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Central-Verein-Zeitung · 1930-01-31 · 5 (31.1.1930) · p. Seite 53

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
5 (31.1.1930)
Date
1930-01-31
Page
Seite 53 (sequence 5)
Language
German
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53 Fehn Aahre Lan-esverban- Rheinland s«s r. v Am 1. Februar 1930 blickt unser Landes' verband Rheinland (Linksrhein) aus sein zehnjähriges Bestehen zurück. Zehn Jahre sind ein kurzer Zeitraum in dem Schicksal der Menschheit und in der Geschichte einer Bewegung. Die Jahre von 1920 bis 1930 mit ihren Politischen, wirtschaftlichen und sozialen Umwälzungen wiegen aber schwerer als sonst ein Dezennium. 1920. Das Rheinland besetzt, das Volk in tiefster Not, der Krieg verloren und das Land seufzte unter der Last des Verlustes. Politische Wirrnis, wirtschaftliche Erschütterungen schwerster Art, Verzweiflung und Elend waren die Begleiterscheinungen. Christen und Juden, Menschen aller Bevölkerungsschichten litten unter des Landes Not. Und sie litten besonders in. Rheinland unter all den Schwierigkeiten der Besatzung. Die Juden trugen noch ein besonderes Leid, ein seelisches Leid, das die Notlage für sie zur besonderen Qual machte. Man hatte vergessen, daß imsere Herzen 1914 im Gleichklang aller deutschen Herzen schlugen, daß Tausende jüdischer Freiwilliger zu den Fahnen eilten, daß Todesbereitschast für die Heimat und die Selbstverständlichkeit der Opfer für unser Deutschtum bei uns Juden so echt und tief waren wie bei den anderen Volksgenossen. Ueberall regten sich die Judenfeinde und ' Verleumdungen und Verdächtigungen wurden laut. Am 1. Februar 1920 trafen sich in Köln vierzig rheinische Juden, denen Religion und Vaterland Herzenssache ist, um in ihrer rheinischen Heimat durch Abwehr und Aufklärung für eine Entgiftung der Atmosphäre zu sorgen und Mitstreiter im Kampf für unsere gerechte Sache zu finden. Die judenfeindliche Bewegung der Nachkriegszeit, die dem Centralverein Scharen von Kämpfern Zuführte, hatte die Organisation vor die praktische Ausgabe gestellt, durch eine wirksame Dezentralisation die C. V.- Arbeit in den einzelnen Gebieten des Landes individueller zu gestalten. Die Gründung eines Linksrheinischen Landesverbandes wurde mit besonders herzlicher Freude begrüßt, weil ein alteingesessenes rheinisches Judentum seit Generationen mit den christlichen Heimatgenossen durch eine besondere Schicksalsgeschichte eng verbunden war. Wenn irgendwo in deutschen Landen, dann mußte im Rheinland unser Kampf Widerhall finden. Die politischen Verwicklungen brachten fortwährend neue Unruhen in die rheinische Bevölkerung. Die ungerechten Verdächtigungen, die gegen rheinische Juden laut wurden, stellten unseren Landesverband vor schwierige Aufgaben. Bernhard F e i l ch e n f e l d, ein rheinischer Jude von altem Schrot und Korn, wurde 1920 Vorsitzender des neugegründeten Landesverbandes Rheinland (Linksrhein). Ihm wurde ein Ausschuß zur Seite gestellt, zu dem die Herren Dr. Alfred Alsberg (Köln), Joseph S ch l ü ch t e r e r (Köln), Dr. Heinrich Frank (Köln), Dr. Oskar Eliel (Köln), Dr. Reiß (Krefeld), Joseph H e r z m a n n (Krefeld), Dr. Hermanns (Bonn), Karl L ö w e n st e i n II (Aachen), Hermann L e v y (Hennef a. d. Sieg), Gustav Jonas (München-Gladbach) gehörten. Feilchenfeld führte sein Amt als Vorsitzender neun Jahre lang vorbildlich, bis das Alter ihn bestimmte, die schweren Aufgaben in jüngere Hände zu legen. Der jetzige Vorsitzende des Landesverbandes, Rechtsanwalt Dr. Rudolf Callmann, kann mit Stolz auf Mitarbeiter blicken, die seit dem Tage der Gründung dem Landesverbandsvorstand angehören und die als Vorsitzende ihrer Ortsgruppe und als Hauptvorstandsmitglieder durch schwere Jahre hindurch unfern C. V.ern Führer und Helfer gewesen sind und hoffentlich noch lange sein werden. Wir gedenken unserer rheinischen Freunde hente mit besonderer Dankbarkeit. Aus der Fülle der Namen müssen wir den unseres Eugen I a c o b i hervorheben. In seiner vornehmen Pslichtaufsassung unb bescheidenen Zurückhaltung wird er laute Lobes- Hymnen von sich weisen. Es sei aber einmal ausgesprochen: wenn einer seit dem Tage der Gründung des Verbandes unerschütterlich auf seinem Posten ausharrte, wenn einer für die Nöte der rheinischen Juden in den größeren Städten und Industriezentren, in Köln und in Aachen, in Krefeld, M.