Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 52 (27.12.1929)
- Date
- 1929-12-27
- Page
- Seite 700 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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700 Schriften über Zionismus un- Kolonisation. Zehn Jahre Balfour-Deklaration. 1917—1927. Eine Sa mm elf chr i ft. Herausgegeben vom zionistischen Landeskomitee für Oesterreich, Wien 1927. — Dr. N. M. Gelber: Vorgeschichte des Zionismus. I u d e n sta a t s p r o je kt e '1696—1845. Phaidon-Vevlag, Wien 1927. — Dr. A. Granowsky : Bo de nbesteueru n g in Pal ä stin a. Jüdischer ' Verlag, Berlin 1928. — Dr. A. Granowsky: Boden und Siedlung i n P a l ä st i n a. Jüdischer Verlag, Berlin. 1929. — Theodor Herz l. Ein Gedenkbuch zum 2 5. Todestage. Herausgegeben von der Exekutive der Zionistischen Organisation. Jüdischer Verlag, Berlin 1929. — Agronom Hermann Hirsch: Gedanken zur zionistischen Kolonisation auf unbewässertem Boden. Verlag Kedem, Berlin-Charlottenburg 1928. In dem Büchlein „Zehn Jahre B also u r - Deklaration", das die österreichischen Zionisten im November 1927 erscheinen ließen, ist die Arbeit Dr. N. M. G e l b e r s über die Vorgeschichte der Balfour-Deklaration wichtig. Bei der Bewertung, ist zu berücksichtigen, daß Gelber Zionist ist. Der Aussatz enthält aber eine Menge brauchbaren Materials und gibt lehrreichste Aufschlüsse über die unausgesetzten Bemühungen der Zionistischen Führer, die alsbald nach Kriegsbeginn einsetzten, in allen maßgeblichen kriegführenden Ländern, für das nationale Judentum in Palästina etwas Greisbares Zu erreichen. Schon im Herbst 1914 setzten Weizmanns Vorarbeiten in England ein, dessen Interesse Zu erwecken für besonders ratsam und erfolgversprechend erachtet wurde. Ein Erfolg war errungen, nachdem es gelang, den kenntnisreichen, mächtigen englischen Orientdiplomaten Sir Mark Sykes für die nationaljüdische Sache Zu gewinnen?) Das Hin und Her der komplizierten Vorverhandlungen, die mit Unterstützung Sykes, Baron Edmund Rothschilds, des Präsidenten Wilson von Lord Rothschild schließlich Valfour überreichte Formel, die Palästina als nationale Heimstätte, — also nicht wie die Balfour-Erklärung dann lautete, i n Palästina eine nationale Heimstätte — forderte, die Gegenzüge einflußreicher, nichtZionistischer jüdischer Engländer und manches interessante andere, nicht Zuletzt die weiter führenden Anmerkungen Gelbers, werden am besten im Texte nachgelesen. Dieser Arbeit folgt ein kurzes Nachwort des verstorbenen Wiener Oberrabbiners Professor C h a j e s', der noch 1927 das Folgende niederschreibt: „Aber der Satz Schaffung einer nationalen Heimstätte in Palästina für das jüdische Volk* läßt keine verschiedenartige Auslegung Zu, sondern bedeutet Zweifellos: Schaffung des jüdischen Staatswesens." Wer nicht mit Wunschaugen die Balfour-Erklärung 1917 gelesen bat, mußte schon damals hinter des gewiß ehrlichen Chajes „Zweifellos" ein scharfes Fragezeichen machen. Heute müssen wir statt „zweifellos" „keinesfalls" schreiben. Für uns jüdische Deutsche ist an dem kurzen Aufsatz des bekannten Dr. Eduard V e n e s ch, Außenministers der tschechoslowakischen Republik, beachtlich, daß für ihn — in der Tschechoslowakei sind die Juden als nationale Minderheit anerkannt — die Juden ein politisches Volk sind, das er in seinem Lande zu fördern sich rühmt. Ihnen sei sogar von Regierungs wegen die 