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Central-Verein-Zeitung · 1929-11-08 · 45 (8.11.1929) · p. Seite 605

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Journal
Central-Verein-Zeitung
Volume
8 (1929)
Issue
45 (8.11.1929)
Date
1929-11-08
Page
Seite 605 (sequence 9)
Language
German
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Ludwig Stein. Zit seinem siebzigsten Geburtstag am 12. November 1929. Am 1?*, November begeht Professor Dr. Ludwig Stein, seinen siebzigsten Gebartstag. Bei jedem, der ihn kennt, ihn aus der Rednertribüne gesehen und gehört hat, ohne etwas von seinem Geburtsdatum zu wissen, wird man mit der Mitteilung dieses seines Jubiläums auf Unglauben stoßen. Die Lebendigkeit, der „Elan vital“, um ein Wort des Philosophen Bergson zu Zitieren, ist in diesem Manne so stark, feine geistige it ub körperliche Elastizität so groß, daß man ihn kaum aus sechzig Jahre einschätzen möchte. Und diese ungebrochene Rüstigkeit und Unermüdlichkeit seines Wesens, dieser Tätigkeitswille, der selbst im hohen Alter von keinen: gemächlichen Ausruhen weiß, ist auch für seine philosophische Arbeit charakteristisch; sie verleiht seinem Denken die Struktur und den Typus. In einer Schrift, die vor vier Jahren im Philo-Verlag erschien: „Die Juden in der Philosophie der Gegenwart" hat er Zum Schluß, nach einer lehrreichen Revue über die philosophierenden Juden unseres Zeitalters, sein eigenes philosophisches Glaubensbekenntnis als „energetischen Optimismus" bezeichnet und in den folgenden Sätzen dargelegt: „Wir wollen nicht ausspannen, sondern anschirren. Wir blicken nicht mit elegischer Gebärde und brechendem Blick rückwärts in die Längstvergangenheit, sondern mit Augen voll sieberhaster Erwartung vorwärts in die entfernteste Zukunft, ins Morgenrot nngemessener Vollkommenheit . . . Wir langen nicht nach der Bettelsuppe der Untätigkeit, sondern wir lechzell nach Taten. Wir sprühen und blitzen vor Energie und Unternehmungslust. Die welthistorische Aufgabe der Messias-Idee besteht darin, diesen energetischen Optimismus der Menschheit Zu erhalten." Diese Worte sind zugleich ein philosophisches und ein jüdisches Bekenntnis. Das Wesen der jüdischen Religion ist nicht Kontemplation, nicht mystische Versenkung und Auslösung, sondern Wollen und Tun. Und wenn Ludwig Stein das Wesen der Gottheit als Kraftquelle und Energiezentrum des gesamten Daseins umschreibt, so bezeichnet auch das seine Verwurzelung mit dem Geiste des Judentums, dessen einig-einziger Gott der Gesetzgeber, der Imperativ der richtigen menschlichen Handlung ist. Und in der gleichen Linie der jüdischen Religiosität liegt Ludwig Steins in immer neuen Wendungen ausgesprochenes Bekenntnis zum Messianismus der Propheten, sein Glaube an die „Gesellschaft der Nationen" auf der höchsten Ebene des Ideals der Gemeinschaft, der Einheit des Menschengeschlechts. Ludwig Stein ist sich dieser seiner seelischen Verwurzelung im Judentum stets bewußt gewesen und mit einem Bekennermut, der nicht alltäglich ist, hat er diesen Zusammenhang offen, freimütig und weithin vernehmbar zum Ausdruck gebracht. Indem er die Aktivität des Willens als die Bestimmung des Menschen rrnd den Aufstieg der Menschheit in der Richtung aus das biblische Ideal des messtanischen Zeitalters verkündete, hat er der Philosophie und zugleich dem Judentum gedient; er hat den Wesensgchalt der jüdischen Religion in die Sprache der zeitgenössischen deutschen Philosophie übertragen. Ludwig Stein habilitierte sich im Jahre 1886 als Privatdozent der Philosophie an der Universität und dem eidgenössischen Polytechnikum in Zürich. Drei Jahre später wurde er Professor, und im Jahre 1891 berief ihn die Universität Bern aus den philo¬ <$. Grosse» Spezial haus für feine Herren-Wäsche, Trikolggrn usw. BERLIN W FERNSPRECHER; CKÄRLOTTENSTRASSE65 MERKUR 6330 sophischen Lehrstuhl als Nachfolger von Moritz Lazarus, dem Verfasser der „Ethik des Judentums". Zwanzig Jahre lang hat Stein als philosophischer Lehrer in der Hauptstadt der Schweizerischen Eidgenossenschaft gewirkt. In: Jahre 1910 verließ er die Berner Universität und übersiedelte nach Berlin, wo er als Mitarbeiter der „Vossischen Zeitung" und der „B. Z. am Mittag" eine ausgebreitete journalistische Tätigkeit ausübt. Gleichzeitig hat er seine unermüdliche Arbeitskrast der jüdischen Wissenschaft und Literatur freigebig zur Verfügung gestellt. Li-D. Aum Toüe Professor Kbp Marburgs (Hamburg). Vor kurzem erlag Aby Marburg, der Bruder Max M. Marburgs, einem Herzschlage. Professor Aby Marburg, ein ausgezeichneter Kenner der Kunst und Kulturgeschichte, war eine Persönlichkeit, in der sich weltumspannender Forschergeist und unbestechlicher Tatfachenfinn einzigartig verbanden. Sein großes Ziel war, die kulturgeschichtlichen Zusammenhänge verschiedener Zeiten und Länder aufzudecken, und insbesondere verfolgte er mit glänzendem Erfolg die Wanderung der kulturellen Bestandteile vom alten Prima, OII. Auch Damen. Höhere £FlvIIIIC Vorb.-Anft. Weigel. Freiburg i. dr. Wissensch., hauswirtsch. u. gesellfch. 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