Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 4 (24.1.1930)
- Date
- 1930-01-24
- Page
- Seite 40 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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40 erwarteten nach ihren eigenen Worten am Ansgang die Sturmtrupps 1, 2 nnd 3. In der Diskussion siel allen Anwesenden die völlig ungezügelte Sprechweise der jungen nationalsozialistischen Schüler auf, die vor gröbsten Beschimpfungen der Republik und der Bezeichnung des Reichspräsidenten voll Hindenburg als eines -vom jüdischen Marxismus umgarnten Bonzen' nicht zurückschreckten. Nach alledem dürfte es an der Zeit sein, daß, wie der Redner es forderte, die Behörden auch weiterhin aufs schärfste sich um die Ausbreitung des Nationalsozialistischen Schülerbundes kümmern und die Quellen dieser Verhetzung bloßlegen, um sie zu unterbinden/' „Geistige Nahrung für Schüler." In den letzten Nummern haben wir ebenso wie heute wiederholt von dem Treiben des Nationalsozialistischen Schülerbundes in Berlin und im Reiche berichten müssen. Daß die Verhetzung bereits solche üblen Früchte getragen hat, wundert uns nicht, wenn wir sehen, welche „geistige Nahrung" man den Schülern vorfetzt. Wir geben nachstehend einige Proben' aus der soeben erschienenen zweiten Nummer der Zeitschrift „Der Aufmarsch. Blätter der deutschen Jugend", dem Organ des Nationalsozialistisckzen Schülerbundes. Im Aussatz von Erich Berger (Dresden) über „Politik und Jugend" heißt es folgendermaßen: „Wer allerdings die ausgesprochen unehrliche, innerlich faule und unnatürliche Politik parlamentarischer Parteien treibt, bei dem wird es schwer halten, unter ihrer Betätigung einen offenen, ehrlichen und gefunden Charakter zu behalten! Wir sind sogar der Meinung, daß wenn ein charaktervoller Mensch sich mit jenen politischen Komposthaufen beschäftigt, er früher oder später — und das ist durch die Natur der Lache bedingt — stinken muß!" ltnb weiter heißt es: „Unter der Erkenntnis hört jede Pietät und jede Rücksicht auf. Denn jeder Volksgenosse, der in Zukunft nicht geboren, und jeder Volksgenosse, der unter der Einwirkung unserer verzweifelten Wirtschaftslage zusammenbricht und den Gashahn öffnet, ist uns lieber und wertvoller als ein volksparteilicher Minister, der in einer grenzenlosen Verkennung politischer Notwendigkeiten «nd Gegebenheiten sein eigenes Volk aus den Weg nach Kalvaria zwang! Dem Leben unseres Volkes sind wir es schuldig, daß wir eine entschiedene Frontstellung einnehmen gegen alles, ivas dieses Leben beeinträchtigt oder gar vernichtet!" lieber die Abgeordneten, die aus der Deutschnationalen Volkspartei ausgetreten sind, heißt es folgendermaßen: „Man schaue sich einmal jene Front genauer an: Da sieht, man neben dem .Jungkonservativen' von Keudell den vorsintflutlichen Sittlichkeitsfanatiker Mumm, neben dem angeblichen Anti- Kapitalisten Lambach den in großkapitalistischer Weltanschauung schwelgenden Generaldirektor Dr. Klönne und Universitätsprofessor Hoetzsch, neben dem angeblich die junge Generation vertretenden Heinz Dähnhardt den Großkapitalisten und Erzjuden Abraham Frohwein! Welch erhebender Anblick! Diese lose Masse konnte sich in der Tat nur unter der einen Parole Zusammenfinden: Lieber dreimal Sklav als tot! Wahrlich, wir leben in der Zeit der tiefsten Erniedrigung unserer Nation. Wir verstehen den Jubel des ,Berliner Tageblattes' und Frankreichs und werden danach handeln! Kampf bis aufs Messer dieser revoltierenden Meute! Nie Friede oder Versöhnung mit ihnen! Einer von uns kann auf die Dauer nur leben. Die Geschichte mag erweisen, wer der Stärkere ist!" Unter „Schülerbundsnachrichten" wird über eine Berliner Versammlung berichtet. Dabei erhält auch der Eentralverein seine Seikenhiebe. „Gleichzeitig erläßt der , Centralverein deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens' einen