Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 51 (20.12.1929)
- Date
- 1929-12-20
- Page
- Seite 680 (sequence 4)
- Language
- German
- Belongs to
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m Nur in den Ländern mit ausgeprägtem Analphabetentum finde man sonst noch einen Judenhaß in diesem Ausmaß. Wie wenig es diesen Nationalsozialisten auf ernste Politische Arbeit ankomme, gehe daraus hervor, dcrß sich unter ihren Berliner Stadtverordneten ein Student befinde, von dem man nur wünschen könnte, daß er wirklich erst einmal studiere. Selbst der Abgott der Nationalsozialisten, der ,Tuce", habe dem Oberrabbiner von Rom erklärt, daß er den Antisemitismus ablehne. Das war offensichtlich einigen im Saale noch als Horchposten zurückgelassenen Hakenkreuzlern unbekannt. Als Verlach zum Schluß sagte, daß die nationalsozialistische Welle zunächst noch ansteigen, dann aber wie ihre Vorgängerinnen an dem Widerstand des denkenden Volkes scheitern werde, ertönte stürmischer Beifall. Erich L ü t h, Mitglied der . Hamburger Bürgerschaft, berichtete ein Erlebnis aus einer Versammlung in Nordhausen. Dort habe er gegen den Rathenau-Mord gesprochen. Drei anwesende junge Nationalsozialisten, die unter Führung eines ehemaligen Lehrers gekommen waren, hätten geschrien: „Wenn Rathenau heute noch lebte, würden w i r ihn ermorden." Eine Liefere Stufe der Moral könne. man schwerlich erreichen! Ein Paar vereinzelte junge Nationalsozialisten brachten auch gestern noch den Mrrt auf, diese Gemeinheit mit „Sehr richtig!" zu quittieren. In ähnlich niedriger Art beschäftigte man sich mit Stresemann. Daß die meisten der anwesenden Nationalsozialisten sich durch bunte Schülermützen auszeichneten, ist keine Neuerscheinung. Wann endlich werden die Schulbehörden gegen diese Bewegung einschreiten? bl. R. der Seift öes „Aufmarsch". A. H. Die Mitteilungen, die wir in der letzten Nummer unserer Zeitung über die Planmäßige Tätigkeit nationalsozialistischer Schüler- Bünde machten, finden durch Vorgänge ausjüngster Zeit ihre Bestätigung und Ergänzung. Soeben ist in der Lüdersdorfschen Buchhandlung, Berlin-Charlottenburg, erstmalig eine Zeitschrift „Der Aufmarsch", Blätter der deutschen Jugend, unter verantwortlicher Leitung von Joachim Walter (Charlottenburg) erschienen. Sie soll, wie ein programmatischer Aufsatz ausführt, sich vor allem an die reiferen, höheren Schüler wenden und „sie muß die geistige Sturrn- und Trangjugend, insonderheit die Politisch früh erwachte, schm durch die Kühnheit der Stoffwahl und die Energie und Folgerichtigkeit der Stoffbearbeitung geistig in ihren Bann zwingen". Und an anderer Stelle, in einem Aussatz über Goslar, heißt es: „Niemals wird es gelingen, von unserer Gesinnung das k l e i n st e Z u g e st ä n d n i s z u e r p r e s s e n! Niemals!" Die Zeitschrift ist das Parteiamtliche Publikationsorgan des Nationalsozialistiscken Schüterbundes (N. S. S.). Die Neichssührung der NSDAP, teilt mit, daß Adolf Hitler am 17. November die Errichtung einer R e i ch s f ü h - rung des Nationalsozialistischen S ch ü l e r b u n d e s angeordnet habe. Reichsführer ist Dr. Adrian vonRenteln, der unmittelbar der Reichsleitung der Partei untersteht. Alle örtlichen nationalsozialistischen Schülerbünde mäßen sich sogleich mit der Neichssührung des Nationalsozialistischen Schülerbundes in Verbindung setzen. Der Geist, in dem dieser „Feldzug" betrieben wird, kommt