Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 6 (7.2.1930)
- Date
- 1930-02-07
- Page
- Seite 63 (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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63 der öffentlichen Gewalt teilnehmen oder in eine Regierung eintreten, dann*keine Sekunde etwa in dem Glauben, damit diese Gebiete dem allgemeinen Schicksal entziehen zu können, sondern nur in der Hoffnung, von diesen Stationen aus die Erkenntnis über die Notwendigkeit des Sieges unserer Idee leichter und weiter verbreiten zu vermögen, und dem Siege unserer Bewegung, in dem wir die Voraussetzung für die Rettung unseres Volkes erblicken, damit besser dienen zu können. Wir tun dies aber auch, um schon im Rahmen der damit gezogenen Grenzen an der praktischen Nationalisierung unseres Volkes arbeiten zu können. Denn unsere Regierungsausgabe heiszt nicht in Ruhe und Ordnung willfährige Sklaven erziehen, sondern widerstandsbereite und angrisssbereite und angrissserrtschlossene deutsche Männer! Ich habe zum Vertreter der nationalsozialistischen Bewegung für die Regierung in Thüringen einen unserer erprobtesten Kämpfer bestimmt. Parteigenosse Frick wird im Nahmen der durch die Verfassung gegebenen Grenzen jede Möglichkeit Wahrnehmen, dem Lande Thüringen zu dienen, dem deutschen Volke aber für die Zukunft zu nutzen. So sich die Durchführung der Mission unseres Parteigenossen Dr. Frick mit unseren nationalsozialistischen Prinzipien nicht mehr vereinbaren lassen, wird unser Parteigenosse sofort wieder seine Remter niederlegen und aus der Negierung ausscheiden! Denn Nationalsozialisten beteiligen sich niemals au Regierungen, um die Politik fremder Parteien, sondern nur, um die Gedanken unserer Weltanschauung zu vertreten! Ich habe Parteigenossen Frick bestimmt, die Stelle eines Innen- und Volksbildungsministers zu übernehmen. . . . Die feindliche Presse mag ruhig heule höhnisch lachen. Die Stunde wird kommen, in der ihr auch dieses Lachen vergeht." Wirtschaftsboykott auch in Amerika. In der „Jewish Tribüne" wird eine Predigt des New-Porker Rabbiner Dr. Stephen S. W i s e wiedergegeben, die durch Radio über das ganze Land verbreitet wurde. Die Predigt befaßte sich mit dem Boykott jüdischer Angestellter in New Jork und schloß mit der Ankündigung, Dr. Wise werde, bevor der Winter zu Ende gehe, eine Liste der großen New Porter Gesellschaften bekanntgegeben, die keine Juden anstellen. Dr. Stephan S. Wise führte aus, daß die Voykvttbewegung jüdischen Angestellten gegenübergroße Fortschritte gemacht, habe und daß insbesondere die großen führenden Organisationen Amerikas, die ihren Hauptsitz in New Pork haben, in großer Anzahl dazu übergegangen seien, jüdische Angestellte abzulehnen. Leider Hütten sich auch Korporationen, bei denen Juden in leitender Stellung seien, an dieser Boykottbewegung beteiligt. Die Gründe für die Ablehnung jüdischer Angestellter lägen in der Hauptsache in der Strebs a m k e i t j ü d i s ch e r A n g e st e l l t e r. Dr. Wise meinte u. a., er könne zehntausend jüdischer junger Leute an einem Tage in industriellen und wirtschaftlichen Unternehmungen, die von Juden kontrolliert werden, unterbringen, wenn diese Angestellten eine schriftliche Garantie geben würden, daß sie nie eine Gehaltserhöhung fordern werden und daß sie mit allen ihnen von ihren Arbeitgebern vorgeschriebenen Lohnbedingungen einverstanden sind. Da Dr. Stephen S. Wise die Lösung des Problems im Sinne von fair play nicht für durchführbar hält, will er den Kampf durch Veröffentlichung der erwähnten Liste aufnehmen, zu dem er die Häupter der christlichen Kirchen und die führenden Laien gleichfalls aufruft, da dies Problem auch das ihre sei..." peinliche Wirkungen auf dar Kurland. Der Nationalsozialismus Lst nicht das deutsche Volk. Die