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Central-Verein-Zeitung · 1929-12-20 · 51 (20.12.1929) · p. Seite 687

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
51 (20.12.1929)
Date
1929-12-20
Page
Seite 687 (sequence 11)
Language
German
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687 Josef Delmont: „Luden in Ketten." (Verlag Friedr. Wilh. Grunow, Leipzig.) Von Theodor Kappstein. Russische Juden werden in politisch verhetzter -;eit, eigentlich ohne Verschuldung, nach Sibirien in ein Ouecksilberbergwerk verschleppt; nach Jahren gelingt es Haschele, mit seinem an ihn geschmiedeten Sträslingsbruder zu entsliehen. Nach unendlichen Strapazen fonnnt er nach Hause; sein treues Weib haben die Soldaten mit Gewalt geschändet, und das Kind aus dieser Notzucht ist der Mutter bei Verwandtschaft und Rabbi die Quelle bitterer Verfolgung geworden, der sie standhielt. Der von den Toten wiederkehrende Haschele sagt der Synagoge den Gehorsam auf und zieht mit Weib und Kindern von dannen . . . Diese aufregende Geschichte ist schon als Vorwurf nicht ohne Reiz. Doch dieser Roman Delinonts wühlt uns Blut und Gewissen um. Welche sprungbereite Phantasie entwickelt der verwegene Abenteurer Delmont, der Globetrotter durch drei Jahrzehnte, der um den Erdball wandert, selber ein Weltbummler wie sein Vagabund Nerösus, den er atemberaubenddurch die Länder hetzt als Landstreicher, Tagelöhner, Fremdenlegionür, Seemctmt, Goldgräber, bis er sich zum Reichtum ausschwingt! Oder er schaut „die Stadt unter dem Meere", mit seinen U-Bootshelden, in Utopien, die in Wahrheit nur Ideen vorwegnehmen, die die Zeiten Zug um Zug verwirklicht haben und noch verwirklichen. Die „Juden in Ketten" setzen mit anfänglich breiter Kleinkunst des jüdischen Kleinstadttreibens ein. Haschele Kalisch, ein törichter Student der Philologie, läßt sich in die revolutionären Klubs der Universitätsstadt Anfuhren, so kommt sein Name in die schwarzen Listen der spionierenden Ochrana. Und er wie seine tapfere liebe Gittel stürzen in abgrundtiefes llnglück. Diese Parallelhandlung beherrscht das fürchterliche Buch jüdischer Leiden. Der Queckfilbersträfling bereitet mit seinem Kettengenossen die fast aussichtslose Flucht aus ihrer Hölle vor. Das Kapitel 37, das sie erzählt, auch Kapitel 38, könnte Dostojewski geschrieben haben; man zuckt noch in der Erinnerung in jedem Nerv. Ter Erzähler hat mit tiefschürfender Einzelkenntnis gearbeitet! Auch wenn man die Schilderung, wie der Wvlf die Leiche des noch an Haschele gefesseltem Kameraden neben ihm als Fraß loshackt, während ein halbes Bein an der Stahlkette hängen bleibt und von Tag zu Tag verwest, bis der halb wahnsinnige Haschele den fürchterlichen Leichenrest mit einer Eisenstange in der rettenden Schneehütte lvsschlägt, als Ausgeburt der Phantasie ablehnt. Ter Ringkampf mit den Wölfen in dem Blockhaus mag hingehen, ein wildes Jagdstück! Die rührendste Szene ist das Sterben des Kettengesährten: Gregor ist Katholik; er bittet den jüdischen Menschenbruder, mit ihm zu beten, und als er mit letzter Anstrengung das christliche Vaterunser lallt, da spricht es ihm Haschele erbarmend mit und nach, ihm das Sterben zu erleichtern — in jener elementaren Seelenstimmung, die auch die Religionssvrrnen überwindet, als - Kinder des einen Vaterhauses. Und wer lächelt nicht in Tränen, als der von allen Schrecken Geschleuderte in der Hütte zum ersten Schluck warmen Tees, den er sich so entsetzlich mühsam gekocht hat, auch ein paar Krümel Pfeifentabak entdeckt: Schwäche übermannt ihn, als er die Herrlichkeit vor sich ausgebreitet sah. Da er kein Stückchen Papier fand, suchte er Zwischen dem Laub einige große Blätter. Er feuchtete eines davon an, legte nun den Tabak, den er in der Handfläche klein rieb, hinein und drehte sich eine Zigarette. Da das Blatt nicht zukleben wollte, mutzte er nach Anzünden mit beiden Händen die sozusagen „Zigarette" halten und passte mit einem Wohlbehagen, wie der Schlemmer bei einer Upmann im Klubsessel seines Herrenheims es niemals genossen hat . . . . Delmonts Wirklichkeitsspiel ist wie Wetterleuchten des Gerichtes: Raum für alle hat die Erde . . . Nur eine „Geste"... Jakob Wassermann über die Ostjuden. Gegen Jakob Wassermann wurden häufig Vorwürfe wegen einer früher einmal gemachten abfälliger: Bemerkung über die Ostjuden erhoben. So hat auch C h a j i m B loch, der hervorragende Kenner des Chassidismus, im Vorwort Zu seinem Werk „Priester der Liebe" (Die Welt der Chassidim) Wassermanns früheren Ausspruch eindringlich zu widerlegen versucht. Daraufhin hat Jakob W affe r m a n n , wie die „Jüdische Preß-Zentrale", Zürich, berichtet, kürzlich ein Schreiben an Chajrm Bloch gerichtet, in dein er von seinen früheren Bemerkungen deutlich abrückt. Er schreibt unter anderem: „Ihre Bemerkung wegen der Ostjnden trifft in keiner Weise meine wirkliche Haltung und Stellung. Vor Jahr und Tag ließ ich mich einmal 31t einer ungeduldigen Abwehrgeste hinreißen, die, von einigen. jüdisch-nationalistischen Hetzblättern aufgegriffen, Veranlassung zu allerlei Lärm und Verleumdung gab. Wer sollte besser wissen als ich, wieviel Geist, Tiefe und Märthrerkraft gerade in diesem Teil des Volkes steckt!" EMI ILE RAUCHER eZd IST IMMER BEGEHRT Wurftfabrik A. MWeimer ^eftheimrs; Pfd. Frankfurter \ I Würstchen J I*4u Berlin W50 Neue Aus buch er Straße 16 ls Servelat und <r <ia Sarami.Pfd. Krakauer.Pfd. 2,- Speziatttiit: Gänsepolnische feine Leberwurst. Versand gegen Nachnahme. 222 Reu erössmi! IE SremdenMsi»» nefcif MittM und Abendttsch Berlin M4, SW«WW SlklA U Telephon: Berolina 3669. Ausrichtung von Hochzeiten und Festlichkeiten in und außer dem Hause. — Gut ausgestattete Fremdenzimmer von JUl 4,— an. Ia Mastgänse.Pfund M. 1,4V La Stopfgänse.. 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