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Central-Verein-Zeitung · 1930-02-07 · 6 (7.2.1930) · p. Seite 67

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
6 (7.2.1930)
Date
1930-02-07
Page
Seite 67 (sequence 7)
Language
German
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67 Ver Hamburger vichterbreir Zu Fakob Loewenbergs erstem Toöestag Am 7. Februar jährt sich zum ersten Male der Tag, an dem der Hamburger Dichter, der deutsche Zude und warme Anhänger des C. V.-Eedankens, Jakob Loewenberg, für immer von uns ging. Jakob Loewenbergs Wirken für die jüngere deutsche Literatur ist in weiten Kreisen nicht so bekannt, wie es den Verdrensten dieses menschlich schlichten und bescheidenen Dichters entspräche. Er war ein tatkräftiger Förderer der Hamburger Dichter seiner Zeit, wie Otto Ernst, Detlev v. Liliencron, Gustav Falke u. a. m. Wir geben deshalb nachstehend einen Abschnitt aus dem Werke von Heinrich Spiero, „Detlev v. Liliencron. Sein Leben und seine Werke" iVerlag Schuster u. Löffler, Berlin—Leipzig), wieder, das Jakob Loewenbergs Mitarbeit ln der Hamburger „Literarischen Gesellschaft" kennzeichnet. Die Schriftleitung. „. . . Selbstverständlich trat Liliencron nun auch in engeren Verkehr mit Otto Ernst, der damals noch in Hamburg im Volksschuldienst stand und ein Häuschen mit einem schönen Garten an einer schmalen Straße Eimsbüttels bewohnte. Otto Ernst führte ihm Jakob Loewenberg zu, einen Schulmann, der, aus dem Volksschuldienst hervorgegangen, später akademische Bildung erworben und die Leitung einer höheren Mädchenschule in Hamburg übernommen hatte. Beide veranlagten Liliencron und Falke, auch an der Begründung eines Vereins teilzunehmen, der in Hamburg literarische Kräfte wecken, Anregungen geben und einen Mittelpunkt für die Schriftsteller der Stadt schassen sollte. Hamburg hatte zuerst im siebzehnten Jahrhundert, zumal durch Philipp von Zesen, dann wieder im achtzehnten eine literarische Vormachtstellung besessen und seit den Zeiten von Berthold Heinrich Brockes eine langhin ununterbrochene schriftstellerische Blütezeit erlebt. Um Friedrich v. Hagedorn hatte sich ein reger Kreis geistig lebhafter Menschen gesammelt, Matthias Claudius hatte von seinem stillen Wandsbek und im Zusammenhang mit den Dichtern Eutins Wirkung geübt. Lessing hier seine fruchtbringende dramaturgische Tätigkeit entfaltet, Klopstock lange Jahre an der Elbe verlebt. Das neunzehnte Jahrhundert sah diese Stellung gefährdet,;a, verloren, denn Heine, Gutzkow und Hebbel waren nur Gäste auf diesem Boden und erreichten ihre wirkende Kraft, die Höhe ihrer Schöpfungen, nicht in der Hansestadt. Ums Jahr 1890 aber zeigten sich die Anfänge eines neuen Wesens. Zwei Männer von reicher und über ihr Fach weit hinaus weisender Begabung, Justus Brinckmann (geboren 1843) und Alfred Lichtwark (geboren 1852), denen Liliencron schon in dem Münchener Roman gehuldigt hatte, trugen den eigenen, aus der Tiefe gewährten Sinn für Kunst in immer weiter gedehnte Kreise. Sie arbeiteten nicht nur an der Herstellung musterhafter Kunstsammlungen, sondern sie suchten den besonderen Sinn einer geschichtlich und heimatlich, durch Luft und Wesen der Vaterstadt bestimmten Kunst- Übung rege zu machen und gaben in schriftstellerischen Aeußerungen von persönlicher Kraft und tiefer Wirkung unerschöpfliche