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Central-Verein-Zeitung · 1930-01-17 · 3 (17.1.1930) · p. Seite 32

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
3 (17.1.1930)
Date
1930-01-17
Page
Seite 32 (sequence 8)
Language
German
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32 dern abgelöst", klingt sehr gut. Aber man soll nicht versuchen, das Publikum an Programmen dadurch zu interessieren, daß man sie neu stilisiert und moderner drucken läßt, johne es darauf hinzuweisen, daß sie früher fast ein H e l d e n s p i e l, jetzt fast ein AL ä r ch e n st ü ck anzeigen. Der Vormarsch des Zionismus, den Herr Blumenfeld ankündigt, so sehr er auch auf Ideen beruht, richtet sich gegen Menschen, und genau so, wie Herr Blumenfeld es für seine Aufgabe hält, Menschenseelen vor der. objektiven Judennot durch Einkehr oder Heimkehr in den Zionismus zu retten, sehen die weitaus meisten deutschen Juden ihren Weg in der Ueberwindung der Judemwt an der Stelle, wo sie entstand und herrscht. Das was in unserem Kreise tadelnd Neghettoisierung genannt wird, ist nicht, wie Herr Blumenfeld meint, eine Zwangsläufige, naturgewaltartige Erscheinung. Sie t ft eine Gefahr, aber sie wird erst verhängnisvoll, wenn wir den Lehren glauben, die sie als unabwendbar bezeichnen. Ideologische Auseinandersetzungen sind in unserem Zeitalter hochentwickelter Dialektik für keine Bewegung eine Gefährdung, weil sie fürchten müßte, widerlegt, ausgehöhlt dazustehen. Notwendig ist zu sehen, was ist, und dem entgegenzutreten, was droht. Der Zionismus nutzt Zeiterscheinungen aus, die er als ewigen Zustand bezeichnet. Er projiziert sein Wunschbild in Seelen, die noch unsicher in ihren eigenen Wünschen sind. Er schafft Selbstbewußtsein, wo sonst Minderwertigkeitsgefühle zu herrschen Pflegen, er nennt Berufung, was als Stigma empfunden werden könnte. Wir können dasselbe im Gegensatz zu ihm erreichen, ohne allerdings die Bequemlichkeit in Aussicht stellen zu können, die der Zionismus für den Anhänger bietet, der ohne die Konsequenz der Auswanderung sich zu ihm bekennt. W i r zeigen die unentwirrbare Verflechtung unseres Daseins mit unserer deutschen Umwelt, die uns verpflichtet, Entartungserscheinungen deutschen Seins um unseret- und seinetwillen zu bekämpfen. Und dieser Kampf gliedert uns in sine noch erfreulich große Front ein und bindet uns bewußt menschlich, wo unbewußte Verknüpfungen schon bestanden. Persönlichkeiten solcher Geisterhaltung werden dann auch, weil sie die deutsche Gegenwart als Kampfseld großer Ideen mit der Notwendigkeit persönlicher Entscheidung erfüllt, ihr Judentum zu dem formen, was es ihnen dabei sein kann: Verbreiterung ihrer sittlichen Grundlage, ihrer seelischen Kräfte, ihrer kämpferischen Verantwortung. Diese Komponente ihres Seins in unverändertem Kräfteverhältnis zu ihrem Deutschtum zu erhalten, erfordert Lernen, Erkennen, Wissen, was Judentum als ewiger Wert ist. Das ist kein W e t t l a u f zwischen Deutschtum it n b Ju den - tum, das ist eine wechselseitige Ergänzung zu einer Ausgeglichenheit, in der für den Z i o ni s m u s kein Na u m i st. Kritik fordert auch Blumenfelds Programm der Gemeindepolitik heraus. Hier wollen die Zionisten unbedingt sein, denn hier gefährden sie ja nicht „die entscheidende Chance des jüdischen Volkes". Es wnß dazu sehr deutlich gesagt werden, daß die Nichtzionisten ihr Porzellan in Deutschland genau so ungern zerbrochen sehen wie die Zionisten das ihre in Palästina, und es hieße das Verantwortungsbewußtsein der zionistischen Gemeindevertreter unterschätzen, wenn man annähme, daß sie aus Prinzi p radikal sein könnten, wenn die Mali tat ihnen die Verantwortung für ihr Tun zuwies. In der Außenpolitik hatte Blmnenfeld recht, seinen Gegnern vorzuwerfen, sie verlangten Entschiedenheit für Palästina und neigten in Deutschland zu Kompromissen. In der Innenpolitik