seit einigen Monaten immer starker einsehende Agitation der Nationalsozialisten, auch gegen das Judentum, hat zwnnglüufig dazu geführt, daß ausländische Zeitungen — und nicht etwa nur jüdische — sich mit dein Nationalsozialismus, seiner staatsfeindlichen Haltung und seiner Bekämpfung des Judentums eingehend befassen. So hat erst kürzlich der „Jewish Chronicle" in London (Nr. 3173 vom 31. Januar 1930), der der zionistischen Richtung^nahe steht, zu den Vorgängen in Deutschland Stellung genommen. So schmerzhaft wir den Kampf empfinden, den die Nationalsozialisten gegen uns führen, so wenig können wir wünschen, daß sich das Ausland falsche oder übertriebene Vorstellungen über die Geisteshaltung des deutschen Volkes durch den Lärm, den die Nationalsozialisten vollführen, macht. Die Reichsregiernng und die Regierungen der Länder lehnen gewiß jede Gewalttätigkeit politischer Art, auch Juden gegenüber, ab. Wir erinnern uns der Rede des früheren Reichsjustizministers Dr. Koch-Weser auf der Berliner Kundgebung des Centralvereius gegen Friedhofsschändungen und rohe Gewalt. Es sind kaum Fälle bekannt, in denen etwa Polizei oder Justiz ihren Schuh und ihre Gerechtigkeit nicht auch Juden gegenüber durchaus bewahrt haben. Ausländische Blätter, die über die Nationalsozialisten berichten, mögen daher berücksichtigen, daß diejenigen Kreise, die gegen Reich, Staat und Verfassung Sturm laufen, lind die sogar vor der Person des allgemein verehrten Reichspräsidenten mit ihren Angriffen nicht haltmachen, die gleichen sind, die ihrem Judenhaß keinerlei Zügel anlegen. Es ist daher eine ungerechte Verallgemeinerung, wenn von einer Vorherrschaft des Antisemitismus in Deutschland gesprochen wird, und wenn etwa das ganze deutsche Volk mit seinen Behörden und staatlichen Einrichtungen für die Zügellosigkeit der Judengegner verantwortlich gemacht wird. wichtige Entscheidung im Kampf gegen den Wirtschaftsboykott. Wir setzen hiermit die in Nr. 50 und 51 der „C. V. - Zeitung" vom Dezember- 1929 und Nr. 3 der „C. V.-Zeitung" vom 17. Januar 1930 begonnenen Liste wichtiger Gerichtsentscheidungen, die geeignet sind, unseren Mitgliedern den Kamps gegen den wirtschaftlichen Boykott zu erleichtern, fort. Die S ch r i s t l e i t u n g. Das Oberlandesgericht Hamm hat (3 W 330/29) auf Beschwerde gegen die ursprünglich abweisenden Beschlüsse des Landgerichts Bielefeld (Aktenzeichen 2 Q 126/130/29) int Wege der einstweiligen Verfügung untersagt, durch Schmähungen und Verunglimpfungen der Juden zu einein Boykott der jüdischen Geschäfte aufzufordern. Im vorstehenden Falle handelte es sich um einen Zeitungsartikel mit der Ueberschrist: „Verantwortungsloses Treiben der jüdischen Geschäfte." Dieser Artikel enthielt Schmähungen der jüdischen Geschäftsleute unb schloß mit dein durch Fettdruck hervorgehobenen Satz: „Deutsche Männer und Frauen! Deutsche Jungs imb Mädels! Kauft bei Deutschen imb meidet den Fremdling!" lieber dem Inseratenteil der gleichen Zeitung,, der eine größere Anzahl Geschüftsempfehlungen enthielt, befand sich die Ueberschrift: „Deutsche, kaust bei Deutschen — meidet den Fremdling! Berücksichtigt bei Einkäufen folgende Geschäfte:"... Ein weiterer Artikel der Zeitung brachte unter der Ueberschrift: „Warum sind wir Gegner der jüdischen Geschäfte?" wiederum Verunglimpfungell tutb unwahre Tatsachen. Alle diese Auslassungen werden von dem vorstehenden Verbot betroffen £[. L. Ein Ehrengerichtsurteil -er NSD^P. Not entschuldigt Gesinnungslumperei. Die NSDAP, hatte zu den pfälzischen Kommunatwahlen im Dezember 1929 einen gewissen Heinrich Förster, maßgebenden Mitarbeiter der nationalsozialistischen Zeitung „Der Eisenhammer", als Spitzenkandidaten für Ludwigshafen aufgestellt. Allgemeine Ueberraschung erregte es, weit über die Grenzen der Pfalz hinaus, als