'hebräische Schule gewährt. Die Ergänzung dazu ein Aufsatz des Zionisten Dr. David R o t h b l u m. Die schärfste Absage, das heftigste Bestreiten jeder wahrhaft kulturellen Einbürgerung der Juden in ihren *) Zu diesen Ausführungen: Alfred Wiener: „Juden und Araber in Palästina. Zur Erkenntnis der jüngsten Vorgänge" in „Der Morgen", herausgegeben von Professor Julius Goldstein. Iahrg. V, Heft 5. Auch als Broschüre im Philo-Berlag (Berlin SW 68) erschienen. Wohnländern. Ein Aufsatz von einer gefährlichen chauvinistischen Grundeinstellung. * Für seine „Vorgeschichte des Zion i s m u s" für das Material, das in ihr, in den Anhängen und den ausgebreiteten Anmerkungen steckt, sind wir dem schon genannten Zionistischen Geschichtsforscher Dr. Gelber zu Dank verpflichtet. Es ist hier nicht genug Platz, um den überall fesselnden Inhalt des Zionistischen Geschichtswerks wiederzugeben. Uns deutsche Juden gehen besonders die Bestrebungen an, die unter dem Eindruck der schrecklichen Damaskus- Affäre 1840 in England, aber auch in Deutschland einsetzten, um dem „Wiederaufbau eines selbständigen jüdischen Reiches" den Weg zu bahnen. Aber weder die englische noch die deutsche Judenheit hatte für diese Pläne, die eine in Berlin 1840 erschienene Broschüre „Neujudäa" eindringlich vertrat, genügend übrig, um sie nennenswert Zu fördern. Noch heute lohnt es sich, die ablehnende Haltung Ludwig P h i l i p p s o n s , des Historikers der I. M. I o st und anderer führender Juden zu dieser Bewegung von einst nachzulefen. * Dr. A. Granow s k y s Feder, eines wirtschaftlichen Sachverständigen der Exekutive, entstammen Zwei Schriften, eine über „Bodenbesteuerung in Palästina", die andere über „Boden und Siedlung", die für eingehende Studien von Wert sind. * Ein in Druck, Ausstattung und Inhalt vorbildliches Gedenkbuch ist am - 25. Todestag H e r Z l s von der Exekutive der Zionistischen Organisation gewidmet. Wir wissen uns gewiß frei von Zionismus und Nationaljudentum. Gerade solche unbefangene und festgegründete Grundeinstellung läßt uns Aufsätze wie Martin B u b e r s „Er und Wir" und Achad H a a m s „Nach dem Tode Theodor Herzls" um so köstlicher nach ihrem gefühls- und geistreichen Inhalt, in ihrer feingeschliffenen Form, genießen. * Die Schrift von Hermann Hirsch „Gedanken zur zionistischen Kolonisation aus unbewüsserten Böden" sollte den Laien nicht abschrecken. Große Teile der Ausführungen haben Anrecht auf allgemeines Interesse. Letzlich kann in den Spezialfragen allerdings nur der Fachmann entscheiden. Wir geben hier einige Stellen wieder: „Fassen wir die bisher gefundenen Ergebnisse noch einmal zusammen. Die palästinensische Landwirtschaft befindet sich heute noch mitten in einem Versuchsstadium und hat die für sie geeigneten endgültigen Methoden und Kulturen bis jetzt nicht gefunden. Die schlechten Verhältnisse werden dadurch verursacht, daß sowohl geringe Bodenmengen, wie Investitionen, besonders der neu angesiedelten Kolonisten zum Anbau intensiver Kulturen hindrängen, während dies der innere Markt Palästinas noch nicht erlaubt, und Auslandsmärkte bisher nicht erschlossen wurden. Es muß damit gerechnet werden, daß dieser Zustand noch einige Jahre anhalten wird, ehe eine allmähliche Aenderung Antritt." lieber die Kwuzah, die Siedlung auf kommunistischer Grundlage, sagt Hirsch: „Es erhebt sich da die Frage, ob 26 bis 250 Leute, je nach Größe der