am Schlüsse eines Berichtes von Joachim Walter, in dem er über Berliner Vorgänge schreibt, zum Ausdruck: „Kein Terror kann uns niederzwingen. In der Front des erwachenden Deutschlands kämpfen wir als Werdende. Noch kurze Zeit, und die gesamte volksbewußte Schülerschaft Berlins wird unter der roten Hitlerfahne marschieren gegen Kulturreaktion und Volksverseuchung für eine artgemäße Schule, für die Freiheit Deutschlands." Die Politisierung der höheren Schulen ist damit in ein entscheidendes Stadium getreten. Was für die Betrachtung und Beurteilung der Vorgänge an den Hochschulen gesagt wurde und gesagt werden mußte, trifft in verstärkterem Maße aus die Vorgänge innerhalb der höheren Schülerschaft zu. Eine Befriedung Deutschlands, eine Erziehung der künftigen Bürger zum Geiste wahrer Volksgemeinschaft ist unmöglich, wenn in der Zeit stärkster geistiger Aufnahmefähigkeit der Keim der Verhetzung, der Unduldsamkeit, der Ueberheblichkeit gepflanzt wird. Die Verantwortlichen seien erneut aus ihre Verpflichtung gegenüber Deutschlands Zukunft hingewiesen. Die Notgemeinfchaft der deutschen Wissenschaft entzieht Ludwig Schemann das Stipendium. Wenn im Verlag I. F. Lehmann in München ein Buch erscheint, so hat das deutsche Judentum Grund, auszumerken. Wenn dieses Buch gar über Rassenfragen handelt, so mischt sich in die Aufmerksamkeit die Befürchtung, hier sei die gefährliche, völkertrennende und volkzerreißende sogenannte „Rassenwissenschast" um einen Beitrag bereichert.worden. Die Vermutung wird bestätigt/ wenn man Ludwig Schemann, „Hauptepochen und Hauptvölker der Geschichte in ihrer Stellung zur Rasse", den zweiten Band eines Gesamtwerkes über „Die Rasse in den Geisteswissenschaften", zur Hand nimmt. Unter Aufgebot eines großen wissenschaftlichen Apparates werden hier Ergebnisse unter Beweis zu stellen versucht, bei denen durch alle scheinbare Tiefgründigkeit hindurch ein geradezu erschreckender Haßinstinkt gegen alles Jüdische spürbar wird. Welche schwere Schlappe der Anspruch des Verfassers auf vorurteilsfreie Wissenschaftlichkeit durch solche Ausbrüche erleidet, scheint ihm selbst nicht bewußt geworden zu sein. Man dürste annehmen, daß er seinem Nus als Wissenschaftler zuliebe sonst Stellen, wie die folgenden, geopfert hätte: Seite 391: . . . Dies wäre natürlich nicht denkbar gewesen, wenn nicht das allgemeine Gesetz, nach welchem das Judentum vornehmlich aus Fäulnisboden gedeiht, auch aus die Vereinigten Staaten gründlich seine Anwendung gefunden hätte. . . Seite 396: Diese zersetzenden Einflüsse, gipfelnd in den großen Weltmächten Juda und Rom, haben neuerdings ein immer leichteres Spiel bei uns gewonnen. Ihnen ist es nicht allein gelungen, den alten Gegensatz zwischen dem Norden und Süden unseres Vaterlandes neu zu vertiefen, nein, was schlimmer ist, mittels des unseligsten der Werkzeuge, des Marxismus, der ja ganz jüdische Mache ist, ist unser ganzes Volk auseinandergerissen worden. Seite 397: Schleichend chronische und jäh akute Ursachen haben zusammengewirkt, um unser anthropologisches Bild dermaßen zu verändern. Zu ersteren gehört das immer stärkere Ueberhaudnehmen der Rundköpse, die Bastardisierung durch Fremdmischungen —- der deutsche Volkskörper ist heute schon derart jüdisch, in der weiblichen Linie zumal, durchsäuert, daß es in zahllosen Fällen einfach unmöglich ist, zu scheiden ... Zum Herrenvolke von je verdorben, sind wir nun