geharnischten Ausruf zur energischen Bekämpfung der Hakenkreiizler, deren Vormarsch nicht ernst genug genommen werden könne. Eine etwas schritte Dissonanz im sonst so harmonischen Duett der ,vox paliistinensis'. Aber der Centralverein scheint der Wahrheit schon näher gekommen Zu sein. Aus welchem Grunde sonst sollten plötzlich die Jungdemvkraten in Berlin auf den Gedanken kommen, . ,gegen die gewissenlose Demagogie der Nationalsozialisten' eine Kiindgebung zu veranstalten. Auch ihnen und ihrem Mitgliederbestand werden wir wohl schon zu Leibe gerückt sein." Bezeichnend ist, wie der christliche Studienrat D r. Blankenburg, der in einer jungdemokratischen Versammlung sprach, von Schülern dargestellt wird. „So redete er z. B. ausführlich von seinem Nundschädel, den er der Nationalsozialistischen Partei nicht zur Verfügung stellen könne, da diese ja bekanntlich auf Grund ihrer Rafsentheorie nur Langschüdel nehme. Was insofern richtig war, als wir nur für Rundschädel Verwendung haben, in denen etwas drinsteckt. .Mangels Masse unbrauchbar' hätte er im Björnson-Jargon besser von seinem Schädel sagen sollen. Vom Volksbegehren meinte er, daß die -dafür benötigten Gelder zweckmäßiger für Kinderspeisung hätten verwandt werden sollen. (Wie das zieht, was?!) Als man ihm logischerweise eine arithmetische Reihe von neurepublikanischen Korruptionisten zuries — von SklarZ über Varmat zu Sklarek —, nahm er zu der allzu plumpen Lüge Zuflucht, alle Parteien seien in den Sklarek-Sumpf hineingezogen worden. Als man ihn daraufhin — wiederum logischerweise — einen Lügner nannte, spielte er den Kindlich-Empörten. Uebrigens sehr schlecht gekonnt." Besonders übel sind die folgenden Ausführungen aus dem Ruhrgebiet. „Heute hat die Sozialdemokratie in Deutschland die unbeschränkte Oberhand, und dafür erläßt sie jetzt die ,Nationalistengesetze'. Sie Witt Das zwar nicht zugeben, denn Dazu haben Die Severings unD Grzesinskis offenbar nicht Den Mut, nein, auf Befehl Des Centralvereins Deutscher Staatsbürger jüdifcher Nation fetzt Die geräuschlose Gegenarbeit ein. So braucht man keine Verantwortung zu übernehuren. Es könnte ja sein, daß eines Tages die Throne doch zu Wanken ansingen. Aber es wird diesen Herren nichts nützen, wir haben sie durchschaut! Wir wissen, daß nur ein kleiner Wink genügt von seiten des auserwählten Volkes, um eine geräuschlose Gegenarbeit zu entfachen. Darum heißt es aufgepaßt. Der erste Wink der daitschen Staatsbürger erfolgte bereits." Interessant .ist auch, was im „Niederdeutschen Beobachter" (Nr. 2 vom 11. Januar) als Aufruf des Gaues M e ck l e n b u r g - Lübeck, der der Leitung des Gauführers Richard Schapke aus Ludwigslust unrersteht, unter dem Titel „Warum Nationalsozialistischer Schulerbund?" veröffentlicht wird. Wir geben daraus die folgenden Stellen wieder: „Wir Schüler werden heute nicht mehr dazu erzogen, Deutsche zu sein, d. h. Menschen, die sich ihrer Pflichten dem Volke gegenüber bewußt sind, sondern .zu guten Staatsbürgern', b. h. zu Menschen, die instinktlos und rückgratlos alles tun, was die Regierungsgrößen der sogenannten .Novemberrepublik' für richtig erachten. Wir sollen Menschen werden, die zwar viel gelernt haben, viel wissen, aber ohne weltanschauliche Lebensgrundlage ein willenloses Werk in der Hand unserer Verderber sein werden. Wir wollen Menschen werden, die zwar auch ihren Posten im Leben aussüllen können, aber Zugleich eine klare Einstellung zur Volksgemeinschaft und Zum Staut haben und diese klare Einstellung, wenn der Ltaat ihr nicht entspricht, in die revolutionäre Tat Umsetzern" Jeder Lehrer, welcher Weltanschauung auch immer, wird, wenn er nicht Nationalsozialist ist, feine Folgerungen aus diesen Beweisen ziehen. Eine Jugend, die in einem solchen Geiste erzogen wird, ist eine Gefahr für den Wiederaufbau des Vaterlandes und vor allem für sich selb st. Wir find überzeugt davon, daß alle guten Deutschen, vom rechten bis zum linken Flügel des deutschen Pnrteilebens, die um das Schicksal ihres Vaterlandes besorgt sind, eine Erziehung der Jugend in diesem Sinne nicht nur verwerfen, sondern auch auf das schärfste bekämpfen werden. A. W. DerS.A.