-Gladbach, Düren, in Bonn oder Trier, an der Sieg, in der einsamen Eifel oder im Nahegau praktisches Verständnis und fördernde Hilfe hatte, dann war es unser Syndikus Eugen Jacobi. Nicht zuletzt ihm ist zu danken, daß aus der Schar von wenigen hundert Freunden heute im Rheinland dem Centralverein eine immer opferbereite Gefolgschaft von 4000 Mitgliedern erwachsen ist. Unser Landesverband wird seinen Ehrentag nicht in lauten Festen feiern, dazu besteht keine Veranlassung. Viel ist getan, doch noch Schwereres bleibt zu tun übrig. Die Volksvergiftung des Nationalsozialismus hat auch im Rheinland böse Wunden geschlagen, die nur durch eine zähe Arbeit geheilt werden können. Als überall in deutschen Landen 1925 der tausendjährigen Zugehörigkeit der Rheinlande zu Deutschland gedacht wurde, da haben unsere rheinischen Freunde in einer glanzvollen Kundgebung in Köln ihr Treugelöbnis zur rheinischen Heimat, mit der sie eine fast zweitausendjährige Geschichte verbindet, abgelegt. 1928, als anläßlich der „Pressa" in einer zweiten großen feierlichen Kundgebung des Landesverbandes das Recht der deutschen Juden an der deutschen Heimat betont wurde, sprach Dr. Heinrich Frank (Köln) das Treugelöbnis: „Im heiligen Dienst am deutschen Volk, in deutscher Kultur werden wir deutschen und rheinischen Juden auch in aller Zukunft in Willens-, Schicksals- und Kulturgemeinschaft, in sittlicher, kultureller und geistiger Förderung heimatlich deutscher und rheinischer Erde unser Letztes und Höchstes geben, weil Herz und Gefühl es so gebieten." Im letzten Jahr feierte das Rheinland in Koblenz und Aachen den Abzug der Besatzungsmächte, und wieder schlugen die Herzen aller rheinischen Volksgenossen, Christen und Juden, gleichermaßen für die deutsche Heimat am deutschen Rhein. Am Tage des zehnjährigen Bestehens unseres Linksrheinischen Landesverbandes werden wir deutschen Juden eingedenk sein, daß der Aufbau Deutschlands, die Befreiung der rheinischen Lande nur durch die Gemeinschaft aller Gutgesinnten im inneren Frieden durch stilles und stetes Wirken der wahren Vaterlandsfreunde allein gewährleistet wird. Haß, Feindschaft und Verleumdung, die auch heute noch im Rheinland mächtig branden, werden in den kommenden Jahren wie immer unsere rheinischen Juden unerschütterlich auf ihrem Posten finden, gestärkt und beseelt durch ihre Liebe zum deutschen Rhein und ihre Treue zur Religion ihrer Väter. Lise Leibholz. ., den 5. Februar, 8'!- (Ihr Singakademie Berlin Rechtsanwalt Dr. Bruno Weil Der Prozess des Hauptmanns Drevfus KARTEN zu 1, 2, 3 Mark bei Bothe & Bock, Wertheim und an der Abendkasse /lnhalttsch e Tagung-es E.v. Der Landesverband Anhalt des Centralvereins hielt am 26. Januar eine sehr stark besuchte Tagung im Tessauer Gemeindehause unter Vorsitz Justizrats Dr. Cohn (Dessau) ab. Tr. Cohn erstattete den Tätigkeitsbericht, der Syndikus des Centralvereins,, Dr. Alfred W i e n e r (Berlin), machte Mitteilungen über die politische Lage und über die Aufklärungsarbeit des Vereins. Auch in Anhalt wurde ein erhebliches Vordringen der nationalsozialistischen Bewegung sestgestellt. Besonders kamen Klagen aus Köthen und Z e r b st. In Dessau entfalten die Nationalsozialisten eine rege Versanunlungstätigkeit. In ihrer neuen Wochenschrift „Die Li ch t p u tz e" werden die bekannten Methoden ungerechter Verdächtigung und Beleidigung auch jüdischer Persönlichkeiten Anhalts gehandhabt. Die Verscnnmlung war einmütig der Einsicht, daß die Angriffe der Nationalsozialisten, soweit sie jüdische Interessen beträfen, energisch abgewiesen werden müssen und daß ihnen durch vermehrte Aufklärung in Wort und Schrift umsichtig und kraftvoll ein Paroli zu bieten fei. Die Wahlen ergaben die einstimmige Wiederwahl des alten Landesverbandsvorstandes. Vorsitzender wurde wieder Justizrat Dr. C o h n (Dessau). Am Abend fand in Dessau eine überfüllte Gemeindeversammlung statt, 3it der auch zahlreiche Besucher aus ganz Anhalt erschienen waren. Dr. Wiener behandelte das Thema: „Der Nationalsozialismus und seine Bekämpfung." sysBitttV® 99

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