vollends zum Bedienten — zum Helotenvolke herabgesunken ... Diese Proben genügen. Sie beweisen, daß Verlag und Autor einander wert sind. Wie staunt man aber, wenn man in der Vorrede, die Schemann seinem Buch mit aus den Weg gibt, liest, daß die Notgemeinschaft der deutschen Wissenschaft, ihn und damit sein Werk weitgehend unterstützt hat. Der Etat der Notgemeinschaft wird zum weitaus größten Teile aus Reichsmitteln gedeckt. Es ist hier also der sonderbare Fall eingetreten, daß das deutsche Volk seine eigene Schmähung bezahlte, und daß es seinem geifernden Verächter, wie aus der Vorrede im einzelnen hervorgeht, durch die Bewilligung zweier Erholungsreisen in den Stand setzte, mit frisch gestärkten Kräften sein Werk leidenschaftlicher Verhetzung fortzusetzen. Glücklicherweise ist dieser Mißstand schnell beseitigt worden. Die Notgemeinschaft sandte an den „Vorwärts", der den Fall aufgerollt hatte, die folgende Erklärung: „Sobald der Präsident der Notgemeinschast von der an mehreren Stellen des zweiten Bandes des Schemannschen Buches enthaltenen, mit wissenschaftlicher Arbeit unvereinbaren politischen Polemik Kenntnis erhalten hatte, hat er Professor Schemann das Stipendium entzogen durch folgendes Schreiben vom 11. Dezember 1929: „Bei Durchsicht des zweiten Bandes Ihres Werkes „Die Rasse in den Geisteswissenschasten" mußte ich seststellen, daß er neben sehr wertvollen Ergebnissen wissenschaftlicher Forschung Ausführungen politischen Charakters enthält. . . Die Notgemeinschaft kann den von ihr streng festgehaltenen Grundsätzen gemäß Forfchnttgsstipendien nur für rein wissenschaftliche Forschungsarbeit gewähren. Zu meinem lebhaften Bedauern muß ich daher, da Ihre Publikationen diese Grenzen überschreitet, das Ihnen mit meinem Schreiben vom 10. Juli d. I. bewilligte Forschnngsstir^ndinm mit Wirkung vom 31. d. M. einstellen. Ihrem Antrag vom 22. November d. auf Weiterbewilliguug eines Forschungsstipendiums kann hiernach nicht entsprochen werden." ... Wir begrüßen diese Erledigung. Hier handelt es sich nicht um „Kulturdiktatur", wie die „Deutsche Zeitung" mißbilligend schreibt, sondern um eine Maßnahme erfreulichen Gerech tigkeitswillens. Wenn es schon nicht zu vermeiden ist, daß private Mittel in allzu reichem Maße für Zwecke fließen, die statt der Befriedung der Zerklüftung unseres deutschen Volkes dienen, so sollte die Verwendung . öffentlicher Mittel für solche im wahrsten Sinne „destruktive" Tätigkeit ein für allemal unmöglich sein. E. J. Wichtige Entscheidungen zum Kampf gegen den Wirtschaftsboykott. Im Anschluß an den Aussatz „Boykott zur Weihnachtszeit" von Dr. Hans Lazarus in Nr. 60 der „C. V.-Zeitung" vom 13. Dezember 1929 geben wir heute zwei weitere Entscheidungen bekannt, die für den Kamps unserer Mitglieder .gegen völkischen Boykott von Wichtigkeit sind. Das Amtsgericht Regensburg (C 3732/29) hat durch einstweilige Verfügung die Verbreitung der Aufforderung verboten: „Wer beim Juden kauft, ist ein Volksverräter", oder ähnliche Kundgebungen. Das Landgericht Magdeburg (3Q 93/29) hat durch Beschluß vom 12. Dezember 1929 folgende Boykottaufforderung verboten: „Kaust nicht bei Juden! Der Jude ist Euer Verderber!", oder: „Kauft nicht in jüdischen Warenhäusern, bei jüdischen Konzernen, sondern nur bei deutschen Geschäftsleuten, damit der deutsche Mittel- und Arbeiterstand erhalten bleibt!" Auch Kundgebungen ähnlichen Inhalts sind verboten.