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Central-Verein-Zeitung · 1930-01-31 · 5 (31.1.1930) · p. Seite 55

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
5 (31.1.1930)
Date
1930-01-31
Page
Seite 55 (sequence 7)
Language
German
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55 Schnitzlers „Professor Sernharöi/ Zur Aufführung im öerliner „Theater in öer rröniggrätzer Straße". Tie einzige hartnäckig sich haltende Hausse in diesen letzten Theaterwintern des Mißvergnügens ist die Hausse in Judenstücken. Seit Galsworthys „Gesellschaft" kamen immer wieder Dramen aus den Spielplan, bei denen das Judenproblem den Mittelpunkt oder wenigstens den Brennpunkt einer bedeutsamen Episode bildete. Die gewaltige Erschütterung, die in: politischen Leben irn Zeichen der sogenannten Judensrage steht, diese schicksalhafte Auseinandersetzung zwischen . Weltanschauungen und Ltaatsgesinnungen, für die sie allerdings mehr Vorwand als wirklichen Inhalt bedeutet — auf den Bühnen der deutschen Theater spiegelt sie sich gleichsam gereinigt, verklärt in dem Spiegel der Kunst. So konnte es kaum ausbleiben, daß die günstige Konjunktur auch ein Stück emportrieb, das als ein fast schon klassisch zu nennender Wegbereiter anzusehen ist. Barnowsky gedachte früherer Triumphe, erwog die Gunst der Gegenwart und inszenierte Schnitzlers „Professor Bernhards". Wir alle haben ihm dafür zu danken. Der Inhalt des Stückes, dessen Uraufführung Jahrzehnte zurückliegt, darf als bekannt vorausgesetzt werden. In einem Konflikt zwischen Katholizismus und ärztlicher Pflicht gibt Professor Bernhard:, der jüdische Leiter eines katholischen Krankenhauses, seinem ärztlichen Pslichtbewußtsein den Vorrang. Er hindert den Geistlichen daran, einer Patientin die Sterbesakramente zu bringen, um ihr, der eine völlige Ahnungslosigkeit vielleicht die glücklichste Stunde ihres Lebens geschenkt hat, den Tod leicht werden zu lassen. Sie stirbt ohne die Tröstungen der Kirche. Und es beginnt ein Intrigenspiel, ein Kesseltreiben gegen Bernhards das mit seiner Verurteilung zu zwei Monaten Gefängnis endet. Diese Ereignisse gehen vor den: Hintergrund des Vorkriegs-Oesterreich vor sich. Die gesellschaftliche Struktur, die Nolle der Aristokratie, das starke Vorherrschen des Taufjudentums, dieses alles sind Erscheinungen, die heute schon historisch zu werten sind. Wenn trotzdem die Gesamtwirkung frisch und nahe ist, wenn wir uns beteiligt fühlen, als seien wir nicht Zuschauer, sondern Mitbetrofsene, so ist das der Beweis dafür, daß hier Zeitgeschehen eingefangen worden ist in ein Kunstwerk hohen Ranges. Man hat „Professor Bernhardt" ein Tendenzstück genannt. Sicher ist es das, so wahr eine Tendenz Absage bedeutet an ein blasses l’art pour Fart, so wahr es Entscheidung eines schöpferischen Menschen in den Fragen des Lebens heißt. Aber da, wo Tendenz durch Einseitigkeit und Uebertreibung sich selbst gefährdet, da wächst es weit über sie hinaus. Hier gibt es keine primitive Schwarzweiß-Malerei. Das geistige Problem, an dem der Konflikt ausbricht, die Auseinandersetzung zwischen Religion und Medizin, zwischen Jenseits-Glauben und Diesseitsglück, diese Frage wird nicht mit ja und nein beantwortet. In einer wunderbaren Szene, als die beiden Widersacher, Bern- Gesellsebafts abend der Ortsgruppe Fricdcnau-Stegliix. Dienstag', 4,Februar, abends Ratskeller Friedenau. Syndikus Artur Schweriner: Heitere Erlebnisse während einer Palästinareise. Johanna Meyer: Heitere Rezitationen. Rose Sander: Gesangsvorträge. Eintritt frei. Audi Mitglieder aus anderen Ortsgruppen als Gäste herzlich willkommen. hardi und der Pfarrer, sich nach der gerichtlichen Entscheidung, die Bernhardt schuldig gesprochen hat, noch einmal gegeuüberstehen, übt Schnitzler an beiden Gerechtigkeit. Keiner von ihnen triumphiert. Aber beide reichen sich in gegenseitigem Verstehen über antisemitische Intrige und Hetze, über Karrieremacherei und Feigheit ihrer Verbündeten hinweg die Hand. Jede Nutzanwendung auf unsere Tage, auf die trotz der erwähnten Milieuveränderung so vieles hinweist, würde den Wert dieser Aufführung, in der endlich wieder einmal Berlins beste Theaterkunst sich einem würdigen Vorwurf mit hervorragendem Erfolge widmet, herabmindern. Alle aber sollten sie sehen. Vielleicht werden doch einige, die zuerst ihre eigene Nolle in einem vergrößernden Zerrspiegel aus der Bühne zu sehen vermeinen, erkennen, daß der Spiegel in Wirklichkeit verkleinert. Die Konjunktur in Judenstücken ist an sich weder ablehnensnoch begrüßenswert. Sie ist das Symptom für eine Zeitkrankheit. Die Ausführung von Schnitzlers „Bernhardt" mag vielleicht dazu helfen, die Krankheit zu heilen. Dr. Eva Jungmann. Scktvab’s Brezeln Schwab’s Zwieback Schwab’s Schnellen wundervoll im Geschmack! Fabrik: Bad Homburg v. d. Höhe. BERNHARD BAUCH PELZMODEN MÜNCHEN KAUFINGERSTR. 25 SCHÄFFLERSTR. 3 BRIENNERSTR. 8 TELEPHON 91540/41 bin ich in kurzerZeit 20 Pffd. leichter geworden durch ein eins. 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