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Central-Verein-Zeitung · 1930-02-07 · 6 (7.2.1930) · p. Seite 66

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
6 (7.2.1930)
Date
1930-02-07
Page
Seite 66 (sequence 6)
Language
German
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HH schast, die unser Deutschtum nicht von sich aus bereichern? ' Eine Lehre wie die Spanns aber will durch angemaßten.Richterfpruch vielseitige Weite in einseitige Enge, bunten Reichtum in dürftige Armut verwandeln. Es ginge noch an, wenn sie nur einem engen Kreis von Wissenschaftlern theoretische Erkenntnis vermitteln wollte. Aber das eigentlich Gefährliche, das, was Spanns Schrift über den Einzelfall heraushebt und zum Symptom einer krisenhaften Entartungserscheinung macht, liegt darin, daß sie die M a s s e n ergreifen und auf ihr ganzes Handeln, auf ihr ganzes -Leben richtunggebend einwirken will. Alle werden abgeschreckt und gewarnt: Nur wenn sie sich intensiv in d a s Bildungsgut vertiefen, das ihnen als ein Deutschtum von unverfälschter Reinheit ange- Priesen wird, und anderen geistigen Einfluß von sich sernhalten, nur dann haben sie die Gewähr, daß ihnen ihre deutsche Wesensart wirklich unversehrt erhalten bleibt; nur dann ist das Ziel zu erreichen, das jedem deutschen Volksgenossen vorschweben soll, nämlich (so heißt es wörtlich bei Spann) „alle seine Geschäfte b e w u ß t als Deutscher zu treiben"; jeder Deutsche muß mit peinlicher Gewissenhaftigkeit darüber wachen, daß jede Tat, die er vollbringt, jeder Gedanke, den er denkt, von der Geisteshaltung, die allein als die kerndeutsche zu gelten har, beherrscht wird. In nlehr als fünszehntausend Exemplaren drangen diese Mahnungen bereits in das Volk („16. bis 20. Tausend" lautet der Vermerk, den die dritte Auflage von Spanns Schrift tragt), und die vielen, die nicht das geistige Rüstzeug besitzen, sich gegen sie zu wehren, werden verwirrt, sie werden kopfscheu und an sich selbst irre gemacht — vielleicht nicht die bloßen Maulaufreißer unter den Völkischen, aber gerade die Wertvollen, die Gewissenhaften, die wirklich ernsthaft um ihr Deutschtum ringen: Ihnen wird die naive Unbekümmertheit geraubt, sie verlieren den Mut, frisch und fröhlich und mit schlafwandlerischer Jnstinktsicherheit zu handeln. Weil sie um jeden Preis ihr Deutschtum erhalten wollen, tritt bei jeder Entscheidung, die sie sonst ihrem triebhaften Gefühl, ihrer gesunden Witterung für das Nichtige überlassen hätten, hemmend und quälend in ihrem Innern die Warnung auf: Ist das, was du tun willst, ist deine Stellungnahme zu diesem und jenem Problem, das an dich herangetreten ist, auch unbezweiselbar kerndeutsch, ist sie es wirklich? Es genügt nicht, daß dein eigenes Gefühl dir zu etwas rät. Einem solchen Rat darfst du nicht blindlings folgen, du mußt ihn ängstlich und mit Sorge daraus prüfen, ob er streng dem Geist jenes eng umgrenzten Kanons entspricht, der allein auf die Frage nach wahrhaft deutscher Art Antwort gibt; du darfst beileibe niemals neue Wege gehen. Das Deutschtum ist nicht ein Gut, das jeder Deutsche sicher besitzt, sondern etwas, um das er täglich kämpfen, das er mit ängstlicher Sorgfalt hüten muh, weil es ihm sonst unversehens wieder entgleiten kann. Mit solchen Lehren wird eine Generation von Ueberbewußten, innerlich Unsicheren und Gehemmten herangezüchtet, die über lauter vorbereitenden Fragen: ,Mas ist das Deutsche, das ich mir fest - in mein Bewußtsein hämmern muß?" und „was ist das Undeutsche, das ich sorgsam meiden muß?", niemals zur Tat und Entschiedenheit kommen. Und die Gefahr solcher innerlichen Entwurzlung ist größer, als man vielleicht