Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 50 (13.12.1929)
- Date
- 1929-12-13
- Page
- Seite 668 (sequence 8)
- Language
- German
- Belongs to
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«6$ ^uöen int Volksaberglauben. von Jakob Slum lNüruberg). In letzter Zeit hörten.wir öfters wieder von den verschiedensten Gerüchten über jüdische Sitten und Gebräuche, die, wechrsäzeinlich hervorgerufen durch die starke antisemitische Welle, besonders auf dem platten Lande kursieren. Dadurch erhalt der nachstehende Aufsatz leider eine gewisse Tagesbedeutung. Die Schrrftleitung. Es ist geradezu schmerzlich immer wieder die Wahrnehmung machen zu müssen, daß trotz aller Aufklärung noch heute weit hinein in gebildete Schichten die unsinnigsten und törichtesten Vorstellungen über das Wesen der jüdischen Religion wie über einzelne jüdischreligiöse Bräuche herrschen. Die Art dieser auf mittelalterlichen Beschuldigungen und falschen Anschauungen beruhenden Grundeinstellung fand ich vielfach der Scheu verwandt, mit der Kinder die Wohnwagen der Zigeuner und anderer fahrender Leute umstehen, jederzeit zur Flucht bereit und zugleich getrieben von einer lüsternen Neugier, etwas von dem Geheimnisvollen, Grausigen, Versteckten zu erspähen, das sich ihrer törichten Kindermeinung nach im Innern des Wagens übspielen müßte. Ich habe fast zwei Jahrzehnte als Lehrer in kleineren Gemeinden auf den: Lande verbracht und gebe nur solche Dinge wieder, die ich von nichtjüdischen Kollegen und anderen Beamten als „Meinung des Volkes" sowohl in Franken als auch in Schwaben über (zum Teil kaum mehr beachtete) Bräuche aus dem religiösen Leben ihrer jüdischen Mitbürger schildern hörte. Es ist ohne weiteres verständlich, daß unfinnige, an Aberglauben grenzende Auslegungen jüdisch-religiöser Bräuche des Totenkults eine besondere Verbreitung gefunden haben. Bei der Scheu weiter jüdischer Kreise, in christlicher Gesellschaft von jüdischen Dingen überhaupt zu sprechen — auch wenn durch ein aufklärendes Wort viel Gutes gestiftet werden könnte —, sowie bei der mangelnden Kenntnis der Bräuche bzw. ihres Ursprungs in weiten Kreisen der Juden selbst ist es vielleicht notwendig, gerade diese Dinge etwas ausführlicher hier zu erörtern. Sv ist allgemein der Glaube verbreitet, der Jude würde Steine mit in den Sarg bcfommen, damit er bei der Auferstehung bzw. „in jener Welt" gleich Jesus damit bewerfen könnte, ja, man sage dabei den: Toten direkt noch einmal vor: „Wenn du den Gekreuzigten siehst, so vergiß nicht, ihn mit Steinen zu werfen!" Diese Ansicht ist selbst bei gebildeten Christen so verwurzelt, daß es der gesäurten Darlegung der wirklichen Verhältnisse bedarf, um hie mitunter als „selbst beobachtete Tatsache" ack absurdum zu führen. Die aufklärende Schilderung der Vorgänge bei einer jüdischen Beerdigung wird ohne weiteres geeignet sein, die Haltlosigkeit jenes Gerüchts zu erweisen. Es ist närnlich schöner jüdischer Brauch, der bis in die jüngste Zeit hinein beachtet wird, den Angehörigen die Sorge um ein würdiges Begräbnis abzunehmen. Um aber doch den Angehörigen Gelegenheit zu geben, dem Verstorbenen letzte Liebesdienste zu erweisen, so wird der Sarg.; wenigstens auf dem Lande — vor dem Grabe. noch einmal geöffnet, und ein Säckchen wird von ihnen sowie von den Freunden und Bekannten des Toten mit Erde gefüllt und als Unterlage für den Kops beigegeben. Der Brauch, mit irdenen Scherben Augen und Mund zu bedecken, stammt wohl aus der Zeit, in d§r man die jüdischen Toten gleich den christlichen nicht im Sarge, sondern allenfalls auf einem Brette bestattete. Die Scherben sollten dann Mund und Augen vor Verletzungen durch Erdschollen bei Schließung des Grabes schützen. Daß der Brauch auch späterhin beibehalten wurde, hängt mit der schönen, wertvollen symbolischen Ausdeutung zusammen, die man ihm auch weiterhin geben konnte. Das Leben wird im jüdischen Schrifttum gern mit dew „zerbrechlichen Scherben" verglichen. Die Augen, die Späher der Seele, der Mund, der Genießer irdischer -Freuden, die einen urwrsüttlich schauend nach dev Gütern dieser Wett, der andere verlangend, sie auszukosten, werden zuerst mit den Scherben bedeckt, eine einfache symbolische Handlung von gewaltiger Wirkung aus die Teilnehnrer der Beerdigung. In ähnlicher Weise wird übrigens auch der Brauch mißdeutet, ein Steinchen auf dem Grabstein niederzulegeu, zum Zeichen, daß man das Grab besucht hat. Gräberschmuck ist nach den strengen Neligionsvorschriften eigentlich mv Pont. Bei aller bekanntlich sehr weit gehenden Pietät gegen die Toten war doch jede Wertschätzung äußerer Mittel als Ausdruck dieser Ehrfurcht, wie prachtvolle Grabdenkmäler- Blumenschmuck usw. untersagt. Erst die neueste- Zeit bricht vielfach mit der einfachen schönen ^Wlftafche Winkelttausen D«r iMlIabt« «tehttec*« W»lntor«nö Wilhelm Papelbaum BERLIN Rosenthaler Strasse 36 Telephon: Dl, Norden 9289 versendetp.Nachnahmein bekannter laQualitäi Prima Mastgänse M. 1,50 Gänseliesen, M. 2,— Hautfett, dick.M. 1,50 Gänseschmalz, la M. 1,80 garantiert rein ln Dosen ä 5 u. 8 Pfund Inhalt Spolaridi heisst Sic an den Festtagen willkommen. Er hietetlhnen seine weltbekannten ungarischen Spezialitäten, vorzügliche Weine aus der Kgl. Ungarischen Staatskellerei, die beste Zigeunermusik, den angenehmsten Aufenthalt im Hungaria-Restaurant Budapester Strasse 9. Eine Sehenswürdigkeit Berlins. Sichern Sie sich rechtzeitig einen Tisch. Telephon: Bz, Barbarossa 2067. Der elegante Ober-Schuh-a T«tTORN für Theater und Strasse, - in—o gross. Aus wahL in sämtlichen& Filialen der M.PCCH 8: STAMMHAUS*. .. 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