Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 9 (1930)
- Issue
- 3 (17.1.1930)
- Date
- 1930-01-17
- Page
- Seite 31 (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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31 Vor der Aussprache über Weizmanns Referat bringt Blumenfeld die Resolution ein, auf die wir bereits in der Vorbetrachtung über Jena hingewiesen haben. Er erklärt, jede andere Resolution, auch wenn sie inhaltlich das gleiche besagen sollte, ablehnen zu wollen. Man habe eine Machtprobe herbeiführen wollen, nun bestehe er auf ihr. Letzten Endes ist es recht gleichgültig, was man in Jena zur Arabersrage und den Problemen der Verständigungspolitik sagt, wenn man von der Wirkung aus die öffentliche Meinung und dem Prüfstein der Gesinnung absieht. Weizmanns Politik und Persönlichkeit sind die Faktoren, mit denen die Mächte rechnen, die Palästinas Schicksal entscheiden. Und die Juden in Palästina selbst fühlen sich nur noch in sehr losem Zusammenhänge mit der Ideologie und Praxis des deutschen Zionismus — außer, wenn sie an ihnen etwas a u sz u s e tz e n haben. Gestützt durch und auf Weizmann, nehmen auch die „Angeklagten" Blumenfeld und Weltsch das Wort. Sie beklagen die Jllusionierung des Zionismus, belächeln die Vorstellung, als ob man 30 oder mehr Jahre mit derselben Ideologie auskommen könne. Weizmanns Schlußwort ist eine Warnung vor Illusionen und eine Mahnung zur Einigkeit und Vorsicht. Sensationell wirkt die Mitteilung über Verhandlungen mit den Arabern, die schon 1918 stattgefunden haben. Weizmann fuhr damals zu Feisul in die Wüste. Er sprach mit ihm über Palästina, und erhielt feine Unterschrift unter Abmachungen. Diese Unterschrift ist heute noch vorhanden. In der Formel „Ohne Judenstaat ist das jüdische Volk in Palästina nicht möglich" steckt nach Weizmann ein großes Stück Assimilation. Judenstaat, Nationalstaat sind „preußische" Begriffe, die auf die zionistische Bewegung nicht angewendet werden sollten. Blumenlelds Programm. Heftige Kämpfe um Resolutionen und Koalitionen füllten die größere Hälfte des zweiten Verhnndlungstages aus. Blumenseld will sein innerpolitisches Referat erst halten, wenn Klarheit herrscht. Am Spätnachmittage erhält er sie. Drei namentliche Abstimmungen werden durchgeführt. Eine ständig sinkende Mehrheit folgt Blumenfeld — 47:94, 54:83 —, bis seine eigene Resolution mit 53:82 Stimmen bei 8 Enthaltungen angenommen wird. Ein klarer, aber kein überwältigender Sieg. Sein Re fern t hält Blumenfeld trotzdem nicht. Die Zeit ist zu weit vorgeschritten. So gibt er Bruchstücke einer großangelegten Ausarbeitung, auf die oinzugehen sein wird, sobald sie i m Druck vorliegt. Aber an dem, was Blurnenfeld sagte, kann einige Kritik angebracht werden. Der Gegensatz zwischen dem Blumenseld im außenpolitischen Karnpse, der nur mit Realitäten rechnet und der Verständigungspolitik treibt, und d e m Blumenfeld, der den Zionismus in Deutschland führen — und zum Erfolge führen will, ist auffallend. Die Zielsetzung in der Ideologie wird unverändert beibehalten, wenngleich man sich fragen muß, wie der Ausgleich zwifchen diesem sehr überspitzten gedanklichen und dem sehr herabgeschraubten wirklichen Ziel hergestellt werden soll. Denn die Veränderung der Ideologie auf innerpolitischem Gebiete betrifft nur die neuen Mittel und Wege der