Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 7 (14.2.1930)
- Date
- 1930-02-14
- Page
- Seite 77 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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wüMsch« (Momk fiaffcßf die Edda „Gold oder Blut", s o heißt ein kleines Buch von Otto Bangert. Es ist eine Art nationalsozialistischer Staatsethik, die man lesen sollte, weil das Buch nicht nur bewußt das gehässigste antisemitische Dokument ist, das ich kenne, sondern weil es unbewußt Zugleich eine Schändung des deutschen Geistes und der deutschen Vergangenheit ist, deren ich mich schäme. Aus dieser Schändung ist Glaube und Haß dieses Buches auf gebaut. Ich zeige sie an, nicht um dies kleine Buch, sondern die Unwahrhaftigkeit einer Geistesrichtung anzugreifen, die zu Fälschungen greifen muß, um das Zu stützen, was sie als „sittliche Erneuerung" ausgibt. * Ich will nicht drehen uni) deuteln. Ich lasse Otto Bangert selber sprechen: „Aus der dämmernden Jugend unseres Volkes steigt eine alte Märe herauf, die vom Fluche des roten Goldes raunt, an dem Könige und Helden und Völker starben . . . Der Fluch des Goldes, von dem die ferne Sage raunt, steht heute als furchtbare und finstere geschichtliche Wirklichkeit über unserem Volke . . . Sein Dämon ist der ewige Jude ... Dem nordischen Helden war das Gold ein schönes Kleinod . . . Um seines zauberischen Scheines willen liebte er das Gold, mit kindlichem Herzen und ohne Falsch. Denn nicht am Gelde, am Schwerte maß er alle Werte und Dinge . . .Dem schleichenden Juden aber war das Gold kein funkelnder Tand für Kinderherzen, ihm bedeutete es eine von dämonischen Kräften erfüllte Macht, deren Zauber ihm Gewalt gab über die Menschenseelen und Herrschaft über die weite Welt . . . Dem Fluch des Goldes tritt beschwörend das Hakenkreuz entgegen, unerbittlich entschlossen zum letzten Kampf um die Erlösung der Welt." * Nietzsche hat einmal die Geschichte als ein Mittel zur Selbsterkenntnis bezeichnet. Sie ist es wahrhaftig, und Otto Bangert hat recht, zu den mythisch-religiösen Quellen des Germanentums hinunterzusteigen, um die Grundgestalt germanischen Denkens zu zeichnen. Wir folgen ihm, und gewissenhaft wie seiner Schrift gegenüber, verfahren wir auch gegenüber jenen ehrwürdigen Quellen, schlagen die Edda aus und zitieren aus dem gewaltigen Weissagungslied der Seherin Wöln, die das Weltgeschick von der Schafsung der Erde bis zum Untergang und weiter bis zu ihrer geweihten, reinen Erneuerung kündet: Die Götter einten sich auf dem Jdafelde, Hof und Heiligtum hoch zu zimmern, Erbauten Essen, das Gold zu schmieden. Hämmerten Zangen und Handwerkszeug. Sie warfen im Hofe heiter mik Würfeln, An blitzendem Golde gebrach's ihnen nicht... Und von der erneuten Erde, die vor dem Auge der Seherin „auftaucht zum anderen Mal aus dem Wasser und wieder grünt", heißt es: Einen Saal seh' ich Heller als die Sonne, Mit Gold bedeckt auf Gimles Höhn: Da werden bewährte Leute wohnen Und ohne Ende der Ehren genießen . . . Damit ist zunächst festgestelkt: Zwischen Otto Bangert und den alten Germanen tut sich ein unüberbrückbarer Abgrund auf. Bangert kennt das Gold nur als Fluch und als Merkmal dämonischer jüdischer Gier. Die Germanen aber kannten es als Besitz und Merkmal ihrer Götter — wundervolle Vision eines jugendlichunbeirrbaren Volkes, wie die Götter da rüstig ihre Kräfte erproben, Würfel werfen, und in tatkräftiger Schöpferlust Essen und Werkzeuge erfinden und bauen, die Symbole des Arbeitens, neben denen als Symbol der göttlichen Macht das Gold steht — und so entschieden zeugt die Edda gegen Otto Bangert, daß sie das Gold nicht etwa mit dem Ende dieser Welt dem wohlverdienten Untergang preisgibt; vielmehr ersteht gerade in der paradiesisch reinen, versöhnten Erde, von der es ausdrücklich heißt: „Auf unbesätem Acker werden Aehren wachsen, alles Böse schwindet —" das Gold abermals als göttliches Zeichen. * Wenn nun dieselbe Edda, die so eindeutig den Rang kennzeichnet, den das Gold im Bewußtsein der Germanen einnahm, an anderer Stelle ein Stück aufweist, in dem vom Fluch des Goldes die Rede ist, so kann dieser Fluch nicht auf dem Golde überhaupt ruhen; vielmehr muß der Fluch sich aus den besonderen U m st ä n d e n, von denen jenes Stück erzählt, ergeben. Denn das unverstellte, ursprüngliche Denken des Volkes ist einheitlich. Es ist in sich geschlossen und