Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 50 (13.12.1929)
- Date
- 1929-12-13
- Page
- Seite 669 (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/2277379-2277833-2277883--05686-2286435- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
OCR text
Sitte. Um nun doch zu zeigen, daß da8 Grub besucht worden ist, legte man häufig, namentlich am Todestage, ein SLeinchen auf den Grabjtetn. Dabei rührte aber wahrscheinlich diese Sitte von einem uralten Brauch her, als die Toten noch nicht in umfriedeten und besonders geschützten „Totenäckern" oder „Friedhöfen", sondern aus freiem Felde vereinzelt beigesetzt wurden. Da hat man dann zum Schutze des Toten gegen aasfressende Tiere das Grab mit Steinen beschwert, und es galt demgemäß als Liebesdienst, durch weitere Anhäufung von Steinen den Grabhügel Zum Schutze des Toten zu erhöhen. Ins Gebiet reiner Ammenmärchen sind die solgenden Schauergeschichten zu verweisen uut> nur erklärlich aus einer dem Geheimnisvollen, Gruseligen und Absonderlichen geneigten Bewußtseinsgrundlage, die im Juden den zigeunerhaften Ahasver sieht. So wird vielfach angenommen, der Jude dürfe eigentlich nicht „absterben". Wenn es zum Sterben kommt, versammeln sich deshalb seine Glaubensgenossen, um ihm — das Genick zu brechen. (!) Insbesondere gelte es als schimpflich, am Sabbat Zu sterben. Ein Jude, der am Sabbat stirbt, gelte als großer Sünder und würde deshalb bis zu dem Begräbnis in eine Ecke gestellt. Die oben geschilderte absurde Maßnahme würde deshalb besonders am Freitag vorgenommen, wenn ein Ableben am Samstag zu befürchten - ist. Man sieht, wie der religiöse Brauch, mit den Sterbenden womöglich eine Anzahl von Glaubensgenossen zu versammeln, um die Sterbegebete zu sagen — die Tätigkeit eines „Seelsorgers" im christlichen Sinne ist dem Judentum fremd —umgedeutet wurde, begünstigt durch das Geheimnis, das Sterben und Tod umgibt, sowie durch die allgemeine Anteilnahme an einem Trauerfalle. Dazu kam aus dem Lande, wo früher weitaus die Mehrzahl der Israeliten wohnte, die leichte Beobachtungsmöglichkeit unverstandener Zeremonieller Bräuche, wie z. B. unwesentlicher Abweichungen von dem sonst üblichen Verfahren bei einem Todesfall am Sabbat, um den noch vielfach streng beobachteten Vorschriften der Sabbatheiligung gerecht zu werden. Vielleicht hat in ähnlicher Weise ein früher aus kleinen Plätzen beobachteter Brauch, die ungesäuerten Brote für das Passahsest gemeinsam zu backen und dabei nicht frisch vom Brunnen weg das notwendige Wasser zu holen, sondern — um einer rabbinischen Vorschrift zu genügen — über Nacht gestandenes zu verwenden, in einer untersrünkischen Gegend das ungeheuerliche Gerücht entstehen lassen, die Juden dürften das zur Waschung ihrer Toren verwendete Wasser nicht ausschütten — in Ermangelung von Leichenhäusern findet auf dein. Lande noch heute die Totenwaschung vielfach im Sterbehause statt —, sondern müßten es — die Feder sträubt sich fast, den Unsinn niederzuschreiben — Zum Backen ihrer Mazzen verwenden. Ein anderer für die Mentalität der Masse geradezu typischer Aberglaube ist der, daß der Jude, bevor er gebetet habe, keinen Christen begrüßen dürfe, ja, daß er vielmehr ihn verwünschen müsse, wenn er ihnt des Morgens auf dem Wege zur Synagoge begegne. Wie konnte nun eine derartig ungereimte Meinung entstehen? Auch hier lassen sich zwei erklärende Ursachen feststellen. Zunächst wirkte einmal im Unterbewußtsein nach die das ganze Mittelalter beherrschende Verleumdung, es müsse der Jude in seinen Gebeten Jesus und Maria sowie ihre Verehrer schmähen. Hinzukam, daß die Juden aus dem Lande — vielfach noch heute — die Gebetriemen zum Morgengebet zu Hause an legen und damit über die Straße gehend sich ins Gotteshaus begeben. Da die Gebetriemen auch um den Kops gelegt sind, hat man sich dann gescheut, den Kopf zu entblößen. Es kam wohl auch vielfach vor, daß man unterwegs einen Teil der eigentlich zur Privatandacht bestimmten Gebete murmelte und darum den Gruß als störende Unterbrechung einer gottesdienstlichen Handlung zu vermeiden trachtete. Losdsn ist erschienen: Herbert Eulenbers PALÄSTINA Eine Reise ins gelobte Land. Mit 32 Bildern, in Leinen M.7,50. Rembrandt-Verlas. Berlin-Zehlendorf. Es ließen sich noch ähnliche Beispiele vom Aberglauben breiter Schichten des Volkes über Juden und ihre religiösen Bräuche anführen« Als ich einem christlichen Lehrer, der früher Theologie studiert hatte, von den strengen Vorschriften erzählte, die von den orthodoxen Juden noch heute peinlich beobachtet würden, um ja kein Blut zu genießen (rituelles, das Tier zum raschen Verblutungstod führendes Schlachten, Entfernen der Blutadern aus dem Fleische, eine halbe Stunde langes Wässern des Fleisches, darauf folgend eine Stunde langes Liegen im Salze mit nachfolgendem Abschwenken), erzählte er mir, daß er von Geistlichen die Meinung vertreten gehört habe, daß es in Deutschland zwar wahrscheinlich keine Juden gäbe, die zu rituellen Zwecken Christenblut verwenden würden, daß es aber doch nicht sicher sei, ob es nicht in Rußland (eben wieder das Unbekannte, vom Schleier des Geheimnisvollen Umgebene! Anmerkung des Verfassers.) solche jüdischen Sekten gäbe. Ich begnüge mich mit der Schilderung der angeführten Beispiele. Man begegne mir nicht mit dein Hinweis, daß derartiger Aberglaube doch wohl von den Gebildeten allgemein abgelehnt wird. Denn die praktische Erfahrung zeigt, daß unter der Asche der Kultur und der fortschreitenden Volksbildung noch immer diese Funken mittelalterlichen Volksaberglaubens glimmen, aus denen in vergangenen Zeiten Judenhaß und Judenverfolgung aufloderten. QL Haus jas Jeden anzieht empfiehlt? für1 &hre Bequemlichkeit Haus j oppen Schlafröcke Mollig warmer Flausch \ a Mollig warmer Flausch ja Mark 24.- 19.-.IT," Mark 39.-.j\J,' Hausjoppen Schlafröcke Velour und Flausch, prima schwere Qualität, extra ä Qualität.. Mark 47.- 39.- JLf warm.Mark 57.- Tr^c Hausjoppen Haus-Anzüge Seiden-Damasse, elegante wp in aparten Ausführungen 5 / , Ausführung .. Mark 97.- / 3.” Mark 75.- 57.- .•JO. Leineweber BerlrnC Köllnisdier Fisdimaikt Unser Herbstand Winterkatatog Nr. i9 wird ani Warndt kostenfrei zugesandt. 410