Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 4 (24.1.1930)
- Date
- 1930-01-24
- Page
- Seite 37 (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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min «mral Serlin, 24. Januar 1430 IX. Jahrgang * Ar. 4 Einzelnummer 20 Pfennig Yryan öes tentralVereiusöeutfekex^ LtaatsdüryerMöifcNen Naudens e.v. ^UtzsmeinS Zsiwntz clss 1u6sritulns ölätter für öeutfrktunr und Judentum Bierteliahrsabonnement 2.SO RM. (zuZügl. Bestellgeld). Verlag und Schriftleitung: Berlin LW 68, Lindenstr. 13. Amt Dönhoff 3594, 3595. Postscheckkonto: Berlin 304 72. .:. Bankkonto: stube O, Berlin SW 68, Lindenftraße 7, und von Goldschmidt. Rothschild & Co., Berlin W 8. Alleinige Anzeigenannahme: Annoneen-Cxpedition Rudolf Mosse, Berlin SW 100, und deren Filialen. Anzeigenpreise: 0,90 für die 7gespaltene geile nach Rudolf Mostes Normalzeilenmester Nr. 4, Familienanzeigen und Stellengesuche (nicht Stellenangebote) für Mitglieder des Centralvereins 0,45 c7Uir die 62 mm breite Reklamezeile 3,50 4i*4L Dresdner Bank, Wechsel« Nach der Haager Konferenz. von dr. Richarö Lewinsohn. Rasien-wahnfinn. Der „Ostdeutsche Beobachterwill 15 000 Kinder morden. Der „Ostdeutsche Beobachter", das nationalsozialistische Organ Ostpreußens, fordert in seiner Nummer 2: Alle Kinder, die bei Vergewaltigung einer Deutschen gezeugt sind, sollen getötet werden. Kinder, deren Aussehen und Merkmale auf einen Vater negerischer, orientalischer, vorder- . asiatischer oder hamitischer Rasse schließen lassen, sollen ebenfalls umgebracht werden, um zu verhindern, daß von neuem rasseschlechtes Blut und schlechte seelische Anlagen , in den Volkskörper eindringen. Die Mütter - der Bastarde müßte man unfruchtbar machen. , Nur Kinder von Vätern nordischer Abstammung, meistens wohl Angehörige englischer Besatzungstruppen, sollen am Leben bleiben. Die Völkischen wollen also 15 000 Kinder morden, ein Ritualmord, dem Götzen der Reinrassigkeit gewidmet! Diejenigen, die sonst verleumderisch die Juden angeblicher Ritualmorde an unschuldigen christlichen Kindern beschuldigten, wagen solche Vorschläge ernstlich zu bringen. Gut, daß ihre Stimme in Deutschland noch nicht ausschlaggebend ist. „Line Etappe zur Revolution." Der nationalsozialistische „Niederdeutsche Beobachter" gibt in seiner Nummer vom 18. Januar der Freude über die Ernennung des nationalsozialistischen Dr. Fr ick zum thüringischen Innenminister unter der groß ausgemachten Ueberschrift „Eine Etappe zur Revolution" Ausdruck. In diesem Artikel heißt es u. a.: „... Die Nationalsozialisten haben immer erklärt, daß es für sie natürlich durchaus . nicht darauf ankommt, einmal einen Ministerposten zu besetzen, sondern daß sie sich hier in Weimar selbst einen Stützpunkt schassen wollen, -er einmal das System von Weimar vernichten soll. Daß es sich also nicht um irgendeine parlamentarische Maßnahme handelt, sondern um einen taktischen Schritt in -er revolutionären Entwicklung, hat man auf der Front der Gegner schon lange festgestellt. . Diese Erklärung läßt an Deutlichkeit nichts zu wünschen übrig. Die Ernennung Dr. Fricks zum thüringischen Innenminister hat also die Nationalsozialisten „eine Etappe zur Revolution" nähergebracht. Den Staat, der auf der Verfassung von Weimar beruht, wollen sie von Weimar aus zerstören. . Wie fein ersonnen ist dieser Plan. . . Der Doung-Plan ist unterzeichnet und schon sind die alten Kämpen zur Stelle, um auch den neuen Reparationsplan als „jüdisches Machwerk", als „Produkt des jüdischen Geistes", als „Instrument des internationalen jüdischen Finanzkapitals" abzutun. Wenn man zum Beweis für derartige Behauptungen persönlich und sachlich gar nichts vorzubringen vermag, muß ein sinnreiches Bild herhalten, um die antisemitische These von der „Versklavung Deutschlands durch die jüdisch-internationale Hochfinanz" zu belegen. „Hat