Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- Seite 684 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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m Dichter benutzt, der Wucherer nicht ein Jude, sondern ein Christ. — Bemerkenswert ist anderseits, daß gerade Shakespeare der Idee der Talion nicht die übliche falsche Fassung „Aug um Auge" gegeben hat, sondern eine andere, deren Quelle der Talmud ist: „Maß für Maß": ,,An Angelo for Claudio, death for death" Haste still pays haste*, and leisure answers leisure; Like doth quit like, and measure still for measure. Das ist wörtlich gleich: „Nidda k’neged Nidda." Wen und Araber in Palästina. Eine neue Arbeit von Dr. Alfred Wiener. Soeben erscheint im Philo-Berlag (Berlin SW 68, Lindenstraße 13) als Broschüre (Preis 1,30 Mark) und gleichzeitig in der Zeitschrift „Der Morgen" eine neue Arbeit Alfred Wieners über Palästina unter dem Titel „Juden und Araber in Palästina. Zur Erkenntnis der jüngsten Vorgänge". Die Arbeit gibt ruhig und sachlich eine Fülle von Material zum Verständnis der letzten Ereignisse. Sie behandelt zuerst die Klagemauer, und zwar „Die Bedeutung Jerusalems und des Tempelplatzes im Islam", untersucht den „Jüdischen Besitztitel", schildert „Die Fanatiker auf beiden Seiten". Der Haupteil der Arbeit stellt die Beziehungen zwischen Juden und Arabern dar. Wir heben daraus hervor: „Die Stellung zu den Arabern von Herzt bis Weizmann", „Die Revisionisten", „Die wesentlichen Schwierigkeiten der Verständigung", „Die arabische Propaganda", „Die Wirkungen aus die mohammedanische Welt", „Von der Bedeutung neuarabischen Geistes". Als Probe der Art, wie der Verfasser die Arbeit durchführt, geben wir im folgenden das Kapitel „Von MacMahon bis Baisour" wieder: Von MacMahon bis B a l f o u r. Wen die Gefühle der Araber gegenüber der europäischen, insbesondere der englischen Politik gerecht würdigen will, darf nicht vergessen, welche schweren Enttäuschungen ihnen in der Frage nationaler Regierung bereitet worden sind. Darüber ist schon vieles geschrieben worden, so daß es sich hier nur um einen kurzen Ueberblick handeln kann*). Im Sommer 1915 verhandelte der englische Oberkommissar in Aegypten, Sir MacMahon, mit dem Scherifen von MeKa, Hussein, über einen Anschlüßen England, gerichtet gegen die Türkei, der Hussein bisher unterstand. Der Briefwechsel zwischen beiden ist nur teilweise bekannt. Wir besitzen aber die Kenntnis der Bedingungen, unter denen Hussein sich England anschloß^). Danach verpflichtet sich England „zur Bildung eines arabischen Reiches, das unabhängig sein soll in jeglichem Sinn des Wortes, Unabhängigkeit in seinen inneren und äußeren Verhältnissen. Die Grenzen dieses Reiches sollen sein im Osten vom Meer des Persischen Golfes an, im Westen das Rote Meer, die ägyptische Grenze und das Mittelmeer, im Norden die Nordgrenze des Wilajets von Aleppo und von Mossul bis zum Euphrat, woraus die Grenze längs des Tigris bis zu seiner Einmündung in das Persische Meer geht, mit I Neueste, übersichtliche, gut durchgesührte Darstellung von Erich Topf: „Die Staatenbildungen in den arabischen Teilen der Türkei feit dem Weltkriege nach Entstehung, Bedeutung und Lebensfähigkeit." Hamburg 1929. S. 12 ff., S. 55 sf. Viele Anmerkungen weisen ^einschlägige Literatur nach. — Mehr, als der Titel verspricht, enthält die ebenfalls vor kurzem erschienene lesenswerte Arbeit Georg Schwarzenbergers: „Das Völkerbundsmandat für Palästina." Stuttgart 1929. Mit reichen Literaturangaben. Hierfür S. 19 ff. — Interessantes Material in „Congres Sy.rio- Palestinien, Appel adresse ä la 2me assemblee generale de la societe des nations". Geneve 1921. — Den arabischen Standpunkt umreißt scharf die soeben vom Jassaer „Falastin" herausgegebene Broschüre: „The Balfour Declaration." An analysis. Jaffa 1929. 