Kwuzah, die meistens nur einen Bruchteil der dazu nötigen Materie beherrschen, imstande sind, mit demokratischen Methoden einen betriebswirtschaftlich einwandfreien Wirtschaftsplan aufzustellen und seine reibungslose Durchführung zu ermöglichen. Wir meinen, auch die bedingungslosesten Anhänger der Kwuzah sollten sich in diesem Falle nicht selbst belügen und die harte Wirklichkeit schlucken, daß demokratische Betriebsführung in großen Wirtschaften, besonders bei den augenblicklich schwierigen Verhältnissen in Palästina, unmöglich und die Ursache ihres Defizits ist. Das wäre so, als wenn man eine große Fabrik ohne Generaldirektor nur mit den Abteilungsleitern und der Generalversammlung leiten wollte." * Zum Schluß des Kapitels bejaht Hirsch zwar die Kwuzah als Siedlungsform, aber wie „er sie aufsaßt": „Tie Kwuzah ist also für die Entwicklung der palästinensischen Landwirtschaft als eine Siedlungsform ebenso nützlich und nötig wie jede andere. Nur müßte in ihr, um die gegebenen wirtschaftlichen Möglichkeiten voll ausnützen zu können, die Wirtschaft vom Gemeinschaftsleben streng getrennt werden. Auch muß die demokratische Wirtschaftsführung aushören und die Leitung einem fähigen Fachmann übergeben werden, der einer übergeordneten Behörde verantwortlich sein könnte." Die Siedlungssorm Moschaw Owdim, Einzelsiedlung mit Eigenbearbeitung, nötigenfalls unter Heranziehung von Verwandten, aber nie mit bezahlten Arbeitern, eine Form, die viele Freunde in Palästina hat, lehnt Hirsch energisch ab. Er verlangt ihre Beseitigung. Dr. Alfred Wiener. Kri|1s der Religion. „Tüööeuische Monatshefte", Heft 0, 25. Jahrgang, Mü chen. Einer prinzipiellen Frage wegen sei das Hesi hier erwähnt. Unter einer Fülle von sachkundigen und interessanten Artikeln über die religiöse Krisis im christlichen Hager findet sich auch ein Aufsatz über „Die Krisis der Religion im Judentum" von Felix W e l t s ch, Prag, lieber alle anderen Themen schreiben Fachmänner, über die jüdische Religion ein Nichttheologe, der gewiß eine hervorragende wissenschastliche und philosophische Bildung besitzt, der aber doch von Berus Journalist und nicht Theologe ist, der noch dazu als eifriger politischer Zionist eine vorgefaßte Meinung hat. Es ist bedauerlich, daß die Redaktion der „Süddeutschen Monatshefte" das Judentum so behandelt hat. Sie hätte sich an anerkannte Vertreter des orthodoxen Judentums, wie Munk und Wohlgemuth, an religiöse liberale Führer, wie Seligmann, Baeck oder Dienemann, und schließlich an nationaljüdische Kenner der religiösen Probleme, wie Buber, wenden können. Statt dessen veröffentlicht sie ein an sich fesselndes Feuilleton, das aber wahre Sachkenntnis durch geistreiche Bemerkungen zu ersetzen versucht und das — in dem sonst vornehm und sachlich bleibenden Hefte ein häßlicher und bedauerlicher Mißgriff — den religiösen Liberalismus, den Felix Weltsch eben in der zionistischen Tagespresse allwöchentlich bekämpft, in recht unsachlicher Weise angreift. Es ist hier nicht der Ort, die Unrichtigkeiten und die tendenziösen Schiefheiten des Artikels im einzelnen zu charakterisieren. Erwähnt sei aber doch, daß Weltsch das religiöse Erlebnis, einen dem historischen Judentum durchaus fremden Begriff, ein aus der zeitgenössischen Mystik in das Judentum eingedrungenes Assimilationsprodukt, gleichwertig neben die Offenbarung (!) und das Ge- Demraikk MW HflNflU mumm KCELN