annimmt. Ich habe selbst beobachten können,, wie beispielsweise junge Studenten, die voll ernsten Strebens waren, sich mit den großen Zeitfragen auseinanderzusetzen, unter dem Einfluß irgendwelcher unglücklicher Dogmen von bohrendem Mißtrauen gegen ihr eigenes gefühlsmäßiges Urteil ergriffen wurden: Sie haben etwa ein Buch gelesen, dessen Gedankengänge ihnen - nach ihrem ersten Eindruck durchaus einleuchteten, von dem sie fest glaubten, daß es sie innerlich weiterbringen könne. Aber aus der freudigen Zustimmung wird sofort entschiedene Ablehnung, wenn sie etwa erfahren, daß dieses Buch-von einem Juden stammt. Dann muß ihr erstes Urteil sie eben getäuscht haben, dann müssen in krampfhaftem Bemühen Argumente gefunden werden, um das eben noch Gebilligte zu widerlegen; denn wie kann jemand, der sein artbewußtes Deutschtum erhalten will, ' sich von einem Juden anregen lassen? In einer gärenden Zeit wie der unseren, in der so vieles Alte niedergerissen ist, ohne daß immer ein festgegründetes Neues an seine Stelle gebaut ist, in einer solchen Zeit droht ohnehin, zumal unfertigen Menschen, immer die Gefahr, daß sie den großen Problemen, die auf jeden Denkenden einstürmen und die die Zeit selbst noch nicht gelöst hat, nicht gewachsen sind, daß sie auch hineingerissen werden in den großen Wirbel der Zeit. Aber gerade darum soll man nicht künstlich Probleme hinzuerfinden, die gar nicht vorhanden sind, sich nicht Furcht davor einreden, etwas zu verlieren, was gar nicht verloren gehen kann: D e u t s ch w t r b immer das sein, was Deutsche tuti und denken, es fragt sich höchstens, ob es aus eine gute oder aus eine schlechte Weife deutsch ist. Aus eine gute Weise deutsch wird es aber immer sein, alle hemmenden Skrupel, von denen die Gemüter gequält werden und die doch nur eine Form der Feigheit, der Lebensangst sind, zu zerstreuen, damit ein Geschlecht herauskommt, das, ohne bei jedem Schritt ängstlich hinter sich zu blicken, neue Wege geht, das mutig und mit unbeschwerter Tatenlust die großen sachlichen Aufgaben der Gegenwart, die wirklichen Probleme statt der Scheinprobleme, in Angriff nimmt und siegreich bezwingt, C. v.-Mfklärungsarbeit im Ruhrgebiet Grotze Versammlungen invorlmun-, Duisburg, Bochum und Essen Dem Central - Verein muß daran liegen, den führenden nichtjüdischen Schichten des deutschen Volkes aus allen Parteien, allen Berufen, allen Ständen nachzuweisen, welches das wahre Gesicht des deutschen Judentums ist und wie es vom Nationalsozialismus aus parteipolitischen Zwecken zu einer häßlichen Fratze verzerrt wird. Bei soläAr Arbeit gilt zu zeigen, wie es mit der HeimatberechLigung der deutschen Juden in Wahrheit aussieht, welcher Unfug mit der „Rassenlehre" getrieben wird, auf wie schwachen Füßen Lllerturteile der sogenannten Rassen erkenn tnis stehen und wie solche blutsmäßige Bewertung dazu führt, das deutsche Volk auseinanderzureißen und noch mehr zu zerklüsten. Es muß auch dargetan werden, wie es mit dem angeblich so verderblichen Geist des Talmud und Schulchan Aruch in Wirklichkeit bestellt ist und wie überhaupt die Sittlichkeit des Judentums in Wahrheit aussieht. Dabei soll und darf nicht verschwiegen werden, daß auch im deutschen Judentum manches genau wie bei anderen Gemeinschaften der Besserung bedarf, und daß eine gerechte Kritik von nichtjüdischerSeite willkommen geheißen werden mutz. In diesem Geist fanden in den Städten Dortmund, Duisburg, Bochum und Essen durch unsere Ortsgruppen vier Aufklärungsversammlungen vor Christen statt, die im allgemeinen recht gut besucht waren. Sie standen in Dortmund unter Leitung von Rechtsanwalt Dr. Koppel, in Duisburg von Rechtsanwalt