish Lads Brigade. Für die deutsch-jüdische Jugend ist es wichtig zu wissen, wie die gleichgesinnte Jugend anderer Länder in ihren Vereinigungen arbeitet. Vor 33 Jahren hat Colonel G.oldsmid die Jewish Lads Brigade gegründet, um Londoner Jungen zu körperlich unid geistig reinen, ordentlichen, ehrenhaften Menschen, Engländern und Juden, zu erziehen. Es gehören zum grossen Teil Jungen aus den schmutzigsten östlichen Vierteln Londons der Brigade an, und so ist es berechtigt, wenn die Forderung körperlicher Sauberkeit derart betont wird. Da das Mindestalter 13 Jahre ist, kommen die meisten abends müde und abgearbeitet vom Geschäft in die Brigade, und man kann von ihnen dann kein Interesse für schwierige geistige Fragen verlangen. Sie erholen sich am besten bei einem Sport: Gymnastik, Kricket, Boxen oder Füssball, nach freier Wahl. Aber über dem körperlichen Training wird wieder im Sommer noch im Winter* das geistige vergessen: Vorträge, die in allen Wissenschaften und Künsten unterrichten sollen, werden von Lehrern und Fachleuten gehalten, und die Abende, die für Aussprachen über wichtige Lebensfragen angesetzt sind, werden besonders gut besucht. Der Geist echter Kameradschaft wird entwickelt durch die Fahrten an freien Tagen, w^enn die Lads Brigade unter dem Zeichen des gekrönten Löwen von dem Lärm, Staub und Hasten der Grossstadt fort ins Freie zieht, um in der Natur seihst zu frohen, natürlichen Menschen zu werden. Die wichtigste Fahrt findet im Sommer statt und dauert 10 Tage. Da geht es ans Meer, und arme Jungen, die in licht- und sonnenlosen Hinterhäusern leben müssen das ganze Jahr hindurch, haben nun die Möglichkeit, sich billig 10 Tage lang hei kräftiger Nahrung in frischer Luft zu tummeln. Die Fortschritte der Company können Freunde und Verwandte von Zeit zu Zeit hei öffentlichen Darbietungen der Brigade feststellen. „Frora strength to strength“ sagen die Lads, das heisst, immer weitere Kreise sollen beteiligt werden an einer Erziehungsarbeit, deren erstes Gebot „self-eontrol“ ist. Die jungen Menschen sollen lernen, seihst ihre Entscheidung zu treffen in allen wuchtigen Lebensfragen. Und dazu fähig zu sein, müssen sie sich selbst in der Gewalt haben, Disziplin ist unbedingtes Erfordernis. Selfcontrol heisst Freiheit des Einzelwesens in Unterordnung unter das Wohl der Gesamtheit. Und so erstrebt die Londoner Jewish Lads Brigade der Eigenart eines jeden entsprechende Ausbildung der Persönlichkeit zum Dienst an England, seinem Judentum und damit der Menschheit. Hilde I,evi (Berlin, z. Zt. London). Aus dem Programm der Schule der jüdischen Jugend. Wo nichts anderes vermerkt ist, finden die Kurse in der Lützow^strasse 16 statt. Hebräisch: Kurse für Fortgeschrittene. Josef Braslawski:* Ssifruth Erez Jisrael Hazzeirah. Beginn: 9. Januar. Ort: Jugendheim, Monbijouplatz 10. Donnerstags 8 bis 10 Uhr. Walter Mecklenburg: Josef Chajim Brenner: „Hammoza.“ Beginn: 15. Januar. Mittwochs 7—9 Uhr. Dr. Moritz Spitzer: Jizchak Lanidau: „Massadah.“ Beginn: 14. Januar. Dienstags C—8 Uhr. Bibel und., nachbiblisch cs Schrifttum. Hermann Gerson: Proben aus den drei Teilen der Bibel. Beginn: 21. Januar. Dienstags 6—8 Uhr. Erwin Loewenson: Proben aus allen Gattungen des naehbiblischen Schrifttums. Beginn: 20. Januar. Montags 5—61/> Uhr. Hermann Gerson: Wichtige Schriften zur Geistesgeschichte der deutschen Juden im 18. und 19. Jahrhundert. Beginn: 20. Januar. Montags 8—10 Uhr. Geschichte. Dr. Alexander R o s e n f e 1 d : Abriss der jüdischen Geschichte. Beginn: 22. Januar. ■ Mittwochs 8—10 Uhr. Dr. Joachim Prinz: Geschichte der Juden vom 15. bis 19. Jahrhundert. Beginn: 20. Januar. Montags 8—10 Uhr. Dr. Hans L e w y : Der Untergang des jüdischen Staates. (Die Ursachen des Jüdischen Krieges.) Beginn: 23. Januar. Donnerstags 8 bis 10 Uhr. Die jüdische Gegenwart und ihre Probleme. Dr. llans Reichmaun und Dr. Alfred Illrschbcrg: Probleme des Judenhasses. Beginn: 27. Januar. Mittwochs 8—10 TJhr. Jüdische Musik. Alice Jacob-Loewcnson: Geschichte der jüdischen Musik. Beginn: 20. Januar. Montags 8—9 Uhr. Alice Jacob-Loewenson: Singstunde mit Chorübungen. Beginn: 20. Januar. Montags 9—10 Uhr.

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