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Central-Verein-Zeitung · 1929-12-27 · 52 (27.12.1929) · p. Seite 698

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
52 (27.12.1929)
Date
1929-12-27
Page
Seite 698 (sequence 6)
Language
German
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m kür die Gesundheit! FacMnger "Versandstelle, Berlin SW 11, ßchöneberger Strasse 16a. Telefon: Lützow 8260/61. pflegt Heiner Grab. Die Vornehmste Ehrung. Wir berichteten in Nr. 42 der „C. B.-Ztg." über die Gründung eines Ehrenausschusses von hervorragenden Schriftstellern zur Schaffung eines Heine-Denkmals in Düsseldorf. Nun fjjat; sich dort im Hause der deutschen Eisenhüttenleute der offizielle O r t s - a u s s ch u ß für die Errichtung des Denkmals konstituiert. Persönlichkeiten aus allen politischen Lagern haben sich zur Mitarbeit zur Verfügung gestellt. Unter dem Vorsitz des deutschnationalen Oberbürgermeisters Lehr haben sich Männer der Rechten und des Zentrums, Mitglieder der Großindustrie und der Finanz mit Führern des geistigen Lebens am Niederrhein zusammengefunden in dem Gedanken, dem der Oberbürgermeister bei der Erösfnungsvevs-ainmlung Ausdruck gab: „Ein Volk ehrt sich selbst, wenn es seiner großen Toten gedenkt." Der praktischen Arbeit steht nun nichts mehr im Wege; ein engerer Arbeitsausschuß wurde gebildet, dem neben dem Oberbürgermeister u. a. Herbert E u l e n b e r g, Karl K o e t s ch a u, Friedrich Castelle, Heinz Stolz und Professor Herold angehören. Der. Ausschuß will einen Aufruf mit einer Würdigung Heines aus der Feder Heinrich Manns in alle Welt versenden, um die Mittel für die geplante Ehrung zu sammeln. Ueber die Form dieser Ehrung selbst aber ist bereits ein lebhafter Streit entbrannt. Viele Heine-Verehrer, an der Spitze der beberühmte amerikanische Schriftsteller Upton Sinclair, wollen kein Denkmal, sondern ein Heine-Haus oder -Musenm errichtet sehen; wieder andere plädieren für einen Heine- Fdnds, der begabten jungen Menschen den Aufstieg ermöglichen soll. Diese Verwendungsarten erinnern an Richard Dehmels Verse, der ein Denkmal für Heine fordert: Dort auf dem Platze vor der Kathedrale Möcht ich das Denkmal ausgerichtet seh'n. Mitten im Kranze der Linden. Da soll er fitzen-, wie er innerst war. Der kranke Jude und der große Künstler, Der unsere Muttersprache mächtiger sprach Als alle deutschen Müllers oder Schulzens. Schon diese Verse sind jedenfalls ein ehrenvolleres Denkmal als das des deutsch-völkischen Literaturhistorikers Adolf Bartels, der bekanntlich seine Schmähschrift auf Heine „Auch ein Heine-Menkmal" genannt hat. Uns scheint die Aussprache über ' die Form des Erinnerungsmales ein wenig verfrüht. Ueber sie wird erst zu reden sein, wenn man weiß, über wieviel Gelder man verfügen kann. Es sei aber gestattet, den Düsseldorfer Ausschuß auf eine andere Aufgabe hinzuweisen, über deren dringende Notwendigkeit uns unser Mitglied Walter G o l d b e r g in Plauen schreibt: „Der Artikel gibt mir Veranlassung, Sie daraus hinzuweisen, daß das Grab des Dichters auf dem Montmartre-Friedhof in Paris sich in einem wenig erbaulichen Zustand befindet. Ich war vor einigen Monaten am Grabe, nachdem ich es das letzte Mal am 30. Juli 1914 besucht hatte, und fand, daß es so stark verwittert ist, daß man die Büste auf dem Sockel kaum erkennen konnte. Dieser Besuch dürste Zur Zeit gewesen sein, als der Düsseldorfer Sängerbund in Paris war und es ist leicht möglich, daß schon von dieser Seite aus auf den Mitzstand hingewiefen wurde. Die „Freisinnige Stadt Men", die laut dem Sockelspruch das