Central-Verein-Zeitung
- Journal
- Central-Verein-Zeitung
- Volume
- 8 (1929)
- Issue
- 49 (6.12.1929)
- Date
- 1929-12-06
- Page
- Seite 649 (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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Sir Bafil Zaharoff -er Mann im Dunkel, war niemals Lu-e! Ein heißer Augusttag des Jahres 1921. Nach langen Debatten über die verschiedensten nebensächlichen Dinge tritt das englische Unterhaus Plötzlich in eine Aussprache über die Orientpolitik ein. Alles horcht auf; denn Fragen des Ostens haben stets das Ohr eines jeden englischen Abgeordneten, weil mit ihnen das indische Problem und damit der Angelpunkt des britischen Reiches zusammenhängt. Im Frühjahr hatten die Griechen eine neue Offensive gegen die Türken eingeleitet mW waren hierbei von den Engländern unterstützt worden. Doch dieser Feldzug führte sie von Niederlage zu Niederlage. Kein Wunder, daß man im englischen Volke über diese Waffenbrüderschaft verstimmt war, kein Wunder, daß man im Unterhause danach fragte, wer die Negierung zu dieser Waffenhilfe veranlaßt habe. In jener Sitzung des Parlaments war es der Abgeordnete Walter Guineß, der zunn erstenmal mit alter Deutlichkeit aus den Berater des Ministerpräsidenten Lloyd George verwies. Er war es, der den Mann, der sich bisher im Dunkel verborgen hatte, der Oeffentlichkeit vorstellte und darauf aufmerksam inachte, daß dieser „mysteriöse Europäer" den Premierminister des britischen Weltreiches auf Abwege führe: Sir Basil Zaharoff. Es ist erklärlich, daß dieser Mann es verstanden hatte, England für den Eroberungskrieg der Griechen zu interessieren. Denn Zaharoff, der diesen Einfluß in England ausübte, war Grieche von Geburt. Man hatte zwar damals schon besonders in Kreisen der Industrie seinen Namen gehört, man kannte ihn auch in Deutschland, vor allem während und nach dem Kriege. Aber das Leben dieses Mannes blieb so verborgen, sein Aufstieg zu einem der mächtigsten Männer Europas, ja zum größten N ü st u n g s i n d u st r i e l l e n der Welt so unbekannt, daß er mit Recht als der „M a n n im D un k el" bezeichnet werden konnte. Wenn wir jetzt Klarheit über den Werdegang Zaharosfs gewonnen haben, dann verdanken wir dies der ausgezeichneten Lebensgeschichte, die N i ch a r d L e w i n s o h n unter dem Titel „D e r M a n n i m D u n k e l" (S. Fischer Verlag, Berlin 1929) vor kurzem veröffentlicht hat. Lewinsohn ist es gelungen, bisher gänzlich unbekanntes Material über diesen mysteriösen Europäer zusammenzutragen. Sein Buch liest sich — wie sollte das bei einem Schriftsteller von dem Range eines Morus anders sein — fesselnd wie ein Roman. Aber das Schicksal dieses Mannes war auch spannend wie das eines A b e n t e u r e r s. Als Sohn eines griechischen Kaufmanns wird Zacharias B a s i l e i o s Z a ch a r o f s in Mughla im kleinasiatischen Anatolien 1849 geboren. Die Familie hieß ursprünglich Zacharias, nimmt aber, nachdem sie durch eine Griechenverfolgung durch die Türken nach Südrußland vertrieben wurde, die russische Namensform Zacharoff an. Als Basileios dann aus der Höhe seiner Macht zum englischen Sir ernannt wird, verwandelt er seinen Vatersnamen in Z a h a r o f s, seinen Vornamen anglisiert er in B a s i l. In Konstantinopel, wohin die Familie überfiedelt, kann Basileios eine englische Schule besuchen, ist aber bald gezwungen, sich auf die verschiedenste Weise durchs Leben zu schlagen. Nach vielfachen Abenteuern lernt er dann in Athen den Inhaber einer Londoner Rüstungsfirma kennen, der ihn zu seinem Vertreter auf dem Balkan macht. Damit war Zaharosfs Laufbahn entschieden. Der russischtürkische Krieg kommt ihm zugute. Ein genialer Coup gelingt ihm: die Verbindung seines Hauses mit Maxim, dem amerikanischen Erfinder des Maschinengewehrs. Als die Maxim-Werke schließlich von Englands größter Nüstungsfirma Vickers aufgekauft werden, verlegt er dorthin seinen Wirkungskreis, er s ch miedet Waffen für die T r i p l e e n t e n t e u n b f in: den Weltkrieg. Am 31. Juli 1914 wird er Kommandeur der französischen Ehrenlegion. Mit Recht weist Lewinsohn darauf hin, daß Basil Zaharoff an den Kriegsgewinnen der Firma Vickers einen sehr großen Anteil hatte und mit dem Reichtum sein Politischer Einfluß gestiegen sei. In allen Ländern ist er heimisch, zu allen Regierungen besitzt er die besten Beziehungen. „Er ist gewohntj im Verborgenen zu operieren, er kennt die Technik und die Wege jener Minierarbeit, die jetzt allenthalben ein wichtiger Teil der hohen Politik wird." Denn so wunderbar es klingt: gerade der Industriezweig, der die Waffen für die heimische Verteidigung schmiedet, ist wie kein anderer i n t e r n a t i o n a l v e r s i p P t. Die Rüstungswerke des einen Staates liefern Waffen an den andern, ohne zu bedenken, daß damit