34 + 2 Seiten. 2) „Die Welt des Islams." Herausgegeben von G. Kampffmever. Bd. VIII, S. 104. Ausschluß der Kolonie Aden, denn diese bleibt außerhalb dieser Grenzen". Die Engländer wollten aber später dieses Abkommen nicht so aufgesaßt wissen, wie der Scherif von Mekka es tat. Die Unabhängigkeit der Araber der Halbinsel haben sie zwar anerkannt, aber sie bestreiten, damit die Einsetzung arabischer Selbstverwaltung für Syrien, Palästina und Mesopotamien zugesagt zu haben. Von nationalarabischer Seite wurde besonders aus einen Brief MaeMahons (vom 25. Oktober 1915) hingewiesen, in dem es hieß, daß das Gebiet „westlich von Damaskus" nicht in> das Abkommen einbezogen sei. Demnach sei Palästina, so folgerte man, nicht vom Recht auf Selbstverwaltung auszuschließen, da es sich (im Gegensatz zur englischen Behauptung) in der Vereinbarung nicht um das Wilajet von Damaskus, zu dem Palästina unter türkischem Regime gehörte, handelte, sondern um das Gebiet westlich von Damaskus, also etwa den Libanonbezirk, dem Palästina nicht zugehöre* 2 * 4 5). Die englische Regierung erkannte aber diese überzeugende Interpretation nicht an. Wie aufrichtig sie handelte, geht daraus hervor, daß sie am 19. Februar 1916 mit Frankreich und Rußland einen Vertrag schloß, der England die Häfen von Haifa und Akko zuspricht. In Palästina soll ein „regime special" nach Verständigung zwischen den drei Mächten nach Kriegsende eingerichtet werden*). Und schon im Mai 1916 kam das erst seit Kriegsende bekannte, Hussein und Rußland aber unbekannte Sykes-Picot-Abkornmen Zwischen England und Frankreich zustande, das im Gegensatz zu den Hussein gemachten Zusagen „sowohl dem Sinn als auch dem Wortlaut nach gegen die arabische Unabhängigkeit verstießt). Für Palästina wurde in diesem Abkommen eine internationale Verwaltung vorgesehen. Damit aber nicht genug — am 2. November 1917 wurde den Zionisten die Balfour-Erklärung kundgetan. England hat also Hussein gegenüber, so verstand er es wenigstens, die Unabhängigkeit Palästinas, den Russen gegenüber dort ein regime special, den Franzosen gegenüber eine internationale Verwaltung und schließlich den Zionisten gegenüber eine nationale Heimstätte zugesichert. Alle Hochachtung vor diesen diplomatischen Schachzügen! „Wir haben eine arabische Revolte gegen die. Türkei begünstigt, indem wir versprachen, ein arabisches Königreich aus den arabischen Provinzen des türkischen Reiches zu schaffen — einschließlich Palästina. Gleichzeitig ermutigten wir die Juden, uns zu Helsen, indem wir ihnen versprachen, daß wir ihnen Palästina zur Besiedlung und Selbstregierung zur Verfügung stellen würden. Und schließlich haben wir zur gleichen Zeit mit Frankreich den Sykes-Picot-Geheimvertrag geschlossen, der die Teilung desselben Territoriums vorsah, das unser Generalgouverneur von Aegypten den Arabern versprechen sollte. Hier ist ein krasser Fall von Doppelzüngigkeit, und wir können uns die Vorwürfe über die Folgen nicht ersparen" — so lautet eine (frühere) Erklärung des gegenwärtigen englischen Ministerpräsidenten Ramsah MacDonaldO). Welcher Grad der Verbitterung muß sich der arabischen Freiheitsfreunde in Palästina und Syrien durch solche Behandlung von England bemächtigt haben! Und in den Zionisten sahen sie nichts als Englands Werkzeug, ein Mißtrauen, das durch die zionistische Politik, sich politisch allein auf England zu stützen und keinerlei planmäßige Verbindung mit der arabischen Bevölkerung zu suchen/gefährlich bestärkt wurde. 0) Churchill - Weißbuch: „Correspondence with the Palestine Arab Delegation and the Zionist Organisation", Cmd. 1700. London 1922. 26. 4) Schwa rzenberger. S. 20. 5) Topf. S. 22. °).Nach Schwarzenberger,' S. 26 (aus Ramsay MacDonald: „Palästina, Altes und Neues", S. 21); dazu dessen Anmerkung 37. TP»