Dr. Richard Rosenthal, in Bochum von Rabbiner Dr. David, in Essen von Rechtsanwalt Dr. Krombach. Die Themen waren: in Duisburg und Essen „Der Weg zur wahren deutschen Volksgemeinschaft", in Bochum „Hindern die Juden den deutschen Wiederaufstieg?". Die Zusammensetzung der Hörerkreise, die mit größter Aufmerksamkeit den Darlegungen des Vortragenden, Dr. Alfred Wiener, folgten, zeigte, daß die Einladungen in die führenden Schichten gekommen waren. Man bemerkte Führer der Polizei, Stadtverordnete, Magistratsbemnte, Geistliche, Schulleiter, Lehrer und Lehrerinnen, mittlere Justizbeamte, Akademiker der verschiedenen Berufe, Gewerkschaftsführer, Führer des Reichsbanners, Journalisten, Kausleute und Industrielle. In der Aussprache in Duisburg nahmen auch Nationalsozialisten das Wort in sehr, sachlicher Form, die aus diesem Lager besonders zu begrüßen ist..-. -Der ungewöhnlich starke Widerhall in der Presse der genannten Städte zeigt das Interesse, das die Versammlungen bei allen Hörern gefunden. Die Erfahrungen dieser Veranstaltungen veranlassen uns, die dringende Bitte an alle Ortsgruppen zu richten, ähnliche Versammlungen in ihrem Bereich einzuberufen. Gerade das gesprochene Wort, der Ernst und die Sachlichkeit, die solche Versammlungen beherrschen, sind geeignet, unseren christlichen Mitbürgern ein zutreffendes Bild vom deutschen Judentum, seinen Fehlern und Vorzügen zu geben und ihnen zu Zeigen, daß das deutsche Judentum ein durchaus geeigneter Bundesgenosse gegen die Zerreißung der deutschen Volksgemeinschaft, gegen den politischen Terror und gegen rohe Gewalt ist, mit dem die besonnenen und vaterländisch gesinnten Elemente aus allen Lagern gemeinsam den Weg zum inneren Frieden gehen sollten. & lieber diese Veranstaltung schreibt die „Essener Volkszeitung" (Zentrum) unter der Ueberschrift „Der Weg zum inneren Frieden": „. . . Dr. Wiener ging sofort mitten in die Sache hinein. Schlagwort und Schlagring seien die große Mode der Auseinandersetzung. Forderung sei: Der Weg zum inneren Frieden. Kein Kirchhofsfrieden! Und darum suchte er mit aller Objektivität zu gliedern, woher der Haß gegen die Juden komme. Er benutzte dazu die soziologische Methode ... . . . Hinzuzufügen ist dieser Rede, daß sie in Form und Inhalt von hoher Verantwortung und seltener Sachlichkeit getragen war. Es ist bedauerlich, daß sich nicht in solcher Sphäre vor aller Öffentlichkeit die Gegensätze, die täglich Blut fordern, austragen lassen..." Die sozialdemokratische „Volksstimme" (Vosti), Duisburg, sagt: „. . . Der Eindruck, den Dr. Wiener auch auf Nationalisten gemacht hat, äußerte sich in der Diskussion, in -der besonders der erste antisemitische Diskussionsredner in einer durch keinerlei Ausfälle gekennzeichneten Gegenrede das Judenproblem aufrollte . . lieber die Vorträge haben bis jetzt folgende Zeitungen berichtet: Bochum: „Bochumer Anzeiger" vom 31. Januar 1930 (parteilos). D o r t m u no : „Tremonia" vom 30. Januar 1930 (Zentrum). „Dortmunder Zeitung" vom 28. Januar 1930 (D. V. P.). Duisburg: „Duisburger General-AnzeigA" vom 30. Januar 1930 (überparteilich). „DGA Duisburg-Hamborner Anzeiger" vom 30. Januar (überparteilich). „Niederrheinische Nachrichten" vom 30. Januar 1930 (parteilos). „Rhein- und Ruhrzeitung" vom 30. Januar 1930 (bürgerlich). „Volksstimme (Vosti)" vom 30. Januar 1930 (SPD.). Essen: „Essener.Allgemeine Zeitung" vom 31. Januar . 1930 (parteilos, national). „Essener Anzeiger" vom 31. Januar 1930 (Zentrum). „Volkswacht" vom 31. Januar 1930 (neutral). „Essener Volkszeitung" vom 1./2. Februar 1930 (SPD.). „Essener Lokalpost" vom 2. Februar 1930..

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