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Central-Verein-Zeitung · 1930-01-24 · 4 (24.1.1930) · p. Seite 38

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
4 (24.1.1930)
Date
1930-01-24
Page
Seite 38 (sequence 2)
Language
German
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38 antisemitischen Gegner des Douug-Planes sagen — jene Macht, die davon profitiert, daß Deutschland aus Jahrzehnte hinaus Reparationsmilliarden Zahlen muß. Gewiß, wenn man den Vorgang wirtschaftshistorisch und soziologisch so ausfassen will, mag man es tun. Aber seit wann ist Morgan, Zweifellos der größte und einflußreichste Bankier Amerikas und der ganzen Welt, ein Jude und ein Vertreter des „jüdischen Finanzkapitals"? John Pierpont Morgan entstammt einer alten angelsächsischen Familie, deren Mitglieder in der dritten Generation in England und dann in Amerika als Bankiers tätig waren, aber von jeher gläubige Christen gewesen sind. Morgans Urgroßvater mütterlicherseits war ein besonders streitbarer Protestantischer Pfarrer, und weder die Verwandten noch die Kompagnons der Familie Morgan hatten irgend etwas mit dem Judentum zu tun. Das New Dörfer Bankhaus Morgan stand sogar lange Zeit im Nus antisemitischer Tendenzen, es hatte keine jüdischen Angestellten, und auch unter den leitenden Direktoren, die nicht zur Familie gehören, bejnnb und befindet sich kein Jude. Es ist aber, wenn man die Angelegenheit schon unter „jüdischem Aspekt" betrachten will, nicht uninteressant, daß durch das Anleihemonopol Morgans gerade jüdische Bankiers von dem Anleihegeschäft ausgeschaltet worden sind. So waren kurz vor den Haager Konferenz Vorbesprechungen wegen einer Anleihe des New Dorker Bankhauses Kuhn, Loeb & Co. an das Deutsche Reich im Gange. Der Hauptinhaber dieses Bankhauses ist der aus Deutschland stammende jüdische Bankier Otto H. Kahn. Diese Anleihe ist nun endgültig unterbunden, denn Zugunsten der Morgan-Anleihe darf das Reich bis zum 1. Oktober dieses Jahres unter Umständen sogar bis zum 1. April nächsten Jahres keine langfristigen Auslandskredite aufnehmen. So sieht in Wirklichkeit der Sieg des „jüdischen internationalen Finanzkapitals" aus, der im Haag "besiegelt worden sein soll! Aber auch die künftige internationale Finanzpolitik wird gerade durch den Doung-Plan in verstärktem Maße frei von jüdischem Einfluß bleiben. Denn nach dem Doung-Plan wird die Bank für internationale Zahlungen in Basel eine überragende Stellung erhalten. In der Verwaltung dieser Bank sitzen obligatorisch die Notenbankpräsidenten der Schuldner- und Gläubigermächte. Von den jetzt in Betracht kommenden Notenbankprästdenten ist nicht ein einziger Jude oder jüdischer Abstammung. Für Deutschland wird Dr. Schacht der Baseler internationalen Bank angehören. Ob der Doung - Plan wirtschaftspolitisch einen großen Fortschritt bedeutet oder nicht, bleibe hier unerörtert. Daß aber dieser „Talmud der Wirtschaft" von Juden gemacht ist und von Juden gehandhabt werden wird, können nur Leute behaupten, die von der Entstehung und von der Durchführung des Doung- Planes keine Ahnung haben. Regierung und Regierungsparteien Hetzen, als es die „Rote Fahne" tut. Alle übelsten Instinkte des Volkes, und besonders der Arbeitslosen, werden aufgepeitscht. Ergebnis? Eine große demokratische Zeitung hat die Rubrik eingerichtet: „Die tägliche Schießerei". In der Tat, seit Wochen gibt es täglich nicht bloß Krawalle, sondern politische Todesopfer. Nach Behauptung der Nationalsozialisten