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Central-Verein-Zeitung · 1929-10-25 · 43 (25.10.1929) · p. Seite 576

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
43 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
Seite 576 (sequence 4)
Language
German
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576 Wem ftto MerlM lirb ist... Der Koburger nattonalsozialiittfche Stadtrat im Spiegel Lee deutschnationalen Presse. Wir haben in Nr. 40 der „C. V.-ZeiLung" vom 4. Oktober ein Inserat aus der Koburger Presse wiedergegeben, in dem die Bezirksgruppe Koburg die „Katastrophenpolitik" der Nationalsozialisten im Koburger Stadtrat ausdeckt und von der nationalsozialistischen Partei abrückt. Jetzt veröfsentlicht „Der Kompaß", die Koburger Landeszeitung für vaterländische und deutschnationale Belange, einen Aufsatz „Die Nationalsozialisten und ihre Versprechungen", in dem sie die Kommunalarbeit der Nationalsozialisten in Koburg schildert. In einem zweiten Aufsatz „Die Katastrophenpolitik der Nationalsozialisten" setzt „Der Kompaß" seine Kritik an der nationalsozialistischen Arbeit fort. Zur Lehre für alle, die demnächst ihre Stimme zu den Kommunalwahlen abzugeben haben, geben wir nachstehend Auszüge aus diesen Aufsätzen wieder. Jede Hinzufügung würde nur eine Abschwächung bedeuten: In dem Aufsatz „Die Nationalsozialisten und ihre Versprechen" heißt es: „Die Nationalsozialisten behaupten mit der ihnen eigentümlichen Kühnheit, keine Wahlversprechungen gemacht zu haben. Das Gegenteil müßte ihnen erst nachgewiesen werden. Der Nachweis dafür sei hier gebracht: Wenige Tage vor der letzten Stadtratswahl haben die Nationalsozialisten einen Wahlaufruf in Massen zur Verteilung gebracht, in dem eine Menge Thesen aufgestellt waren, die den Wählern und Wählerinnen Koburgs kundtun sollten: „Was werden wir Nationalsozialisten für Euch tun?" Schon durch dieses Vorwort erhalten die nachfolgenden Sätze den Charakter von Versprechungen. Es wäre deshalb lächerlich, wenn diese 24 Thesen heute nicht als Versprechungen anerkannt würden . . . Dadurch, daß sich die Nationalsozialisten so voll Anmaßung und Aufgeblasenheit als die einzigen Verfechter von Idealen aufwerfen, wollen sie die anderen^ Parteien ausnahmslos und ganz bewußt herabsetzen. Wie menschlich es aber auch bei ihnen selbst Zugeht, haben sie ja schon in den ersten Tagen und Wochen nach der Wahl bewiesen. Obwohl sich die nationalsozialistischen Stadträte feierlich verpflichteten, keine wirtschaftlichen Vorteile seitens der Stadt anzunehmen, hat Stadtrat Schwede sich in das Beamtenverhültnis überführen lassen, hat Stadtrat Faber die Führung eines Prozesses für die Stadt nach der Wahl angenommen, hat Stadtrat Bernhard trotz vertraulicher Kenntnis der Absicht der Stadt, ein Grundstück zu erwerben (er war an der Beschlußfassung selbst beteiligt), dieses Grundstück, nachdem der Verkäufer den Preis der Stadt gegenüber herabgesetzt hatte, für sich selbst gekauft, hat Stadtrat Streng einen Lieferungsvertrag von der Stadt angenommen. Man wag über diese Vorkommnisse im einzelnen verschieden urteilen. Zum Teil sind sie jedenfalls sehr bedenklich. Berücksichtigt man aber die Versprechungen dieser Parteivertreter, dann erscheinen sie in einem sehr fatalen Licht. Man sieht eben auch hier wieder, daß auch die Nationalsozialisten ganz biedere, egoistische Menschenkinder sind. Wenn sie schon bei der ersten Versuchung Umfallen, dann kann man ihre Versprechungen und feierlichen Versicherungen wahrlich nicht mehr ernst nehmen. Was ist von den Nationalsozialisten zu erwarten? Die Nationalsozialisten stellen es bei jeder Gelegenheit in den Vordergrund, daß einzig und allein sie befähigt und in der Lage sind, uns aus den Noten der heutigen Zeit zu erretten. Dabei stützen sie sich lediglich aus Program mpunkte, die sie den nationalen Parteien entliehen und in neue Schlagwörter umgeprägk haben. Allerdings haben sie noch einige neue Schlager in ihr Programm ausgenommen, die auf alle unklaren, impulsiven und sich bedrängt fühlenden Gemüter Eindruck machen können. Ihre Verwirklichung sollen diese Schlager finden in dem Nebel- und Phantasie-Land: dem dritten Reich. Letzten Endes kommt das Spezialprogramm der Nationalsozialisten auf nichts anderes hinaus als auf eine jedem Gerechtigkeitssinn hohnsprechende Jrrderrhetze und die dem Wahnsinn entsprungene Idee der Abschaffung der Zinsknechtschaft und eine Sozialisierung größten Umfangs. Allen denjenigen, die sich nicht von den glänzenden, von hohem Pathos getragenen und allein an Gefühle der Sehnsucht nach „etwas" Besserem richtenden Reden der Nationalsozialisten verleiten lassen und einmal ruhig und ernsthaft überlegen, was diese Leute erreichen und von ihren Versprechungen erfüllen