Mitte Dezenlber vorigen Jahres die gesamte pfälzische Presse, von der SPD. bis zur Bayerischen Volkspartei, im Faksimile ein Schreiben Försters an seinen früheren jüdischen Arbeitgeber vom 10. Januar 1925 veröffentlichte, aus dessen Betriebe F. aus für ihn sehr wenig erfreulichen Gründen ausscheiden mußte. In dem Brief heißt es u. a.: „ . . . Aber gerade infolge meiner gemachten Erfahrungen in diesem Zeitraum, und der Umstand, daß ich manche „völkischen Lehren" als Irrlehren erkannte, gaben mir aus der anderen Seite den Mut und die Verantwortung, mich dennoch an Sie zu wenden . . . Sagt mir doch der klare Menschenverstand, daß es letzten Endes bei allen Völkern und Rassen schlechte und gute Elemente gibt. Müßte man doch, wollte man die völkischen Lehren konsequent anwenden, jetzt auch zu dem Schlüsse kommen, was für Kreaturen die Deutschen sind, nachdem sich die Fälle Haarmann und der Menschenfresser Denke abgespielt haben. Und doch denkt hier kein vernünftiger Mensch daran, etwa zu erklären, die Deutschen seien Menschenfresser, usw. Was dem einen recht ist, muß dem andereil eben billig sein! . . ... Ich stehe nun heute in bitterer Not, um aus den eigentlichen Zweck dieses Schreibens zu kommen. Durch die Liquidation der Hansabank brotlos geworden, ist es mir seither nicht mehr gelungen, einen festen Erwerb zu finden . . . ... Ich weiß deshalb wahrhaftig nicht, was ich beginnen soll, wenn Sie mir . . . nicht noch in letzter Stunde Helsen können mit irgendwelcher Beschästiglmg, und wäre es nur gegen geringes Entgelt, evtl, als Hilfskraft. Durch doppelten Fleiß und treue Pflichterfüllung würde ich Ihnen meinen heißesten Dank dafür abstatten, wenn Sie etwas für mich tun können . .?' Zu diesem Brief bemerkt nun das völkische Organ Württembergs, das allerdings vom Nationalsozialismus nicht abhängig ist, der „Völkische Herold": „. . . Man hätte annehmen müssen, daß dies genügt hätte, den Herrn Förster, den Herausgeber des bekannten „Eisenhammer", eines nationalsozialistischen Blattes, wenigstens von jeder führenden Parteistellung zu entfernen, wenn man ihn schon nicht glaubte, hinauswerfen zu können. Selbst die SPD. hätte wahrscheinlich in diesem Falle so gehandelt, weil sie gefürchtet hätte, daß der gesunde Reinlichkeitsinstinkt der Arbeiter sich unmöglich hätte so weit überwinden lassen, daß sie einem solchen Manne ihre Stimme gegeben hätten. Aber darüber ist man in der NSDAP, längst erhaben. Den Anhängern kann man auch einen solchen Kandidaten zumuten. Vor allem, wenn, wie in diesem Fall, noch ein besonderer Untersuchungsausschuß die Unantastbarkeit des Herrn Förster seststellte. Dieser Untersuchungsausschuß erklärte dazu nämlich öffentlich („Eisenhammer" Nr. 47/29): ,Der fragliche Förster-Brief ist zu beurteilen ans der Zeit, in der er versaßt wurde und im Hinblick aus die wirtschaftliche Lage, in der sich der Verfasser befand? .Parteigenossen? heißt es weiter, ,wir geben uns nicht dazu her, die Hand zu bieten, um die besten Kämpfer aus unseren Reihen dem jüdischen Wunsche entsprechend auszuschalten? Mit anderen Worten: Ws ist durchaus einwandfrei gehandelt, wenn man wirtschaftlicher Not feine Gesinnung opfert und den völkischen Gedanken, den man vorher laut und öffentlich verfochten hat, abschwört und sich einem Inden anbietet. In der NSDAP, herrscht eben eine eigene .Moral'. Diese Leute haben wahrlich keinen Grund, über die SPD. herzusallen, der sie an Gesinnungsverlumpung wahrlich nicht nachstehen." Diese Veröffentlichung ist ein Beweisstück mehr in der Kette der zahlreichen Beweismittel, durch die wir den klaffenden Widerspruch zwischen der nationalsozialistischen Theorie, die von der Betonung der Wichtigkeit von Moral und Ehre für den politischen Kampf trieft,, und ihre praktische Verwirklichung anszeigten.