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Central-Verein-Zeitung · 1930-01-10 · 2 (10.1.1930) · p. Seite 16

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
9 (1930)
Issue
2 (10.1.1930)
Date
1930-01-10
Page
Seite 16 (sequence 4)
Language
German
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16, sozialistischen Partei eingedrillt, um dann als ihre „Stotztruppe" vorzugehen. Selbstverständlich kann diese Partei kritische Köpfe nicht brauchen, d. h. also die ( eigentlich wertvollen Jugendlichen, die von sich aus zu den politischen Problemen Stellung nehmen wollen. Was kann denn nun geschehen, tun diese verderbliche Entwicklung zu hindern? Zunächst eins: gewisse Elemente > der Schülerschaft, nämlich die, deren Intelligenz unter dem Durchschnitt steht, wird nran nicht verhindern können, nach der einen oder anderen Seite mindestens für eine Zeitlang abzurutschen. Sie werden immer Schlagwörtern zum Opfer fallen. Sie werden immer an die Durchführbarkeit von radikalen Forderungen glauben, die beim ersten Zusanunenprall mit der Wirklichkeit kläglich Schiffbruch leiden. Für die Teile der Jugend aber, die es versuchen, selbständig zu denken, sollte der Unterricht, namentlich der Geschichtsunterr i ch t, doch notwendige Hemmungen einschalten. Freilich kann das nicht in dem Sinne geschehen, daß der Lehrer seine Meinung und nur seine Meinung den Jungen vordoziert. Vielmehr müssen zum mindesten die Einwände, die von der Schülerschaft kommen, ernst genommen werden, am besten aber bei der Untersuchung der Weltanschauungen, die hinter den Parteiprogrammen stehen, und bei diesen selbst die Mitarbeit der Schüler verlangt und durchgeführt werden. Am wichtigsten aber will es mir erscheinen, daß in den sogenannten Vertiefungsstunden, also Arbeitsgemeinschaften, bestimmte politische Probleme entwickelt, beispielsweise die Parteiprogramme im einzelnen durchgesprochen werden, daß also Schüler selber über diese referieren und dann in gemeinschaftlicher Aussprache Nutzen und Schäden, Vorteile und Nachteile ganz unvoreingenonnnen besprochen werden. Man kann das Endurteil getrost den Schülern überlassen. Das Wichtigste ist, daß sie die Bedingtheit jedes solchen Programms erkennen; sie werden dadurch so weit geschult, daß sie ihnen im späteren Leben mit Vorsicht entgegentreten. rj^Tovj!jucfätca Qerma Diese Karikatur bildet die Vorderseite einer Karte^ die in Nordwestdeutschland von den Hakenkreuzlern verbreitet wird. Die Rückseite trägt die Inschrift ~5000 km mit dem Hakenkreuz* und ein stark aufreizendes Gedicht. Hauptbedingung ist allerdings dabei, daß solche Dinge mit absolutester Offenheit behandelt werden. Die Opposition der Schüler, sie. mag so heftig sein, wie sie wolle, darf niemals dem Lehrer Grund .zu kleinlicher Bekrittelung ihrer Ansichten oder gar Anreiz zum Spott sein — von der Möglichkeit des Nachtragens ganz zu schweigen. Die Schüler müssen das unbedingte Gefühl haben, daß bei der ganzen Untersuchung das Bestreben obwaltet, m i t e i n a n de r zur schärf st e n Klarheit ohne Ansehen der Person des Mitarbeitenden zu kominen. Ich glaube, daß bei einer solchen Behand- Vng sowohl das Programm der Kommunisten, die unter der falschen Flagge des „Sozialistischen" Schülerbunoes heute noch auf Seelenfang ausgehen, wie auch das der Nationalsozialisten schwerlich Proselyten machen wird; wahrscheinliche wird allerdings, der Nationalsozialismus noch erheblich schlechter abschneiden, weil