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Central-Verein-Zeitung · 1929-11-08 · 45 (8.11.1929) · p. Seite 604

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
45 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
Seite 604 (sequence 8)
Language
German
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m Wodurch würden sich diese von den anderen unterscheiden? Es würde in ihn er: nur in sephardischcr Aussprache gebetet werden, und jeder, der Zu Tvrah arstgcrufen wird, dürste nur in sephardischec Aussprache die Brachot sagen usw.: geschnobert dürfte in erster Linie nur für den KKL tverden: die Predigt an einem Sabbat und Feiertag mutzte in der Hauptsache die Frage behandeln: Me steht es mit dem Wiederaufbau Palästinas? — Auch mutzte sie Zur größeren Mitarbeit au diesem Wert anseuern; es mutzte ein einheitliches, im ganzen Galuth gleiches Gebet verfaßt werden, dessen Inhalt die Hilfe Gottes für den Palästina-Aufbau erfleht und bei jeder Gebetsverrichtung im zionistischen Gotteshaus gebetet würde. Das sind nur einige Neuerungen, die mir gerade einfallen. Mit der ordnungsmäßigen Gründung von Zionistischen Gotteshäusern in zionistischen Grotzgemeiuden wird Woche aus Woche. Festtag auf Festtag den Andächtigen eingeschärft das elfte Gebot: Du sollst mithelfen am Palästina-Aufbau mit Deiner ganzen Kraft und mit Deines' ganzen Seele! Auch propagandistisch würde diese Gründung wirten: ebenso für die Zionistische Sache wie für das sephardische Hebräisch . . Ein Kommentar zu diesem grotesken Vorschlag ist wohl überflüssig. Merrfchheitspolitik oder Machtpolitik! Die Breslauer „Jüdische Zeitung für Ostdeutschland" veröffentlicht in Nr. 42 einen Leitartikel-des Stettiner Rabbiners Dr. Elk, „Nationale Mission". Dieser Aufsatz gibt ein Bild von dem schweren Kampfe Zwischen dem Willen zum Zionismus und der Furcht, den Glauben an ihn zu verlieren. Diese stinunungmastige Gttuation und der Versuch ihrer Lösung ist Zweifellos charakteristisch für eine ganze Generation junger, intellektueller Zionisten. Elk schreibt: „Es sind reicht die Politischen Schwierigkeiten — oder nicht Zuerst —, die nachdenklich stimmen, sondern die Tatsache, daß wir in dieselbe moralische Gefahr geraten, den Appell an die Gewalt, die Haß- und Kampfpsychose, die wir in Europa auf das härteste verurteilen. Die Reaktion dagegen aber erzeugt ein Gefühl der Resignation, des inneren Verzichts: Gegen Gewalt können wir nicht mit Gewalt arbeiten, die verschlungenen Fäden der Weltpolitik können Nur nicht durch unseren sittlichen Willen entwirren, wir können reden und protestieren, aber was wirken Reden und Proteste in der Welt der Tatsachen?! Diese innerlich resignierte Stimmung, durch die Letzten Ereignisse ins Bewußtsein gehoben, verbindet sich mit der Enttäuschung über die Wirklichkeit der Palästina-Lösung. Auch die Idee des jüdischen Zentrums bietet dem zionistischen Denken nicht wehr den sicheren Rückhalt. Die Natur eines binationalen Staates, eines Gemeinwesens eigener Prägung, wird schwerlich im Linne Ackad Haams Mittelpunkt der Wiedergeburt jüdischer Eigenart und jüdischen Eigenbewutztseins in der gesamten Welt sein können. Heißt das, auf den Zionismus, auf die nationale Idee verzichten? Heisst das, den Zionismus zu einer humanitären Kolonisationsbewegung machen, mit einem neuhebräischen Firnis versehen?" Die Antwort sieht den Ausweg in einer neuen Durchdringung des jüdischen Nationalismus mit religiösen Inhalten: „Die Verbindung ausgelockerter, aus der Erstarrung gelösten religiösen Lebens mit dem nationalen Lebenswillen gibt der