Denkmal spendete, wird Wohl heutzutage für eine Renovation des Grabdenkmals kaum zu haben sein. Aber ich glaube, daß es dem Ansehen des Dichters noch mehr als ein neues Denkmal in Deutschland entsprechen würde, wenn man in erster Linie seine vielbesuchte Ruhestätte in gutem Zustand hält. Bei der Sammlung, die für das Denkmal in Düsseldorf eingeleitet ist, wird sich vielleicht so viel erübrigen lassen, um diesen Akt selbstverständlicher Pietät auszuführen." Wir geben diese beachtenswerte Anregung um so lieber wieder, als schon wiederholt über den unwürdigen Zustand des Grabes Beschwerde geführt wurde. Ursprünglich schmückte das Grab nur ein armseliger Stein mit der Inschrift „Henri Heine", den des Dichters wenig bemittelte Witwe Mathilde Heine errichten ließ. Weiter ging jedoch ihre Pietät nicht, vielleicht war sie auch nicht in der Lage, das Grab angemessen zu pflegen; schon zu ihren Lebzeiten war die Inschrift bis zur Unkenntlichkeit verwittert. Nach ihrem Tode taten sich dann Freunde des Dichters aus Deutschland und Oesterreich, unter der Führung der „Freisinnigen Stadt Wien" zusammen und ließen das jetzige stimmungsvolle Denkmal durch den Bildhauer Hasselriß errichten. Hier sollte die Arbeit des Düsseldorfer Ausschusses beginnen. bg. Zehn Jahre habima. Festaufführung im Lessirrg-Theater* — Eine unangebrachte Festrede. — Kunst oder Politik. Als vor etwas mehr als drei Jahren die Habima in Mannheim zum erstenmal vor einer deutschen Hörerschaft ihre Kunst zelebrierte, da wurde dieser Truppe zugejubelt, weil sie uns ein unerhörtes Theatererlebnis vermittelte. In einer Zeit, in der das deutsche Theater am Starwesen zugr-unde zu gehen droht, zeigten sie ein Ensemble, dessen Geschlossenheit in Ausdruck und Wirkung erstaunlich war. Der Stoff, aus dem sie ihr Spiel formten — es war auch damals der „Dybuk" —, war Nebensache, denn die Kunst ihrer Gesten, der Wohllaut ihrer Sprache, die Zucht ihres Handelns genügten, um das Herz der Hörer zu erobern. So war es auch jetzt, da drei Jahre später die Habima in Berlin in das elfte Jahr ihres Wirkens trat. 200 Proben hat der verstorbene Regisseur Wachtangow aus die Gestaltung des „Dybuk" verwandt und bei dieser tausendsten oder zweitausendsten Ausführung war sein Geist gegenwärtig und die Huldigung, die den Abend beschloß, galt auch ihm. Um so unangenehmer war man berührt, als die feierliche Stimmung zu Beginn des dritten Aktes durch eine höchst entbehrliche, wenn vielleicht auch gut gemeinte Ansprache, gestört wurde, deren Inhalt einen Teil der Anwesenden — die jüdische Presse einzuladen hatte man scheinbar vergessen — zu größtem Widerspruch reizen mußte. Wenn dieser nicht laut wurde, so deshalb, weil seine Träger Takt genug besaßen, die Stimmung durch Proteste nicht zu dämpfen. Wir mußten hören, daß die Habima der Ausdruck jüdischer Zukunftshoffnung sei, daß sie in einer Zeit, in der das Judentum nach dem eigentlichen Kern seines Wesens suche, allein durch ihr Spiel dieses Imaginäre verkörpere, daß sie dazu berufen sei, dem Zionismus geistigen Auftrieb zu geben, ja, man konnte sogar heraushören, daß die Habima eine Angelegenheit des Zionismus selbst wäre. Absurder Gedanke. Eine Truppe, die durch ihre übernationale Kunst internationale Wirkung und frenetischen Jubel erzielt, für einen kleinen Kreis von Menschen beanspruchen zu wollen, sie zu politisieren. Wir möchten annehmen, daß die Mitglieder der Habima genau so erstaunt waren tote wir, als sie das nach zehnjähriger .Tätigkeit hören mußten. Gewiß, gerade die Kunst muß ihre Kräfte aus einer Tradition, aus geistiger und