sind immer die Marxisten die Provokateure, nach Behauptung der Kommunisten immer die Hakenkreuzler. Jede Partei veröffentlicht zur Aufstachelung ihrer Anhänger Gefallenenlisten, wobei regelmäßig nur die Opfer aus den eigenen Reihen, nie aber die Toten des „Feindes" ausgeführt werden. Auf dem Felde der Ehre sind natürlich nur die eigenen Leute gefallen, die der Gegenseite dagegen auf dem Felde der Unehre. Der Unbeteiligte könnte sich auf den Standpunkt stellen: Wenn Leute, die beiderseitig auf dem Standpunkt blutiger Gewalt stehen, sich gegenseitig umbringen wollen, so soll man sie dabei nicht stören. Ich finde diesen Standpunkt ebenso verwerflich wie den der Duldung des Duells. Aber davon abgesehen, wieder und wieder ereignet es sich, daß bei den Schießereien der Komunisten und Nationalsozialisten gar nicht die Duellanten getroffen werden, sondern völlig unbeteiligte Dritte, harmlose Straßenpassanten." Mehr Gefolgschaft! Die „Regensburg e r Woche, Ober- Psälzisch-Niederbayerische Rundschau", schreibt in einem Aussatz „Der Aufstieg der Hitler- Partei": „Die großen und bedeutsamen Erfolge der Nationalsozialisten bei den letzten Gemeinde- Wahlen sind nicht ein spontaner Ausbruch einer rechtsradikalen Hochflut, sondern die- Früchte jahrelanger, planmäßiger Arbeit eines vorbildlich geleiteten Parteiapparates. Und die Folgen der katastrophalen Uninteressiertheit der Judenschast, des fanatisch bekämpften Feindes der Hakenkreuzler. Wohl schreibt in der letzten Nummer der „C. B.-Zeitung" (dem Organ des Centralvereins deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens) Professor Dr. H i l d e b r a n d t: „Eltern, Lehrer, Schulbehörden, kämpft gegen die Hakenkreuzpropaganda!" Und Ludwig Holländer ruft in der gleichen Nummer seinen jüdischen Brüdern zu: „Bringen wir doch endlich einmalin unseren eigenen Reihen ein stärkeres Gefühl für politische Notwendigkeiten auf!" Das ist es: Aus der einen Seite eine hervorragend befähigte Organisation und hinter ihm ein riesiges Heer von ansgepeitschten Unzufriedenen, Verzweifelnden und — Hoffenden und auf der anderen eine kleine Gruppe Wacher und Interessierter ohne Gefolgschaft, ohne Rückhalt. Eine kleine Gruppe auf verlorenem Posten .. Die Politik im Spiegel Der thüringische Innenminister Frick. Der „Bayrische Kurier", daS maßgebende Blatt der Bayrischen Volks- Partei, nimmt in einem Artikel „Ein nationalsozialistischer Minister" zu der Ernennung Fricks zum thüringischen Innenminister folgendermaßen Stellung: „Eine Lohalitätserklürung Dr. Fricks stünde auch zu den programmatischen Erklärungen der eigenen Partei Dr. Fricks und des diktatorischen Führers dieser Partei in aüerschärfstem Gegensatz. Herr Hitler, der sich wiederholt grundsätzlich zur Revolution bekennt und die Forderung, sich auf den Boden des „Rechtsstaates" zu stellen, mehrmals abgelehnt hat, Herr Hitler, der (in seiner Rede vom 12. <LePtember 1926) der „ganzen Wehrbewegung der nachrevolutionären Zeit" den Vorwurf machte, „daß sie im Dienste des durch Verbrechen geschaffenen Zustandes" gestanden habe, Herr Hitler hat erst noch jüngst (aus Anlaß seiner Auseinandersetzung mit dem Kabinett des bayerischen Kronprinzen) ausdrücklich erklärt, daß er und seine Partei nicht nur „die Revolution des Jahres 1918 verdammen", sondern auch „ihr Werk" (d. h. die freistaatlichen Verfassungen) „als nicht zu Recht bestehend abzulehmn" („Offener Brief" an den Grasen Soden). Die Nationalsozialisten, so sagte er in einer gleichzeitig