widerspruchslos. Aber interpretieren wir nicht, sondern lassen wir die Edda selber zeugen. Regin, der Zwerg, erzählt im Reginslied: „Otr hieß unser Bruder. Der fuhr oft in den Wassersall in Ottersgestalt. Da hatte er einst einen Lachs gefangen und saß am Flußrand und aß blinzelnd. Loki warf ihn mit einem Stein zu Tode. Da beuchten sich die Äsen sehr glücklich gewesen zu sein und zogen dem Otr den Balg ab. Da griffen wir sie mit Händen und legten ihnen Lebenslösung auf: sie sollten den Otterbalg mit Gold füllen und außen auch mit rotem Golde bedecken. Da schickten sie Loki ans, Gold zu schaffen." Loki bringt nun den Zwerg Andwari in seine Gewalt und fordert wiederum von ihm das Gold als Lösegeld. Die Edda berichtet: „Loki sah all das Gold, das Andwari besaß. Aber als dieser das Gold entrichtet hatte, hielt er einen Ring zurück. Loki nahm ihm auch den hinweg. Da ging der Zwerg in den Stein und sprach: Nun soll das Gold Zweien Brüdern das Ende bringen Und der Edelinge acht verderben: Mein Gold soll keinem zugute kommen." Es ist also ersichtlich, ohne jede Deutung, allein aus dem klaren Wortlaut des Textes: 1. Auf dem Gold an sich ruhte durchaus kein Fluch, vor allem kein göttlicher Fluch. Vielmehr wird der Fluch von einem Gegenspieler der Götter, dem Zwerg Andwari, erst ausgesprochen, und wiederum nicht Liber das Gold schlechthin, sondern über das Gold, das der listige Gott Loki ihm nimmt, und schließlich: kein ewiger, sondern ein auf bestimmte Generationen begrenzter Fluch. 2. Andwari spricht deu Fluch nicht ou§, weil er Gold als Löfegetd entrichten muß, sondern erst, nachdem Loki auch das letzte, den Ring gefordert hat, d. h. also: nachdem der Gott nicht nur rechtmäßig verfuhr — denn die Entrichtung von Gold als Sühne oder Lösegeld war tief im Rechtsbewußtsein und Rechtsbrauch der Germanen verhaftet —, sondern über den Rechtsbrauch hinaus kleinlich, habgierig und grausam sich zeigte. Wir haben hier eine deutliche Parallele zu der alttestamentlichen Vorstellung von der Erbsünde — eine Parallele, die doppelt interessant dadurch ist, daß der Graf Reventlow die Auffassung Psalm. / Von Arthur Silbergleit Rasselt auf, Tamburine, schmettert, Weltunlergangsposaunen, erdröhnt, o Trommeln, vom SchlegeltakU läutet, o Narrenkappenschellen, erklirrt, metallene Becken und Schlagzeuge unter den erzenen Stäben und Zeptern eurer Fesimusikanten, erzittert, ihr Zimbeln, die ihr sonst jungen Schwerttänzerinnen euer rhythmisches Geleit schenkt, und flüstert, ihr Flöten, süsse Melodien im Prunksaal der Kronleuchter und Kerzen! Denn es naht der König der Himmel und Erden. Schon zeichneten uns stürzende Sternschnuppen die Spuren seiner Pfade, und Hallelujarvinde lobpreisen seine Herrlichkeit. Ward ihm doch im Aether rvie ein Allerheiligstes ein besonderer Aether eingebaut, und hat er doch auch hienieden in den Seelen seiner Frommen Tempelthron um Thron. Da erheben sich die Fürsten dieser Welt von ihren Herrscherstühlen, geben ihm Sitz und Raum und erharren als seine Diener vor ihren Palastpforten sein und seines seraphischen Gefolges Ankunft. Und alle Krieger wölben dir in den Goldovalen ihrer Schilde, in deren Mitte dein Name eingestanzt erglänzt, in unübersehbarer Weite Triumphstrasse um Triumphstrasse, zur Rechten und zur Linken; die Turmrvächter steigen von litten Zinnen, Fürstinnen aus ihren Sänften, und die Propheten von ihren Berggipfeln, um vor ihrem Allerhöchsten in der demutvollen Tiefe der Täler zu erscheinen und nicht mehr auf Höhen zu weilen, deren stolze Auf Schwungkraft irdische Seelenflachheit und Herzensniederung hienieden nie erreicht. Bei deinem Nahen verstummen alle Sonnen- und Sternenuhren, und selbst der Holzwurm* im morschen Gebälk hört auf zu ticken, damit man in der Heiligkeit der Stunde nur die grosse Weltuhr, dein Herz, o Ewiger, schlagen höre. Da schleichen sich ehrfurchtsvoll und leise deine Jünger von den frommen Seen und aus verschwiegenen Tempelgärten herbei, senken schamhaft ihre Wimpern, als wagten sie nicht, in dein Antlitz zu schauen, und schweigen ergriffen vor dir, Weltumschweiger, indessen eine Gartenfontäne dir ihre Psalmen jubelt, dir eine Sonnenblume ihr blondgelocktes Haupt mit den Goldkämmen ihrer Körner zuwendet, sich deinem Antlitz mit schmachtender Seele ent ge gensehnt Mnd indessen dir die trockene Feuersbrunst hochsommerlichen Mohns von tausend Feldern entgegenpurpurt.