Menscheng e w i n n u n g. Die Notwendigkeit tieferen Eindringens in die objektive Judenfrage als Grundlage jeder Werbung und die Darstellung der ungeheuren Kompliziertheit des Zionismus sollen nur die Erkenntnisse schassen, durch die man immer von neuem wertvolle Menschen für den Zionismus gewinnen kann. Was will Herr Blumenfeld mit diesen Menschen, vor allem mit jungen Menschen, in denen er das Gefühl der Wurzellosigkeit in ihren alten Lebensverhältnissen geweckt hat, wo er Nochmals die Neutralität des Centralvereins in verufsstagen. In Nummer 42 der „C. V. - Zeitung" vom 18. Oktober 1929 veröffentlichten wir einen Artikel von Herrn Dr. med. Fritz S a l o ul o n : „Die Gelben. Auch unsere Haltung im Berufsleben bedarf der Selbstkritik." Wir teilten schon einmal in Nummer 47 dieser Zeitung vom 22. November 1929 mit, daß dieser Aufsatz von einigen unserer Freunde offenbar falsch aufgefaßt worden ist. Trotzdem erhalten wir weitere Zuschriften, die uns noch einmal veranlassen, folgendes bekanntzugebeu: Es lag uns fern, mit der Aufnahme des Artikels in wirtschaftliche Auseinandersetzungen beruflicher Verbände einzugreifen, zumal wir ihre Tendenzen nicht kennen. Zu Auseinandersetzungen zwischen Jnteressentenverbündeir würden wir unser Blatt niemals zur Verfügung stellen können; denn der Centralverein ist und bleibt in wirtschaftspolitischer Hinsicht neutral. Wird er in solche Kämpfe, noch dazu einseitig, hineingezogen, so müßte unsere Geschlossenheit schwer leiden. Das kann kein Mitglied wünschen. Wir betrachten hiermit die Angelegenheit als erledigt. doch weiß, daß die Erfüllung der Idee ihres Zionismus durch die Tat im Durchschnitt an der Realität Palästinas scheitern muß? Herr Blumenfeld vergißt die starken, daseinsfrohen, ihres Judentums voll bewußten, aber mit ihrer Umwelt verwachsenen Kräfte im deutschen Judentum! Der Zionismus als kämpfende Bewegung sollte wurzellose Menschen suchen und sie festigen, aber er empfindet sich zu sehr als „Revolution mit dem langen Atem", als „ewige Revolution", deren Selbstzweck Revolutionierung von Menschen ist. Eine Formulierung, wie „Programme werden nicht gelöst, son- Jahre Arbeit und Erfolge liegen heute hinter uns. Immer war es in dieser Zeit für uns als die ältesten Automobilwerke der Weit selbstverständliche Tradition, führend zu sein in der Entwicklung des Kraftfahrzeugs, nicht nur in der Erzielung höchster Qualität, sondern auch in der immer günstigeren Gestaltung des Verhältnisses zwischen Wert und Preis. Unser Typenprogramm für das Jahr 1YZ0 steht auf der vollen Höhe aller erprobten technischen Errungenschaften. Der wirtschaftliche geschmeidige Viersitzer Typ „Stuttgart" von 6800 RM. an, der sechssitzige mittelstarke Gebrauchswagen von höchster Zuverlässigkeit Typ „Mannheim", der kraftvolle schöne Achtzylinder Typ „Nürburg" von letztem Fahrkomfort, die Kompressormodelle als Hochleistungswagen von internationalem Format, sie alle sind das Ergebnis der umfassenden Erfahrungen aus viereinhalb Jahrzehnten, letzte Stufe technischer Entwicklung, höchster Wert zu günstigstem Preis. Wenn Sie vor der Wahl Ihres Wagens stehen, so versäumen Sie nicht, unsere Modelle zu prüfen. Wir wollen Ihnen beweisen, daß es keine höhere Wertbezeichnung für ein Automobil geben kann als die Marke MERCEDES-BENZ Daimler-Benz A.-G., Stuttgart-Untertürkheim