-Alaml gehorcht Am 13. Januar stand Münchmeyer vor dem Amberger Schöffengericht unter Vorsitz des Oberamtsrichters Z i m m e r m ann, um sich wegen Beleidigung der Vorsitzenden der Amberger Centralvereins-Ortsgruppe zu verantworten. Im März v. I. hatte Münchmeyer einen seiner üblichen Vorträge in Amberg angekündigt. Die Ortsgruppe des Centralvereins veröffentlichte daraufhin ein Inserat, in dem die bekannten charakteristischen Tatsachen aus Münchmeyers Vergangenheit witgeteilt waren. Münchweyer hatte mit einem Schreiben erwidert, indem er von den Juden in -den gemeinsten Allsdrücken sprach. Dieses Schriftstück hängte ein Amberger S.-A.-Mann, Alasberg, auf Weisung des Führers der Sturmabteilung, H ö r m a n n, im Schaufenster einer Drogerie aus: Der Vorstand des Amberger Centralvereins, die Herren Ernst Bloch und Leopold Codlewsky, erhoben deswegen Privatklage. In der Hauptverhandlung wurde vom Vorsitzenden ein Vergleich angestrebt, den die Privatkläger ablehnten. Münchmeyer erhob Widerklage wegen der im Inserat aufgestellten Behauptungen. Zwecks näherer Feststellungen über einzelne der Münchmeher zur Last gelegten Tatsachen wurde aus Antrag die Verhandlung vertagt. Oberamtsrichter Zimmermann hielt Münchmeyer das Verwerfliche der Verquickung seines politischen Kampfes mit persönlichen Gehässigkeiten vor. Er fand auch Münchmeyers Zustimmung zu der Feststellung, daß die bekannte Berührung des jungen Mädchens in einer „sehr schwulen Stunde" erfolgt sei. Sehr bemerkenswert ist die Aussage des Mitangeklagten S. - A. - Mannes Alasberg. Zwischen ihm und dem Richter spielte sich folgender Dialog ab: Vorsitzender: „Führen Sie jeden Befehl Ihres Parteivorsitzenden aus?" — Alasberg: „Jawohl." Vorsitzender: „Führen Sie die. Befehle auch aus, wenn Sie erkellnen, daß Sie jemanden beleidigen müssen?" — Alasberg: „Jawohl." — Vorsitzender: „Das ist ja sehr merkwürdig. Jetzt wollen wir noch einen Schritt weitergehen. Würden Sie auch jemand erschießen, wenn es Ihnen besohlen wird?" — Alafberg (nach einigern Zögern): „Jawohl." ‘ _ Man wird sich diese Aussage des S.-A.- Mannes merken müssen. Es ist sehr bequem, wie es die nationalsozialistische Leitung tut, zu erklären, daß man Ungesetzlichkeiten nicht wolle. Aber die Tatsachen erweisen, daß die Erziehung der S.-A.-Leute in einer Form erfolgt, die in ihnen das Gefühl wachruft, sie seien ihren Vorgesetzten zu unbedingtem Gehorsam verpflichte:, was auch immer von ihnen verlangt wird. Wir werden über den Fortgang der Verhandlung berichten. Me Erschießung des Kaufmanns Kahn, Alzey. Zu unseren Mitteilungen in Nr. 3 „C. V.-Zeitung" vom 17. Januar über die Erschießung des zungen Richard Kahn in Alzey erfahren wir aus zuverlässiger Quelle noch nachstehende Einzelheiten, die das Ereignis in noch viel schlimmeren Lichte zeigen. In der Nacht vom 30. zum 31. Dezenrber 1929 befand sich der 25jährige Kaufmann Richard Kahn im Restaurant „Zum Löwen". Dortselbst hielt sich auch der Nakionalsozialist Reh Hahn aus Darmstadt aus, der Kahn durch beleidigendg Aeußerungen fortwährend provozierte. Letzterer verbat sich diese Aeußerungen mit den Worten: „Lassen Sie mich in Ruhe" und ging gegen 12 Uhr weg, um sich mit zwei Freunden in der Gastwirtschaft „Prinz Emil" zu treffen. Unmittelbar folgte Rebhahn in gleicher Richtung. Kurz daraus hörte man mehrere Schüsse und Kahn sank, schwer verletzt, in die Arme eines hinzukommenden Freundes. Rach Zeugenaussagen soll sich Rebhahn schon vor seinem Weg-- gang aus dem Gasthaus den Revolver entsichert zugesteckt haben. '