landschaftlicher Gebundenheit ziehen, aber das Wesen großer Kunst ist es eben, darüber hinauszuwachsen und O allgültig zu werden. Die Welt huldigt nicht dem deutschen Genius eines Goethe oder Beethoven, sondern dem Genius schlechthin. Es sollte uns leid tun, wenn die Habima das zweite Jahrzehnt ihres Wirkens dazu benutzen wollte, sich auf eine Basis zurückzuziehen, deren geringe Ausdehnung ihrer künstlerischen Wirkung Abbruch tun müßte. Die Habima schöpft ihre Kraft aus dem lebendigen Judentum des Ostens, aus dem Quell jüdischer Religiosität, gerade aus dem, was die übernationale Bedeutung des Judentums ausmacht. Sie würde sich ihres besten Inhalts begeben und freiwillig auf ihre umfassende Wirkung verzichten, wenn sie den verschwommenen Gedankengängen jenes unbekannten Festredners folgte. b>o ist unser Wunsch an diesem Tage der, daß die Habima fortfahren möge in ihrem k ü n st l e r i - s.ch e n Schaffen, daß sie nicht erstarre in der Tat des einmaligen Phänomens Wachtangow, und daß sie nicht ausarte zu einer politischen Kampftruppe; daß sie vielmehr jüdische Tradition lebendig bewahre, durch ihre Kunst der Welt vermittle und dadurch zeuge für ein Judentum, das lebendig ist durch die Jahrtausende und in der Welt. Hans Oppenheimer. Thomas Mann lieft zugunsten der Jüdischen Mershilse. _ Im gastlichen Hause von Hugo und Gertrud bimon (Berlin) las Thomas Mann nach seiner Heimkehr von Stockholm zugunsten der Jüdischen Altershilfe aus seinem neuesten Werk „Joses und seine Brüder". Der Dichter brachte das Kapitel über Jakobs Flucht aus dem Elternhause, seinen Traum an der Stätte Beth El und schließlich die Schilderung seines Zusammentreffens mit Esau nach 25 Jahren zu Gehör. Der Vortrag der mit viel Humor und starker Satire durchsetzten Dichtung fesselte die Hörerschaft außerordentlich. Ueber die dichterische Auftastung der biblischen Gestalten wird eingehender zu sprechen sein, wenn das Werk gedruckt vorliegt. Nach der Borlesung blieb man noch eine Stunde in anregender Geselligkeit beisammen. Den Gastgebern wie dem Dichter gebührt herz- Udjet Dank für den festlichen Nachmittag. M. E. Iustizrat yugo Straßmann 70 Fahre alt! Unser altbewährter Freund und Mitglied des Hauptvorstandes, Juftizrat Dr. Hugo Straßmann, Berlin, begeht am 31. Dezember seinen 70. Geburtstag. Wir beglückwünschen ihn als einen Mann, der für unsere Aufgaben seit Jahrzehnten das größte Interesse gezeigt und im Dienste der Versöhnung und Verständigung, im Dienste des Wohltuns und im Dienste der Menschlichkeit außerordentlich gewirkt hat. Ein gesegnetes Alter möge unserem Freunde Straßmann beschieden sein! _ Mit Stinkbomben gegen die Kunst. Wie wir erfahren, wurde die Aufführung von L i s s a u e r s Schauspiel „Das Weib des Iephta" im Schweriner Staatstheater am 4. Dezember während des Zweiten Aktes durch Stinkbomben gestört. Die Vorstellung konnte ohne Unterbrechung fortgeführt werden. Als Täter wurden ein nationalsozialistischer Zeitungshändler und seine Frau sestgestellt. Die Störungsversuche sind wohl ans die Hetze des nationalsozialistischen „Niederdeutschen Beobachters" in Ludwigslust zurnckzusühren, der in seiner Ausgabe vom 29. November, unter der Ueberschrift: „Judenehrung im Staatstheater" gegen Lissauers Stück Stellung genommen hatte. Die Premiere am 26. November war ein großer Erfolg und die ersten Ausführungen verliefen ohne jede Störung. B. Jacob (Dortmund): Auge um Auge. Eine Untersuchung zum Alten und Neuen Testament, erschien soeben ira Philo-Verlag, Berlin SW 68, Lindenstr. 13

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