Religion die Kraft nach innen und über das Judentum hinaus, gibt rilngekehrt dem nationalen Lebenswillen seinen unverlierbaren, zeugenden Mittelpunkt. Diese Verbindung ZU schassen, ist die geistige Aufgabe unserer Zukunft." Me eine Auseinandersetzung mit dieser A'uffassllng mutet der folgende Aufsatz eines deutschen Zionisten in Palästina an, den die „Jüdische Rundschau" in Nr. 38 veröffentlicht. Moses Ealvarh schreibt unter dem Titel: „Deutsche Juden in Erez Israel" u. a.: „Man predigt uns, daß es nicht gut ist, sich von der Masse sortreißen zu lassen, daß der ein- Zelne den Akut haben müsse, seine eigene Idee Zu betonen, und will nicht sehen, daß jene Ideen von dem reinen Geist doch ebensowenig individuelle Schöpfung derer sind, die sie hier predigen, sondern Ergebnis einer. bestimmten, Zurzeit gemeineuropäischen Stimmung. Was den Mut betrifft, so gehört heutzutage für einen sich einer Verantwortung bewußten Menschen wahrscheinlich sehr viel mehr innerer Mut dazu, sich zu Kampf und Macht zu bekennen als 31t reinem Geist und Pazifismus, Ideen, die aus der Straße lagern. Daß sie auf der Straße lagern, besagt nichts gegen und wenig für sie, aber man soll uns doch nicht eiirreden, daß heute ein besonderes Maß von Sittlichkeit oder geistiger Selbständigkeit dazu gehört, gerade diese Ideen zu vertreten. Gut, mag man mir antworten, für den Grift einzutretcn, Pazifist 31t sein, das ist wirtlich heute für einen Europäer keine besondere Leistung, aber sollte nicht Mut dazu gehören, sich in Erez-Ifrael, mitten in der nationalen Spannung, zu diesen ewigen Werten All bekennen?" Im Gegensatz aber Zu Elk kommt Ealvarh von der gleichen Fragestellung her zu dem Ergebnis, daß es einen Mangel an nationaler Gebundenheit bedeute, wenn in diesen Zweifeln der Menschheitsgedanke triumphiere: „Es gibt Menschen, die nationsgebunden sind, und die doch die Größe haben, in einem Konflikte^zwischen Nation und Menschheit ^sich auf die ^eite der Menschheit zu stellen. ^0 einer war, scheint cs, Jaures, so einer Platon, als er den Gorgias schrieb. Es gilt für die Frage: Nation oder Menschheit dasselbe, was oben zu der Frage: Masse und Geist gesagt ist. Einem deutschen Juden gegenüber habe ich den Verdacht, daß die Deklamation zum Völkerfrieden um jeden Preis ihm darum so leicht fällt, weil es uns an letzter Schicksalsverbundenheit mit unserem Volke seit mehr als hundert Jahren mangelt. So sind wir deutschen Juden nicht nur der Masse und der Partei, auch der Nation sind wir fremd geworden und ihren tiefsten Kräften unzugänglich. . . . Vermutlich haben wir weniger nationale Hemmungen zu überwinden, unsere Nationsgebundönheit ist blasser, lebloser, sekundär. Wir haben eine Neigung, nicht international zu fein, sondern übernational. Diese Menschen wollen nicht sehen, wie schwer unser Problem und daß es logisch unlösbar ist. Man kann ein jüdisches Palästina nur aufbauen mit einem Höchstmaß jüdischer Arbeit; dies bedeutet aber de facto einen Boykott arabischer Arbeit. Die sittliche Schwere dieser Alternative lastet seit Jahren so auf der Arbeiterorganisation wie auf einzelnen national gesinnten Männern bürgerlicher Kreise. Ein Kompromiß aus Kosten der Nation zu schließen ist leicht — für den, dessen nationaler Instinkt gebrochen ist, aber unmöglich für den, der es mit der Nation ebenso ernst nimmt wie mit der Menschheit." Ealvarh lvirst sicherlich mit gutem Grunde gerade den deutschen Juden „nationale" Schwäche vor. Vielleicht liegt in diesem Vorwurf und seiner Berechtigung mehr Anerkennung der Grundgedanken des E. V., als die in der