man einst gesagt: Der Dawes- Plan ist die Bibel der Wirtschaft, so müssen wir heute sagen: Der Mung-Plan ist der Talmud der Wirtschaft." So kann man es in einer Broschüre des Deutschen Volksverlages in München lesen, die den anmutigen Titel führt: „Der Talmud der Wirtschaft — der Boung- Plan als Werkzeug des überstaatlichen geheimen Finanz-Völkerbundes." Offenbar waren es wieder die Weisen von Zion, die den Young-Plan verfaßt haben. Aber diesmal haben sie es ganz besonders raffiniert angefangen, um das deutsche Volk zu versklaven. Denn so sehr man sich auch bemüht, als Urheber des Voung-Plans Juden sestzustellen, man findet keine. Schon unter den 14 Hauptdelegierten der Pariser Sachverständigenkonferenz, die den Ioung-Plan entworfen haben, befand sich kein Jude. Der jüdische Finanzminister Hilferding hielt sich, mehr vielleicht als politisch gut war. Zurück und berief als Delegierte für Deutschland Zwei Männer, die ihm politisch vollkommen fernstanden: den Reichsbankpräsidenten Schacht und den Generaldirektor der Vereinigten Stahlwerke, Dr. Albert Vögler. Als Vögler dann während der Pariser Verhandlungen zurücktrat, wurde Geheimrat Kastl vom Reichsverband der deutschen Industrie sein Nachfolger, den auch die sorgfältigste Stammbaumforschnng ebensowenig als Juden rekognoszieren würde wie die Herren Schacht und Vögler. Nicht anders stand es auf der Seite der Gläubiger. Weder die amerikanischen Delegierten sJ)oimg und Morgan, noch der Franzose Moreau, der Gouverneur der Bank von Frankreich, noch der englische Hauptdelegierte Sir Josiah Stamp oder der Mailänder Großindustrielle Pirelli, der Führer der italienischen Delegation, haben irgend etwas mit dem Judentum zu Lun. Der Houng-Plan war also. wenn man diese Klassifizierung einmal annimmt, ein durchaus „judenreines" Erzeugnis. Aber nun kamen die Konferenzen der Politiker im Haag. Fing nun etwa die „Verjudung" an? Die erste Haager Konferenz im August vorigen Jahres wurde vollkommen beherrscht von dem englischen Schatzkanzler Philip Snowden. Mr. Snowden ist von Haus aus ein puritanischer Postbeamter, der mit dem Judentum so viel Zu tun hat wie die rassereinsten Männer des völkischen Lagers. Und daß Snowden, der seit einigen dreißig Jahren der sozialistischen Bewegung in England angehört, ein typischer Vertreter des internationalen Finanzkapitals ist, wird man Wohl auch nicht gut behaupten können. Eine stärkere Rolle spielte die Hochfinanz auf der zweiten Haager Konferenz, die eben jetzt zur Unterzeichnung des Aoung-Plans geführt hat. Denn das wichtigste wirtschaftliche Thema dieser Konferenz war die sogenannte Mobilisierung, die Ausgabe von Anleihen auf Grund künftiger Reparationsansprüche. Als deutscher Finanzsachverständiger wirkte — es liegt nicht der mindeste Grund vor, dies zu verschweigen — der jüdische Bankier Melchior von dem Hamburger Bankhaus Marburg an diesen Verhandlungen mit. Aber den Hauptanteil an den Vorarbeiten für die Mobilisierung hatten der Reichsbankpräsident Schacht und der Generalagent für die Reparationszahlungen Parker Gilbert. Das Ergebnis der Verhandlungen über die Mobilisierung war allerdings auch für die deutsche Oeffentlichkeit überraschend. Es wurde beschlossen, eine ungewöhnlich große Anleihe, 300 Millionen Dollar, aufzulegen, und was noch überraschender war, dieses Anleihegeschüft fiel ausschließlich dem New Iorker Bankhaus Morgan zu. Da also haben wir die Macht des „internationalen Finanzkapitals" — werden die HIHI Will llllllliill!IllIliIlillllilllllillllllIIIIIIIII!l!lllllNIHIMI HIWI IIIIIIHIlIililllHIlllllllII Lesen Sie: So schaffen die Nationalsozialisten „Ordnung“! S. 39. — Dr. Fritz Seifter (Bielitz): Das Elend der Juden in Polen. S. 4L — Dr. Felix Goldmann (Leipzig): Der wahre Sinn des Wortes „Auge um Auge, Zahn um Zahn“, S. 42. — J. Landau (Berlin): Erinnerungen aus demBerlinerTheaterleben.S.43«