Anregungen, immer neue Anstöße in das zu wachsenden Erfolgen schreitende, emsige wirtschaftliche Leben der ersten deutschen Seehandelsstadt hinein . . . Gustav Falke rang um die lyrische Vollendung, und Otto' Ernst (Schmidt) (geboren 1862) fand nach einer von sozialen Empfindungen durchtönten Lyrik den Weg zu der überaus glücklichen humoristischen Ausdeutung des Lebens im Rahmen der künstlerischen Plauderei und dann zur Zeitgestaltung auf der Bühne mit satirischem Einschlag. Jakob Loewenberg (geboren 1865), kein gebürtiger Hamburger, teilte die erzieherischen Bemühungen Ernsts und strebte in gehaltvollen Arbeiten nach pädagogischer Wandlung, wie er im lyrischen Gedicht, oft mit bewußtem Einschlag von jüdischer Elegie und männlich bekanntem Judentum, eine Entwicklung zü warmem, menschlichem und insbesondere auch kindlichem Ton anstrebte..." „. . . Liliencron war das Gegenteil eines Vereinsmenschen und machte sich oft genug über all derartiges Treiben lustig; aber wie er in München an der Gründung der .Gesellschaft für modernes Leben teilgenommen hatte, weil er es für seines Amtes hielt, im literarischen Kampf Farbe zu bekennen, so ging er auch hier bereitwillig mit, immer unter der pslichtmäßigen Empfindung, er dürfe seine jüngeren Genossen nicht im Stich lassen. Wie die Presse, so wollte auch der größte Teil des Hamburger Publikums in jenen Tagen von der neuen Heilwirkend! Fachinger Versandstelle, Berlin SW 11, Schöneberger Strasse 16a. Telefon: Lützow 8260/61 deutschen Kunst nichts wissen. Ja, sie war kaum bekannt, und die unter der Leitung des Hosrats toüini vereinigten Bühnen Hamburgs und ltonas schreckten vor jeder gewagten Darstellung des Neuen zurück. Daß der erste Lyriker der Zeit bei Hamburg lebte, wußten die wenigsten. Und so kam der bald überraschende Erfolg der Gesellschaft auch mehr aus den Kreisen des mittleren Bürgerstandes und der Volksschullehrer als aus der alten Hamburger Gesellschaft. Otto Ernst war der Führer in der Bewegung, und neben ihm standen Loewenberg, Falke, der Geiger Goby Eberhardt, der Gymnasiallehrer Carl Schütze, der Bruder Pauls, einige jünge.Schriftsteller und der Buchhändler Leon Goldschmidt . . . Am 4. April 1892 fand im Weißen Saal bei Sagebiel der erste Liliencron - Abend der Literarischen Gesellschaft statt. Er brachte nach einem Vortrag Loewenbergs, den Liliencron unvergeßlich liebevoll und herzlich fand, eine Anzahl seiner Gedichte, darunter das an Heinrich von Kleist, „Die gelbe Blume Eifersucht", den „Tod in Aehren" und „Die Musik kommt"; in den Vortrag der Verse teilten sich Otto Ernst, L6on Goldschmidt und Georg Kleinecke. Außerdem sprach Otto Ernst Abschnitte aus der Kriegsnovelle „Umzingelt", und Joseph Wolfs sang drei Liliencronsche Lieder, eins von Brahms, zwei von Weinhöppel. Aus dem gleichen Kreis wie die Literarische Gesellschaft ging auch die Zeitschrift ,Der Zuschauer hervor, eine jener rasch auf- und rasch wieder untertauchenden modernen Zeitschriften jener Jahre. Sie ward seit dem 15. Februar 1893 von Leo Berg und Constantin Brunner (Leo Wertheimer) herausgegeben und wirkte etwa im Sinne des „Magazins", nur daß sie mehr Schöpfungen und weniger Kritik brachte." BERLIN mumm I ERICH KUTTNER, mit einem Vorwort von Ministerialrat Dr. Beyer Preis etwa 50 Pf. B. 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