einst das Leben ihrer eigenen Landsleute vernichtet werden könnte. Damit diese Unternehmer, damit vor allem Zaharoff, der als Beherrscher des Vickers-Konzerns zum größten Rüstungsindustriellen der Wett geworden war, Millionen anhäufen konnten, mußten die Völker aufeinander gehetzt werden. Trotz aller Versuche der völkischen Blätter, Zaharoff, diesen typischen Vertreter des internationalen Hochkapitalismus z u m Iudenz u e r n e n neu, bleibt er ein Grieche rein griechischer A b st a m m u n g , der ini Glauben der griechisch-orthodoxen Kirche erzogen wurde. Die Rüstungsindustrie aller Länder ist judenrein geblieben. I ü d i s ch e I n d ust r i e l l e haben den Feinden ihres Staates niemals Waffen gegen ihr Vaterland geliefert. K. Z. Nebersetzung und in trefflicher Ausstattung erschienen. Es bietet eine Lebensbeschreibung unseres großen Propheten, die sich auf die biblische Geschichte und das gesamte jüdische Schrifttum stützt und hie und da mit eigenen Deutungen des Verfassers durchsetzt ist. Von allen Büchern, die das Gemütvolle im religiösen Empfinden des Judentums schildern, muß das Werk von Fleg mit an erster Stelle genannt werden; auf wenigen Seiten. wird hier der ganze Gefühlsreichtum im Denken unserer Vorfahren gezeigt. Immer wieder und wieder kann man in ihm Erbauung, nicht im üblen Sinne, sondern im Sinne der Dichter und Denker der Menschheit finden. Immer wieder können wir Juden Freude an dem, was wir der Menschheit geleistet haben, aus den Seiten dieses Werkes schöpfen. Dieses wirklich hervorragende Buch muß in weitesten Kreisen Eingang finden. Es ist durch die wahrhaft künstlerische GestMung und die Wucht seiner Sprache geeignet, auch aus wenig religiös gestimmte Menschen starken Eindruck machen. * Wenn man sich den gegenwärtigen jüdischen Menschen zuwendet, ihr Werden und ihre Entwicklung verfolgt, so wird man mit nachhaltigstem Interesse derjenigen gedenken, die in schöpferischem Schassen die Menschheit bereichert haben. Hier bietet uns die Lebensbeschreibung, die Professor Franz Oppenheimer unter dem Titel „Mein wissenschaftlicher Weg" erscheinen ließ, Einblick in ein Leben von besondereur Ausmaße. Oppenheimer ist unbestritten ein Führer aus dem Gebiete der Literarischer Spaziergang. Von Ludwig Holländer. Edmont Fleg: „Moses". Piper Franz Oppenheimer: „M e i n Meiner, Leipzig. — „I üdis che s St und Dr. Kirschner. Jüdischer Verlag, bu r g e r Juden im Krieg« In einer ausgezeichneten Festnummer der Logenblätter, die seitens der Großloge für Deutschland vor wenigen Wochen veröffentlicht wurde, ist der Bedeutung des jüdischen Buches für die geistige und sittliche Hebung der Judeuheit gedacht worden. Noch mehr, wie es an dieser Stelle betont werden konnte, sollten in nichtjüdischen und in jüdischen Kreisen diejenigen Werke gewürdigt werden, welche Judentum und Judenheit in Inhalt, Bestrebungen, kurz in dem Gesamtwesen darstellen. Auch hier gilt der Sah: „Wer das Judentum kennen llnd beurteilen will, muß das jüdische Buch kennen." Insbesondere aber müßte derjenige, der zu einer V e r urteilung jüdischen Seins hinneigt, die moralische Pflicht in sich fühlen, die ernsthafte jüdische Literatur kennenzulernen. Es gehört zu den traurigsten Erscheinungen, daß weder die Juden selbst noch ihre christliche Umwelt über das wahre Wesen des Judentums gründlich unterrichtet sind. Was ist als Ergebnis festzustellen? Statt Kenntnisse Empfindungen, statt Eindringen in die Wesenheit Groll, statt Wahrheitsliebe Urteile ohne Grundlage. — Wenn trotz einer gewissen Jnteresfenlosig- ‘ & Co., München. — Professor wissenschaftlicher Weg". Felix! x i k o n." Herausgeber Dr. Herlitz Berlin. — Dr. Urins: „Die H am-; 1914—1918", Selbstverlag. fett das jüdische Buch immer noch Verleger findet, so ist das einer außerordentlichen Opferwilligkeit gerade dieser Kreise zu danken. Das ist wahr, wenn auch viele diese Worte mit Lächeln vernehmen werden. Der Käuferkreis ist meist gering, die Kosten erheblich, an einen Reinertrag ist säst nie zu denken. Das Bedürfnis der Menschen nach geistiger Nahrung wird immer geringer, selten nur regt sich der Wunsch nach Kenntnissen, die das alltägliche Rüstzeug übersteigen. Hier liegt eines der bedrohlichsten Anzeichen für den Niedergang unserer Zeit, ein Gegenstand wahren Kummers für jeden Volksfreund. Darum löst die Masse der Werke, die auf dem Tisch dessen liegen, der Einblick in sie nehmen soll, vielfach eine bedrückte Stimmung aus. So viel Wahrheitsliebe, so viel suchender Geist, so viel Arbeit und für wen? Immer wieder nur für einen Kreis, der viel, viel zu klein ist. Hier einige Ergebnisse gründlicher Prüfung: Der bekannte Franzose Edmont Fleg hat wiederholt mit besonderer Wärme und Innigkeit jüdische Themen behandelt. Sein neuestes Werk „Moses" ist in vorzüglicher