Auseinandersetzung Begriffenen es heute schon wissen können. wenig angemessen! Das soeben erschienene „MittMuttgsblott des Verbandes nationaldeutscher Inden" bringt ein Gedicht „Awischenseld" über Palästina von Hans Neusachs, das die Tatsache, daß auch NichtZwmsten sich an Spenden für Palästina beteiligen, in unschöner Form persifliert. Wir können uns von einem so extremen Standpunkt wie dem der „nationaldeutschen Juden" solche satirische Abwehr in ruhigen Zeiten vorstellen. Me kannstdu Xeigung gewinnen MjtSchuppen im ffaar cderSchinnen? y(mim^(aiJer-$cmx-Shampüon / \fit kannMnicht* $eMered tuni— Sie bei der gegenwärtigen ernsten Lage au Palästina anZnwenden, ist damit sind wir sicher mit allen unseren Freunden einig — Zum mindesten ein starker Verstoß gegen den guten Geschmack. Sucher. Georges Duhamel, „Prinz Dschafsar", deutsch von Erwin Rieger, Rotapfel Verlag, Zürich und Leipzig. Dieses anmutvolle Buch einer Reise burch Tunis ist in der Weise arabischer Erzähler geschrieben: Bilder, lose aneinandergereiht, von Menschen und Dingen, ^liebevoll gesehen, oft mit Humor und leichtem ^Pott, oft mit ergreifendem Ernst geschildert. Geschichten über Geschichten werden erzabtt von der Wüste und dem Sandwind, von der „Insel Dscherba" und dem Olivenöl, der Töpserkunst und den Dichtern, von Gerichtsbarkeit und Gefängnissen, von der Koranschule und der Synagoge Griba, von Weisen und Narren und liebenswürdigen Taugenichtsen, von religiösen Sitten und Unsitten, von Mohammedanern und Juden. Vielleicht eine der feinsten und liebevollsten ist die von der Heimkebr eines jungen, durch westliche Bildung abtrünnig gewordenen Juden zur religiösen Bindung seiner Gemeinschaft. Eine Welt, über der noch der Glanz biblischer Zeiten liegt, steht vor uns auf, eine Freude für den Orientkenner, ein Märchen für den Laien. Gr. A. Emil Bernhard Cohn, „Indischer Jugendlalerrder". Zweiter Jahrgang. Jüdischer Verlag, Berlin. Der erste Jahrgang wurde seines allzu östlichen Charakters und anderer Schönheitsfehler wegen von unserer Seite einstimmig abgelehnt. Mit Genugtuung stellen wir fest, daß der neue Kalender keinerlei Anlaß zu einer solch kritischen Haltung bietet. Nur sollten sich die Herausgeber von Kinder- und Jugendbüchern einmal die Frage vorlegen, ob es aus pädagogischen Gründen ratsam ist, biblische wie überhaupt religiöse Stoffe — im vorliegenden Falle die Josefs-Geschichte — in Gestall von Harlekinaden darzubieten, auch wenn sie den Verfasser nicht dazu zwingen, aus einer peinlichen Situation seine Zuflucht Zu Frau Potiphars Honigtopf zu nehmen. lieber den literarischen Gehalt der Beiträge ist zu sagen, daß er im allgemeinen bem in unseren Jugendfchristen üblichen Standard entspricht. Dagegen steht die künstlerische Ausstattung hinter der des ersten Jahrganges Zurück. —rn, Ilse Herlinger, „Die Geschichte um Mendel Rosenbusch". Erzählungen für jüdische Kinder. Verlag Dr. R. Färber, Mährisch-Ostran. Um die Gestalt des kinder- und menschenfreundlichen Nothelsers Mendel Rosenbusch mit bem wundertätigen Schekel, der»die Eigenschaft der Tarnkappe hat, ranken sich Zehn schlichte, warmherZige Geschichten, in denen das Gute und Brave immer den verdienten Lohn, das Böse seine Strafe findet. Die Kleinen werden an den Erzählungen ihre Freude haben. —-in. Nur Simson-Supra! 12/80 PS. Füt Reise, fl me 7111101*141C CI ffttt Itforffinf 2-, 4- und 6sit zig, offen Sport und Beruf. Ifl5i fcUVCI»fI«WIfl5 Wogl»«* nncl*gesch!ossen. Waffenfabriken Simson & Co., flbt.flulomobilfabriksn, Suhl i.Thür.

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