bei dem der gesunden Jugend angeborenen Gerechtigkeitsgefühl die Verfemung der deutschen Juden, also doch auch eines Teils ihrer Mitschüler, außerordentlich unangenehm wirken wird. Endlich empfiehlt es sich, daß die Schule bzw. die Behörde an den gesunden Sinn des Elternhauses appelliert. Ihm ist ja durch den Erlaß von 1922 die volle Verantwortung für die Zugehörigkeit der Jugend Zu politischen Vereinen zugeschoben worden. Es dürste doch wohl nicht ganz ohne Eindruck bleiben, wenn immer wieder durch amtliche Verlautbarungen auf die Folgen -der Verhetzung der Jugend hingewiesen wird. Wenn ein Oberprimaner, wie „Der Aufmarsch" tneldet, bei einem „Kommunistenüberfall auf ein nationalsozialistisches Lokal" schwer verhetzt wurde und dann starb, auf gut Deutsch also, wenn bei einer Schlägerei zwischen schwer verhetzten Jugendlichen verschiedener Vereine ein junges Leben vernichtet worden ist, so nützt es dem Elternhause nichts, wenn die Gesinnungsgenossen in der Todesanzeige den Toten als „leuchtendes Vorbild" preisen, noch viel weniger, wenn sie dazusetzen — „nicht mit Worten, nein, mit Taten werden wir seiner gedenken!" Solche traurigen Gelegenheiten müssen immer wieder dazu benutzt werden, daß die Schulbehörde aus das Verderbliche politischer Verhetzung hinweist. Ebenso sehr rst es allerdings notwendig, auch den Lehrern immer wieder einzuschärfen, daß sie selber mit Wort und Tat der Politisierung der Schüler entgegentreten. Ob die Behörde schließlich die Mimsterialversügung Zur Unterdrückung des Nationalsozialistischen und Sozialistischen Schülerbundes benutzt oder nicht, ist eine Frage der Zweck- Mäßigkeit. Märtyrer zu schaffen, ist natürlich falsch. Anderseits ist aber auch die Behörde verpflichtet, Störungen, die das Gemeinschaftsleben der Schule schädigen, hintanzuhalten. Vom rein pädagogischen Standpunkt aus hätte sie ganz sicher ein Recht, ja eine Pflicht, der Verrohung und Fanatisierung der Jugend energisch entgegenzutreten. Prof. vr. Laut Hildebrandt. Drepfus ein russischer Spion? Professor öornhaks neueste Entöeckung. Der Lehrer an der Berliner Hochschule Professor B o r n h a k ist einmal von einem hohen Beamten des aneien regime gesprächsweise der „Ludendorsf des Staatsrechts" genannt worden. Aus mancherlei Gründen erscheint diese Charakterisierung sehr treffend. Wie der General ist auch der Professor erfüllt von einem hemmungslosen Haß gegen das heutige Deutschland und seine staatserhaltenden Kräfte; wie Ludendorsf neigt er dazu, persönliche Vermutungen und völlig unbewiesene Behauptungen in der Maske wissenschaftlicher Betrachtung als ewige Wahrheiten zu kostümieren. Vornhak, der auf einigen Spezialgebieten der Rechtswissenschaft, z. V. dem Universttätsrecht, beachtliche Arbeiten veröffentlicht hat, gehört zu jener immer seltener werdenden Kategorie von Hochschullehrern, die mit Vorliebe in ihre wisienschaftlich-objektiven Lehrbücher und Monographien eine bewußt antirepublikanische und judenfeindliche Tendenz hineinbriugen, wobei sie auch vor den abstrusesten Doktrinen nicht zurückschrecken. So spricht Bornhak allen Ernstes davon, daß gewisse Rechte dem preußischen Staatsministerium nur deshalb zuständen, weil „gegenwärtig die monarchische Gewalt ruh e". Man kann sich denken, was dabei herauskommt, wenn ein Mann mit dieser. Einstellung unter die Historiker geht. Ende 1929 veröffentlichte B o r n h a k eine umfangreiche historische Darstellung über Deutschlands