gehaltenen Rede („Völkischer Beobachter" vom 8. November 1929), erkennen die Tatsachen, aus die sich die anderen Parteien (d. h. „die aus dem Boden der Verfassung stehenden Organisationen") gestellt haben, nicht an. Würde also Herr Dr. Frick als Polizeiminister jene , ,Legal itäts"erklär nng abgeben, von der die Deutsche Volkspartei behauptet, daß sie abgegeben werde, so würde er genau nnd gerade das tun, was seine eigene Partei nach den Erklärungen Ihres diktatorischen Führers rundweg und unter allen Umständen verwirft; erwürbe sich als nationalsozialistischer Partei- und Parlamentsminister „auf den Boden der Verfassung stellen"; er würde „in den Dienst des durch Verbrechen geschaffenen Zustands" treten; er würde das „Werk" der sreistaatlichen Verfassung als „zu Recht bestehend" anerkennen. Da nun weiter anzunehmen ist, daß Herr Dr. Frick eine solche Erklärung nur im Einverständnis mit dem diktatorischen Führer seiner Partei abgeben würde (Herr Hitler war selbst aus Anlaß der thüringischen Regierungsbildung in Weimar anwesend!), so wäre der Widerspruch zwischen der Legalitätserklärung Dr. Fricks und den programmatischen Auslassunder Woche der Presse. gen des Führers der Nationalsozialistischen Partei nur unter einer Voraussetzung lösbar: nämlich dann, wenn man sich daran erinnert, daß Herr Hitler ausdrücklich den Grundsatz ausgestellt hat, „daß man, wenn man etwas (nämlich die Macht im Staat) erreichen will, das Recht hat, jedes Mittel einzusetzen" (Rede vom 28. Februar 1925). Welche Früchte aber in diesem Falle von der Amtsführung des Herrn Dr. Frick als Poljzeiminister zu erwarten wären, darüber! ist billig kein Wort zu verlieren." Eine „Herausforderung der deutschen Katholiken Ludendorfss „V olkswart e" berichtet am 31. Dezember 1929 in einem Artikel „Judentum und Katholizismus" über einen Vortrag, den der Frankfurter Professor Carl Maria Kaufmann, wie mitgeteilt, in der Aufklärungs- Versammlung des Centralvereins in Köln hielt. Da heißt es u. a.: „Der „Völkische Beobachter" (Folge 288 vom 12. Dezember) bezeichnete diesen Vortrag als eine Herausforderung der deutschen Katholiken Münchens. Dieser Anschauungkönnen wir nicht beipflichten. Im Gegenteil, wir begrüßen derartige Vorträge, da sie zeigen, daß Rom und Juda eines Zinnes sind, und würden nur wünschen, daß recht viele deutsche Katholiken daran teilnehmen würden. Es würden ihnen damit die Augen geöffnet werden, sie würden wieder ihre Eigenart erkennen und den Weg zu einer Volksgemeinschaft, die ans der Einheit von Blut, Glaube, Kultur und Wirtschaft basiert, finden." „Es grollt in der Tiefe“ In der „W e 11 a m M onta g" vom 20. Januar schreibt H e l l m u t h v o n G e r l a ch in einem Aufsatz „Es grollt in der Tiefe": „Es ist, wie man in Norddeutschland sagt, Hilde ZeiP für Kommunisten und Nationalsozialisten. ^ie suchen einander den Rang abzulansen bei den armen Teufeln, die nicht einmal inehr von der Hand ln den Mund leben können, weil die Hand trotz besten Arbeitswillens zu wenig erhält, um den Mund zu sättigen. , Wer kann mehr versprechen? Wer kann besser hetzen? Der Gewissenloseste hat den größten Zulaus. Ob man die „Rote Fahne" oder den „Völkischen Beobachter" liest, der Eindruck ist gleich erschütternd. Auf den beiden äußersten Flügeln unseres Parteilebens arbeitet man mit derselben Methode, ja, oft mit denselben Ausdrücken. Der „Völkische Beobachter" gar nicht infamer gegen Doung-Plan,

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