aber die Vorzeichen umzudrehen, ist vielleicht der Opposition gestattet, nicht aber dem Führer. — Ausklang. Ueber die Arbeit der Z. V. s. D. sprach Blumenfeld nicht. Der gedruckt vorliegende Tätigkeitsbericht gibt einen Rahmen. Was tatsächlich geschah, ist nicht ersichtlich. Die Opposition hielt sich in der Aussprache an das, was fehlte. Sandler und Kareski, die Voltsparteiler, können Leistungen vorweisen, die gewissermaßen im Gegensatz zur Z. V. s. D. in der Gemeinde erstritten wurden. Der Radikale Benzion Fett und der allgemeine Zionist Dr. Epstein (Duisburg) fordern Auslösung der Jüdischen Volkspartei und Ueberleitung der Gemeindearbeit in den direkten Tätigkeitsbereich der Z. V. f. D., ein Vorschlag, den auch Dr. K a n o w i tz, Mitglied des Geschäftsführenden Ausschusses, unterstützte. Ein einziger Redner, Dr. Arnsberg (Frankfurt a. M.), berührte die Frage des A n t i s e m i t i s m u s in Deutschland. Man könne seine Behandlung nicht dem C. V. allein überlassen. Man solle auch Zionistische Versammlungen über dieses Prob kein einbernfen. Eine gute Werbewirkung sei bestimmt davon zu erwarten. Eine weltfremde Vorstellung, aber eine verhängnisvolle Weltfremdheit, weil sie Sein und Wesen sowohl der deutschen Judenheit als auch der Gegnerschaft gegen die Juden verkennt. Mitternacht. Die erlösende Formel ist gefunden. Blumenfeld hält ein kurzes Schlußwort: Antisemitismus? Eine ergänzende Betätigung seitens der Z. V. f. D. neben der von anderer Seite geleisteten Arbeit sei möglich. Gemeindewolitik? Es müsse verhütet werden, daß zionistische Führer gegen den Zionismus ausgespielt werden. V o r st a n d s w a h l: Eine Einheitsfront kam nicht zustande. Die Führer der Gruppen, die draußen bleiben, erklären, warum nein, und der Misrachi, der hineingeht, sagt, warum ja. Ein Uhr früh. Der Delegierten tag ist zu Dr. Alfred Hirschberg. Rabbiner Dr. vogelftein zum 60. Geburtstage. In besonders herzlicher Weise begrüßt der Eentralverein seinen Freund Dr. Hermann Vogelstein, Rabbiner in Breslau, anläßlich seines 60. Geburtstages. Dr. V o g e l st e i n ist seit seiner Jugend einer der wärmsten Förderer unserer Bestrebungen. Ebenso wie in seinen früheren Wirkungskreisen in Oppeln und in Königsberg stellt er sich in Breslau in den Dienst unserer Sache. Niemals haben wir, wenn wir an ihn herantraten, vergeblich um Hilfe gebeten. Unvergeßlich bleibt sein großer Vortrag „Um Wahrheit, Recht und Frieden", den er aus Anlaß der Hauptversammlung des Centralvereins am 12. April 1924 im Herrenhause in Berlin gehalten hat und der in weiten Kreisen der jüdischen und nichtjüdischen Oesfentlichkeit außerordentlich starken Beifall fand?) Begabt mit besonderer Klarheit und Bestimmtheit des Ausdrucks, ist Vogelstein in der ihn kennzeichnenden vornehmen Art stets sür unser deutsches und unser jüdisches Sein eingetreten. Die großen Ehrungen, die ihm zu seinem 60. Geburtstag zuteil wurden, die Beliebtheit, deren er sich in allen seinen Wirkungsstätten, in allen Gesellschaftskreisen und bei allen Religionen erfreut, beweisen, daß seine Lebensarbeit wahren Werten dient: deutschem und jüdischem Sein in seiner gegenseitigen Durchdringung. Wir können an dieser Stelle Hermann Vogelstein nur als das würdigen, was er unsere m engeren Freundesrind Arbeitskreis bedeutet. Was er uns gegeben hat, läßt uns an diesem Abschnitt seines Lebens erhoffen, daß er noch viele Jahrzehnte in rmgeminderter Schaffenskraft aus dem Wege sortschreiten möge, auf dem er uns ein Wegbereiter geworden ist. I;. H. *) Als Broschüre erschienen im Philo-Verlag, Berlin SW 68. Verlangen Sie die Marke das Zeichen für Qualität! Verkauf in allen guten Porzellanhäusern. Auf Wunsch Nachweis von Bezugsquellen. Porzellanfabrik F. Thomas, At>t.c. Marktredwitz i. Bayern. Billig! Billig! OPTIK! Optiklister gratis u. franko. 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