Weltpolitik 1890 bis 1914 und die Kriegsschuldfrage. An dieser Stelle kann auf alle Unrichtigkeiten und Verdrehungen, auf die schweren persönlichen Angriffe, die Bornhak gegen fast sämtliche Politiker der Vorkriegszeit richtet, nicht eingegangen werden. Seine Entdeckungen zu der Affäre des jüdischen Hauptmanns Dreyfus sind jedoch von einer so überraschenden Originalität, daß sie unseren Lesern nicht vorenthalten werden dürfen. Der Dreyfus-Prozeß steht gegenwärtig wieder im Mittelpunkt des öffentlichen Interesses. Eine dramatische Darstellung der Affäre geht^ täglich in Berlin vor ansverkauftem Hause in ^>zene, Theater im Reich bereiten die Uraufführung anderer Dreysus-Stücke vor. Zu dieser heute völlig geklärten Angelegenheit hat Bornhak nun folgendes zu sagen: 1 „Tatsächlich handelt es sich in dem Verfahren gar nicht um die Schuld oder Unschuld des Hauptmanns Dreyfus, sondern es rangen in ihm, das hatte das Judentum der ganzen Welt sehr richtig herausgefühlt, verschiedene mächtige Kräfte um die Herrschaft. Das klerikale französische Offizierskorps wollte sich den jüdischen Eindringling, der übrigens auch persönlich eine höchst widerliche Erscheinung gewesen sein muß, nicht gefallen lassen und freute sich, ihm etwas am Zeuge flicken zu können. Eben deshalb konnte die Judenschaft, die überall mit dem Radikalismus verbündet war, ihren tapferen Makkabäer nicht fallen lassen. Sie durfte es nicht aus sich sitzen lassen, daß ein Jude, wenn er an eine wichtige militärische Stellung kam, sie auch gleich benutzte, um Verrat zu begehen. Der Ausgang des Dreyfus-Prozesses bedeutete einen der glänzendsten Siege des Judentums und eine schwere Niederlage des französischen Antisemitismus und Kleritalismus. Tatsächlich hatte Hauptmann Dreyfus militärischen Verrat getrieben, aber nicht zugunsten Deutschlands, was nach den amtlichen Erklärungen nicht bezweifett werden kann, auch die Akten ergeben nichts anderes, sondern zugunsten Rußlands. Denn Rußlmck» setzte Mißtrauen in die Angaben seines Bundesgenossen über seine militärische Stärke und wollte sich durch heimliche Erkundigungen im französischen Generalstabe vergewisiern, inwiefern man es amtlich nicht belogen habe. So trieb Dreyfus im Einverständnis mit einzelnen Vorgesetzten Verrat. Und als die Saci;e ruchbar wurde, ließ man den Jude« fallen, den anderen wurde kein Haar gekrümmt. Er durste aber den Verrat nicht zugunsten Rußlands begangen haben, das hätte die russisch-französische Freundschaft getrübt. Der Verrat mußte für die Dreibundmächte, namentlich für Deutschland begangen sein. Als diese Voraussetzung sich nicht aufrechterhallen ließ, selbst die milderen Umstände von Rennes versagten, blieb nichts anderes übrig, als den Verräter sreizusprechen. Das Judentum hatte gesiegt." Der Historiker Bornhak hat es selbstverständlich nicht nötig, irgendwelche Unterlagen oder Quellen für diese in der Literatur über die Affäre Dreyfus unseres Wissens noch niemals irgendwo hervorgetretene Behauptung mitzuteilen! Weiner Rosenberg. Rechtsanwalt Dr. Bruno Well spricht am Montag, den 13. Januar, abends 8 Uhr, in der Aula der Hoehsehule für die Wissenschaft des Judentums im Rahmen der Montags-Vorlesungen des Jahres 1930 zum Besten des Stipendienfonds der Anstalt über: „Der Prozess des Hauptmanns Dreyfus“. Eintrittskarten für 2 Mark zu haben in dem Sekretariat der Hochschule, Artilleriestrasse 14.

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