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Central-Verein-Zeitung · 1929-10-25 · 43 (25.10.1929) · p. Seite 575

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
43 (25.10.1929)
Date
1929-10-25
Page
Seite 575 (sequence 3)
Language
German
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Sind das wirklidi Hilters Geldquellen? Das angesehene Zentrumsblatt, der „Badische Beobachterdruckt in seiner Nr. 279 vom 10. Oktober unter der Ueberschrift ,,Woher kommt das Geld?et nachstehenden Aufsatz ab, der wichtige Enthüllungen über jene Kreise macht, denen die nationalsozialistische Bewegung ihre Gelder zu verdanken haben soll. Die Verantwortung für die Richtigkeit der Angaben muss dem badischen Blatte überlassen bleiben. „Im ,Volksfreund* Nr. 234 wird unter dem Titel „Etappe Hitler-Nazisozi, Kapitalisten und Hakenkreuzler" allerhand Interessantes über die Wege mitgeteilt, auf denen die Hitler-Bewegung finanziert wird. Denn das ist doch klar, daß sie nicht aus der Organisation selbst stammen. Wir sind in der angenehmen Lage, hierzu einige Ergänzungen zu liefern. Fest steht, daß die Bewegung ohne die erheblichen Geldspenden einzelner Personen, wie der Baronin von Seydkitz und der Fabrikbesitzerin Landes in München, des Guts- und Fabrikbesitzers Prinz . Prosper Von Arenberg, in den Büchern Prinz „K." genannt, eines Generaldirektors Wacker und anderer, nicht in der Lage gewesen wäre, den hohen Geldanforderungen für Propaganda, Partei und Sturmabteilungen zu genügen. In der Sturmabteilung allein waren über 30 festbesoldete Offiziere tätig, die ihre Bezüge von 300 bis 130 Schweizer Franken vorn Januar bis Dezember 1923 in Devisen ausbezahlt erhielten. Also während die Parteigenossen bei den Nationalsozialisten an den Folgen der Inflation litten, haben die Herren Sturmtruppoffiziere mit Schweizer Franken gut leben können. „Für militärische Zwecke" waren bei der Sturmabteilung nicht weniger als vier große Personenwagen, zwölf Lastkraftwagen und zehn große Motorräder. Das kostete alles viel Geld. Nun hatte Hitler einen „Geschäftsführer" namens Amann, den er als für ihn unentbehrlich bezeichnete, weil er besonders fähig war, die schwierigen Finanzprobleme der Partei zu lösen. Das Geld wurde in der Hauptsache aus dem Auslande beschafft. Ein Dr. Gaus;er verhandelte mit Schweizer Geldgebern, der Münchener Kunsthändler Hanfstengel mit den Amerikanern, ein Ingenieur Jung und Dr. Krebs mit solchen aus der Tschechoslowakei. - In Holland hat der Universitäts- Professor Dr. Freiherr von Bissing Gelder für die Hitler-Bewegung gesammelt. Man war dabei sehr vorsichtig. Der Briefwechsel erfolgte nur unter Deckadresse. Auch wurde der Name Hitler niemals genannt: Er hies; in den Briefen immer nur ,,Wolfs". Dr. Ganßer, der sich monatelang in der Schweiz aufhielt, hat dort enorme Geldmittel aufgetrieben, die vorzugsweise von einem Herrn von Kleist in Zürich hereingebracht wurden. Mittelsmänner waren weiter ein Fabrikbesitzer Hundhansen in Zürich und ein Dr. Lindt in Bern, ferner der Vorsitzende der Arbeitslosenzentrale Zürich, Michon, der auch mit den Vaterländischen Verbünden in München und Berlin in Verbindung stand. In einem der Briefe, die immer unter Deckadresse gingen, schreibt Dr. Ganßer an den Geschäftsführer Hitlers, Amann: „Es ist mir nun geglückt, Interessenten zu finden, die einen Betrag von 30 000 bis 3 5 000 Franks zur Verfügung stellen wollen, der erst nach vollzogenem Putsch zurückzuzahlen ist. Zu diesem Zweck ist es aber unbedingt erforderlich, daß Wolfs (Hitler) selbst hierher kommt, und zwar auf denselben Wegen wie das letzte Mal." Hitler ist nun tatsächlich in den letzten Oktobertagen 1923 nach der Schweiz gefahren und hat den für die damaligen In flationsverhältnisse riesigen Betrag von 33 000 Franken erhalten. Eine Abrechnung über die Verwendung dieser Schweizer Gelder hat nicht mehr stattgesunden, aber wegen der Rückzahlung kam es zu einem großen Krach. Angeblich ist nämlich ein Teil dieses Geldes Sammlungen entsprungen, die der Evangelische Bahn frei für den inneren Frieden! Eine überfüllte C. D.-Kmrdgebung in Groß-Berlin. Wir deutschen Juden lehnen es ab, den nationalsozialistischen Radau-Antisemitismus mit den gleichen Waffen zu bekämpfen. Wir ziehen es vor, durch die Verbreitung der Wahrheit dem Zerstörenden Einfluß hemmungslosen Radikalismus entgegenzuwirken, und wir haben mit diesem Vorgehen erfreuliche Erfolge erzielt. Ueberall begrüßen es vornehm gesinnte christliche Mitbürger aller Stände, wenn ihnen Gelegenheit gegeben wird, sich über brennende Fragen des deutschen Volkslebens auszusprechen, Zweifel zu äußern, Rede und Gegenrede zu hören. Der Landesverband Groß-Berlin des Centralvereins veranstaltete einen derartigen Ausspracheabend am Montag, den 21. Oktober in der Aula des Steglitzer Gymnasiums. „Die Ueberbrückung der konfessionellen Gegensätze durch Erziehung