können, wird es klar sein, daß sie da nicht mittun können. . . . Wem sein Vaterland liebist, der hält sich von solchen Ideologen und Schwärmern Zurück. Solange die Nationalsozialisten in einer unbedeutenden Minderheit sind, können sie mit ihrem ermunternden Trommeln und Pfeifen wohl auch Gutes wecken. Kämen sie aber zur Macht, dann würden sie zum Unglück des deutschen Volkes werden." * Dem Aussatz „Die Katastrophenpolitik der Nationalsozialisten" entnehmen wir: „Den Nasoisten — so wollen wir in korrekter Abkürzung die Nationalsozialisten künftig nennen — ist die Kennzeichnung ihrer Politik gewaltig aus ihre reizbaren Nerven gefallen. Was die Nasoisten betreiben, ist zwar eine „schwungvolle" Politik, aber nicht nur das, sie ist vor allem eine Katastrophenpolitik. Aller Wahrscheinlichkeit nach sind sie sich dessen auch bewußt. Da sie den Karren nicht aus dem Dreck herausziehen können, stoßen sie ihn noch ganz hinein in den Schlamm. Kommt dann die Katastrophe, dann wollen sich die Nasoisten als die Netter aufspielen, lieber das „wie" können wir uns schon heute Gedanken machen, indem wir uns in die Literatur der Nasoisten vertiefen. Es empfiehlt sich dabei aber, kühl zu bleiben und den Verstand nicht mit dem Gefühl durchgehenzu lassen ... Es kommt der Tag der Ernüchterung, da sie sich Wer sich selbst wundern werden. Ern Zeichen von Verworfenheit und'Gemeinheit ist es aber, wenn die Nasoisten in der Kritik durch die Deutschnationalen eine Stärkung der Marxisten sehen und jenen die Schuld an einer solchen Vorwersen. Was können die Deutschnationalen dafür, wenn die Nasoisten Katastrophen- und Wnhnstnnspolitik betreiben. Wer das erkannt hat, der muß der Wahrheit die Ehre geben. Sie mögen ihre Anmaßungen ausgeben und sich nicht mit Fähigkeiten brüsten, die sie nicht haben ..." Gegen die »unverantwortliche nationale Selbstzerfleifchung'. In Ostpreußen ist soeben eine neue Tageszeitung erschienen: der „General-Anzeiger, Tageszeitung für Osterode und das südliche Ost- und Westpreußen". In erfreulichem Gegensatz zu vielen anderen Blättern der sogenannten Generalanzeigerpresse stellt dieser Osteroder General-Anzeiger sein Programm unter der Überschrift: „Ein offenes Wort im voraus" folgendermaßen auf: „Die politischen Kämpfe in unserem Vaterland haben gegenwärtig eine Verschärfung erfahren, deren Auswirkungen man nur mit Besorgnis verfolgen kann. Kaum je zuvor ist die Achtung vor dem politischen Gegner so gering gewesen wie heute. Es gibt keine Verleumdung, Verdächtigung und Behauptung, deren man sich schämte. Der Vorwurf des Vaterlandsverrats, der inneren Unwahrhastigkeit gehört zu den alltäglichsten Beschuldigungen. Eine solche unverantwortliche, nationale Selbstzerfleischung machen wir, wir erklären das frei heraus, einfach nicht mit. Eine Tageszeitung soll der Versöhnung der Gegensätze und der freien Meinungsaussprache der weitesten Bevölkerungskreise dienen und nicht der Entzweiung. Aus diesem Grund schätzen wir den Wert nationaler Arbeit allein danach, inwiefern sie den Wiederaufbau unseres schwer ringenden Vaterlandes fördert. Für national gefährlich halten wir dagegen jede Bestrebung, welche diesen Wiederaufbau aus Persönlichen oder einseitigen Beweggründen verhindert. Unsere neue Zeitung ist — es sei dies ausdrücklich unterstrichen — an keine Partei gebunden. Sie ist durchaus überparteilich! national. Sie bejaht die heutige Staatsform, ohne vor ihren Schwächen oder auch vor Korruptionserscheinungen der Nachkriegszeit die Augen zu verschließen. Sie fühlt sich mit allen Deutschen eines, die für den staatsbürgerlichen Zusammenschluß und die Reinigung unseres Staates und für den Ausbau eines starken, freien und einigen Deutschlands der Zukunft eintreten. Sie erkennt das Gute, das in allen politischen Parteien steckt, an, ohne sich das Recht nehmen zu lassen, das Schlechte, wo es sich immer breitmacht, zu bekämpfen." Hoffen wir, daß das Programm zur Tat werde! iraiM mm 75 Me nü. Der 26. Oktober ist Feiertag in Groß-Berlin. Hamburger, der Senior, wird 75 Jahre. Seht ihr es ihm an? — Dieser jugendliche Feuerkopf hat sich nicht abgekämpft. Mit ganzer Kraft, mit tiefstem Verstände spürt er den Problemen nach. In formvollendeter Kommerzienrat Hamburger, Vorsitzender der Ortsgruppe Charlottenburg des Centralvereins und Haaptvorstandsmitglied des C. V. Art meistert er seine Rede. Sein Wort gilt den Bedrängten, den Hilfsbedürftigen. Nie läßt er sein Ziel außer Augen. Das Ziel ist stets groß gesteckt Trotzdem ist er in der Kleinarbeit unübertroffen. Ein aufrechter Deutscher, die Zierde feines Vaterlandes, das er heiß liebt. Herzlichen Glückwunsch! Stete Gesundheit! Noch ungezählte Jahre seien dir beschieden. Bruno Glaserfeld.

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