zur Volksgemeinschaft" war als Thema gestellt. Der Einladung waren etwa 400 Personen, darunter mehr als vier Fünftel Christen, Männer und Frauen der verschiedensten politischen Richtungen, gefolgt. Nach einer Eröffnungsansprache des Vorsitzenden des Landesverbandes, Dr. Bruno Glaserfeld, über den Sinn derartiger Veranstaltungen legte Pfarrer Bleier vom Standpunkte der christlich-protestantischen Ethik, die in allen Menschen Brüder sieht, sein Bekenntnis zur Volksgemeinschaft gegen Konfessions- und Klassenhaß ab. Der katholische Rektor Kellörmann verlangte als zweiter Redner die Entpolitisierung des konfessionellen Kampfes. Der konfessionelle Gegensatz sei weder ein politischer noch ein nationaler; das habe der Krieg mit seinen Opfern von Angehörigen aller Konfessionen klar bewiesen. Nur die Volksschule könne die Gegensätze überbrücken; Voraussetzung für die Erziehung zur Volksgemeinschaft sei aber die Erziehung der Erzieher zum Volksgedanken. Kellermann trat für eine konfessionell-katholische Schule ein, deren Ideal es sei, alle Kinder zu Toleranz im Geiste des Katholizismus zu erziehen. Nach den beiden Rednern, die vom konfessionellen Standpunkt aus die Volksgemeinschaft verlangten, begründete Lehrer Raet * t e l als Vertreter des deutschen Lehrervereins die Notwendigkeit der Erziehung zur Volksgemeinschaft von dem Gedanken des Volks st aates aus. Aus der gesamten Kulturlage der Gegenwart und aus der besonderen Struktur unseres heutigen Staates fordern die deutschen Volksschullehrer eine allgemeine Volksschule im weitesten Sinne, vom Kindergarten bis zur Universität, denn nur eine solche könne alle Gegensätze überbrücken Bund veranstaltet hatte und die für Notleidende aller Kulturschichten Deutschlands bestimmt waren. Die „Spendenlisten" weisen eine ganze Reihe von Schweizer Namen aus, die hier nicht interessieren. Interessanter ist, daß der schon genannte Kunsthändler Hanfstengel mit einem M. Blake, einem Pressechef von Ford, in Verbindung stand und von dielen Stellen Gelder für die Hitler-Bewegung empfing. In der Tschechoslowakei waren es die Großindustriellen v. Dnschnitz, v. Art- Haber und Direktoren der Skoda-Werke, die der Hitler-Bewegung enorme Summen zur Verfügung stellten. Im Inland waren drei Hauptgebiete für die Geldbeschaffung bzw. Sammlung vorhanden, nämlich Bayern und Norddeutschland, Württemberg und Baden. In Bayern haben u. a. Rittergutsbesitzer Major a. D. v. Douglas, Negierungsrat Panzerbieter, Admiral Bollertum, Geheimrat Kuhlo und Geheimrat Aust, ferner Dr. Scheubner- Richter der Bewegung riesige Beträge zur Verfügung gestellt. In Sachsen waren es besonders Geheimrat Philipps, ein Großindustrieller, Fabrikbesitzer Küchenmeister, welche die Nationalsozialisten mit Geldmitteln unterstützten. Ein besonders eifriger Sammler war Hellmuth v. Mücke, der jetzt der Partei den Rücken gekehrt hat. Diese wenigen Angaben beweisen, daß die Hitler-Leute es sehr gut miteinander vereinbaren können, in den Versammlungen und in ihrer Presse gegen die „Kapitalisten" loszuwettern und sie gleichzeitig recht kräftig zur Unterstützung ihrer Bewegung in Anspruch zu nehmen. Daß die Hitler-Bewegung mit Auslandsgeldern sich erhalten ließ, und daß man sich dort nicht scheute, Gelder zu verbrauchen, die für Notleidende bestimmt waren, ist ebenfalls recht bezeichnend." und zur vollständigen Gemeinsamkeit erziehen. Unwissenheit und mangelnde Kenntnis der anderen ist nach Ansicht von Rabbiner D r. Winter eine der wichtigsten Ursachen des Vorurteils und des Hasses gegen die Juden. Er forderte deshalb alle nichtjüdischen Hörer auf, sich einmal auch mit der Ethik des Judentums zu befassen und eine Synagoge auszusuchen, um zu sehen, wie Judentum und Christentum in gleichen sittlichen Gedanken wurzeln. Mit einem warmen Bekenntnis zum deutschen Vaterlande schloß er seine von Freunden und Gegnern gleichermaßen herzlich aufgenommene Rede. In der Aussprache wurden zahlreiche Fragen aufgeworfen, zu deren eingehender Beantwortung leider die Zeit nicht mehr ausreichte. Ein deutschnationaler Stadtverordneter bekannte sich u. a. offen zu den Gedankengängen der Redner und lehnte, gleich den anderen Diskussionsrednern, den politischen Radikalismus von links und rechts, der zur Volksverhetzung statt zur Volksgemeinschaft führt, ab. Wenn auch sicherlich nicht alle Zweifel mancher Versammlungsteilnehmer ausgesprochen wurden, so hinterließ doch die Versammlung den Eindruck, daß manche in ihrer Ansicht Schwankenden von der Sinnlosigkeit des Judenhasses überzeugt, manche Gegner bekehrt worden sind. Allgemein wurde dem Centralverein der Dank dafür zugesprochen, daß er mit derartigen Veranstaltungen einen neutralen Boden zu überparteilicher Aussprache schaffe und so der Entgiftung der politischen Atmosphäre und der Schaffung des inneren Friedens diene.

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